Hugendubel Exklusiv-Interview
Wenn die Schwerter sprechen
Bernard Cornwells packende Abenteuerromane
In England und Amerika, seiner alten und seiner neuen Heimat, gilt er längst als Großmeister des historischen Romans: Bernard Cornwell 1944 in London geboren. Als der erfolgreiche BBC-Reporter seiner Ehefrau zuliebe in die USA zog, bekam er keine Arbeitsgenehmigung. Weil für Erfindungsgeist glücklicherweise keine Green Card nötig ist, wurde er Schriftsteller. Bei uns in Deutschland findet – nach seiner Trilogie über König Arthur – vor allem sein Zyklus über die gegensätzlichen Helden Alfred und Uhtred viele begeisterte Leser. Nun ist Schwertgesang, der vierte Teil, erschienen.
Sie sind ein ungemein produktiver Autor und veröffentlichen pro Jahr durchschnittlich zwei Bücher. Wie dürfen wir uns Ihren Alltag als Romanautor vorstellen?
Sehr eintönig! Ich setze mich morgens sehr bald an die Arbeit, normalerweise um 6 Uhr. Abends höre ich gegen halb sechs auf. Normalerweise genehmige ich mir nur kleine Pausen. Ich schreibe nicht die ganze Zeit, sondern mache mir auch Gedanken über die Bücher und lese einiges zum Thema nach. Zwischen den einzelnen Büchern nehme ich mir lange frei. Dann reisen meine Frau und ich. Oder wir segeln im Sund von Nantucket.
Wie wichtig ist es Ihnen denn, in Ihren Romanen historisches Wissen zu vermitteln?
Nicht besonders. Wichtig ist mir vielmehr, Begeisterung für Geschichte zu wecken. Meiner Meinung nach eröffnen die Verfasser historischer Romane einen ersten Zugang zur Geschichte. Die Leute lesen unsere Bücher zum Vergnügen – hoffe ich jedenfalls – und dann wenden sie sich den echten Historikern zu, weil sie Interesse entwickelt haben.
Ihr neuer Roman „Schwertgesang“ führt ins Reich der Angelsachsen: in die Ära Alfreds des Großen, der von 871 bis 899 als König von Wessex regierte. Was macht diese historische Phase für Sie so interessant?
In dieser Zeit wurde England geschaffen, und die Engländer wissen erstaunlich wenig darüber. Wenn es stimmt, dass wir die Gegenwart nur verstehen können, wenn wir die Vergangenheit begreifen, dann sollten die Menschen verstehen, wie und wo ihre Nation geschaffen wurde. Vor Alfred gab es England nicht, aber seit seiner Regierungszeit ist es immer eine politische und gesellschaftliche Realität gewesen. Und vieles aus dieser Zeit ist noch lebendige Wirklichkeit.
Worin besteht nach Ihren Erkenntnissen die historische Bedeutung Alfreds des Großen?
Seine bemerkenswerteste Leistung war die Bewahrung des Sächsischen und der sächsischen Kultur in einem Land, das unter dänische Herrschaft zu geraten drohte. Wäre Alfred gescheitert oder ein Mann geringeren Formats König von Wessex gewesen, würde England heute wahrscheinlich „Daneland“ heißen und wir würden Dänisch sprechen. Außerdem war Alfred ein sehr intelligenter Mensch, was bei Königen ja selten ist!
Im Mittelpunkt Ihrer Romanreihe steht der angelsächsische Kriegsherr Uhtred von Bebbanburg. Über ihn berichten Sie einerseits, dass er eine erfundene Figur ist und andererseits, dass er mit Ihrer Familiengeschichte zu tun hat. Erklären Sie uns das doch bitte einmal genauer.
Mein leiblicher Vater hieß Oughtred. Wie er bin ich ein direkter Abkömmling der Familie Uhtred, die den Nordwesten Englands fast fünfhundert Jahre lang beherrschte. Ihr Stammsitz war Bebbanburg, heute Bamburgh Castle. Unter König Knut im frühen 11. Jahrhundert verlor die Familie ihren Einfluss, aber in Nordengland gibt es sie noch. Über Uhtred von Bebbanburg wissen wir nahezu nichts – was aber kein Hindernis ist, diesen mysteriösen Vorfahren zur Hauptfigur meiner Romane zu machen.
Bernard Cornwell im Exklusiv-Interview für Hugendubel, Quelle: Büchermenschen 1/2009