Leben in einer Doppelrolle
Deutschland im Jahre 1485. Für die junge Jüdin Lea endet ein Jahr der Katastrophen, denn ihr Vater und ihr jüngerer Bruder Samuel kamen bei einem Pogrom ums Leben.
Um das Erbe ihres Vaters und damit ihr Überleben und das ihrer Geschwister zu sichern, muss Lea sich fortan als Samuel ausgeben. In ihrer Doppelrolle drohen ihr viele Gefahren, nicht nur von christlicher Seite, sondern auch von ihren Glaubensbrüdern, die ''Samuel'' unbedingt verheiraten wollen.
Und dann verliebt sie sich ausgerechnet in den mysteriösen Roland, der sie zu einer mehr als abenteuerlichen Mission verleitet.
Die Goldhändlerin von Iny Lorentz
LESEPROBE
3.
Als das
Flackern verlosch und klamme Kälte durch die Kleider biss, kauerten Lea,
Gretchen und Rachel eng aneinander geschmiegt auf der Treppe, dem einzig
sauberen Ort in dem feuchten Gewölbe, und kämpften mit der Angst, die durch die
nun eingetretene Stille und die undurchdringliche Schwärze um sie herum
verstärkt wurde. Als oben eine
...
Im Jahre 2003 veröffentlichte Iny Lorentz ihren ersten historischen Roman: „Die Kastratin“. Es folgten in rasantem Tempo weitere Titel, darunter Bestseller wie „Die Wanderhure“, „Die Feuerbraut“ und „Die Tochter der Wanderhure“. „Ganz nebenbei“ verfasst Iny Lorentz noch unter verschiedenen Pseudonymen Fantasy-Romane und sogar Heimatliteratur.
Bevor der Leser sich ob dieses Fleißes nun allzu sehr wundert, sei verraten:
...
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Iny musste die Arbeit nicht allein erledigen, ihr Mann Elmar war und ist immer dabei. „Iny Lorentz“ ist ein Pseudonym, hinter dem sich das Schriftstellerehepaar Iny und Elmar verbirgt. Der Verlag kreierte aus ihrem Vornamen und dem Namen von Elmars Vater den Künstlernamen, kurz und einprägsam.
Iny wurde 1949 in Köln geboren, wo sie die Schule besuchte und eine Ausbildung als Arzthelferin absolvierte. Nach dem Abitur im Abendgymnasium begann sie ein Medizinstudium, das sie aber aus finanziellen Gründen abbrechen musste. Sie wurde Programmiererin und zog 1980 nach München, um bei einer großen Versicherung zu arbeiten. Ihr Ehemann Elmar arbeitete seit 1981 ebenfalls dort. Er ist gebürtiger Bayer und stammt aus einem kleinen Bauerndorf mit gerade einmal fünf Höfen.
Beiden gemeinsam ist die große Leidenschaft für das Geschichtenerzählen. Elmar begann bereits in der Schule mit dem Schreiben, die Religionslehrerin erkannte und förderte sein Talent. Iny veröffentlichte schon in jungen Jahren Kurzgeschichten in Zeitschriften. Schließlich trafen sich die verwandten Seelen in einem Fantasy-Club und heirateten 1982, um von da an alles gemeinsam zu machen, auch das Schreiben. Zunächst arbeiteten sie viele Jahre abends und im Urlaub an ihren Büchern, nach den ersten Erfolgen widmeten sie sich dann ganz dem Schreiben.
Wie schon die Titel verraten (u. a. „Die Goldhändlerin“, „Die Pilgerin“, „Die Löwin“) sind immer Frauen die Hauptfiguren der historischen Romane. Iny und Elmar finden es einfach reizvoll, die „Geschichten von der schwächeren Seite aus aufzuzeigen, und über lange Jahrhunderte stellten Frauen aller Klassen diese schwächere Seite dar“. Man darf jedenfalls hoffen, dass noch viele weitere Geschichten folgen werden...
Kurzansicht
Interview mit Iny Lorentz
Ihr Roman "Die
Goldhändlerin" spielt zur Zeit des Mittelalters. Die Jüdin Lea verkleidet
sich als Mann, um zu überleben. Wie kam es dazu?
Lea gerät
in ein Pogrom, in dem ein Großteil der Familie getötet wird. Sie kann nur den
schwer verletzten, jüngeren Bruder und die kleine Schwester retten. Die
christliche Freundin, die ihr unter Lebensgefahr hilft, bring
Lea auf
...
