"Das andere Kind" - jetzt versandkostenfrei bestellen!Der neue Roman von Charlotte Link
Charlotte Link

Spannende Unterhaltung mit Charlotte Link: Eine alte Farm, eine einsame Landschaft, ein düsteres Geheimnis aus vergangener Zeit. Mit tödlichen Folgen für die Gegenwart. In der beschaulichen nordenglischen Küstenstadt Scarborough wird eine Studentin grausam erschlagen aufgefunden. Monatelang tappen die Ermittler im Dunkeln - dann geschieht ein ähnliches Verbrechen. Ein Zusammenhang zwischen den beiden Opfern ist dennoch kaum herzustellen.
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Exklusiv-Interview: Charlotte Link
Garantiert Gänsehaut: Charlotte Link
Wo selbst eine Bestsellerautorin Angst hat und was ihr Halt gibt
QUEEN OF CRIME – die Versuchung ist groß, Charlotte Link in einem Atemzug mit Minette Walters oder Elizabeth George zu nennen. Schreibt sie doch in bester britischer Krimitradition – an ihrem Schreibtisch in der Nähe von Frankfurt/Main. Und dies nach eigenen Angaben jeden Tag ab 8 Uhr. Bereits mit 16 Jahren schrieb sie ihren ersten Roman und erntete mit der „Sturmzeit“-Trilogie, die das ZDF verfilmte, viel Ruhm.
Ihre historischen Romane sind für Charlotte Link inzwischen Geschichte. Anlässlich des Erscheinens ihres neuen Bestsellers Das Echo der Schuld – ein Psychothriller über eine Familie in höchster Gefahr verriet sie uns, was ihr Familie bedeutet und wovor sie sich ein wenig fürchtet.
Frau Link, jeder Roman hat eine Vorgeschichte – was war der Auslöser für „Das Echo der Schuld“?
Charlotte Link: Während unserer Ferien in Südfrankreich vor einigen Jahren zog in das Nachbarhaus eine Familie ein, die ein besonderes Schicksal erlitten hatte. Vor einer Weltumsegelung verkaufte sie alles, was sie besaß. Dann verunglückte ihr Boot vor der tunesischen Küste. Die Familie überlebte, kam bei Verwandten unter, aber sonst hatten sie alles verloren. Diese Familie erzählte mir ihre Geschichte. Zwar dauerte es zwei Jahre, bis ich dieses Schicksal aufgriff – aber dies war damals der erste Funke für „Das Echo der Schuld“, in der ja auch jemand mit seinem Schiff verunglückt.
Die Familie in das "Echo der Schuld" ist nach außen wie aus dem Bilderbuch. Ihr Blick hinter die Fassade offenbart Abgründe. Was empfinden Sie persönlich beim Gedanken an das Modell Familie?
Charlotte Link: Familie ist für mich unverzichtbar. Ich bin ein totaler Familienmensch und überhaupt nicht geschaffen für ein Leben alleine. Familie bedeutet für mich: Rückzugsort, Geborgenheit, Sicherheit. Wobei ich auch sehe, dass viele Leute und Familien nach außen stimmig erscheinen, aber bei weitem nicht so perfekt sind, wie es den Anschein hat. Gerade perfekt erscheinende Familien brechen ganz überraschend auseinander.
Entwickeln Ihre Hauptfiguren auch einmal ein Eigenleben?
Charlotte Link: Ja, und dies ist ganz schwierig zu erklären. Manchmal merke ich beim Schreiben: Wenn ich jetzt den Handlungsverlauf so weiterverfolge, dann passt er nicht mehr zu der Figur. So beginnt meistens das Eigenleben von Figuren. Dann muss ich die Handlung verändern, anpassen, neu strukturieren, sonst wird alles unstimmig – deshalb muss ich oft nach etwa einem Drittel mein Konzept ändern.
Die Handlung von "Das Echo der Schuld" verläuft auf mehreren Erzählebenen und ist voller überraschender Wendungen und Täuschungen – wie behalten Sie den Überblick über Logik, die Figuren und die angesprochenen Veränderungen?
