Mit trügerischer Leichtigkeit bewegen sich diese Gedichte zwischen dem Heiteren und dem Abgründigen.
Eigensinnig beharren die Gedichte von Steffen Jacobs auf den Wonnen der Individualität. Was auf den ersten Blick witzig wirkt, kann bei näherem Hinhören dunkle Untertöne preisgeben. Umgekehrt münden Anfälle von Verzagtheit in jähe Zuversicht: »So stürze ich zu dir, Liebe, durch / städtisches Feld, ein frisch vom Baum / gesprungener, endlich für fruchtbar / befundener Held: Meine Versehrung!«
Manche Gedichte erinnern in ihrer lakonischen Kürze an magische Bannsprüche, andere beweisen den langen Atem des Sängers. Gemein ist ihnen, dass sie sich Leser wünschen, die ohne die vorgefertigten Schablonen von »komischer« und »ernster«, von »hoher« und »niedriger« Poesie auskommen.
»Mit dem forschenden Blick des Lyrikdoktors Jakob Stephan, seinem Alter Ego, das zwischen 1996 und 2000 die »Lyrische Visite« abhielt, verarbeitet er seine Beobachtungen des alltäglichen Lebens in exakt gebauten Metren und Reimen. Die Pointen schnurren am Faden der Daktylen scheinbar leicht und lustig voran, auch dort, wo es um ernste Themen im Gewand der Groteske geht: Überleben durch Kannibalismus (»In Memoriam Flug 571«), Wandel und Vergänglichkeit des Lebens inklusive Leichen
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im Zwischenboden (»Das Kartenhaus«). Jacobs thematisiert nicht die Liebe, sondern das Leben in seinen absurdesten Erscheinungen bis hin zum Literatur- und Kulturbetrieb.«
(Dorothea von Törne, Die Welt, 30.04.2010)
»In seinen Gedichten sucht Jacobs das lustvolle und zugleich prekäre Gleichgewicht zwischen der Form und der Gefährdung, der Ungewissheit, die verhandelt wird. Es sind meist winzige »Schrecken«, die in die Gedichte einfliessen, Schrecken, die oft erst dann spürbar werden, wenn sie benannt werden.«
(Martin Zingg, Neue Zürcher Zeitung, 21.06.2010)
Kurzansicht
Steffen Jacobs, Jahrgang 1968, lebt als freier Schriftsteller und Übersetzer in Berlin. Er hat mehrere Gedicht- und Essaybände veröffentlicht. Er übersetzte Romane aus dem Englischen insDeutsche.
Kommentar zu: Die Liebe im September