| „Wenn das Wunderland Dich einmal hat, lässt es Dich nie wieder los.“
Die ganze Welt ist im Alice -Fieber. Nicht nur der Regisseur Tim Burton haut gewaltig auf den Putz, auch die Comicschmiede Panini hat sich mächtig ins Zeug gelegt, um zeitnah zum Filmstart von Alice einen Comic auf den Markt zu bringen, der seinesgleichen sucht. Aber zurück zum Anfang..
„Aber ich mag nicht zu verrückten Leuten gehen“, bemerkte Alice . „Oh, daran ist nichts zu ändern“, sagte die Katze. „Wir sind alle verrückt hier. Ich bin verrückt. Du bist verrückt.“ „Woher weißt Du, dass ich verrückt bin?“ fragte Alice . „Du musst es sein“, sagte die Katze, „sonst wärest Du nicht hergekommen.“
So kennt man das Kinderbuch „Alice im Wunderland “ von Lewis Carroll . In der Comicadaption des Klassikers ist die kleine Alice zu einer Frau geworden, die eine eigene Familie gegründet hat und glücklich ihr Dasein im Diesseits fristet. Sollte man meinen.. Doch die junge Frau ist alles andere als glücklich. Sie hat Depressionen und ihr komplettes Umfeld glaubt sie sei verrückt. Womöglich zu Recht?
In dieser Version der Geschichte dreht sich alles um ihre Tochter, Carroll Ann Liddle. Eine junge Erwachsene, der das gleiche Schicksal zukommen soll, wie ihrer Mutter. Auch sie begibt sich unfreiwillig in die Wunderwelt, in welcher ihr allerhand geboten wird. Sie ist umgeben von einem sprechenden Tisch, einem durchgeknallten Zimmermann, menschenfressenden Pflanzen, einer geheimnisvolle Frau mit einem Jedi-Kutten-Fetisch, der Herzkönigin und ihrer Garde, sprechenden Insekten, dem verrückten Hutmacher , und dem erstaunlichsten Wesen von allen: der legendären Grinsekatze .
Und mit denen ist nicht gut Kirschen essen. Carroll Ann durchlebt einen blutrünstigen Horrortrip, dem sie nur knapp entgeht. Der Zimmermann will ihr ans Leder, die Herzkönigin verdächtigt alles und jeden ihr böses zu wollen und fordert dafür die Köpfe der Betroffenen, der Hutmacher entpuppt sich als alternder, widerlicher Lüstling und die Grinsekatze ist das monströseste Wesen, das auf Wunderland verweilt: brutal, sadistisch und überaus gemein dürstet es sie nach Mord, Totschlag und Vernichtung.
Und was hat es mit der Frau in der Kutte auf sich? Bei dieser Person handelt es sich tatsächlich um Alice ! Während ihr Körper in der Welt der Sterblichen verweilt, befindet sich ihr Geist weiterhin in der Welt der Fabelwesen, deshalb glaubt auch jeder sie sei verrückt. Sie kann der Welt der Grinsekatze nicht entkommen. Warum?
„Sie nennen es Wunderland . Es ist ein Durchgang. Es ist der Schlund des Wahnsinns. Immer hungrig. Gierig. Verschlingend.“
Von Generation zu Generation werden Opfer gebracht, um das Portal zum Wunderland unpassierbar zu machen. Eine Familie ereilte das Schicksal diese Pforte verschlossen zu halten und erkor einen Wächter aus, die Aufgabe zu übernehmen den Wahnsinn von unserer Welt fernzuhalten. Bei dieser Familie – wer hätte es gedacht – handelt es sich um die Familie Liddle. Da Alice sich bereits an diesem gottverlassenen Ort befindet, war es nun an Carroll Ann das Wunderland nie wieder zu verlassen, um den Wahnsinn auszuschließen. Wird sie ihre Pflicht erfüllen und der Familientradition folgen oder findet sie einen Weg hinaus aus diesem Kreislauf des Schreckens..?
„Manche Träume haben einfach nur kein Erwachen.“
Ein absolut grandioser Comic des Horror-Genre! Blutrünstig bis zum Geht-nicht-mehr und trotzdem kommt die Story nicht zu kurz.. Nichts, was sich dem Leser nicht erschließt, keine ungeklärten Fragen und das Ende mag für den Einen ein Happy End sein, für den Anderen womöglich nicht. Detailverliebtheit (so spricht die Herzkönigin beispielsweise nur in Herzsprechblasen und ihre Garde in den jeweils anderen Farben) und Farbgebung sind Erstklassig, vom Zeichenstil ganz zu schweigen.. Für die Herren der Schöpfung ist einiges geboten, aber auch Frauen könnten Gefallen an diesem Comic finden. Ich jedenfalls habe ihn in einem Zug durchgelesen und muss ihn haben!
Raven Gregory, Daniel Leister - Rückkehr ins Wunderland | |