Der Beobachter
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Charlotte Link - Der Beobachter
Fesselnd, abgründig, raffiniert

Er beobachtet das Leben wildfremder Frauen. Träumt sich an ihre Seite, in ihren Alltag. Identifiziert sich mit ihnen und will alles von ihnen wissen. Als Beobachter. Auf der Flucht vor seinem eigenen Dasein, das aus Misserfolgen besteht. Nur aus der Ferne liebt er die schöne Gillian Ward. Die beruflich erfolgreiche Frau, glücklich verheiratet, Mutter einer reizenden Tochter, wird von ihm über die Maßen idealisiert. Bis er zu seinem Entsetzen erkennt, dass er auf eine Fassade hereingefallen ist. Denn nichts ist so, wie es scheint. Gleichzeitig schreckt eine Mordserie die Menschen in London auf. Die Opfer: alleinstehende Frauen. Auf eine rachsüchtige, sadistische Weise umgebracht. Die Polizei sucht einen Psychopathen. Einen Mann, der Frauen hasst.

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Interview mit Charlotte Link

Frau Link, Sie haben neben Spannungsromanen bereits Liebesromane und historische Romane verfasst. Woher nehmen Sie die Ideen zu einem Buch? Und wissen Sie von Anfang an beispielsweise: »Das wird jetzt ein Krimi«?
Charlotte Link: Liebesromane habe ich noch nie geschrieben, weil mich Liebesromane langweilen. Historische Romane habe ich in den achtziger und frühen neunziger Jahren geschrieben. Danach nur noch Spannungsromane - das Wort "Krimi" gefällt mir in diesem Zusammenhang nicht so gut, weil (...)

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Charlotte Link: Hörbücher und Bücher

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Artikel 1-10

Bestsellerautorin Charlotte Link

Charlotte Link, geboren 1963 in Frankfurt/Main, ist die erfolgreichste deutsche Autorin der Gegenwart. Ihre psychologischen Spannungsromane, zuletzt »Das andere Kind", sind internationale Bestseller. Allein in Deutschland wurden bislang rund 15 Millionen ihrer Bücher verkauft; sie sind in zahlreiche Sprachen übersetzt. Die TV-Verfilmungen, u. a. »Das Haus der Schwestern« und »Die Rosenzüchterin«, werden vom ZDF mit jeweils sehr hohen Einschaltquoten ausgestrahlt. Charlotte Link lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Frankfurt/Main.

Interview mit Charlotte Link

Frau Link, Sie haben neben Spannungsromanen bereits Liebesromane und historische Romane verfasst. Woher nehmen Sie die Ideen zu einem Buch? Und wissen Sie von Anfang an beispielsweise: »Das wird jetzt ein Krimi«?

Charlotte Link: Liebesromane habe ich noch nie geschrieben, weil mich Liebesromane langweilen. Historische Romane habe ich in den achtziger und frühen neunziger Jahren geschrieben. Danach nur noch Spannungsromane - das Wort "Krimi" gefällt mir in diesem Zusammenhang nicht so gut, weil in meinen Büchern das Ausloten der Psyche aller beteiligten Figuren im Vordergrund steht, nicht die reine Verbrechensermittlung wie im klassischen Krimi. Im Moment habe ich keinen Wechsel im Genre geplant, von daher steht die Art des Buches immer schon von vorneherein fest.

In vielen Ihrer Spannungsromane thematisieren Sie menschliche Untiefen wie Hass, Unmenschlichkeit, Frustration, Schuld. Was fasziniert Sie an diesen Abgründen? Glauben Sie, dass jeder Mensch hinter seiner Fassade solche Abgründe verbirgt?

Charlotte Link: Ich würde nicht sagen, dass es immer "Abgründe" sind, die sich hinter Fassaden verbergen. Aber es ist interessant, hinter Fassaden zu blicken, denn irgendetwas findet man dort auf jeden Fall - und wenn es das überraschend inhaltsleere Dasein eines Menschen ist, dessen Darstellung nach Außen zunächst vielversprechend erschien. Das kann mich genauso faszinieren wie ein "Abgrund". Die Diskrepanz ist das Interessante. Und dann die Frage: Aus welchen Gründen stellt sich ein Mensch auf diese oder jene Weise dar?

