Leser fragen - Autoren antworten
Sibylle Berg beantwortet Leserfragen
Das neue Buch von Sibylle Berg Der Mann schläft sei "ein brutal ehrlicher Roman", schreibt Felicitas von Lovenberg in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Sibylle Berg gehört zu den eigenwilligsten Autorinnen der deutschsprachigen Literatur.
"Geboren vor nicht allzu langer Zeit in Weimar" lebt Sibylle Berg jetzt in Zürich und schreibt Romane, Theaterstücke sowie Texte für verschiedene Magazine in Deutschland und der Schweiz. Auf Hugendubel.de hatten Leser die Möglichkeit, Fragen an Sibylle Berg zu stellen:
Leser-Fragen an Sibylle Berg:
Steffen Schlebeck, Erfurt:
Warum nutzen Sie Twitter?
Sibylle Berg: Ich wollte einmal das Web 2.0 nutzen, satt nur Vorurteile zu haben. Ich fand es peinlich, als ich mich einmal dabei erwischte von: Zeitverschwendung und ich hab lieber reale Freunde—zu reden, ohne zu wissen, wovon genau ich sprach.
Sandra Ohlsen, Großefehn:
Erinnern Sie sich noch daran, wann Sie das erste Mal irgendwas geschrieben haben, auch wenn es vielleicht niemals jemand zu sehen bekommen hat? Und aus welcher Situation heraus ist es entstanden?
Sibylle Berg: Das erste Mal habe ich einen Krimi zu schreiben versucht, als ich fünf oder sechs war. Ich habe mich dann leider komplett in Handlungssträngen verloren und dachte: Nun, für die große Schriftstellerkarriere ist es wohl doch noch zu früh.
Marga Grabosch, Köln:
Wie empfinden Sie das plötzliche Leben im Rampenlicht (in der Öffentlichkeit)?
Sibylle Berg: Oh, das ist nicht plötzlich. Diese Öffentlichkeitssache begann mit dem ersten Buch, vor 14 Jahren? Ich fand es furchtbar. Und daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Ich habe akzeptiert, dass man heute für seine Bücher werben muss und dass man versuchen muss in den Medien statt zu finden, wenn man von seiner Arbeit leben will. Aber unangenehm ist es immer noch, weil es völlig dem widerspricht, was mir am Beruf des Autors gefällt: Zu Hause sein zu können.
Wolfgang Zielke, Berlin:
Warum fahren Sie Motorroller und welchen Typ?
Sibylle Berg: Ich habe eine Aprilia, so ein RetroModell, und ich liebe Rollerfahren, weil es so schön langsam ist, und weil ich zu faul zum Laufen bin.
Paul Frantz, München:
Wie ist das Verhältnis von dichterischer Inspiration zu harter Arbeit in Ihren Büchern?
Sibylle Berg: Eine Idee zu finden ist der angenehme Teil der Arbeit und ist zeitlich nicht genau zu fassen. Ich habe eine kleine Idee, ein Wort, ein Gefühl, ich schreibe es auf, es entwickelt sich weiter. Irgendwann habe ich das Gefühl, die beste Idee der Welt für das beste Buch der Welt zu haben. Und dann beginne ich zu schreiben. Das dauert ewig, mindestens ein Jahr, und am Ende habe ich nie, nie das schreiben können, was ich wollte. Ein ständiges an sich scheitern.
Peter Ritzer, Rosenheim:
Was treibt Sie an, was motiviert Sie zum Schreiben? Berufliche Gründe?
Sibylle Berg: Ich lebe seit zwanzig Jahren vom Schreiben, da stellt sich die Frage nach dem eigentlichen Ursprung nicht mehr. Es ist ein Beruf geworden.
Julia Bergmann, Lemgo:
Ihre Hörbücher werden ja immer von tollen Frauen gelesen, haben Sie Einfluss darauf, wer Ihren Texten die Stimme gibt?
Sibylle Berg: Nein, die Hörbuchverlage erwerben die Rechte und bestimmen die Lesende.
Jennifer Vogel, Burghausen:
Welche Autoren und Autorinnen lesen Sie selbst gern?
Sibylle Berg: Ich liebe Sachbücher über Architektur, Feminismus, Psychologie, den Krieg, Massenmörder, Hunde. Und ich lese sehr wenig Romane, weil mir die Zeit fehlt, mich auf Literatur einlassen zu können. Wenn ich einmal Ferien habe, lese ich Haruki Murakami, Will Self, Bret Easton Ellies, Karin Duve, Elfriede Jelinek.
Silvia Reger, Berlin:
Glauben Sie, dass die Menschen zu hohe Ansprüche an ihr eigenes Leben stellen?
Sibylle Berg: Nein, ich glaube eher, dass die Menschen in den westlichen Ländern oft nicht herauszufinden versuchen, was ihre Ansprüche sind, oder welche Ansprüche ihnen von Werbung und Medien eingetrichtert wurden.
Maria Grandl, Würzburg:
In Ihrem neuen Buch geht es auch um die Frage, warum wir ständig nach Veränderung streben, anstatt einfach mal zufrieden zu sein. Trifft das auch auf Sie zu? Oder was fasziniert Sie persönlich an dieser Frage?
Sibylle Berg: Im neuen Buch geht es eigentlich (fand ich) zum ersten Mal nicht um Veränderung, sondern um eine große Zufriedenheit mit dem, was ist. Den einzigen Fehler, den das Paar macht ist, in Urlaub zu fahren. Na, das kann schon mal passieren. In meinen vorigen Büchern, damit haben Sie sehr Recht, versuche ich zu ergründen, warum die Menschen meist das wollen, was sie nicht haben. Zum Teil ist das sicher Evolution, dieses sich entwickeln wollen, mehr wollen, aber leider meist nicht intellektuell, sondern materiell. Ich will auch mehr. Im Moment einen Hund. Mal sehen, ob ich, falls er irgendwann bei mir ist, zufrieden bin.
Sibylle Berg exklusiv im Hugendubel Leser-Interview