In Mathias Énards kurzem Roman “Erzähl ihnen von Schlachten, Königen und Elefanten” versucht Michelangelo, Orient und Okzident in seinem neuen Auftrag zu vereinen. Doch in Rom droht ihm die Exkommunizierung durch Papst Julius II. und in Konstantinopel wächst das Misstrauen gegen ihn. Michelangelo verliebt sich in eine Andalusierin (die eventuell ein Mann ist). Doch je näher er ihr kommt, desto mehr fürchtet er die Eifersucht seines besten Freundes Mesihi. Denn der hat sich anscheinend in ihn verliebt.
Es ist ein wunderbares Portrait des Künstlers, zusammengeflickt aus Briefen, Aufzeichnungen von Zeitzeugen und der Phantasie des Autors – und zugleich ist es eine Geschichte, geschrieben von einem Sprachkünstler, übersetzt von Könnern, deren Bilder einem bestimmt lange im Kopf bleiben werden.
Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller, ausgezeichnet mit dem Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis
Gerald B. Hörhan – Gegengift – Wie euch die Zukunft gestohlen wird. Was ihr dagegen tun könnt.
Gerhard Hörhan packt die Giftfeder aus, schnürt die Springerstiefel und widmet sich der Feinjustierung seiner 20.000 EUR Rolex (zzgl. MwSt. und Versandkosten). Dann drapiert er akkurat ein makelloses MacBook Air (die Schutzfolie klebt noch auf den Tasten) auf seinem Schoß und beginnt gegen 5:30 Uhr mit Gegengift- Wie euch die Zukunft gestohlen wird. Was Ihr dagegen tun könnt. Schlafen kann man schließlich auch sonntags. Oder im Winter.
Genauso gut könnte es „Hey Ihr verwöhnten Wohlstandskinder, Eure gottverdammte Kuschelwelt fliegt demnächst in Fetzen – Haha – und Ihr seid zu feige, faul und dämlich etwas dagegen zu unternehmen, deshalb bescheißt man euch auch nach Strich und Faden“ heißen können. Aber so ist es natürlich auch OK.
Sollten noch ein paar Wünsche vom Weihnachtsfest offen sein, dann sollten sie sich unbedingt die DVD Box Downton Abbey vormerken.
Ich muss zugeben, dass Serien schon eine große Leidenschaft von mir sind. Klar kann das bei Büchern recht nervig sein, wenn man ein Jahr warten muss bis der nächste Teil endlich auf dem Markt ist. Aber ich habe auch gemerkt, dass man sich ein Netz aus Buch und DVD Serien anlegen kann, das einem das Warten erleichtert – denn wenn man mehrere Sachen hat, die man unbedingt weiterlesen oder sehen will, dann ist immer etwas an der Reihe, was endlich veröffentlich wird. Jaja, das mag nun auch eine recht eigenwillige Logik sein, aber wir versuchen uns doch so oft die Dinge schön zu reden. So nach und nach werde ich wohl noch einige meiner leidenschaftlichen Serienhighlights hier vorstellen und bin froh, dass ich den Anfang mit dieser Neuentdeckung machen kann.
“Namaste! Ich sehe Dich! Als göttliches Wesen.”
Nach den Lehren der Veden ist das Göttliche in uns immer vorhanden, unzerstörbar. Unsere Re-Inkarnationen dienen nur dazu, diesen wahren Wesenskern in all seinen Facetten wieder zu entdecken. Avatare, die körperliche Manifestation eines Gottes, erscheinen, um uns dabei zu helfen.
Jeffrey Armstrong kennt die Veden hervorragend. Wenn man bereit ist, seine eigenen Vorstellungen etwas locker zu machen, ist “Das Geheimnis der Avatare” ein sehr bereicherndes Buch. Der Segensgruß Namaste strukturiert das Buch und anhand des Namaste zeigt der Autor das ewig Göttliche in uns in all seinen Facetten auf. Eine enthusiastische Fleißarbeit! Aber etwas Lockerheit braucht man definitiv für die Lektüre, denn der Autor ist nicht nur von der alten indischen Philosophie begeistert, sondern auch von dem Film Avatar und über weite Strecken behandelt er beides als ebenbürtige Quelle von Weisheit. Das war für mich, gelinde gesagt, gewöhnungsbedürftig. Dazu kommt noch seine Verehrung für das Weltbild der indigenen Völker, was mich manchmal an den Mythos des “Edlen Wilden” erinnert.
