Martin SuterDer Koch
Martin Suter

Maravan, 33, tamilischer Asylant, arbeitet als Hilfskraft in einem Züricher Sternelokal, tief unter seinem Niveau. In Sri Lanka hatte ihn seine Großtante in die Kochkunst eingeweiht, nicht zuletzt in die Geheimnisse der aphrodisischen Küche. Als er gefeuert wird, ermutigt ihn seine Kollegin Andrea zu einem Deal der besonderen Art: einem gemeinsamen Catering für Liebesmenüs. "Love Food" lockt eine zahlungsfähige Klientel: Männer aus Politik und Wirtschaft - und deren Grauzonen. Maravan hat Sorge, das Geschäft könne unanständig werden. Und das wird es.
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Exklusiv-InterviewFür literarische Gourmets
Martin Suters Roman "Der Koch"
Der beliebteste Schweizer Schriftsteller lebt hauptsächlich in Guatemala und auf Ibiza und feiert regelmäßig internationale Erfolge: Bekannt wurde Martin Suter durch seine "Business Class"-Kolumnen über die merkwürdige Welt des Managements und durch Romane wie "Small World", "Die dunkle Seite des Mondes" und "Ein perfekter Freund". Ob "Lila, Lila", eine Satire auf den Literaturbetrieb oder "Der letzte Weynfeldt" über echte und falsche Kunstwerke und Gefühle: Suters Werke bestechen durch pointierte Dialoge, lebendige Charakterzeichnung und eine wunderbare Leichtigkeit – selbst bei Beschreibungen drastischer Realitäten. Das gilt auch für den neuen Roman "Der Koch", in dem der Titelheld in eine delikate Situation gerät.
Hugendubel: In Ihrem neuen Roman wird seitenweise mit Leidenschaft gekocht – und zwar auf hohem Niveau. Teilen Sie diese Begeisterung?
Martin Suter: Ich koche gerne, aber nicht auf so hohem Niveau wie der Held meines neuen Romans, der Tamile Maravan. Ich bin nur der Koch der Familie – und da wird die Leidenschaft manchmal von der Zweckmäßigkeit abgelöst.
Hugendubel: Die kulinarischen Recherchen müssen ein besonderes Vergnügen gewesen sein. Wie kamen Sie auf den exquisiten Kochstil?
Martin Suter: Maravans Love-Menüs sind molekulare Varianten uralter aphrodisischer Rezepte aus der ayurvedischen Medizin. Für diese Abwandlungen habe ich mich von Rezepten renommierter Molekularköche inspirieren lassen. Heiko Antoniewicz, der Molekularkoch und Autor einiger wunderbarer Kochbücher, hat die Rezepte auf ihre Machbarkeit überprüft und sie im Anhang auch nachkochbar rezeptiert.
Hugendubel: Was fasziniert Sie an der Molekularküche?
Martin Suter: Die Frage ist mehr, was Maravan daran fasziniert. Er hat seine Jugend in der Küche einer Tante verbracht. Aber lassen Sie ihn die Frage doch selber beantworten: "Damals lernte ich, dass Kochen nichts anderes ist als Verwandeln. Kaltes in Warmes, Hartes in Weiches, Saures in Süßes. Deswegen bin ich Koch geworden. Weil mich das Verwandeln fasziniert." Und er liefert auch die Begründung nach, weshalb ihn die Molekularküche interessiert: "Ich möchte weitergehen. Das Verwandelte weiterverwandeln [...] Ich will aus dem Vertrauten etwas Neues machen. Aus dem Erwarteten etwas Überraschendes."
Hugendubel: Einerseits wirkt Maravan fast ein bisschen wie ein verwunschener Prinz aus einem Märchen, der erst einmal viele Herausforderungen meistern muss, bis er "erlöst" wird. Andererseits wird durch ihn nicht zuletzt die harte Realität des Asylantenlebens bewusst. Worum ging es Ihnen beim Schreiben?
Martin Suter: Das freut mich, dass Maravan Ihnen so vorkommt. So wollte ich ihn erscheinen lassen. Ich finde es auch gut, dass er den Lesern das Asylantenlos und den Konflikt in Sri Lanka näher bringt. Aber darum ging es mir nicht beim Schreiben. Ich wollte, wie immer, nur eine Geschichte erzählen. Weil darin ein tamilischer Asylbewerber die Hauptrolle spielt, war es ganz natürlich, dass die Realitäten im Asylantenleben
eine Rolle spielen.
Hugendubel: Würden Sie sagen, Maravan ist ein typischer Suter-Held? Ziemlich typisch erscheint etwa das Staunen darüber, was alles in ihm steckt und wozu er fähig ist, oder?
Martin Suter: Ich habe mir das beim Schreiben nicht überlegt, aber jetzt, wo Sie mich dazu zwingen, muss ich zugeben: Ja, er ist in dieser Beziehung wieder ziemlich typisch geworden.
Hugendubel: Die gravierenden Veränderungen im Leben Ihrer Romanhelden werden oft von Frauen ausgelöst – die überhaupt die Regie zu führen scheinen. Wie ist das zu erklären?
Martin Suter: Die Erklärung ist einfach: Das Fundament aller meiner Romane ist die Wirklichkeit.