Sie haben vor ihrem großen Erfolg als Schriftstellerin Jura studiert. Wenn Sie sich beim Schreiben mit dem Thema Schuld befassen, fließt dann manchmal auch unbewusst die Juristin mit ein? Und denken Sie als solche, dass die oft komplexe Frage nach der Schuld eigentlich wirklich beantwortet werden kann?

Charlotte Link: Die Juristin fließt insofern schon ein, als auffallend viele Figuren in meinen Romanen einen juristischen Beruf haben. Das liegt zum einen daran, dass ich mich in dem gesamten Bereich durch mein eigenes Studium wie auch durch das Vorhandensein zahlreicher Juristen in meiner Familie einigermaßen auskenne. Zum anderen lebe ich darüber ein bisschen diese unerfüllte Liebe aus - denn ich hätte mir eine Laufbahn als Anwältin auch sehr gut vorstellen können.
Die Frage nach der Schuld ist in vielen Fällen nur schwer oder kaum oder zumindest in irgendeinem letzten Winkel nur unbefriedigend zu beantworten. Gerade im "anderen Kind" spielt das Thema ja eine große Rolle. Dort geht es vor allem um die Schuld, die nicht vorsätzlich herbeigeführt wird, sondern in die sich Menschen aufgrund unglücklicher Umstände, aufgrund von Fehlentscheidungen aber auch als Opfer ihrer eigenen Schwächen und Unzulänglichkeiten verstricken. Mit juristischen Maßstäben sind da kaum Urteile zu fällen.

Ihr Roman »Das andere Kind« handelt neben dem eigentlichen Mordfall in einem zweiten Handlungsstrang auch von der »Kinderlandverschickung« während des Zweiten Weltkriegs. Was hat sie dazu gebracht, dieses Thema in Ihre Geschichte einzubauen?

Charlotte Link: Es geht um die Verschickung Londoner Kinder während des Bombardements im zweiten Weltkrieg. Vor vielen Jahren las ich den Bericht einer Frau, die als Kind selber aufs Land geschickt worden war. Sie beschrieb ihre Erfahrungen sehr eindringlich und bildhaft, und ich begann mich daraufhin in das Thema zu vertiefen. Einige Kinder damals erlitten schlimme Schicksale, viele kehrten verstört oder sogar traumatisiert später zu ihren Familien zurück. Aber kaum jemand hat sich mit ihren Geschichten wirklich beschäftigt. Ich sah hier ein interessantes Potential für einen Roman.

Einige Ihrer Figuren in »Das andere Kind« sind unglückliche, zutiefst unzufriedene Menschen. Was glauben Sie, hat man das eigene Glück wirklich selbst in der Hand oder ist man gefangen durch Familienkonstellationen, Herkunft u.a.?

Charlotte Link: Unbestreitbar spielen Herkunft und die Konstellationen, unter denen wir aufwachsen, eine wesentliche Rolle für die Gestaltung unseres Lebens. Wir starten nun einmal nicht alle unter den gleichen Bedingungen und mit denselben Chancen. Aber das heißt ja noch nicht, dass es keinerlei Handlungsspielräume gibt. Für mich als Autorin ist dabei dann wieder Frage wichtig: Wer schafft es, sein eigenes Schicksal positiv zu steuern, selbst wenn die Vorzeichen denkbar schlecht waren? Was genau befähigt ihn dazu? Und was fehlt einem anderen, dem das nicht gelingt?

Viele Ihrer Romane spielen in England. Was bedeutet dieses Land für Sie?

Charlotte Link: Ich werde immer wieder nach meiner Vorliebe für England gefragt, und mir fällt es oft schwer zu ergründen, was genau mich dorthin zieht. Inzwischen glaube ich, es hat viel mit der Sprache zu tun. Ich höre Engländern gerne zu, wenn sie reden. Über die englische Sprache kann ich intensivere Bilder entwickeln als über die deutsche Sprache - in der ich mich selber aber natürlich viel differenzierter ausdrücken kann.

Man liest über Sie, dass Sie während des Entstehungsprozesses eines Romans sehr diszipliniert und stringent arbeiten. Für was lassen Sie auch mal die Disziplin und die Arbeit schleifen?

Charlotte Link: Für meine Tochter, für meine Tiere. Schönes Wetter kann mich ebenso vom Schreibtisch wegziehen wie ein spannendes Buch. Eigentlich alles, was Genuss verspricht. Meine Disziplin ist manchmal sehr schwer erkämpft.