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Günther Thömmes – Der Papstkäufer

Montag, 27. August 2012
4,22 von 5 Punkten, basierend auf 9 Stimmen.

Günther Thömmes legt mit „Der Papstkäufer“ einen historischen Roman vor, der sich von seinen bisherigen Bier-Romanen klar abgrenzt. Schwerpunkt ist diesmal die Renaissance, die Augsburger Kaufmannsfamilie Fugger und ein gewisser Johannes Zink, der sich mit diesem Buch in das Bewusstsein vieler Leser nachhaltig eingraben wird.

Nicht selten wird die Geschichte von Hintermännern gemacht, die in Geschichtsbüchern, wenn überhaupt, nur knapp erwähnt werden. Johannes Zink ist so ein Mensch. Er war gewissenlos, kühl kalkulierend und ein strategischer Großmeister, d.h. der perfekte Mann für die Fugger, die sich anschickten Europa und die Welt zu erobern. Alle Wege führen bekanntlich nach Rom und dort haben die Fugger auch eine Niederlassung, deren Führung Johannes Zink übernehmen soll. Er wird in dieser Position aufgehen, er wird Geschichte schreiben, er wird den Kampf mit den mächtigsten Menschen aufnehmen.

Edward Rutherfurd – Im Rausch der Freiheit

Dienstag, 14. August 2012
4,50 von 5 Punkten, basierend auf 6 Stimmen.

Edward Rutherfurd – Im Rausch der FreiheitNach London und Dublin beschreibt Edward Rutherfurd in seinem neuen Buch die Geschichte New York‘s. Dieser lebhafte Familienepos ist im Blessing Verlag auf deutsch erschienen.Es erzählt von den verschiedensten Einwandererfamilien in den unterschiedlichsten Epochen.

1610 verkauften die Alonghin-Indianer, den handeltreibenden Holländern die Halbinsel Manates (oder auch Mana hata). Die Halbinsel lag so günstig, dass sich hier rasch ein Handelsposten, mit einem natürlichem Hafen ansiedelte. Rasch kamen Windmühlen und spitzgieblige Häuser hinzu und schnell war auch der passende Name für das sich entwickelnde Dorf gefunden – Neu Amsterdam.
Der Roman setzt nun 54 Jahre später ein – 1664 – mit der Geschichte der niederländischen Familie van Dyck. Dirk, seine Frau Margaretha und die beiden Kinder. Sie bauen sich mit Hilfe der Indianer ein erfolgreichen Pelzhandel auf. Dirk bleibt oft monatelang, wegen des Tausches – billiger Brandwein gegen wertvolle Pelze – von zu Hause weg. Er ist viel mit den Indianerstämmen der Umgebung unterwegs und beginnt dort eine Liebesbeziehung. Dieser Beziehung mit einer Indianerin, folgt recht bald eine Tochter: Bleiche Feder. Die Mutter von Bleiche Feder stirbt an den eingeschleppten Pocken und das Mädchen lebt erst einmal weiter im Indianerdorf. Dirk versucht sich immer wieder um sie zu kümmern und nimmt sie deswegen irgendwann mit nach Neu Amsterdem, versteckt sie aber weiterhin vor seiner Frau. Margaretha findet dies aber recht schnell heraus und der Haussegen der van Dyck’s hängt schief.

Julie Otsuka – Wovon wir träumten

Donnerstag, 09. August 2012
4,78 von 5 Punkten, basierend auf 9 Stimmen.

Die Idee zu diesem Roman entstand durch die Lebensgeschichte japanischer Einwanderer, die Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts nach Amerika kamen.Julie Otsuka liefert mit ihrem Roman „Wovon wir träumten“ ein literarisches Kondensat erster Klasse ab, denn die Geschichte wird aus Sicht aller Auswanderer erzählt. Es gibt kein „Ich“, sondern nur das kollektive „Wir“ und „Uns“. Es ist ein kompaktes Literaturereignis, Jahrzehnte werden auf nicht einmal 160 Seiten verdichtet und hinterlassen einen hungrigen Leser, der nach solch einer souveränen schriftstellerischen Leistung erspürt was Literatur leisten kann, wenn sie professionell betrieben wird. Dass dieses Buch mit dem PEN/Faulkner Award ausgezeichnet wurde ist mehr als nachvollziehbar.

Am Anfang ist die Hoffnung auf ein besseres Leben, das in den Vereinigten Staaten realisiert werden soll. „Japanerinnen, kommt!“, nur allzu gern wird der Aufruf befolgt, auch wenn das bedeutet, dass Familie, Freunde, Liebhaber, Kinder und die Heimat für immer oder für sehr lange Zeit verlassen werden. Mit gemischten Gefühlen begeben sich die Mädchen und Frauen auf die lange Reise, denn es erwarten sie nicht nur Männer, die sie nur von Fotographien kennen, sondern auch eine andersartige Kultur, die mit der japanischen nichts gemeinsam hat.

