Hans Well erzählt 35 Jahre Biermösl Blosn, aber nicht nur, auch ein bisschen vom Davor und Danach..
Eine Familie mit 15 Kindern, dass es da leicht ist glauben eh nur Romantiker, das Behaupten in der Familienhierarchie ist nicht einfach. Reich ist so eine Familie auch nicht.
Musik gab es viel, der Vater als Lehrer hat die Kinder mitgenommen ins musikalische Leben, die Begabungen unterschiedlich natürlich, und in den unterschiedlichsten Formenationen.
Hans Well schont niemand, nicht sich selbst und nicht seine Umgebung, er war ja der Haupttexter der Biermösl Blosn und er hat auch da niemand geschont, er schaut genau hin, ob es um politische Ereignisse geht oder familiäre.
Die Münchner Kleinkunstszene, vor allem das MUH (Musikalisches Unterholz), daher kenne ich schon die Biermösl Blosn, da habe ich auch … ich nenne es mal so: viel Zeit verbracht, war einer der Wichtigsten Orte für den Karrierestart. Die Zusammenarbeit mit Helmut Eckl, Gerhard Polt, Dieter Hildebrandt um nur ein paar zu nennen, der hilfreiche Boykott durch den Bayerischen Rundfunk, der natürlich eine gewaltige Werbewirkung hatte und andere Sender animiert hat die Biermösls zu zeigen, vor allen aber war es die Form, bayerische Volksmusik, ausgezeichnet gespielt, verbunden mit bissigen, satirischen und treffenden Texten, die Aufmerksamkeit erzeugt hat.
Hans Well erzählt genau und spart auch nicht seine Enttäuschung aus über das Auseinanderwachsen der Vorstellungen, das Auseinandergehen als letzte Konsequenz, allerdings spürt man immer, dass er sich zügelt, bemüht, nicht Bitterkeit und Zorn gewinnen zu lassen.
Große Kunst mit kleinen Fehlern:
Thomas R. Hoffmann – “Das sieht doch keine Sau”
Johann Wolfgang von Goethe hatte zwei linke Füße. Das glauben Sie nicht? Ein berühmtes Gemälde des Malers Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, das den legendären Dichter während seiner Italienreise zeigt, ist der Beweis. Oder war der Künstler schlichtweg nicht in der Lage, einen rechten Fuß zu zeichnen?
Knapp zwanzig Bilder namhafter Maler aus Vergangenheit und Gegenwart hat sich Autor und Kunsthistoriker Thomas R. Hoffmann ganz genau angesehen. Ob Meisterwerke von Paul Cézanne, Caspar David Friedrich oder Peter Paul Rubens – neben der auf den ersten Blick wahrnehmbaren Perfektion sind auch Makel erkennbar.
Die Phrase “Ist das Kunst oder kann das weg?” bekommt bei dem Street Artist Banksy und dem Aktionskünstler Joseph Beuys sogar eine allzu wörtliche Bedeutung. Mit viel Kompetenz und Witz führt Hoffmann den Leser durch zahlreiche Epochen und deren berühmteste Kunst-Fehler.
Die mythologisierenden Physiker sind außer Rand und Band geraten, unser Universum ist schon lange nicht mehr genug, mehrere, wenn nicht sogar unendlich (!) viele Paralleluniversen sollen angeblich existieren. Was die naturwissenschaftlichen Mythologen können, kann die gute alte Literatur erst recht. Mit „Der Komet“ veröffentlicht Hannes Stein ein literarisches Paralleluniversum, das ich wärmstens empfehlen kann.
Wir schreiben in irgendeinem Paralleluniversum des Multiversums das Jahr 1914 und der Thronfolger Franz Ferdinand ist in Sarajevo zu Besuch. So weit, so gut und die Geschichte bekannt, doch nachdem er das erste Attentat überlebt, stellt er fest: „I bin doch ned deppat, i fohr wieder z’haus.“ Der Attentäter erhält keine zweite Chance und der Verlauf der Geschichte nimmt eine skurrile Wende, denn kein toter Thronfolger führt zu keinem Ersten Weltkrieg, dies wiederum lässt den Zweiten Weltkrieg ausfallen und so findet der Kalte Krieg nur in unserem Universum und vielleicht in anderen statt, aber nicht in Steins Literatur-Paralleluniversum.
