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Walle Sayer – Zusammenkunft. Ein Erzählgeflecht. 4

Mittwoch, 31. August 2011
4,88 von 5 Punkten, basierend auf 8 Stimmen.


Walle Sayer
mit Bildern aus dem Erzählgeflecht:

Blende

Dumußt eben das richtige Lichtverhältnis abwarten, damit ein Krauthobel, in einer Kellerecke vergessen, wie ein spinnwebüberzogenes Zeitscharnier erscheint. Oder der abendliche Vorplatz, mit dem Schatten der Kastanie, der Kirchenmauer als Hintergrund, in seiner Leere plötzlich ein Gruppenbild ist mit lauter Abwesenden. Und der Junge, der gleich ums Rumgucken Hochwasserhosen tragen wird, allein gegen die kahle Hauswand dasteht, seit ewig und einem Augenblick, also immer schon, und mit einem seltsam verzierten Trichter oder Füllhorn in der Hand lächelt, tapfer, seine ganzen Schuljahre noch vor sich, für den einen Lernschritt hin zum Unbenotbaren.

Paul Harding-Tinkers

Dienstag, 30. August 2011
4,43 von 5 Punkten, basierend auf 7 Stimmen.

Drei amerikanische Autoren erzählen das Thema Vater und Sohn auf ganz unterschiedliche Weise neu.

Paul Harding - Tinkers, RomanDer gerade auf deutsch erschienene Roman von Paul Harding “Tinkers” , der letztes Jahr den Pulitzer-Preis bekommen hat, ist ein zugegeben sprödes, aber unglaublich intensives Stück Literatur. George, der Sohn, liegt im Sterben. Unter dem Eindruck starker Medikamente mischen sich unter seine Halluzinationen immer wieder Erinnerungsfetzen an seinen Vater Howard, der als “Tinker”, bei uns würde man wohl Kesselflicker sagen, durch die amerikanische Provinz zieht, um Kleinkram zu verkaufen oder die ein oder andere Reparatur durchzuführen. George und Howard sind schon bald getrennt, der Vater immer auf Achse, kaum Geld verdienend. Sie entfremden sich, George bleibt bei der Mutter. Erst Jahrzehnte später kommt es zu einer bizarren Wiederbegegnung.

Der Roman startet mit einem fulminanten Bild, das bezeichnend ist für den ganzen Ablauf der Geschichte: George starrt vom Sterbebett aus zur Decke. Er glaubt, die Zimmer über ihm, mit all ihren Erinnerungen, stürzen auf ihn ein. Alles fliegt in Sekunden an ihm vorbei, genau so wie in seinen letzten Stunden sein ganzes Leben noch einmal an ihm vorbeizieht.

Sándor Márai – Befreiung

Montag, 29. August 2011
4,67 von 5 Punkten, basierend auf 3 Stimmen.

Sándor MáraiBefreiung

Der Philosoph Gottfried Wilhelm Freiherr von Leibniz erklärte unsere Welt als die beste aller möglichen Welten. Der Literat Sándor Márai zeigt uns in seinem Buch „Befreiung“ eine Welt, die als die schlechtmöglichste bezeichnet werden könnte. In einer Welt, in der Mütter zusammen mit ihren Kindern in Gaskammern geschickt und Menschen durch detonierende Atombomben in ihre Bestandteile zerlegt werden, ist der Empirist dem Rationalist weit überlegen. Márai versucht eine Welt zu beschreiben, die „alles leugnet, was menschliches Gesetz ist, die sich mit wahnwitziger Wut selbst zerstört.“

Navid Kermani – Dein Name

Montag, 29. August 2011
4,40 von 5 Punkten, basierend auf 10 Stimmen.

navid kermani –  dein name – schreibt einen roman in einem roman, eine seelenreise, die lebenserinnerung seines großvaters aus dem iran, sein leben in köln, religion, hölderin, jean paul und vieles vieles mehr. es sind 1232 seiten geworden.

als das buch vom hanser verlag ankam und ich es in den händen hielt, dacht ich mir: oh, was für ein  DICKES buch. zur vorbereitung hörte ich am samstag abend den deutschlandfunk. eine leseung und diskussion mit dem autoren.

und jetzt habe ich begonnen dieses buch zu lesen. ich bin in den anfängen. und ich glaube es wird mich eine zeit begleiten.

durch den ‘deutschen buchpreis‘ bin ich auf diesen roman aufmerksam geworden. die longlist kann nicht bunter und unterschiedlicher sein. ich stehe jeden tag vor den büchern und picke mir eins raus und lese ein bißchen rum.