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die Idee, sich christliche Männerkleidung anzulegen, denn zwei Mädchen
hätten keine Chance, sich selbst und einen kranken Jungen in Sicherheit zu
bringen.
Später nimmt Lea die Identität ihres getöteten Bruders Samuel an. Nur so ist es
ihr möglich, unter dem für Juden überlebenswichtigen Schutz ihres Landesherrn zu
leben. Als Samuel soll sie von ihren Glaubensbrüdern verheiratet werden, und
dann gibt es noch den Mann, der Leas wahre Identität kennt... Dieser Mann ist der Grund für eine
wechelsvolle Reise, die Lea später bis zum Thron der spanischen Königin
Isabella bringt, wo sie die Bekanntschaft mit Christopher Kolumbus macht und
die einiger unangenehmer Edelleute. Am Ende sind es jedoch die eigenen
Glaubensgenossen, die ihr beinahe zum Verhängnis werden.
Ein früherer Roman von Ihnen, "Die
Wanderhure", spielt ebenfalls im Mittelalter. Was reizt Sie als
Autorin an dieser Epoche?
Mein Mann, mit dem ich die Romane verfasse, hat ein ungeheures historisches
Wissen. Wir beide lesen seit unserer Jugend leidenschaftlich historische
Romane, aber auch Sachbücher zu allen erdenklichen geschichtlichen Themen.
Dabei beschränken wir uns nicht auf das Mittelalter. Unser Interesse reicht ca.
vom 8. bis zum 18. Jahrhundert. Es ist kaum zu glauben, was man alles in
Sachbüchern finden kann. Die Idee zur "Kastratin" ist uns z.B. durch
eine Farinelli-Biografie und die Lebensgeschichte von Casanova gekommen.
Welche Vorarbeiten sind
nötig, damit Ihre Romane so authentisch wirken? Gehen Sie in die Bibliothek und
stöbern in Archiven oder verlassen Sie sich auf Ihre Fantasie?
Es zahlt
sich einfach aus, dass wir von Jugend an Sachbücher und historische Romane
gelesen haben. Darunter auch die christlich gefärbten historische Romane aus
dem 19. Jahrhundert wie etwa Quo Vadis oder Ben Hur. Wir besitzen massenweise
Literatur zu Kunst- und Sozialgeschichte, zur Politik und zu einzelnen
Persönlichkeiten. Wir besuchen aber auch die Stadtbibliothek oder kürzlich das
spanische Kulturinstitut, in dem wir katalanische Namen und Zeitangaben
recherchiert haben. Für "Die Goldhändlerin" waren die Besuche im
jüdischen Museum in Amsterdam sehr inspirierend. Zum Beispiel wissen nur wenige
Menschen, dass viele spanische Juden nach der Rekonquista in die
westeuropäischen Küstenstädte geflohen sind, natürlich unter Verleugnung ihres
Glaubens.
Frauen, die in einer feindlichen Umwelt
ums Überleben kämpfen - das Thema zieht sich wie ein
roter Faden durch Ihre Werke. Wie entstand dieses Leitmotiv?
Uns interessieren Leute, die in schwierigen Situationen stecken. Jüdische
Frauen hatten damals im Grunde zwei Feinde: die Christen und die eigenen
Männer, die sie unterdrückten. Mein Mann ist so etwas wie ein männlicher
Feminist. Wenn Frauen Unrecht widerfährt, ist er immer zuerst auf den
Barrikaden, und er nimmt sich leidenschaftlich gern dieses Themas für unsere
Romane an. Es eignet sich ja auch, um Spannung zu erzeugen, und da der Großteil
der Romanleser Frauen sind, von denen die meisten gern etwas über Frauen lesen,
liegt es nahe, weibliche Hauptpersonen zu wählen.
Wo und wann spielt Ihr nächstes Buch?
Als nächstes wird "Die Tatarin" erscheinen. Es geht um eine junge
Tatarin zur Zeit Peter des Großen und des Großen
Nordischen Krieges. Ihre Stiefmutter steckt sie in Männerkleidung und schickt
sie anstelle ihres Sohnes als Geisel nach Russland. Hintergrund des Romans sind
die Aufstände in Sibirien, als Peter der Große sein Reich immer weiter nach
Osten ausdehnte, und die Bedrohung durch Schweden im Westen. Aber auch auf
einen zweiten Teil der "Wanderhure" können sich die Leser demnächst
freuen.
Die Fragen stellte Roland
Große Holtforth, literaturtest.de
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Kommentar zu: Die Goldhändlerin