“Ich mach doch nur Spaß!” – Ellen DeGeneres
Sie suchen ein Buch, das Ihnen verrät, wie Sie Milliardär werden, was beim Einschlafen wirklich hilft und wie Sie ihr Umweltbewusstsein stärken? Ein Buch, das Ihnen Tipps gibt, wie Sie in den Casinos von Las Vegas überleben und die beste Meditationstechnik für sich finden? Ein Buch, das Lebens- und Beziehungsratgeber zugleich ist und das Sie auch noch Ihren Kindern vorlesen können? Und lustig soll es sein?
Ellen DeGeneres ist eine bekannte Talkshow-Gastgeberin aus den USA. In ihrer Karriere hat sie viel erreicht: sie moderierte die Emmy-Awards, hatte eine Synchronsprecherrolle in dem Film “Findet Nemo” und war eines der Jury-Mitglieder in der Castinshow “American Idol”. “The Ellen DeGeneres Show” wird täglich ausgestrahlt und hat viele Fans rund um den Globus. Daher geben sich Weltstars dort die Klinke in die Hand. Sogar US-Präsident Barack Obama war bereits Gast ihrer Show. Ellen hat neben “Ich mach doch nur Spaß!” noch zwei weitere Bücher geschrieben, die allerdings nur auf englisch erhältlich sind: “My point… and I do have one” und “The funny thing is…”.
David Safier hat ein neues Buch geschrieben: “Muh!” (Kindler Verlag). Eine Tiergeschichte im üblichen humorvollen Safier-Stil aus der Sicht einer ostfriesischen Kuh, die mit ihren Gefährten nach Indien auswandern will und das Glück sucht. Leichte Unterhaltungsliteratur für einen entspannten Leseabend!
Die Kuh Lolle, die ihren Lover – den Stier Champion - gerade inflagranti mit der Kuh Susi erwischt, ist entsetzt. Nicht nur über Champions einfallsreiche Erklärung: “Lolle, es war so…Susi hat der Rücken gejuckt, und da hat sie mich gefragt, ob ich mal kratzen kann.”, sondern auch von dem, was ihr der italienische Kater Giacomo, den sie aus einem Fluss gerettet hat, verkündet: Menschen essen Kühe. Nein, wer rechnet denn mit so etwas! Und da der Bauernhof verkauft wurde, sollen sämtliche Kühe direkt ins Schlachthaus gebracht werden. So plant Lolle mit ihren zwei besten Freundinnen, die unnahbare Hilde und die naive Kuh Radieschen, das Weite zu suchen. Nach Indien wollen sie, das angeblich ein Paradies für Kühe sein soll. Dummerweise beschließt ausgerechnet Rivalin Susi sich ihnen anzuschließen. Alle anderen Kühe glauben Lolles soeben erfahrener Wahrheit nicht. Doch es liegt ein weiter Weg vor ihnen. Sie müssen den Elektrozaun überwinden, dem Bauern und seinem Knallstab (=Gewehr) entkommen, die drei Wachhunde überlisten und dann auch noch dem gefürchteten Old Dog gegenübertreten, dem gefährlichsten aller Hunde. Werden sie es schaffen? Und wie weit ist es eigentlich nach Indien?
“Er ist wieder da” – in Timur Vermes’ Debütroman erwacht Adolf Hitler im Berlin des 21. Jahrhunderts – mit höllischen Kopfschmerzen. Hat er nicht eben noch Eva seine Waffensammlung gezeigt? Etwas verwirrt darüber, wie er im Jahr 2011 gelandet ist, hat er dennoch ein klares Ziel vor Augen: Er muss zurück an die Macht! Und dass die nicht länger in der Politik, sondern im Internet zu finden ist, wird ihm sehr schnell klar.
Hitler startet seine Mission als Nebendarsteller einer Comedyshow. Dass er es mit seinen inbrünstigen Reden auf Platz 1 der YouTube-Charts schafft, kann er als ersten Erfolg verbuchen. Doch er will mehr: Eine eigene Propaganda-Sendung muss her!
