2009, 354 Seiten, Maße: 11,3 x 18 cm, Taschenbuch, Deutsch
Aus d. Amerikan. v. Christa E. Seibicke
Diogenes
ISBN-10: 3257240112
ISBN-13: 9783257240115
Lasset die Kinder zu mir kommen
Commissario Brunettis sechzehnter Fall
Eine Sturmabteilung der Carabinieri entführt den 18 Monate alten Alfredo aus der Wohnung seiner Adoptiveltern. Brunetti soll den Adoptivvater, den Kinderarzt Dr. Pedrolli, vernehmen. Der Commissario ist entsetzt: Warum ging die Polizei so brutal vor?
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"Lasset die Kinder zu mir kommen, und wehret ihnen nicht" - so steht es in der Bibel. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Bambini sind knapp, auch im kinderlieben Italien. Was ist geschehen, wenn schwerbewaffnete Carabinieri die Wohnung eines Kinderarztes stürmen und ihm sein 18 Monate altes Baby entreißen? Brunetti gibt keine Ruhe, bis er die Hintergründe kennt.
Lasset die Kinder zu mir kommen von Donna Leon
Guido Brunetti lag an den Rücken seiner Frau geschmiegt und glitt sanft hinüber in den Schlaf der Gerechten. Er schwebte in jener nebelhaften Sphäre zwischen Traum und Wachen und mochte das Hochgefühl, das ihm dieser Tag beschert hatte, nur ungern loslassen. Sein Sohn hatte beim Abendessen beiläufig und ohne den erleichterten Blickwechsel seiner Eltern zu bemerken,
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Autoren-Porträt von Donna Leon
Die Erfinderin des berühmten Commissario Brunetti wurde 1942 in New Jersey geboren. Schon früh machte sich ihr Fernweh bemerkbar. Als sie 1965 eine Freundin auf einer Italienreise begleitete, beschloss sie, Amerika den Rücken zu kehren und in Perugia und Siena zu studieren. Donna Leon lebt seit dieser Zeit ständig im Ausland. Sie arbeitete unter anderem als Reiseleiterin in Rom und als Werbetexterin
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in London. Später unterrichtete sie an amerikanischen Schulen in der Schweiz, im Iran, in China und in Saudi-Arabien. 1981 gab sie ihr Nomadenleben auf und ließ sich in Venedig nieder. Zur Zeit hat sie eine Professur für englische und amerikanische Literatur in Vicenza inne.
Leons erster Kriminalroman mit der Figur des Commissario Brunetti erschien 1993 und wurde mit dem japanischen Suntory-Preis ausgezeichnet. Inspiriert wurde Leon dazu in der Oper. Als sie mit einem Bekannten eine Probe im venezianischen Opernhaus besuchte, meinte dieser: „Ich könnte den Dirigenten umbringen!“ „Ich mach’s für dich“, antwortete Leon, „aber in einem Roman.“ So entstand „Venezianisches Finale“. Seitdem hat Leon jedes Jahr einen Brunetti-Krimi geschrieben und den sympathischen Kommissar zu einer der bekanntesten Kriminalfiguren in der Literatur gemacht. Für die ARD wurden bereits mehrere Folgen mit Joachim Król in der Rolle des Brunetti sehr erfolgreich verfilmt. „Sanft entschlafen“, hatte beispielsweise über sieben Millionen Zuschauer. Fortsetzung folgt, garantiert!
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Interview mit Donna Leon
Wie entsteht ein Donna Leon-Krimi. Können Sie uns ein bisschen aus Ihrer „Werkstatt“ erzählen?
Meine Schreibmethode ist ziemlich einfach. Ich beginne mit einem Verbrechen, und dann verwende ich 300 Seiten darauf, zu schildern, wer es begangen haben könnte und warum.
Brunetti prangert präzise und manchmal sarkastisch die politischen Verhältnisse
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in Italien an – die Korruption, den Filz und den Waffenhandel. Spricht aus ihm eigentlich auch ein bisschen Donna Leon?
Wenn Sie glauben, dass ich mich hier über Italien äußere, dann sollten Sie mich mal über die Vereinigten Staaten reden hören. Es ist eine große Freude und ein großes Glück für mich, in Italien leben zu dürfen. Wenn ich Geschichten aus anderen Ländern höre, dann ist da auch einiges dabei an Korruption, Filz und Waffenhandel.
In den letzten beinahe anderthalb Jahrzehnten, in denen Sie Krimis schreiben, haben Sie immer auch staatliche und kirchliche Institutionen ins Visier genommen. Ist Ihnen das persönlich übel genommen wurden? Wurden Sie jemals bedroht?
Bedroht? In Italien? Sie machen wohl Scherze! Anders als in meinem Heimatland können die Leute in Italien schreiben und sagen, was sie wollen.
In der Zeichnung Ihrer Charaktere sind Sie immer nah an einer plausiblen Realität. Dies bezieht sich durchaus auch auf die negativen Eigenschaften der Protagonisten. Ist Commissario Brunetti eine Ausnahme? Wofür steht der gute, kluge Kommissar?
Gott im Himmel, wofür steht eine Person denn schon? Ich glaube, für sehr wenig. Wir gehen einfach durch unser Leben und bemühen uns darum, es angenehm und anständig zu verbringen. Und ein paar negative Eigenschaften hat Brunetti doch auch: Er mag zum Beispiel die Süditaliener nicht sehr, oder?
Die „heile Welt“ der Familie Brunetti steht in einem starken Kontrast zu den Verbrechen, die in und um Venedig herum passieren. Welchen Stellenwert hat das detailliert geschilderte Familienleben für ihre Bücher?
Die Familie ist der Ruhepol im Leben von Brunetti. Ich glaube, jemand, der eine Arbeit wie Brunetti macht, braucht so etwas. Außerdem muss ich doch dem Leser plausibel machen, warum Brunetti ein ehrenwerter Mann bleibt. Meiner Meinung nach trägt die Familie sehr viel dazu bei.
Sie sagten einmal, Sie hätten keinen Fernseher zu Hause und würden auch nicht ins Kino gehen. Was halten Sie grundsätzlich von Romanverfilmungen?
Es stimmt, was ich gesagt habe. Ich habe keinen Fernseher, hatte auch nie einen. Und ich gehe höchst selten ins Kino. Deshalb kann ich Ihre Frage leider auch nicht beantworten.
Die Fragen stellte Mathias Voigt, Literaturtest.
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