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23.07.2010 - Sjöwall/ Wahlöö - Martin Beck
Kategorie: Krimi

Karges Vergnügen

 

Alle Krimis um Kommissar Martin Beck von dem Autorenpaar Maj Sjöwall und Per Wahlöö

Die Krimis um den Stockholmer Kommissar Martin Beck , angefangen bei „Die Tote im Götakanal“ und endend mit „Die Terroristen“, 10 an der Zahl, sind in den 1960ger Jahren entstanden und gelten unter Krimiliebhabern als ein absolutes Muss, als Standardwerk, als Pflichtlektüre. Da fühlte ich mich berufen zu derselben zu schreiten:

Als ich die Krimireihe von Sjöwall/ Wahlöö das erste Mal wahrnahm war ich noch ein Kind und sie erschienen in der rororo Thriller Reihe, die es so heute nicht mehr gibt – der Zufall spielte mir eine „Gesamtausgabe“ aus genau dieser Zeit in die Hände und ich möchte noch einmal eine Lanze brechen für diese Krimi-Ausgaben, 1961 ins Leben gerufen, ich denke bis ungefähr in die 80ger Jahre reichend: Folgendes hat mich bei jedem Band immer wieder aufs Neue entzückt: Die konsequent gleiche und schlichte Einbandgestaltung, deren Anmutung mir schon seit meiner Kindheit, als ich solche Krimis noch nicht lesen durfte, vertraut ist. Schwarz mit einem dramatischen Fotoausschnitt in schwarz/weiß – zurückgehalten und dramatisch zugleich, ein bißchen Trash. Weiter auf einer der ersten Seiten, auch konsequent in dieser Reihe, die Vorstellung der wichtigsten handelnden Personen in spöttischem, sich selbst als Krimi nicht zu ernst nehmenden Tonfall, sehr schön. Meine formale Zeitreise.

Die einzelnen Kriminalfälle sind klassisch aufgebaut, wenn es denn so etwas gibt, der Täter bleibt dem Leser zum Schluss unbekannt, viel Raum wird der Studie der Lokalitäten (im Wesentlichen spielen sie in Stockholm) in wechselnden Jahreszeiten und den – zugegebenerweise etwas plakativen – Charaktären der ermittelnden Personen gegeben. Kommissar Martin Beck , der hagere, mürrische, aber auch verhalten genialische Dreh- und Angelpunkt des Ermittlungsteams – sein übergewichtiger etwas rauhbeiniger Freund und Kollege Lennart Kollberg, der ewig unfreundliche aber hervorragende Polizeiarbeit leistende Gunvald Larsson, Melander, der so ein gutes Gedächtnis hat, Pfeife raucht, und immer auf der Toilette ist wenn man ihn sucht und diverse Andere, z. T. immer dabei, z. T. wechselnd. Die Stimmung ist immer etwas freudlos, das Wetter oft schlecht und die Verhältnisse in Schweden werden mit zunehmendem Band kritischer beschrieben. Eine karge Athmosphäre, selten geht es blutrünstig zu, der Verlauf der Ermittlungen und die Milieustudie stehen im Vordergrund. Das Zurückgenommene, scheinbar Unspektakuläre, das ist gerade das, was an diesen Krimis Spaß macht.

Aus jetziger Sicht entstehen beim Lesen noch einmal die 60ger Jahre vor dem geistigen Auge, ein Gesellschaftsbild und auch eine Stimmung, noch keine Mobiltelefone, keine Emails, eine übersichtliche Welt, viel Raum, überall darf noch ungefragt geraucht werden – und in diesen Geschichten wird viel geraucht - die Ermittlungen ziehen sich oft über Wochen und Monate, es geht langsam zu, das ist schön. Frauen kommen nicht allzu häufig vor, oft sind sie das Opfer und dem gewaltsamen Ende vorausgegangen ist ein sittlich zweifelhafter Lebenswandel… Fast lustig auch aus heutiger Sicht, wie die sexuellen Freizügigkeiten des Jahrzehnts immer wieder anklingen. (Eine bis dato unbekannte Zeugin fragt den Polizisten, der sie gerade verhört zwischen zwei Fragen: „Wollen Sie vielleicht mit mir schlafen?“ „Gern“ sagt der Polizist…)

