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Anselm Grün

Das große Buch vom wahren Glück

Anselm Grün

Anselm Grün weiß: Wahres Glück ist ein Geschenk. Wir finden es nicht irgendwo, sondern in uns selbst, mitten im Alltag. Es ist mehr als Vergnügen, es ist Lebensfreude. Erst Selbstvergessenheit macht frei. Liebe schenken und geliebt werden. Ruhig und gelassen leben. Nichts festhalten. Achtsam sein auf das, was um uns ist und dankbar für das, was uns begegnet. Das ist der Königsweg zum Glück.
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Exklusiv-Interview

Auf heilsamen Wegen die Weite des Herzens entdecken


Der 65. Geburtstag des Bestsellerautors und Benediktinerpaters Anselm Grün
wird zum Fest für Leser

 

Pater Anselm Grün ist einer der weltweit berühmtesten und erfolgreichsten geistlichen Autoren. Seine Bücher wurden in über 30 Sprachen übersetzt und haben eine Gesamtauflage von mehr als 15 Millionen erreicht. Der Benediktinermönch und promovierte Theologe verkörpert genau das, was sich die meisten Sinnsuchenden von einem Geistlichen erhoffen: lebendige Spiritualität, Weltoffenheit und ein ausgeprägtes Verständnis für die Sorgen und Sehnsüchte der Menschen.

 

Kein Wunder, dass sein weiser und warmherziger Rat in Managerseminaren ebenso gefragt ist wie in seinen vielen Vorträgen und Kursen. Zur Feier des 65. Geburtstages von Pater Anselm Grün erscheinen im Herder Verlag ganz besondere Geschenkausgaben seiner schönsten Texte.

 

Hugendubel: Worin besteht für Sie die Quintessenz der mönchischen Lebensform?

Anselm Grün: Mönch ist einer, der wahrhaft Gott sucht. So versteht es Benedikt. Das ist auch für mich entscheidend. In der Gemeinschaft der Brüder, in einem klar strukturierten Tag mit fünfmaligem Chorgebet und in der Stille der Meditation halte ich Ausschau nach Gott. Aber diese Suche nach Gott verlangt auch ehrliche Selbsterkenntnis. Die Mönche der Wüste aus dem vierten Jahrhundert sind überzeugt, dass wir Gott nicht erkennen können, ohne vorher uns selbst zu erkennen. So hält mich das Mönchsein innerlich lebendig. Ich suche nach meiner eigenen Wahrheit und ich suche nach Gott. Und in dieser Suche bin ich offen für die Menschen, deren letzte Sehnsucht ja auch Gott ist.

Hugendubel: Dem Ordensleben der Benediktiner liegt die "Regula Benedicti" zugrunde, die Benedikt von Nursia im 6. Jahrhundert zu Papier gebracht hat. Was ist für Sie persönlich das Überzeugende an diesem Regelwerk?

Anselm Grün: Wir nehmen die Regel Benedikts nicht als Gesetzbuch, das wir wörtlich befolgen, sondern als spirituelles Dokument. Mich überzeugt die Weite des Herzens, die die Regel durchzieht und die auch das Ziel benediktinischer Spiritualität ist. Und mich überzeugt das weise Maß, das die Regel auszeichnet, die Weisheit im Umgang mit dem Menschen. Es ist eine optimistische Sicht des Menschen, die aus dem Glauben an Christus im Bruder und in der Schwester kommt.

Hugendubel: Obwohl Sie Ihren Lebenswandel den christlichen Geboten und Ordensnormen verschrieben haben, geben Sie sich nicht als erhaben über weltliche Dinge, sondern zeigen sich von Ihrer menschlichen Seite. Und Sie äußern sich zu Themen, die man von einem Mönch erst einmal weniger erwartet, beispielsweise zum Verliebtsein. Wie kommt das?

Anselm Grün: Als Mönch wird man mit seiner eigenen Wirklichkeit konfrontiert. Und im Herzen eines Mönches sind die gleichen Sehnsüchte wie im Herzen eines jeden anderen Menschen. Dazu gehört eben auch die Sehnsucht nach Liebe und die Erfahrung des Verliebtseins. Entscheidend ist für den Mönch, dass er alles, was sich in seiner Seele regt, immer wieder in die Beziehung zu Gott hinein hält.

Hugendubel: Seit Ende der 70er Jahre schreiben Sie Bücher. Was bewegt Sie dazu?

Anselm Grün: Die 68er-Revolution hat uns junge Mönche damals bewegt, alles, was wir im Kloster gelernt haben, in Frage zu stellen. Wir haben Psychologie studiert, Gruppendynamik praktiziert und Zen-Meditation geübt. Von diesen Erfahrungen her haben wir dann die Schriften der frühen Mönche aus dem 4. bis 6. Jahrhundert gelesen und neu gedeutet. Die Erfahrungen, die wir dabei gemacht haben, haben wir zuerst in Vorträgen und Artikeln in der benediktinischen Monatsschrift formuliert. Als wir spürten, dass das für viele ein heilsamer Weg ist, haben wir die Münsterschwarzacher Kleinschriften herausgegeben. Darin haben wir wichtige Themen der monastischen Spiritualität und der Liturgie aufgegriff en und sie im Dialog mit der Psychologie in einer neuen und verständlichen Sprache dargestellt. Mir war es wichtig, den Reichtum der christlichen Tradition dem Menschen von heute so zu vermitteln, dass er davon leben kann.