Ganz klar eines der besten Bücher in diesem Jahr. Schauspieler Christoph Maria Herbst, bekannt aus der Kultserie “Stromberg”, verleiht auch dem Hörbuch einen ganz eigenen Charme. Wer ihn als Alfons Hatler gesehen hat, weiß, dass er der Einzige ist, der für diese Lesung in Frage kommt. Unbedingt die Kostprobe - mit wirklich köstlicher Schlusspointe – anhören!
Hans Kemp’s irrer Bildband “Bikes of Burden” nimmt uns mit in ferne, asiatische Welten, insbesondere nach Vietnam.
Ich war noch nie dort, aber in Asien gelten Zweiräder ja bekanntermaßen als Hauptfortbewegungsmittel. Die Bilder haben mich erst fast erschreckt, ob Wagemut oder Hygiene-Gedanken (oder den Mangel daran…) Unvorstellbar, daß hier in Europa jemand die Schwerkraft derart herausfordert!
Aber es gibt auch witzige, faszinierende Details zu entdecken, und man könnte sich für so manche Kniffe und Tricks für die eigenen Fotos abschauen.
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Ein ideales Geschenk für Asien-Fans, Reise-Freunde, Fahrzeug-Begeisterte, Asienkenner, Fotosammler, Fotografen, schon-alles-Haber etc.
In Simon Borowiaks Debütroman “Du sollst eventuell nicht töten” finden Sie
- den sympathischen Loser Schlomo als Protagonisten, der all seine Lebensmittel ausschließlich nachts in Müllcontainern hinter Supermärkten “einkauft”,
– eine (eigentlich) ausweglose Liebesgeschichte zwischen besagtem Hauptdarsteller und seiner bezaubernden Nachbarin Marvie und
– eine tote Theaterwurst.
Für alle Fans von “Harold einzlkind”!
Mit dem lang erwarteten 6. Fall der Thursday Next Reihe von Jasper Fforde wird vieles klarer. In “Wo ist Thursday Next?” wird endlich detailliert erklärt, wie die BuchWelt funktioniert. So viel Logik war noch nie!
Aber keine Sorge, alles andere bleibt. Auch diese Folge ist völlig schräg und abgefahren – ein Universum für sich. Die 6. Folge der Thursday-Next-Serie wirkt, als hätte der Autor “zu viele Bindestriche geraucht und zu tief in die Schnapszeichen geschaut.”
Während der große Gattungsrat viel über eBooks und ihre zukünftige Bedeutung diskutiert, steht ein Krieg der Genre an: die scharfen Romane gegen FemLit und Dogma. Comedy sieht darin eine Chance und meldet Gebietsansprüche für die schlüpfrigen Witze an. Da behauptet der Anführer der scharfen Romane, dass er im Besitz einer schmutzigen Bombe sei, die Tausende von losen Blättern mit unnötigen Sex-Szenen in allen veröffentlichten Büchern verstreuen würde. Die Lage ist ernst! Nur Thursday Next kann hier noch vermitteln.
Der witzige Roman “Donnerstags im fetten Hecht” von Stefan Nink wurde mir von einem Buchhändler empfohlen – ja, das ist typisch für uns Buchhändler: Auch in der Freizeit reden wir über Bücher. Und manchmal sind wir so begeistert, dass unser Missionarsdrang hervorbricht und wir abends, beim kühlen Mineralwasser, unsere Freunde mit einem “Das müsst ihr lesen, das gefällt euch bestimmt!” überfallen.
Wenn dann der Buchhändler, nennen wir ihn Herrn K. aus M., gleich noch eine völlig abstrus-witzige Stelle zitiert, noch 2, 3 Pointen verrät und sagt “Das macht nix – das Buch ist voll von solchen Stellen” – ja dann bleibt mir nichts anderes übrig, als meinen Lese-Fahrplan umzuwerfen und gleich “Donnerstags im fetten Hecht” zu lesen.
Recht hat er, der Herr K. aus M.!
“Donnerstags im fetten Hecht” von Stefan Nink ist mit Abstand das Komischste, was ich in letzter Zeit gelesen habe. Voll mit Pointen, die ich so noch nie gehört habe, skurrile Einfälle, schräge Charaktere, klasse konstruierte Plots, viel Liebe zum Detail, unerwartete Wendungen … einfach alles, was eine großartige Komödie ausmacht!
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