Mit Vergnügen habe ich das Wort „dufte“ in der natürlich ebenfalls aus den 60gern oder 70gern stammenden Übersetzung wieder gelesen und in meiner alten Ausgabe ein weiteres Formelement entdeckt, dass sich überlebt hat: die zwei Seiten Werbung in schwarzweiß ungefähr in der Mitte jeden Bandes meistens für irgendwelche Wertpapiere oder sonstige Banksachen. Ach…

Grundsätzlich liebe ich das Formspiel im Krimi, es geht immer darum, das feststehende Gerüst von Tat, Tätersuche, ermittelnde Person(en), Milieu- und Lokalstudie des Ortes der Handlung und der Gesellschaft, in der die Handlung sich abspielt, mit neuem Inhalt, neuem Leben zu füllen. Darüber hinaus gefällt mir gerade das Unbedeutende, das rein Unterhaltende, die (scheinbare) Abwesenheit von Sinn und kulturellem Anspruch im Kriminalroman, in diesem Rahmen höchste Qualität zu erzeugen, das ist ein Kunstprinzip, das ich von allen am meisten schätze. Die Höchstform im Unwichtigen, Raffinesse im Bedeutungslosen, Sprache, Genauigkeit, Differenziertheit im Nutzlosen, das ist schön.

Maj Sjöwall, Per Wahlöö - Die Tote im Götakanal
Verfasst von Fides Altmann
23.07.2010 um 12:00 UhrKommentar schreiben
 
20.06.2010 - Jörg Maurer - Föhnlage
Kategorie: Krimi

versteckte Leichen

 

Ingo Stoffregen rennt durch einen „Kurort“ im „Werdenfelser Land “ (also durchs nie genannte Garmisch-Partenkirchen ). Er kommt verspätet zum Date und betritt den Konzertsaal in Begleitung, nachdem die Saallichter ausgegangen sind und die „Skandalpianistin“ Pe Feyninger ihr erstes Stück vorträgt. Stoffregen sucht sich einen Sitzplatz zwischen anderen KonzertbesucherInnen. Er wird nach kurzer Verweildauer von einem durch die Saaldecke brechenden Körper getroffen. Das Konzert wird unterbrochen und die Ärzte unter den ZuhörerInnen untersuchen die blutige Menschenmasse: Hier kommt für zwei Menschen jede Hilfe zu spät. Die gerufene Polizei kann den Hergang nach den Aussagen der BesucherInnen nicht rekonstruieren: Alle schauten zur Bühne, als die Decke durchbrach.
Der Dachboden wird zum Zentrum der Ermittlungen unter Hauptkommissar Hubertus Jennerweins Leitung. Dort finden die Ermittler einen Stick mit verschlüsselten Daten. Ihre Rekonstruktion ergibt eine Liste mit Namen von auf dem lokalen Friedhof Begrabenen.
In einem parallel geführten Handlungsstrang stellt der Autor die Familie Grasegger und ihr Bestattungsunternehmen vor. Die Beseitigung von Leichen einer italienischen Verbrecherorganisation ist für sie eine lukrative Einnahmequelle geworden.
Mit viel Gespür für Situationskomik verknüpft Maurer die beiden Handlungsstränge in einem Showdown. Klassische Krimierwartungen unterläuft die detailverliebt und ausschweifend erscheinende Erzählweise. Doch lässt sich bald erkennen, dass Maurer einer eigenen Handlungsökonomie folgt. Lokalkolorit, Schreibstil und die Cabaret-reifen Aktionen der Romanpersonen fügen sich hervorragend zu einem unterhaltenden Krimi.