Hugendubel: Als unglaublich produktiver Autor haben Sie über 200 Titel veröffentlicht. Welche innere Haltung hat sich beim Schreiben bewährt?

Anselm Grün: Beim Schreiben habe ich immer konkrete Menschen vor Augen, denen ich auf ihre Fragen antworten möchte. Und es ist mir bei allem, was ich schreibe, wichtig zu fragen: Wie kann ich daraus leben? Welche Erfahrung steckt hinter theologischen Aussagen? Wie komme ich an die Erfahrung der spirituellen und theologischen Aussagen heran? Und wie kann ich die Erfahrung für mich und für die Menschen heute fruchtbar machen?

Hugendubel: Gibt es so etwas wie eine Grundbotschaft, die Sie als Autor Ihren Lesern ans Herz legen möchten?

Anselm Grün: Eine Grundbotschaft, die ich in vielen Büchern immer wieder formulieren möchte: In Dir ist ein Raum der Stille, in dem Gott in Dir wohnt. Und dort, wo Gott in Dir wohnt, bist Du frei von den Urteilen und Erwartungen der Menschen. Dort bist Du heil und ganz. Dort kommst Du mit Deinem ursprünglichen und einmaligen Bild in Berührung, das Gott sich von Dir gemacht hat. Da bist Du rein und klar. Dein innerster Kern ist auch von Schuld nicht infi ziert. Ich möchte den Menschen Mut machen, dass sie ihre einmalige Lebensspur in diese Welt eingraben und dass sie von Gott gesegnet und bedingungslos angenommen sind. Und dass sie als Gesegnete – das ist ja die Bedeutung von Benediktus und Benediktiner – ein Segen sind für die Menschen.

Hugendubel: In Ihren Schriften kommt die Formulierung "geerdete Spiritualität" vor. Was meinen Sie damit genau?

Anselm Grün: Geerdete Spiritualität meint für mich einmal, dass die Spiritualität sich konkret ausdrücken muss, etwa in Ritualen, oder in der Art und Weise, wie ich arbeite, rede, lebe. Spiritualität muss sichtbar sein in meiner Lebenskultur. Und zum andern bedeutet geerdete Spiritualität für mich die Haltung der Demut. Demut heißt ja humilitas. Das kommt von humus, Erde. Demut ist der Mut, hinabzusteigen in meine eigene Erdhaftigkeit, in die Tiefen meines Menschseins, in meine eigene Wahrheit. Demut heißt für mich auch: mit beiden Füßen auf der Erde stehen, keine spirituellen Höhenflüge zu machen. Das christliche Paradox ist ja, dass nur der zum Himmel aufsteigt, der zuvor zur Erde hinabgestiegen ist.

Hugendubel: Wenn Sie sich zurückerinnern an den jungen Mann, der Sie bei Ihrem Eintritt ins Kloster waren: Was hat sich für Sie verändert? Wie haben Sie sich verändert?

Anselm Grün: Als ich ins Kloster eintrat, war ich sehr vom Leistungsgedanken geprägt. Ich wollte für Gott und für die Kirche etwas leisten. Doch dann kam ich nach ein paar Jahren mit meinen eigenen Gefühlen und mit meinem Unbewussten in Berührung. Jetzt ist es für mich wichtig, dass der benediktinische Rhythmus mich wach hält und dass er mich auf Gott hin treibt, damit ich nicht stehen bleibe in meiner Suche nach Gott und in meiner Suche, den Menschen Gott nahe zu bringen.

Hugendubel: Das Älterwerden erfüllt viele Menschen mit gemischten Gefühlen – Sie hingegen betrachten es anscheinend gelassen. Weshalb?

Anselm Grün: Das Älterwerden ist eine spannende Aufgabe. Es ist wie in der Natur. Im Herbst bringen wir die Ernte ein. Und die Farben werden bunter und milder. Das ist für mich die Aufgabe des Alters: die Frucht meines Lebens dankbar zu genießen und dankbar weiter zu reichen. Und Milde und Weisheit auszustrahlen. Ich hoffe, dass es mir gelingt.

Hugendubel: Der 65. Geburtstag ist für viele Menschen ein besonderes Ereignis. Welchen Stellenwert hat er für Sie?

Anselm Grün: Im Kloster wird man mit 65 Jahren nichtpensioniert. Insofern ist der 65. Geburtstag kein so entscheidender Einschnitt für mich. Aber der 65. Geburtstag erinnert mich daran, dass ich im Pensionsalter bin, dass ich mich nicht mehr mit Arbeit beweisen muss. Und er ist eine Einladung, manches loszulassen und gelassen die Jahre zu leben, die mir Gott noch schenkt. Gelassenheit heißt für mich aber noch nicht, dass ich die Hände in den Schoß lege. Ich möchte auch weiterhin für die Menschen arbeiten, schreiben, Vorträge und Kurse halten, aber eben in Gelassenheit und Weisheit und Milde.

 

Anselm Grün im Hugendubel-Exklusivinterview, Quelle: Büchermenschen 1/2010

 

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