Susanne Lachenicht – Die Französische Revolution

Sonntag, 05. August 2012
4,29 von 5 Punkten, basierend auf 7 Stimmen.

Heute vor 223 Jahren, in der Nacht vom 4. auf den 5. August 1789, wurden die Privilegien des Ersten (Klerus) und Zweiten (Adel) Standes in Frankreich abgeschafft. Nach dem Sturm auf die Bastille am 14. Juli war es der konsequente und logische Schritt, um den Absolutismus abzuschaffen. Es war der Beginn einer Revolution, die den Trend der konsequenten Unterdrückung der gewaltigen Mehrheit durch eine lächerliche Minderheit auf dem europäischen Festland brach, welche ein ganzes Jahrzehnt andauern sollte und in unterschiedlichsten Phasen eingeteilt wird; selbst die Revolution unterliegt dem Prozess der Evolution.

Susanne Lachenichts Buch „Die Französische Revolution“ ist ein klar strukturiertes Buch, um sich auf engstem Raum eine gute Übersicht über dieses faszinierende Geschehen, das niemals an Aktualität verliert, zu verschaffen. In sieben Kapitel wird das komplexe Phänomen der Revolution Stück für Stück entwickelt.

Im ersten Kapitel werden ältere und neuere Deutungsmuster gegenübergestellt, die die Französische Revolution aus Sicht der konservativen und progressiven Zeitzeugen, wie auch aus heutiger Sicht der Geschichtsforschung zu interpretieren versuchen.

Loel Zwecker – Was bisher geschah

Dienstag, 03. Juli 2012
4,50 von 5 Punkten, basierend auf 4 Stimmen.

Zwecker, der promovierter Kunsthistoriker ist und nebenher für verschiedene Zeitungen wie unter anderem für die Süddeutsche arbeitet, hat mit “Was bisher geschah” ein unterhaltsames und stets spannend gehaltenes Geschichtsbuch geschrieben.

Bereits auf der ersten Seite nimmt uns Zwecker an die metaphorische Hand und führt uns  von der Antike bis in die Gegenwart. Anhand von einzelnen Ereignissen oder Personen stelllt er dem Leser ganze Epochen vor, ohne sich dabei in Details, Daten oder Fakten zu verlieren. So begegnen wir Alxander dem Großen, beleuchten das Mittelalter, statten dem Italien der Renaissance einen Besuch ab,  lernen die größten Kolonialmächte kennen, erfahren, wie es zum Ersten und Eweiten Weltkrieg kommen konnte, was die deutsche Wiedervereinigung für die Welt bedeutete, was die USA mit dem Römischen Imperium verbindet und zum Schluss wagt Zwecker sogar eine zarte Prognose für die Zukunft. Bei all dem beschränkt sich der Autor nicht allein auf Europa, sondern widmet sich auch den asiatischen, amerikanischen, südamerikansichen und afrikansichen Kontinenten, wodurch man einen wunderbaren Gesamtüberblick erhält. Zwar wünscht man sich als Leser, Zwecker würde an manchen Stellen, etwas tiefer ins Detail gehen, doch das hätte vermutlich den Rahmen dieses Buches gesprengt, zumal auch so die großen Zusammenhänge deutlich werden.

Bayern fürs Handgepäck

Sonntag, 01. Juli 2012
4,78 von 5 Punkten, basierend auf 9 Stimmen.

Bayern fürs Handgepäck - UnionsverlagWer Bayern liebt oder Bayern liebhaben möchte, der lese “Bayern fürs Handgepäck”. Es ist eine Sammlung von literarischen Geschichten und Reiseerzählungen: Mit köstlich amüsanten, bayerischen Worten von Gerhard Polt und Corinna Binzer, mit edlen Worten von Goethe, geschichtlichen Informationen von Horst Mönnich, Erklärungen von Traditionen, Eigenheiten und Sagen. Erzählungen von alten (Hans Christian Andersen) und neuen Autoren (Jan Weiler), bayerischen (Ludwig Thoma) und reisenden Autoren (Hermann Hesse)…

Die Reise beginnt in München. Zum Beispiel besucht Thomas Wolfe das Oktoberfest. Dort trinkt er mehr, als gut für ihn ist, denn das ganze Feiern endet mit einer Schlägerei.

Es geht weiter in die Oberpfalz, wo uns Wolfgang Benkhardt erklärt, was der klassische Zoigl ist und woher er kommt. Samuel Beckett bewundert Würzburgs künstlerisches Erbe. Hermann Kesten erinnert sich skeptisch an seine Zeit in Nürnberg zurück. Claudio Magris erklärt uns, warum der Teufel die Steinerne Brücke in Regensburg gebogen hat. Es geht in den Bayerischen Wald, nach Augsburg, durch Schwaben, zum Geigenbauer und zum Schifahren. Erfahren Sie, woher die Essiggurke stammt. Und warum der Dreisessel drei Sessel hat!

Anonymus – ein Film von Roland Emmerich

Montag, 11. Juni 2012
4,63 von 5 Punkten, basierend auf 8 Stimmen.