Banana Yoshimoto – Mein Körper weiß alles

Sonntag, 28. August 2011
4,00 von 5 Punkten, basierend auf 11 Stimmen.

Banana Yoshimoto - Mein Körper weiß allesBanana Yoshimotos “Mein Körper weiß alles” enthält dreizehn Geschichten – alle aus der Perspektive von jungen Frauen, die aus ihrem schicksalhaften Leben erzählen.
Über die Liebe zu Pflanzen und das Gefühl, mit ihnen (als Lebewesen) kommunizieren zu können – sich mit ihnen verbunden fühlen. “Sich Blumen zu leisten sei keine Frage der Größe des Geldbeutels, sondern des Herzens, hatte Großmutter immer gesagt.” (s. 20) Die sterbende Großmutter hat einen letzten Wunsch: Ihre Nichte solle ihre Liebe zu Pflanzen ausleben und die Aloe, die am Haus bis auf die Straße wuchert, retten. Denn die habe ihr gesagt, dass es ihr jedesmal schmerze, wenn ein Auto über sie drüber fahre.

Nicholas Drayson, Kleine Vogelkunde Ostafrikas

Donnerstag, 25. August 2011
4,67 von 5 Punkten, basierend auf 3 Stimmen.

Kleine Vogelkunde OstafrikasKleine Vogelkunde Ostafrikas” von Nicholas Drayson  ist so wunderbar britisch, dass man fast überlesen könnte, das es in Kenia spielt. Es gib Bird-Watcher und Männerclubs, einen schüchternen, schwer verliebten Gentleman und seinen Playboy-Rivalen und das wichtigste gesellschaftliche Ereignis ist ein Ball. All das gibt den Rahmen für eine wunderbare, charmant-witzige Liebesgeschichte. Entzückend britisch, fast schon tütelig.

So weit ganz nett – aber ein Lieblingsbuch wäre es damit noch nicht.

Ist es aber, denn in genau dieses Ambiente streut der Autor kleine Begebenheiten aus dem kenianischen Alltag ein. Hier mal ein Nebensatz und dort mal Umstände, die den britischen Potpourri-Duft stören: Die Lebensbedingungen  der Einwanderer, die Abgrenzung zwischen den Schichten,  Autodiebstahl und korrupte Politiker, Aids-Kranke und Kindersoldaten.

Und ganz am Schluss zeigt sich, das dieser schüchterne Gentleman Mr. Malik schon immer ein wahrer Held des Alltags war und gar nicht so unpolitisch, wie sein Lebensstil zuerst vermuten lässt.

Mein Vorschlag:  Tee kochen und in der Leseprobe schmökern.

Cathy Cassidy: Willkommen im Leben von Daisy Star

Mittwoch, 24. August 2011
4,75 von 5 Punkten, basierend auf 4 Stimmen.

Cathy Cassidy - Willkommen im Leben von Daisy Star

Willkommen im Leben von Daisy Star von Cathy Cassidy ist eine spannende Story für Mädchen von 10 bis 12 Jahren.

Für Daisy läuft am Anfang des neuen Schuljahres gar nichts rund. Ihre beiden besten Freundinnen haben sich in den größten Angeber der Klasse verliebt und sind sauer, weil Daisy ihre Ansicht nicht teilt, ihr Vater verkündet stolz, daß er seinen Job als Lehrer geschmissen hat und die Welt umsegeln möchte, wobei seine Familie natürlich mitkommen soll. Von allen Familienmitgliedern kann sich nur Daisys kleine Schwester Pixie dafür begeistern, weil sie hofft, eine Meerjungfrau zu sehen. Daisys ältere Schwester Becca setzt auf Rebellion und sie selbst ignoriert die Pläne ihres Vaters völlig, tut so, als wäre alles normal.

So verstrickt sie sich in immer größere Lügen, die ihr über den Kopf wachsen – natürlich fliegt am Ende alles auf. Ob sie noch um die Welt segelt wird nicht verraten! – selber lesen…

C. Alexander London: Wir werden nicht von Yaks gefressen hoffentlich

Mittwoch, 24. August 2011
4,12 von 5 Punkten, basierend auf 17 Stimmen.

