Leser fragen - Autoren antworten
Richard David Precht beantwortet Leserfragen
Mit seinem philosophischen Buch Wer bin ich - und wenn ja wie viele? ist Richard David Precht nahezu dauerhaft in den deutschen Bestsellerlisten vertreten. Sein aktuelles Buch heißt Liebe - Ein unordentliches Gefühl und richtet sich mit einem Augenzwinkern an alle, die endlich wissen wollen, was es mit der Liebe auf sich hat.
Wir bringen Leser und Autoren zusammen

Bettina Kreuzer, Schrobenhausen: In Anlehnung an Ihr Buch: Wie viele sind Sie denn?
Richard David Precht: Wie bei jedem anderen Menschen auch, wechseln bei mir verschiedene Ich-Zustände im Gehirn. Außerdem spielen wir alle verschiedene soziale Rollen, die unser Selbstbild (und damit unser Ich) bestimmen.
Helga Pöhler, Stuttgart-Moenchfeld: Wie kommt man auf die Idee, ein Buch über eine aufregende Entdeckungsreise zu uns selbst zu schreiben? Steckt da eine Lebenskrise dahinter, oder was war der Anlass für dieses Buch(-Thema)?
Richard David Precht: Anlass zum Buch war keine Lebenskrise, sondern der erfreuliche Umstand, drei Stiefkinder zu bekommen, denen ich meine Welt, die Philosophie, erklären wollte. Später wurde aus dem geplanten Jugendbuch dann ein Buch für Erwachsene.
Monika Gradl, Poing: Der Titel 'Wer bin ich ...' ist auf den ersten Blick recht irreführend und verleitet zu der Annahme, es handelt sich um ein Sachbuch über Schizophrenie. Ist das beabsichtigt?
Richard David Precht: Der Titel des Buches spielt nicht auf Schizophrenie an, sondern darauf, dass viele Hirnforscher meinen, dass es kein Ich gibt, sondern nur verschiedene Ich-Zustände.
Annemarie Heller, Stuttgart: Herr Precht, hat Ihnen die Recherche und das Schreiben des Buchs "Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?" geholfen, sich selbst besser zu verstehen?
Richard David Precht: Das Buch hat mir nicht dazu verholfen, mich selbst besser zu verstehen. Diesen Prozess sollte man eigentlich abgeschlossen haben, bevor man mit dem Schreiben beginnt.
Steffen Müller, Berlin: Kann der Autor, nachdem er die Liebe psychologisch, chemisch und physikalisch durchleuchtet hat, selber noch lieben?
Richard David Precht: Aber gewiss doch. Auch Ärzte genießen noch Sex, obwohl sie wissen, wie es dabei im Körper aussieht.
Marcella Bartoniek, Vechta: Welches war das erste Buch, das Sie für sich gekauft haben?
Richard David Precht: Es war "Taran und der Zauberspiegel", das Buch kostete damals 12 DM, was sehr viel Geld für mich war. Aber ich bin auch heute noch ein großer Verehrer der "Taran"-Bücher von Lloyd Alexander.
Thomas Bayerle, Augsburg: Kann sich eine Gesellschaft erfolgreich weiterentwickeln, wenn ihr Wirtschaftssystem stark sozial ausgerichtet ist oder ist sie, anhand der menschlichen Grundeigenschaften*, grundsätzlich zum Scheitern verurteilt?
*z.B. "Die Bequemlichkeit": Wenn wir ein Grundeinkommen hätten, wieso sollte ich dann noch zur Arbeit gehen?
Richard David Precht: Nur soziale Wirtschaftssysteme können langfristig erfolgreich sein. Ansonsten brechen die Gesellschaften über kurz oder lang auseinander oder zusammen. Außerdem ist es für einen stabilen Wirtschaftserfolg wichtig, dass sich die Bevölkerung möglichst viele Produkte leisten kann, dass sich Mittelschichten ausprägen etc. Was das Grundeinkommen anbelangt: Menschen arbeiten nicht nur für Geld, sondern auch für Erfüllung, Anerkennung und Selbstwertgefühl. Daran kann man anknüpfen.
Peter Galuschka, Kempten: Wie sind Sie zum Schreiben gekommen? Gab es da ein Schlüsselerlebnis?
Richard David Precht: Ich bin in einem Elternhaus mit sehr vielen Büchern aufgewachsen. Literatur zählte bei uns zuhause mehr als Status und Geld. Das war eine starke Vorprägung. Schon mit 18 wollte ich Bücher schreiben.
Nadine Reinhard, Niedenstein: Was machen Sie, wenn Ihnen beim Schreiben die Ideen fehlen? (falls das passiert :-)
Richard David Precht: Mein Problem ist nicht ein Mangel an Ideen, sondern ein Mangel an Zeit. Leider.
Britta Freise, München: Mir hat Ihr Buch "Wer bin ich und wenn ja, wie viele?" sehr gut gefallen, da man einen guten Überblick über die Philosophie bekommen hat. Planen Sie ein weiteres Buch dieser Art zu einem anderen großen Thema?
Richard David Precht: Ja, ich plane ein weiteres philosophisches Buch. Es soll nächstes Jahr im Herbst erscheinen. Hoffentlich reicht die Zeit.
Richard D. Precht exklusiv für Hugendubel.de