Thomas Dreher

Jörg Maurer - Föhnlage
Verfasst von Thomas Dreher
20.06.2010 um 19:16 UhrKommentar schreiben
 
07.05.2010 - Jo Nesbø - Leopard
Kategorie: Krimi

Leopoldsapfel

 

Nesbøs achter Krimi mit Harry Hole in der Hauptrolle beginnt mit einem grausamen Mord: Bargny Stem-Myhre wird mit einem Leopoldsapfel, einer Mordwaffe aus dem Kongo, getötet. Der Leopoldsapfel sieht wie eine harmlose Kugel aus, doch stirbt ein Opfer, dem sie in den Mund gelegt wurde, an ihren ausfahrenden spitzen Stiften.
Gunnar Hagen leitet die Osloer Mordkommission. Er beschließt, Hauptkommissar Harry Hole, der sich nach seinem letzten Fall abgesetzt hat, zur Aufklärung des Mordes an Stem-Myhre zurück zu holen. In Hongkong bestimmen Alkohol, Opium und Pferdewetten Holes Leben. Hagen schickt Kommissarin Kaja Solness nach Hongkong. Den Bemühungen der Triaden, seine Ausreise zu verhindern, kann Hole nur mit der Hilfe, die ihm Solness bietet, entgehen. Dennoch folgt er ihrem Angebot, ihm die Rückreise nach Oslo zu organisieren, erst, als er von ihr erfährt, dass sein Vater im Sterben liegt.
Hagen setzt Hole als Leiter einer inoffiziellen Gruppe von ErmittlerInnen ein und wendet sich damit gegen eine neue Aufgabenverteilung, nach der nur noch das Staatliche Kriminalamt Morde aufklärt. Dessen Leiter Mikael Bellman hat seine InformantInnen in Hagens Behörde. Obwohl Bellman Hagen zwingt, die Gruppe aufzulösen, ermittelt Hole weiter.
Auf den Mord an Stem-Myhre folgen weitere. Alle Mordopfer haben früher in der Håvashütte im norwegischen Hochgebirge übernachtet – doch im Hüttenbuch fehlt die Seite, die ein Täter als Mordliste verwendet. Hole erkennt schließlich den Serienkiller als einen von drei Hauptverdächtigen und stellt ihn im Kongo (bei Goma), nicht ohne vorher selbst Erfahrungen mit dem Leopoldsapfel machen zu müssen. Da er seinen Mechanismus kennt, kann er ihm entkommen – indem er sein Gesicht entstellt.
Nesbø gelingt es vorzüglich, LeserInnen durch Erzählstränge zu führen, in denen Hole Lösungen in aussichtslos erscheinenden Situationen findet: Auch wenn das Unwahrscheinliche häufig eintritt, so erscheint die Handlung doch durch Nesbøs Erzählstil glaubhaft. Die Wendungen des Ermittlungsverlaufs zeigen, wie sich Hole an einem Täter abarbeitet, der sein Spiel zwischen Spuren legen und verwischen raffiniert betreibt. Nesbø frustriert LeserInnen nicht durch die lange unbekannt bleibende Tätermotivation, da er die Auseinandersetzung mit dem Unbekannten und Bedrohenden zum spannenden Romanthema macht: Krimi pur.

Thomas Dreher

Jo Nesbø - Leopard
Verfasst von Thomas Dreher
07.05.2010 um 22:35 UhrKommentar schreiben
 
03.03.2010 - Friedrich Ani - Totsein
Kategorie: Krimi

Fehlurteile

 

