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Leser fragen - Autoren antworten
Friedrich von Schiller (alias Rüdiger Safranski) beantwortet Leserfragen
Auf Hugendubel.de hatten Leser die Möglichkeit, Fragen an Friedrich von Schiller zu stellen - und wenn einer diese Fragen beantworten konnte, dann Rüdiger Safranski: Der in Berlin lebende Philosoph und Schriftsteller ist bekannt für seine Schiller-Expertise: Von Rüdiger Safranski stammen unter anderem "Schiller als Philosoph. Eine Anthologie" sowie "Schiller oder die Erfindung des deutschen Idealismus". 2009 erschien von Rüdiger Safranski "Goethe und Schiller. Geschichte einer Freundschaft."
Leser-Fragen an
Friedrich von Schiller:
Uschi Seitz, Frankfurt: Sehr geehrter Herr von Schiller, in einer Buchhandlung habe ich Ihre und Herrn Goethes Büste in Form von Salz- und Pfefferstreuern (zusammen in einer kleinen Geschenkschachtel verpackt) gesehen. Wie finden Sie das? Mit freundlichem Gruß U. Seitz
Friedrich Schiller (Rüdiger Safranski): Wenn ich der Salzstreuer bin, ist das nicht schlecht. Denn schon im neuen Testament heißt es. „Ihr sollt das Salz der Erde sein…!“
Hermine Endt, Eggolsheim: Warum hat Goethe Schiller nie eine lukrative Anstellung am Weimarer Hof verschafft?
Friedrich Schiller (Rüdiger Safranski): Immerhin hat er mir in späteren Jahren (1804) dabei geholfen, vom Weimarer Herzog eine höhere Pension herauszuschlagen…
Jan Grüner, Berlin: Herr Schiller, Goethe steht Ihrem schwäbischen Landsmann Hölderlin eher reserviert gegenüber. Was halten Sie von seiner Kunst?
Friedrich Schiller (Rüdiger Safranski): Ich habe ihn ‚meinen liebsten Schwaben’ genannt und das meine ich auch so. Er ist talentiert, aber ich habe den Eindruck, dass er zu sehr an mir Maß nimmt. Er muß noch selbstständig werden. Hoffentlich schafft er das…
Susanne Fejer, Frankfurt: Wieso soll ausgerechnet Dido Amalia aus "Die Räuber" sterben lehren?
Friedrich Schiller (Rüdiger Safranski): Von wem denn sonst?!
Karin Keller, Hohen Neuendorf: Herr Schiller, glauben Sie, sofern Sie wiedergeboren würden in der heutigen Zeit zurecht zu kommen?
Friedrich Schiller (Rüdiger Safranski): Ich schreibe gerne Briefe, also würde ich das E-Mail nutzen. Da ich wegen meiner Krankheit nicht viel auf reisen gehen kann, würde ich mir durchs Internet die Welt ins Haus holen. Nur den Leuten vom sogenannten Regietheater müsste ich den Kopf zurecht setzen, damit sie mir meine Stücke nicht verschandeln…
Björn Verlohner, Hördt: Lieber Herr Schiller, war es Ihnen bewusst, mit Ihren Werken etwas für die Ewigkeit geschaffen zu haben?
Friedrich Schiller (Rüdiger Safranski): Nicht für die Ewigkeit, aber für eine Nachwelt, in der es noch Leute gibt, die lesen und ins Theater gehen, in ein Theater allerdings, wo noch geredet und nicht nur geschrieen wird…
Lisa Kohlruss, Emsdetten: Was hatten Sie an Christiane Vulpius auszusetzen?
Friedrich Schiller (Rüdiger Safranski): Die Vulpius hat mir ganz gut gefallen, war eine hübsche Person, hat vielleicht ein bisschen zu viel getrunken. Aber meine Charlotte war nun wirklich nicht gut auf sie zu sprechen. Sie dürfen nicht vergessen, dass meine Charlotte die Patentochter der Frau von Stein war. Also können Sie sich vorstellen, was ich zu Hause über Christiane zu hören bekommen habe. Ich gebe zu, ich konnte meine Unbefangenheit nicht bewahren, ich war Christiane gegenüber verkrampft und darum habe ich versucht, sie zu ignorieren, so weit es ging. Ich weiß – das war nicht besonders edel..
Rudolf Strischek, Berlin: Wie war die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie mit von Goethe?
Friedrich Schiller (Rüdiger Safranski): Hervorragend. Ich habe von Goethe gelernt, denn der kannte sich nicht nur in der Astronomie aus, sondern glaubte auch an die Astrologie. Der Einfluß der Sternenkonstellation auf das Menschenschicksal war für ihn ein Symptom der Verknüpfung des Menschen mit dem Kosmos. Ich stehe diesem Gedanken eher fern, aber durch Goethe kam er mir nahe und so nahm ich ihn schließlich auch in meinen "Wallenstein" auf.
Monika Gradl, Poing: Warum sind Sie, verehrter Herr Schiller, letztendlich doch nicht nach Amerika emigriert?
Friedrich Schiller (Rüdiger Safranski): O Gott, mir fehlte die Gesundheit, sonst wäre ich rübergefahren. Ich wollte ja sogar ein Stück darüber schreiben, aber dann ist mir Russland und der falsche Zar Demetrius dazuwischen gekommen. Aber ist das nicht auch ein fremder unbekannter Kontinent, ein riesiger Raum, in dem man sich verlieren kann!?
Karl-Heinz Schulz, Emsdetten: Worin besteht der gravierendste Unterschied zwischen Ihrer Dichtung und der von Goethe?
Friedrich Schiller (Rüdiger Safranski): Ich habe mich mehr an Ideen orientiert, Goethe an der Erfahrung, dem Gefühl und der Intuition…
Rüdiger Safranski als Friedrich Schiller - exklusiv im Hugendubel Leser-Interview