Der Roman Der Überraschungsgast von Grégoire Bouillier, ist ein literarisches Kleinod auf höchstem Niveau und ein köstliches Lesevergnügen. Ein Buch, das ich immer gerne wieder empfehle zum eben mal so weglesen.
Der männliche Ich – Erzähler ist von seiner Frau vor Jahren wortlos verlassen worden, er wartet immer noch auf eine Erklärung. Da ruft sie ihn eines Tages an, lädt ihn ein zu einer Party der Pariser Künstlerszene, als Überraschungsgast der Gastgeberin. Er erhofft sich endlich Aufklärung, doch nichts von alldem. Stattdessen steht er wie Peter Sellers in Blake Edwards Film “Der Partyschreck” dumm rum. Er kommt sich mit seinem Rollkragenunterziehpullover deplaziert vor, begegnet einer jungen Frau in orangefarbenem Bolerojäckchen und merkt am Ende, daß das alles viel mit Virginia Woolfs Buch Mrs. Dalloway zu tun hat. Als ihm das klar wird, atmet er befreit auf, wechselt endlich in dem schon seit Monaten dunklen Badezimmer seiner Wohnung die Glühbirne aus. Und er bekommt eine neue Einladung zu einer Party…
Früher war Weihnachten später und überhaupt war mehr Lametta.
Oder?
Es ist vollbracht. Das Weihnachtsgeschäft ist vorbei, die Buchhändlerinnen liegen ermattet auf der Couch, knabbern Plätzchen und greifen sich das nächste Buch vom Stapel.
Ich hatte dieses Jahr Weihnachtsgeschäftsjubiläum: es war mein fünfundzwanzigstes. Und es war ein besonders schönes Weihnachtsgeschäft. Ich liebe diese Zeit des Jahres: das ganze Jahr über denken wir uns tolle Veränderungen für die Kinder- und Jugendbuchabteilung aus, feilen an Sortiment und Präsentation, verbessern und optimieren, spielen alles Probe, lesen und diskutieren, unterhalten uns mit unseren Testleser-Kids, was ihnen am besten gefallen hat – und dann, an Weihnachten, stürmen die Kunden unseren Laden und zeigen uns, ob das, was wir uns überlegt haben, auch funktioniert. Und es hat funktioniert!
Tom Rob Smith stellt mit den Erlebnissen seines Protagonisten Leo Demidow die Geschichte der Sowjetunion seit 1933 in dem Mittelpunkt einer Krimi-Trilogie. Die politischen und sozialen Bedingungen der Stalinzeit, das kurze Tauwetter nach Stalins Tod und die Zeit des Kalten Krieges schildern die Krimis an Hand der Lebensumstände Demidows.
Demidow etabliert sich als KGB-Agent, der Oppositionelle verfolgt. Als er gezwungen werden soll, seine Frau zu denunzieren, und sich durch die Denunziation als Stütze des stalinistischen Staatssicherheitssystems ausweisen soll, beginnt sein Versuch, sich trotz möglichst geringer Anpassung zu behaupten und vom KGB fern zu halten.
Demidows Familie zeigt, wie der Druck des Staates das private Leben bestimmt: Seine Frau heiratete ihn, weil sie nur so den schlimmsten Auswirkungen der Macht eines KGB-Agenten entgehen zu können glaubte. Demidow adoptierte zwei Mädchen, nachdem sie in Folge eines von ihm voran getriebenen Einsatzes zu Waisen wurden: Bei den Demidows war die Staatssicherheit immer auch Privatsache („Kind 44“).
Im zweiten („Kolyma“) und dritten Band („Agent 6“) wird das Schicksal von jeweils einer der beiden Töchter entscheidend für Demidows Handlungen. Der dritte Band zeigt, wie die Übermacht der beiden Systeme im Kalten Krieg es unmöglich machte, zwischen ihnen eigene Wege zu gehen. Demidow wird von Mitläufern auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs in eine Lage gebracht, in der er die für ihn schlechteste, weil für seine Adoptivtöchter in der UdSSR beste Lösung wählt. Auch die U.S.A. erscheinen bei Smith nicht als Staat des makellosen Schutzes individueller Freiheit: Der amerikanische Anti-Kommunismus wirkt eher als paradoxes Komplement zu sowjetischen Verhältnissen.
Smith setzt seinen Protagonisten und Mitglieder seiner Familie den politischen Spannungen seiner Zeit in ungewöhnlichen Plots aus. Die Trilogie gibt Einblicke in den Stalinismus und seine Folgen für die spätere Politik der Sowjetunion. Es gelingt Smith, auch unwahrscheinlich erscheinende Entwicklungen für den Leser überzeugend und spannend darzustellen.
Ein Weihnachtswunsch von Joe Cocker, zusammen mit Mad Dogs & Englishmen
(ich schließe mich dem Wunsch an!):
Man kann kaum vorsichtig genug sein mit dem Schenken! Natürlich, jetzt, vor Weihnachten, da fallen alle Hemmungen und es wird drauflos geschenkt, dass es viel Schrecken verursacht.
Die Auswahl der Geschenke, und noch viel mehr, die Auswahl der Beschenkten, ist eine hohe Kunst, wenn sie ernst genommen wird und Bedeutung haben soll.
Etwas das mir wichtig scheint ist, dass man das Geschenk auch selbst schätzt, kennt, mag, dass man damit also auch Wertschätzung ausdrückt, bis hin zu den extremen Fällen, in denen man etwas verschenkt, das lange im eigenen Besitz war, gern und mit viel Freude, ein Geschenk also, das diese Freude und Zuneigung mitbringt, mitnimmt, aber wie gesagt,
das ist schon einer der seltenen Fälle.
Man kann nicht sorgfältig genug sein, ich beanspruche ja die Zeit und die Aufmerksamkeit der Beschenkten.
(Und natürlich, Entsetzen, Barbarei, schwerste Depression, Verzweiflung, Zweifel an der Welt und sich selbst: was, wenn das Geschenk nicht ankommt? Nicht gewürdigt wird? Nicht verstanden wird?)
Den meisten von uns ist es gar nicht so unbekannt. Das Kind oder ein Erwachsener hat einfach keinen Spaß am Lesen. Oft ein Ärgernis. Oder suchen Sie vielleicht ein besonders ausgefallenes, aber persönliches Geschenk?
So sind personalisierte Bücher für Kind und Erwachsenen genau das richtige Geschenk!
Einfach mal im Internet stöbern, dort findet man schnell den richtigen Ansprechpartner
für die Erstellung solcher Bücher. In mehr als 150 Möglichkeiten von vorgefertigten Abenteuern und anderer Geschichten, müssen nur noch die Personalien vom Kind eingesetzt werden. Und man kennt den, welcher beschenkt werden soll, recht gut bezüglich seiner Daten und Interessen. Personalisierte Bücher machen den Leser zur Hauptperson eines solchen Buches. Dabei ist es auch möglich, noch die Geschwister oder Freunde mit in die Erzählung einzubinden. Nur die persönlichen Angaben, wie zum Beispiel Augen- und Haarfarbe, ein Ort, ob es Mädchen oder Junge ist, sind nötig. Dann erhält das Kind eine Geschichte in die Hand, wo es sich mitten drin wieder findet. Mit größter Begeisterung wird auch von einem Lesemuffel ein solches Buch gelesen. Und das mit Sicherheit nicht nur einmal, sondern immer wieder. Mit Stolz wird dieses Buch dann sorgfältig behandelt und für immer aufbewahrt.
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