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Kathrine, 28 Jahre alt, lebt in einem norwegischen Dorf nördlich des Polarkreises. Hier ist sie aufgewachsen, hat im Alter von 20 Jahren ein Kind von Helge bekommen und sich wieder von ihm getrennt. Die Zöllnerin an der norwegisch-russischen Grenze kontrolliert tagsüber die einlaufenden Trawler, isst zu Mittag im Fischerheim und trinkt abends ab und an im Elvekroa, der einzigen Bar im Dorf, ein Bier. Die langen Zeiten der Dunkelheit, der Schnee und die Schweigsamkeit der Menschen bestimmen ihr Leben. Die Seelenlandschaft Kathrines entspricht der kargen Landschaft ohne Konturen und Fluchtpunkte. Nur manchmal, wenn im April endlich die Sonne ihr Licht über die weite Schneelandschaft wirft, bricht sie aus dem grauen Einerlei der Tage aus, schnallt ihre Langlaufskier unter und fährt zum Leuchtturm. Mit 28 heiratet Kathrine zum zweiten Mal: Thomas, Produktionsleiter in der Fischfabrik, promoviert, sportlich, weitgereist, reiche Eltern. Eine >>gute Partie<<, ein Mann, der sie mit pedantischem Einsatz gefügig zu machen sucht und von nun an einen Strich durch die ungefähre Landschaft ihres Lebens zieht. Eines Tages, als ihr Mann sich wieder einmal zu seinem vermeintlichen Lauftraining aufmacht, folgt sie ihm und sieht ihn schon nach wenigen Minuten eine Hütte betreten. Dort sitzt er die Zeit ab und wartet in offensichtlich elendem Gemütszustand darauf, endlich wieder nach Hause laufen zu können. Diese Situation wird für Kathrine zum Sinnbild ihres Lebens, einem Zusammenspiel von Betrug und Selbstbetrug. Doch es bedarf eines zusätzlichen Anstoßes, damit sie endlich die Initiative ergreift: Die Familie ihres Mannes hat von einem Seitensprung Kathrines mit einem Jugendfreund erfahren und ihn im Dorf publik gemacht. Nun wagt Kathrine tatsächlich die Flucht und besteigt eines Morgens ein Schiff gen Süden. Auf den Spuren einer früheren Zufallsbekanntschaft reist sie nach Dänemark und erfährt dort, dass der Gesuchte mittlerweile in Frankreich arbeitet. Kathrine folgt seinem Weg und gelangt so bis nach Paris und Boulogne. Als sie ihn schließlich findet, gelangt sie zu der Einsicht, dass die Suche nicht lohnt, dass sie bei allem Unbekannten, was sie gesehen hat, nichts Neues zu erfahren war. Kathrine kehrt zurück in ihr Dorf, widersetzt sich jedoch erfolgreich den Schlichtungsbestrebungen der Familie ihres Mannes und heiratet ihren Jugendfreund.
Kommentar zu: Ungefähre Landschaft