In „Totsein verjährt nicht“ stellt Friedrich Ani zum dritten Mal Polonius Fischers Ermittlungen des Münchner Dezernats 111 vor. Der ehemalige Mönch sieht sich 2008 mit einem Anschlag auf seine Lebensgefährtin und Taxifahrerin Ann-Kirstin Seliger konfrontiert. Sie wurde von zwei Jugendlichen überfallen.
Während sie im Koma liegt, reagiert Fischer auf den Brief eines ehemaligen Mitschülers der seit sechs Jahren verschwundenen Scarlett Peters. Er will sie auf dem Marienplatz gesehen haben. Die Ermittlungen des Dezernats 111 führten zu einer Mordanklage gegen den geistig Behinderten Jockel Krumbholz. Nach ergebnislosen Ermittlungen wurde Fischer die Leitung entzogen und sein Kollege Micha Schell präsentierte bald Krumbholz als Täter. Dieser wurde verurteilt, obwohl er sein Geständnis widerrief und Peters nie gefunden wurde. Gegen Warnungen von Kollegen greift Fischer diesen Fall wieder auf.
Es gibt einen ähnlichen Fall mit vergleichbarem Urteil in Lichtenberg (Landkreis Hof): Peggy Knobloch verschwand am 7. Mai 2001 und der geistig zurückgebliebene Ulvi K. wurde als Mörder verurteilt. Ani setzt sich zusammen mit einer Lichtenberger Bürgerinitiative für die Wiederaufnahme des Ermittlungsverfahrens ein.
Die eskalierende Gewaltbereitschaft, die in München an einigen spektakulären Fällen erkennbar wurde, zeigt Ani in „Totsein verjährt nicht“ unter Anderem an den Überfällen auf TaxifahrerInnen, die Jugendliche als Härtefallübungen ausführen. Die Polizeiaufklärung erweckt in „Totsein verjährt nicht“ den Eindruck, eher Komplement als Gegenmittel zu dieser eskalierenden Gewaltbereitschaft zu sein. Fischer erlebt im Verlauf seiner unerwünschten Ermittlungen im Fall Peters, wie lange Polizisten an aus ihrer Sicht rechtmäßig ausgeführten Ermittlungsverfahren festhalten – als schafft das Verfahren die Gerechtigkeit und nicht das Ergebnis. Doch der Verurteilte Krumbholz war nicht der Mörder, wie Fischers ohne Auftrag wieder aufgenommene Ermittlungen zeigen. Offenbar muss auch im Falle der verschwundenen Peggy Knobloch eine von Polizei und Justiz errichtete Mauer gegen die Wiederaufnahme von Ermittlungen durchbrochen werden.
Erscheint Fischers Trostlosigkeit zu Beginn des Romans als individuelle Verstörung, so erscheint sie am Ende als gesellschaftlicher Zustand – und Ani will im Fall Peggy Knobloch etwas dagegen unternehmen.

Thomas Dreher

Friedrich Ani - Totsein verjährt nicht
Verfasst von Thomas DreherKommentare lesen (1)
03.03.2010 um 00:36 UhrKommentar schreiben
 
24.02.2010 - Scott Sigler - Infiziert
Kategorie: Krimi

Gesundheitsgefährdend!

 

Ein unbekannter Virus bringt Menschen dazu, durchzudrehen und ihre Mitmenschen auf bestialisch Weise umzubringen. Anschließend exekutierten sich die Täter dann auf grauenhafter Weise selbst, um sich dann in eine undefinierbare Masse aufzulösen.

Die CIA nimmt die Ermittlungen auf, angeführt von der Wissenschaftlerin Margaret Montoya, die den Virus entdeckt hat und ihrem Kollegen Amos, einem Experten auf dem Gebiet der Parasitologie .
Der Virus ist heimtückisch und die wenigen Beweise die vorzufinden sind, offenbaren bereits Schreckliches. Doch nichts ist so erschreckend wie die Transformation die der ehemalige Footballspieler „Scary“ Perry Dawsey durchmacht.
Denn der Virus wächst in seinem Körper heran und verwandelt ihn in nach und nach in etwas Anderes, Neues und Grauenvolles...
Die CIA unter der Leitung des Agents Drew sucht nach einem lebenden Wirt um den Virus zu studieren, doch die Zeit tickt unbarmherzig herunter und niemand ahnt wie viel Zeit der Menschheit noch bleibt bis der Virus eine Epidemie auslöst oder wie viel Zeit Perry noch als Mensch bleibt...