Anonymus - ein film von Roland Emmerich. DVD
Roland Emmerich
macht sich in seinem Film Anonymus auf die Suche nach Shakespeare.

Wer war Shakespeare wirklich? Schon seit Erscheinen der vielen Theaterstücke und Gedichte fragten sich alle, ob diese Werke von einem Handschuhmacher geschrieben wurden.
Dieser Film findet Antworten die sich auf die neue Shakespeare Forschung beziehen. Und getreu dem Motto:  “All the world’s a stage” , wurde das GLOBE komplett nachgebaut.

Wer Kostümfilme mit sehr guten Schauspielern und einem spannenden Drehbuch liebt, der muss diesen Film anschauen.

Entdecker. Auf den Spuren großer Forscher, Abenteurer und Pioniere

Montag, 19. März 2012
4,90 von 5 Punkten, basierend auf 10 Stimmen.

Alasdair Macleod - Entdecker. Auf den Spuren großer Forscher, Abenteurer und Pioniere

Eigentlich ist das ein Experiment, das Buch Alasdair Macleod – Entdecker. Auf den Spuren großer Forscher, Abenteurer und Pioniere, hätte mich, als ich sehr jung war maßlos begeistert, wie seh ich das jetzt?
Und kaum blättere ich hinein wird tatsächlich die alte Faszination wieder lebendig, Entdeckerreisen, Berichte der großen Abenteurer, auch eher Unbekannte finden sich, wissenschaftliche Reisen, die Erforschung des Meeres, des Weltraums – das letzte Kapitel ist Neil Armstong gewidmet, es geht auch um Dinge, die für die Expeditionen wichtig sind, Kleidung, Nahrung, Fortbewegungsmittel.
Das Buch ist illustriert mit Karten, Bildern, Graphiken, Fotos – eine Fülle von Informationen und Schau-Material. Großartig! Man (ich erst mal, aber ich glaube, dass allen so ergeht, die das Buch in die Hand nehmen) bleibt sofort hängen und liest und schaut sich fest (im Hintergrund hör ich den Kollegen Lipke: “Sag, dass wir Leseinseln haben, dass man da ewig sitzen kann und das Buch anschaun …” Aber ich denke mir, wer will denn das Buch dann wieder zurücklegen? Allein lassen? Das muss doch mit!)

Hans-Dieter Gelfert – Charles Dickens

Dienstag, 06. März 2012
4,80 von 5 Punkten, basierend auf 10 Stimmen.

Die Anzahl der aktuellen und umfangreichen Charles Dickens Biographien in deutscher Sprache ist sehr überschaubar. Dafür, dass Dickens in einem Atemzug mit William Shakespeare und James Joyce genannt wird, ist es ein etwas komisches Gefühl, wenn der interessierte Leser zu antiquarischen Titeln greifen muss, um etwas über diesen Giganten der englischen Literatur zu erfahren.
Dem C.H. Beck Verlag sei Dank ist diese Misere nun einigermaßen behoben. Mit Hans-Dieter Gelfert hat ein profunder Kenner der englischsprachigen Kultur eine ausführliche Biografie vorgelegt.

Luisa Francia, Die Göttin im Federkleid

Sonntag, 04. März 2012
4,00 von 5 Punkten, basierend auf 5 Stimmen.

Luisa Francia, Göttin im Federkleid. Das weibliche Universum bei Kelten und Germanen Luisa Francia ist eine Autorin deren Bücher mich seit langer Zeit begleiten. Begonnen hat diese Leser-Freundschaft mit “Das Gras wachsen hören . Die spirituellen Fähigkeiten des Körpers.” und führte mich jetzt die Tage zu “Die Göttin im Federkleid. Das weibliche Universum bei Kelten und Germanen.”

Von Anfang an gefiel mir ihr unverwechselbarer Stil; mutig, assoziativ und verdichtet. Für Luisa Francia ist alles gleich-wertig: Geträumtes und Recherchiertes, Erlebtes und Gelesenes, Erahntes und wissenschaftlich Bewiesenes. “Die Göttin im Federkleid” gehört sicherlich zu ihren am straffesten erzählten Werken. Auch diesmal reagierte ich auf das Gelesene mit Staunen, Beifall, Lachen, Kopfschütteln, “Das kann sie doch nicht ernst meinen!” und Zweifeln – der perfekte Nährboden für meine eigenen Gedanken, mein eigenes Erforschen.

In “Die Göttin im Federkleid” erzählt sie vom Alltagsleben der Kelten und Germanen, von der Rolle der Frauen in den Stämmen, von Ritualen, Göttinnen und Fürstinnen und von den Spuren, die wir heute davon finden können. Als Einstimmung auf ein neues Thema steht am Anfang jedes Kapitel ein Märchen, das Luisa Francia äußerst eigenwillig neu erzählt. Damit hat sie bei mir die Neugier auf ihr neuestes Buch geweckt: “Die Schatzhüterin. Klassische Märchen neu erzählt.”

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