Wir werden nicht von Yaks gefressen hoffentlich von C. Alexander London ist eine skurrile und spannende Abenteuergeschichte für Mädchen und Jungen ab 10 Jahren.

Man nehme die langweiligsten Kinder der Welt (Celia und Oliver wollen einfach nur in Ruhe fernsehen) -  Eltern, die Forschungsreisende sind (Vater eine Art zerstreuter Professor, Mutter verschollen auf einer Forschungsreise) -  die verschwundene Bibliothek von Alexandria (die größte Bibliothek der Antike) -  eine Wette, die die Kinder zu Feriensklaven eines reichen Gönners macht, falls ihr Vater sie verliert (gewinnen kann er sie eigentlich gar nicht, denn die Bibliothek gibt es nicht mehr).

So werden Celia und Oliver ganz gegen ihren Willen in ein Abenteuer in Tibet verwickelt, bei dem sie aus dem Flugzeug fallen, von einem Yeti angegriffen, von Gifthexen bedroht und von einem fiesen Gauner hereingelegt werden, dann von einem alten tibetischen Schutzgott und einem telepathisch begabten Yak gerettet. Allmählich beweisen die Kinder, daß sie so doof eigentlich gar nicht sind und die vielen Fernsehsendungen, die sie im Laufe ihres Lebens geguckt haben, doch zu etwas Nutze waren.

Tom Angleberger: Yoda ich bin! Alles ich weiß!

Mittwoch, 24. August 2011
4,40 von 5 Punkten, basierend auf 5 Stimmen.

Tom Angleberger - Yoda ich bin! Alles ich weiß!

Tom AnglebergerYoda ich bin! Alles ich weiß!  
Es gibt nur eine Frage, die Tommy und seine Freunde seit Wochen beschäftigt:
Ist das Yoda-Orakel, das Dwight auf seinem Finger trägt echt?
Alles ist so verwirrend, deshalb muss Tommy erst mal der Reihe nach alles aufschreiben, auch seine Kumpel dürfen zu Wort kommen und haben unterschiedliche Meinungen dazu.
Also Dwight ist eigentlich der größte Loser der Schule und bringt kaum einen vernünftigen Satz heraus, aber die Origami Figur, die er auf dem Finger trägt, sieht nicht nur wie Yoda aus, sondern gibt auch noch tolle Ratschläge und weise Voraussagen von sich, ganz wie der echte Yoda….
Neues Lesefutter für alle Greg-Fans, aber trotzdem ganz anders als Greg, witzige Cartoons, auch Star Wars Fans kommen auf ihre Kosten, denn Yodas Sprüche sind einfach cool.
Bleibt nur die Frage offen, was Darth Paper demnächst zu sagen hat!

Benedict Wells – Fast genial

Mittwoch, 24. August 2011
4,71 von 5 Punkten, basierend auf 7 Stimmen.

Benedict Wells - Fast genialBenedict Wells hat es geschafft, dass “Fast genial” zu keinem Zeitpunkt langweilig erscheint – abwechslungsreich, rasant, grausam, dramatisch, gefühlvoll, pointiert, unerwartet .. ich könnte noch jede Menge solcher Adjektive einfügen, denn sie alle treffen ins Schwarze.

Francis Dean, führt nicht gerade das was man ein Bilderbuchleben nennt. Er lebt mit seiner manisch depressiven Mutter  in einem versifften Trailerpark in New Jersey und sieht kein Licht am Ende des Tunnels. Alle paar Wochen liefert er sie wegen immer wiederkehrender Anfälle von Aggressivität, Schlafmangel und Verfolgungswahn, die die Selbstmordgefahr drastisch erhöhen in eine Klinik ein.. Jetzt könnte man meinen, dass Francis noch den Rest der Familie hat, der ihm Halt gibt – aber Pustekuchen. Er hat keine Geschwister und seinen Dad nie kennengelernt. So hat der fast 18-jährige sich sein Leben und seine Zukunft nicht vorgestellt, aber wer möchte auch schon so seine Jugend verbringen? Kein Geld; eine kaputte Familie; nur einen einzigen wirklich guten, aber nerdigen Freund (Grover); keine feste Freundin, sowie der Abstieg in der Schule und der damit nicht-einhergehende Abschluss – kurz: er hält sich für einen absoluten Versager, der es nie zu etwas bringen wird.

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