Die Kolumne ''Zwiebelfisch'' als Buch!
Die deutsche Sprache kennt zwar nur vier Fälle, aber dafür über tausend Zweifelsfällle: Heißt es Pizzas oder Pizzen? Die oder das Nutella? Wurde gewinkt oder gewunken?
Auf diese und viele andere Fragen finden Sie hier Antwort. Hinreißend komisch und klug hat Bastian Sick Licht ins Dunkel der deutschen Sprachregelungen gebracht, die mit der Rechtschreibreform nicht gerade einfacher geworden sind. Dieses Buch präsentiert die großartige Spiegel-Online-Kolumne ''Zwiebelfisch'', die Woche für Woche Leser amüsiert, schockiert, belehrt und begeistert.
Endlich als Buch - die erfolgreiche Spiegel-Online-Kolumne "Zwiebelfisch"
Die oder das Nutella - diese Frage hat schon viele Gemüter am Frühstückstisch bewegt. Der, die, das - wieso, weshalb, warum? Ob Nutella nun weiblich oder sächlich ist, ist sicherlich keine Frage auf Leben und Tod, aber eine Antwort hätten wir schon gern. Wir? Ja, wir hilflos Verlorenen im Labyrinth der deutschen Sprache. Wir, die wir unsere liebe Not mit der deutschen Sprache haben. Und leichter, verständlicher oder zumindest nachvollziehbarer ist es nach der Rechtschreibreform auch nicht geworden.
In seinen hinreißend komischen und immer klugen Kolumnen bringt Bastian Sick Licht ins Dunkel der deutschen Sprachregelungen und sortiert den Sprachmüll. Ist der inflationären Verwendung von Bindestrichen noch Einhalt zu gebieten, angesichts von Spar-Plänen und Quoten-Druck? Versinken wir sprachlich gesehen nicht längst im Hagel der Apostrophe, wenn Känguru's plötzlich in den Weiten Australien's leben? Derlei Unsinn scheint nicht mehr aufhaltbar, wenn es nicht dieses Buch gäbe. Darauf zwei Espressis!
Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod von
Bastian Sick
LESEPROBE
Die oder das Nutella - diese Frage hat schon Tausende
Gemüter am Frühstückstisch bewegt. Seit Generationen wird in Wohnküchen
debattiert, gezankt und gestritten. Der, die, das - wieso, weshalb, warum -
welchen Artikel haben Markenartikel?
Am Morgen sitzt das junge Paar am Frühstückstisch. Er rührt
- noch reichlich unausgeschlafen
...
Autoren-Porträt
von Bastian Sick
Bastian Sick, geboren 1965, Studium der
Geschichtswissenschaft und Romanistik, Tätigkeit als Lektor und Übersetzer; von
1995-1998 Dokumentationsjournalist beim SPIEGEL-Verlag, ab Januar 1999
Mitarbeiter der Redaktion von SPIEGEL ONLINE. Dort seit Mai 2003 Autor der
Kolumne "Zwiebelfisch".
Interview mit Bastian Sick
Nach Ihrem überwältigenden Erfolg
mit dem Buch "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod", in dem Sie unseren
"Sprachmissbrauch" witzig und lehrreich kommentieren, gibt es nun die "Folge 2".
Was gibt es Neues zu berichten?
Die deutsche
Sprache ist ja nicht nur überaus lebendig und vielseitig, sie ist auch sehr
komplex und stellt uns immer wieder vor
...
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neue Rätsel. In der zweiten Folge des
"Dativs" geht es um so gewichtige Themen wie gefühlte Kommas, den traurigen
Konjunktiv, den geschundenen Imperativ; es geht um verschwundene Fälle, falsche
Freunde, verdrehte Redensarten und um die Leidenschaft der Deutschen für
Häkchen. Eine Leidenschaft, die sehr viel Leiden schafft.
"Zwei Espressi, bitte!" oder "Zwei
Espressos, bitte!"? Laut Duden stimmt beides. Aber wer will schon den
Oberlehrer geben, wenn er zwei Kaffee möchte? Soll man lieber Pizze(n)
bestellen?
Stimmt,
beides ist richtig. Wenn Fremdwörter sich lange genug in Deutschland
aufgehalten und Eingang in unsere Alltagssprache gefunden haben, werden sie
nicht mehr als fremd empfunden und nach den Regeln der deutschen Grammatik
behandelt. Das ist ein ganz natürlicher Vorgang, andere Kulturen halten es
genauso. In Italien ist ein Espresso übrigens immer ein "caffè". Das, was wir
Deutschen unter Kaffee verstehen, würde ein Italiener niemals anrühren.
Beinahe die Hälfte der Deutschen im
arbeitsfähigen Alter soll nicht "dokumentenfähig" sein - ein bürokratischer
Begriff für die Unfähigkeit, zum Beispiel mit Formularen klarzukommen. Doktern
Sie mit Ihren Büchern und Ihrer Kolumne bei Spiegel Online da nicht nur an den
Symptomen herum?