Charlotte Link: Mit ganz vielen Listen und Zetteln, die ich anlege. Ich notiere z.B. bei den Figuren ganz banale Dinge wie Geburtsdatum, Augenfarbe – sonst vergisst man einfach Kleinigkeiten. Ich mache richtige Pläne, auf denen Pfeile, Kreuze und andere Symbole die Handlung kennzeichnen. Diese Pläne ändere ich locker bis zu zehn Mal, weil sich eben das Schreiben nicht immer danach richtet. Ich habe also immer zwei Dinge nebeneinander im Blick: meinen Computer, in dem der Roman entsteht, und eine sich langsam ins Uferlose entwickelnde Zettelwirtschaft.
Wie recherchierten Sie dafür? Vor Ort, in Büchern, im Internet oder ein bisschen von allem?
Charlotte Link: Bei meinen historischen Romanen betrieb ich sehr viel Recherche mit Hilfe von Büchern und dem Internet. Bei meinen modernen Romanen wie „Das Echo der Schuld“ suche ich immer die Orte auf, an denen meine Bücher spielen – möglichst sogar zweimal. Zuerst um einen Grundeindruck zu bekommen und dann, wenn ich schon schreibe, um ganz gezielt nach Details zu suchen.
Haben Sie immer einige Ideen für neue Romane in petto oder sind Sie manchmal in Sorge, dass Ihnen diese ausgehen könnten?
Charlotte Link: Richtig in der Schublade habe ich eigentlich nichts. Es ist nur manchmal so, wie in „Das Echo der Schuld“, dass das Thema erst reifen muss – vorher war es mir nicht als Stoff für einen Roman bewusst. Es passiert mir schon häufiger, dass ich denke, „so jetzt müsste doch wieder etwas kommen“ – und es kommt aber nichts. Es macht für mich dann aber keinen Sinn, krampfhaft darüber nachzudenken. Der Stoff und ich, wir müssen uns finden, und das kann ich nicht beschleunigen oder gewaltsam herbeiführen.Zum Glück ist es immer irgendwann passiert. Aber man denkt natürlich schon manchmal: Ja, was mache ich, wenn dies inmal aufhört?
Aber selbst nach fast 20 Romanen sind Ihnen die Ideen doch noch nie ausgegangen...
Es gab schon Phasen, in denen ich über Monate absolut nicht wusste, was ich als nächstes schreiben würde. Das Warten finde ich sehr schwierig, ich werde so unruhig, nicht einfach nur ängstlich.
Psychologische Thriller, historische Romane, packende Schmöker – es scheint Ihnen zu gefallen, in keine Schublade zu passen ...
Charlotte Link: Nach meinen historischen Romanen zu Beginn meiner Laufbahn habe ich bewusst dagegen gesteuert und gemerkt, dass ich vollkommen dort eingeordnet wurde. Dann dachte ich, irgendwann lassen die Leser mich nicht mehr aus dieser Schublade raus, und ich mache mit 80 Jahren noch, was ich mit 18 Jahren gemacht habe. Und dies war eine schreckliche Vorstellung. Deswegen habe ich dieses Genre sehr bewusst verlassen – immer mit der Option, dahin wieder zurückkehren zu können, wenn ich daran Spaß habe. Es war mir wichtig, auch andere Dinge auszuprobieren, sonst wird es doch langweilig!
Seit Sie 12 Jahre alt sind, sind Sie überzeugte Vegetarierin und Tierschützerin warum findet sich von diesen Überzeugungen und Werten bislang nichts in Ihren Romanen?
Charlotte Link: Über diese Frage habe ich schon sehr oft nachgedacht, weil ich Tierschutz gerne einmal thematisieren würde. Vermutlich Vermutlich geht mir aber dieses Thema zu nahe. Ich schaffe es einfach nicht: Es ist mir zu wichtig, zu ernst, beschäftigt mich zu sehr. Ich hätte das Gefühl, etwas zu benutzen, um spannend zu unterhalten, was mir als Thema aber zu sehr unter die Haut geht.
Sie sagten einmal, dass Buchhändler entscheidend zu Ihrem Erfolg beitrugen. Was bedeutet es für Sie, in eine Buchhandlung zu gehen?
Charlotte Link: Eine Buchhandlung ist für mich ein Stück Heimat und ein Ort, wo ich am konzentriertesten finde, was ich liebe: Bücher. Ich halte mich unheimlich gerne in Buchhandlungen auf und stöbere, blättere in Büchern und gehe mit einem großen Stapel nach Hause.
Charlotte Link im Exklusivinterview für Hugendubel, Quelle: Büchermenschen 05/2006