Ja, verdammt noch mal, ich gebe es zu: Ich bin infiziert, infiziert mit dem Sigler Virus !

In Amerika hat Scott Sigler , der mit den kostenlosen Podcasts seiner Bücher eine stetig wachsende Fangemeinde um sich schart, bereits einen selbstironischen Fankult um seine Person geschaffen: Auf seiner Website schwelgen seine Hörer und Leser im "Siglerismus", den der Autor als höchst ansteckend bezeichnet, oder lesen in der "Siglerpedia" alles Wichtige über die Welt seiner Romane.
Scott Sigler , der selbsternannte "Future Dark Overlord", ist in Deutschland noch relativ unbekannt - was sich jedoch hoffentlich bald ändert, wenn das süchtig machende Lesevergnügen von "Infiziert " die Leser befällt. Was Sigler damit auf einen loslässt, ist ein extrem brutaler, hammerharter Horrorroman, angesiedelt irgendwo zwischen Stephen King s " Duddits - Dreamcatcher", den aktuellen Wissenschaftsthrillern und den trashigen Monsterfilmen der 1950er Jahre.
Die verschrobene, bluttriefende Geschichte erzählt Sigler mit einem Spaß an der Sache, der sofort mitreißt, und einer Atmosphäre, die von der ersten bis zur letzten Seite stimmig wirkt. "Infiziert " schlägt zu, als würde man einen Reißzwecke mit dem Vorschlaghammer in die Wand treiben: Etwas übertrieben vielleicht, aber garantiert erfolgsversprechend.
Sigler trifft den besonders empfindsamen Nerv des Horrorfans, wie ihn sonst kaum ein anderer trifft. „Infiziert “ ist weder politisch-korrekt noch sollte es eine Jugendfreigabe haben: Es ist ein derbes,brutales, actiongeladenes Gruselvergnügen, um das Zartbesaitete lieber einen großen Bogen machen sollten! Hier ekelt man sich, hier gruselt man sich, hier kann man einfach nicht aufhören zu lesen - und wo sich Zartbesaitete angeekelt abwenden, fühlen sich Genrejünger bekanntlich von Anfang bis Ende pudelwohl. Und immer wenn man ahnt was als nächstes kommt, zieht Sigler ein neues Ass aus dem Ärmel.
Dieser Autor macht keine halben Sachen und zieht sein Ding von Anfang bis Ende durch, mit ALLEN Kosequenzen!
Wenn man dann den hochspannenden Schluss erreicht hat, weiß man, dass man grade Teil hatte an etwas Großem.

"Infiziert " ist ein echter Hit: Oder um es mit den Worten von Perry Dawsey, auszudrücken: Kein Zweifel daran.

Fazit: Der "Planet Terror" unter den Romanen - schnelle, kompromisslose und kultverdächtige Mischung aus Horrorthriller und schwarzhumoriger Pulp Fiction.

Unbedingt anschauen wenn man der englischen Sprache mächtig ist:

http://www.scottsigler.com
und
http://www.scottsigler.com/wiki/index.php/Main_Page

und nicht vergessen: Kostenlose Podcasts runterladen, anhören und „infizieren“ lassen.

Scott Sigler - Infiziert
Verfasst von Florian Specht
24.02.2010 um 17:13 UhrKommentar schreiben
 
08.02.2010 - Stieg Larsson - Verdammnis
Kategorie: Krimi

Teil 2 der Millennium Trilogie

 

Ich habe noch nie ein Buch gelesen, in dem so viele belegte Brote gegessen wurden wie in diesem. Egal wo, egal wann, jeder isst in Larssons Krimi ständig belegte Brote. So viele, dass es mich schon wieder genervt hat.
Das war aber auch so ziemlich das Einzige was mich genervt hat. Auch der zweite Teil der Millennium Trilogie ist unheimlich spannend. Ich bin ja sowieso ein großer Fan von Lisbeth Salander und hier bekommt sie wirklich viel Raum.