Eine
Sprachkolumne kann immer nur ein Streiflicht auf einzelne Aspekte werfen, sie
kann unmöglich die unendlichen Weiten unseres sprachlichen Universums
vollständig ausleuchten. Ich bin ja auch nicht angetreten, um den Deutschen das
Funktionieren ihrer Sprache grundsätzlich neu zu erklären. Das ist nach wie vor
Aufgabe der Schulen. Übrigens habe auch ich mit vielen Formularen meine liebe
Not. Der Staat kümmert sich um vieles, aber nicht um die Verständlichkeit und
Lesbarkeit seiner Formulare.
Was halten Sie von den Bestrebungen,
die Rechtschreibreform zurückzunehmen? So bietet sich immerhin die schöne
Chance zu sagen: "Verdammt, das habe ich doch immer so geschrieben!" (Was oft
bedeutet, dass man es schon immer falsch gemacht hat.)
Wie jede
Reform hat auch die Rechtschreibreform gute und schlechte Seiten. Zu den
Vorzügen, die sich sicherlich auch durchsetzen werden, zählen die neue
ss/ß-Regelung (hinter kurzem Vokal ss, hinter langem Vokal ß) und die
Großschreibung von substantivierten Adjektiven (im Dunkeln, im Stillen, im
Allgemeinen). Unbefriedigend und verwirrungstiftend (oder: Verwirrung stiftend)
ist die Neuregelung der Getrennt- und Zusammenschreibung. Ein Verb wie
"stilllegen" wird weiterhin in einem Wort geschrieben, aber "lahm legen" muss
man jetzt in zweien schreiben. Das ist nicht unbedingt logisch.
Getrenntschreibungen, Ablösung des
Genitivs durch den Dativ, Apostrophe überall - was schmerzt Sie am meisten? Und
was könnte man zur "Arterhaltung" der deutschen Sprache tun?
Was ich am
meisten bedauere, ist die Tatsache, dass wir in fast allen Bereichen unsere
Antennen ausschließlich auf Amerika ausgerichtet haben. Die USA sind ein wundervolles
Land, aber Europa hat mindestens genauso viel zu bieten. Was wissen Sie über
aktuelle französische Popmusik? Wann haben Sie zuletzt einen schwedischen Film
im Kino gesehen? Warum wird jede noch so dümmliche amerikanische Sitcom fürs
deutsche Fernsehen synchronisiert, während sehenswerte Produktionen aus Spanien
und Italien bei uns nie gezeigt werden? Wir sind zu kritiklosen Anbetern der amerikanischen
Kultur geworden, das schlägt sich auch in der Sprache nieder, vor allem in der
Werbung und im Management. Es würde unsere Kultur stärken und bereichern, wenn
wir uns darauf besännen, dass wir ein Teil Europas sind - und nicht bloß ein
Satellit der USA.
Kennen Sie auch ein positives
Beispiel, bei dem der Sprachgebrauch die Regeln "besiegt" hat?
Es gibt zahllose solcher Beispiele. Die Regeln sind
ja kein in Beton gegossenes, starres Fundament, sondern passen sich früher oder
später dem veränderten Gebrauch an. Wir sprechen heute nicht mehr wie vor
hundert Jahren, folglich wurden auch die Regeln seitdem immer wieder
aktualisiert. Es passiert ständig, dass Wörter in einem anderen Sinne gebraucht
werden, als es die Wörterbuchdefinition zulässt. Zum Beispiel "realisieren": Das
bedeutete lange Zeit nur "verwirklichen". Heute hat es, wie im Englischen auch,
die Bedeutung "sich einer Sache bewusst werden". Früher ließen sich nur Städte
und Gebäude evakuieren, denn "evakuieren" bedeutet "leer machen". Heute kann
man auch Menschen evakuieren. Ob solche Definitionserweiterungen tatsächlich positiv
sind, weiß ich nicht, aber sie finden nun mal statt. Sprachwandel erfolgt nach
äußerst demokratischen Prinzipien - was die Mehrheit für nützlich erachtet, das
setzt sich durch, allen alten Regeln zum Trotz.
Gibt es eine grammatische Regel, mit
der auch Sie Ihre Schwierigkeiten haben? (So ein Eingeständnis würde uns alle
beruhigen)
Selbstverständlich, ich muss ständig im
Grammatikduden nachschlagen. Meine Leser stellen mir bisweilen sehr verzwickte
Fragen, die ich erst nach längerer Recherche beantworten kann. Durch meine Arbeit
lerne ich immer irgendetwas Neues hinzu, das macht sie für mich gerade so
spannend!
Die Fragen stellte Mathias Voigt,
Literaturtest.
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Kommentar zu: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod