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Abbas Khider – Die Orangen des Präsidenten

Geschrieben von Philine Edbauer am 10.05.2011 in der Kategorie: Allgemein,Literatur,Romane

Abbas Khider - Die Orangen des Präsidenten - RomanNach dem iranischen Buch “Der Colonel” habe ich ein Buch über das Nachbarland Irak gelesen und deren Szenerien sind vergleichbar: Länder im Krieg und ihre leidenden Menschen. “Die Orangen des Präsidenten” von Abbas Khider spielt von 1989 bis 1991, im Golfkrieg.

Mahdi Hamama (benannt nach Tauben) träumt, wie seine Freunde, vom Fliegen. Doch blöde Umstände bringen ihn in ein Gefängnis für politische Straftäter, d. h. Leute, die sich einer Gruppe anschließen, die mit ihrer Meinung gegen die Regierung arbeitet. Nachdem er viele Male gefoltert wurde, konnte endlich seine Unschuld festgestellt werden. Dennoch macht sich niemand die Mühe, ihn freizulassen, sondern wurde “sicherheitshalber” noch festgehalten. Zusammen mit den anderen Gefangenen muss er hungern und zusehen, wie manche den Tod wählen oder von alleine sterben. Immer wieder muss er die grausamen Schreie der Gefolterten mit anhören. Und dort, unter der Erde, wo kein Sonnenlicht hinfindet und manchmal der Strom ausfällt, quälen ihn zusätzlich im Schlaf Wanzen und Krätzmilben. Der Junge stumpft immer mehr ab und verliert seine Lebensfreude. “Doch jemanden töten wollen? [...] So weit hatten sie mich gebracht; ich war geistig bereits zu dem geworden, das ich am meisten verachtete.” (s.72) Was ihm jedoch noch Kraft gibt, ist Geschichten zu erzählen und zu hören und an die Wand geschriebene Worte.

Dieses Buch gab mir eine Antwort auf die Frage, die sich mir bei “Der Colonel” und “Karnak-Café” gestellt haben. Warum dieses erstaunlich ruhige, obwohl hasserfüllte, Verhältnis zwischen Folterer und Gefoltertem: “Ich weiß, dass du nur ein Beamter bist. [...] Wenn du es nicht machst, tut es jemand anders.” (s.105) Es gab mir außerdem Verständnis für die Gefühle der Syrier und Libyer, die sich zurzeit im Krieg mit ihrer eigenen Regierung befinden; es erklärte mir den Hass auf ihren Diktator. “Die Schlange wird niemals tot sein, wenn der Kopf nicht abgerissen ist. Und der Kopf sitzt in Bagdad.” (s. 126) Das Volk ist dankbar für die Hilfe aus den USA (militärisch, Flüchtlingslager, Nahrungspakete), aber befürchtet, dass der Grund nur die Ölquellen sind und es nach dem Krieg einfach fallen gelassen wird.

Weil der Protagonist erst noch ein Kind ist und durch seine Folter-Erfahrungen erwachsen wird, wie er selber behauptet, könnte man diesen Roman auch als Jugendbuch einordnen. Jedoch ist das Thema so brisant, gegenwärtig und ernst, dass es dafür keine Altersvorgabe geben kann.

Der Autor ist im Irak aufgewachsen, hatte selber Schwierigkeiten mit der Regierung und war als politischer Gefangener im Gefängnis. Er konnte fliehen und wohnt seit 20 Jahren in Deutschland, studierte unter anderem in München und wohnt zurzeit in Berlin.

Übrigens halte ich das Titelbild für äußerst gelungen! Es ist mir sofort ins Auge gesprungen und passt einfach zum Buch.

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