Das Buch startet mit einem verstörenden Rückblick, den der Leser zunächst nicht einordnen kann. Jedenfalls mir ging es so. Lasst euch überraschen.
Anschließend begegnet man gleich wieder Lisbeth Salander, die einige Zeit in der Karibik verbringt, da sie nach Klärung des letzten Falles über enorme Summen Geld verfügt. Sie kehrt schließlich nach Stockholm zurück, wo keiner sie seit über einem Jahr gesehen hat und mietet sich in einem sehr luxuriösen Haus eine Wohnung. Da sie noch nie etwas besessen hat sind ihre Versuche die Wohnung einzurichten etwas hilflos. Sie kauft zwar ein, alles bei Ikea, doch dadurch bekommt die Wohnung kein Profil. Lange Zeit hat sie eh nicht, sich dort häuslich niederzulassen, bevor die Hölle losbricht.
Währenddessen arbeitet Mikael Blomqvist zusammen mit einem jungen Journalisten und dessen Freundin an einem brisanten Buch über Mädchenhandel, der höchste Regierungsmitglieder und andere bekannte Persönlichkeiten enttarnt.
Doch dann werden die beiden brutal ermordet und Blomqvist findet ihre Leichen. Als auch Salanders Betreuer ermordet wird, fällt der Verdacht sofort auf sie. Die Presse stilisiert sie zum Racheengel, der seinen eigenen Feldzug gestartet hat. Doch in Wirklichkeit ist alles viel schlimmer und Lisbeth Salander sieht sich einem nahezu übermächtigen Gegner ausgesetzt. Sie beginnt sich zu wehren...

Spannend und äußerst brutal bis zur letzten Seite, teilweise kaum erträglich, so real beschreibt Stieg Larsson das Geschehen. Manchmal frage ich mich, was dieser Mann erlebt haben muss, um solche Bücher schreiben zu können...

Stieg Larsson - Verdammnis
Verfasst von metal-mel
08.02.2010 um 11:54 UhrKommentar schreiben
 
27.01.2010 - Ken Bruen
Kategorie: Krimi

Hardboild in feinster irischer Manier

 

Um Jack Taylor zu beschreiben bedarf es zunächst nicht vieler Worte. Er trinkt, ist unhöflich und im Umgang mit Autoritäten ein Wahnsinniger. Natürlich steckt hinter all den Pints ein belesener, scharfsinniger Ex-Polizist, der leider das Pech hat, dass alle Welt ihn für einen Versager hält. Nicht so Ann Henderson. Denn sie hofft mit der Hilfe Taylors beweisen zu können, dass ihre Tochter keinen Selbstmord begangen hat, sondern Opfer eines perversen Reichen geworden ist.
Das Besondere an Ken Bruens Roman ist die Verbindung zwischen Humor und Tragik mit einem kleinen Schluck Krimi. Denn ein richtiger Krimi im klassischen Sinne ist dies wahrlich nicht. Selbstverständlich dürfen die Gedichte und Zitate zwischen den Erlebnissen Taylors nicht fehlen. Dass Ken Bruen dann auch noch eigentlich Metaphysiker ist verbuche ich als eine gelungene Reise in die Welt der Absurdität. Und natürlich darf es keine Rezension geben ohne den Übersetzter zu erwähnen, wenn es kein geringerer ist, als Harry Rowohlt selbst. Die Einen finden es genial, die anderen zum Fürchten. Die Einen wünschen sich mehr Ken als Harry und die anderen…... Ganz egal. Dieses Buch ist von vorne bis hinten gelungen und ich finde Harry hat wie immer seinen Job gut gemacht. Man darf sich nun auf den zweiten Teil freuen, wenn Jack Taylor seine Affäre mit dem Koks beginnt.

Somit also trinkfeste fünf von fünf goldene Lesebrillen.
(Ausgezeichnet mit dem Deutschen Krimi-Preis, Kategorie International 2010)

Ken Bruen - Jack Taylor fliegt raus
Verfasst von Judith Poznan
27.01.2010 um 09:57 UhrKommentar schreiben
 
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