Vier bzw. drei Jahre nach "Sinn und Sinnlichkeit", "Verführung" und "Emma" sucht das Austen-Fieber neue Träger. "Mansfield Park" sorgt in der Adaption Patricia Rozemas ("When Night Is Falling") allerdings nur für leicht erhöhte Temperaturen. Was weniger an der Qualität als am Erschöpfungszustand manchen Zuschauers liegt, für den Austens Themenkatalog vielleicht einmal zu viel aufgelegt wurde. Das kommerzielle Schicksal beeinflusst darüber hinaus auch das Fehlen von Prominenz, die "Sinn und
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Sinnlichkeit" noch zu einem Hit gemacht hatte. In der Konsequenz wird man sich wohl in den Erwartungen bescheiden müssen.
Literaturfans werden jedoch auch von "Mansfield Park" nicht enttäuscht werden, bietet doch auch diese Erstverfilmung ein plastisches Porträt des Gesellschaftsklimas und der Opfer, die das Gefühl der Vernunft bringen musste. Austens Kernhandlung ließ Rozema weitgehend unberührt, betonte aber die Sklaverei stärker als historischen Hintergrund und Spiegel für die Situation der Protagonistin. Letztere wirkt, von Rozema als Mischung aus der Romanfigur und Austens eigener Persönlichkeit angelegt, energischer. Mit dem Vertrauen in ihre Menschenkenntnis und den eigenen Instinkt ist Fanny (Frances O'Connor aus "Kiss or Kill") eine klassische Austen-Heldin, die dank Rozemas Charakterstyling deutlicher in die Moderne weist. Ihre Konflikte sind jedoch unverändert in der Zeit verhaftet, in der ausgelebte Emotionen tabuisiert, Ehen arrangiert und Schicksale durch Geburt vorgezeichnet sind. Fanny ist zehn, als sie aus ärmsten Verhältnissen nach Mansfield Park kommt, wo sie geduldeter, aber nicht integrierter Familienzuwachs wird. Die Ambitionen dieses Freigeistes werden nicht ernst genommen und ihre romantischen Wünsche bleiben ein Geheimnis. Wie schon in "Sinn und Sinnlichkeit" liegt die Prüfung in der Ortung des wahrhaftigen Gefühls, an dem dann trotz aller Verführungen festgehalten werden muss. So lehnt Fanny das Werben eines Charmeurs (Alessandro Nivola) beharrlich ab, weil sie sich nur ihrer Gefühle für ihren Cousin (Jonny Lee Miller) sicher ist, der in diesem Erkenntnisprozess noch von den Reizen einer anderen (Embeth Davidtz) abgelenkt wird. Die beiden romantischen Alternativen, die im Roman fast Raubtiere sind, erscheinen bei Rozema sympathischer, was vor allem Fannys Verweigerung mitunter zu einer Geduldsprobe macht. Abgesehen von ihr zeichnet nahezu alle Figuren eine reizvolle Unberechenbarkeit aus. So könnte Nivola tatsächlich aufrichtig geliebt, Davidtz mit einer lesbischen Affäre geliebäugelt, ja sogar der Hausherr (Dramatiker Harold Pinter einmal vor der Kamera) für Fanny nicht nur väterliche Gefühle entwickelt haben. Wie in vielen Herrschaftssitzen gibt es also auch hier ein Labyrinth, durch das ein Weg gefunden werden muss. Und trotz des Titels befindet sich dieses nicht im Park. kob.
Kurzansicht
Jane Austen wurde 1775 in Steventon (Hampshire) als Tochter eines Landpfarrers geboren. Sie ist die Schöpferin bedeutender klassischer Werke der englischen Literatur. Nach Meinung ihres Bruders führte sie "ein ereignisloses Leben". Sie starb 41-jährig, unverheiratet und kinderlos, an Tuberkulose. Ihre literarische Welt war die des englischen Landadels, deren wohl kaschierte Abgründe sie mit feiner Ironie und Satire entlarvte. Psychologisches Feingefühl und eine lebendige Sprache machen ihre scheinbar konventionellen Liebesgeschichten zu einer spannenden Lektüre.
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