Jetzt sind also auch die letzten Bände Harry Potter gelesen, hat etwas gedauert, aber jetzt war eine günstige Gelegenheit.
Wie häufig in Fantasy-Büchern geht es um die Weltherrschaft, die ganz Guten kämpfen gegen die ganz Bösen, es ist immer so, dass die Guten sehr leiden müssen, dass die Bösen aussehen wie die sicheren Sieger, solange die Serie nicht abgeschlossen ist, ist da freilich kein endgültiger Sieg zu befürchten. Es geht häufig um die Errichtung einer faschistischen Diktatur, ein oberster Böser und seine speichelleckerischen Gefolgsleute, die mit großer Brutalität töten und siegen wollen – ein Modell das auch außerhalb der Fantasy-Literatur oft genutzt wird.
Aber, zumindest im Buch, alles wird gut und Harry wird ein rechter Biedermann und dankbar und erleichtert lege ich den letzten Band weg.
Wie hat sich die gute Gelegenheit ergeben? Hätte ich die viele Zeit denn sonst nicht anders genutzt?
Unter dem Titel “Das Nichts verstehen” behandelt dieses Spektrum-Taschenbuch von Frank Close die Suche nach dem Vakuum und die Entwicklung der Quantenphysik. Der populärwissenschaftliche Autor hat sich für sein erfolgreiches Bemühen um Allgemeinverständlichkeit in Großbritannien einen Namen gemacht. Als interessiertem, physikalischen Laien ist auch mir angenehm aufgefallen, wie leserlich das wissenschaftlich anspruchsvolle Thema des “leeren Raums” hier vermittelt wird. Deshalb muss durchaus nicht von einer leichten Lektüre die Rede sein. Aber auch das spricht für ein gutes Sachbuch, wenn ein erster Durchgang zu einem erweiterten Vorverständnis verhilft und wahlweise zu dessen Vertiefung ein gründlicheres zweites Lesen der in diesem Fall rund 170 Seiten.
Statt die bei Klett-Cotta erschienene Druckausgabe des 1955 in Paris gehaltenen Vortrags “Was ist das – die Philosophie?” von Martin Heidegger zu lesen, kann, wer wissen will, was Philosophie ist, das Thema auch online oder offline in einem Lexikon nachschlagen. Dann kann man sich im selben Nachschlagewerk auch gleich den Artikel zum Stichwort “Mensch” vornehmen, um den Menschen kennenzulernen. In beiden Fällen auf solches Wissen beschränkt zu sein, hieße, weder vom Menschen noch von der Philosophie jemals eine Ahnung zu haben.
Zum Glück bleiben wir im Grunde ahnungsvoll, trotz des vielfach oberflächlichen Wissenserwerbs. Menschen wollen zutiefst mit wirklichen Menschen in Berührung kommen und philosophisch Interessierte zutiefst mit wirklicher Philosophie. Wirkliche Philosophie gibt es nur, wo jemand direkt philosophiert und nicht nur indirekt über Philosophie spricht. Was ich hier den philosophisch Interessierten ans Herz lege, ist eine Lektüre, die drei Vorzüge vereinigt: erstens den erwartungsgemäßen Vorzug, etwas über die Philosophie zu erfahren; zweitens den größeren Vorzug, jemanden beim Philosophieren zu erleben; drittens den seltenen Vorzug, es dabei mit einem bedeutenden Philosophen zu tun zu haben.
Der US-amerikanische Psychotherapeut Irvin David Yalom ist zu der Einschätzung gelangt, dass wir die Aussicht auf den eigenen Tod gleichsam so sehr fürchten wie das “In die Sonne schauen“. In seinem Buch gibt er nach jahrzehntelanger analytischer Arbeit mit Menschen gute Ratschläge, wie man die Angst vor dem Tod überwindet. Vom direkten Blick in die Sonne bleibt gleichwohl abzuraten.
Pubertät und Midlife Crisis sind nicht die einzigen Lebensabschnitte, in denen uns die Furcht vor dem Tod “vorzeitig” ergreifen kann. Das ganze Leben fordert zum Todesmut heraus, philosophisch gesprochen: zum Sterbenlernen. Für den Arzt, Sachbuch- und Romanautor Yalom ist es der griechische Denker Epikur, der in besonderem Maße die Philosophie als Therapie – theologisch gesprochen: als Seelsorge – aufgefasst hat, mit dem Ziel der Seelenruhe (altgriechisch: ataraxía). Diese wird übrigens gemeinhin weniger für eine epikureische als für eine stoische Tugend gehalten.
Eine Liebeserklärung an die Liebe – das ist Stepan Siggs neuestes Buch “Das hohe Lied der Liebe”, erschienen im Gabriel Verlag. Eine Sammlung voller Geschichten, Gedichte und Gebete über das höchste aller Gefühle. Hier ist nichts verstaubt und trocken, hier werden flotte Geschichten aus dem Alltag Jugendlicher erzählt, die vor allem eines vermitteln: Liebe ist ein großartiges Geschenk! Ein tolles Präsent zur Konfirmation. Empfohlen ab 13 Jahren.
Ein Kaleidoskop voller Momentaufnahmen. Das erste Mal verliebt sein. Aus Liebe Dinge tun, die man normalerweise nie tun würde. Mut haben jemandem seine Liebe zu gestehen. Seine Liebe verheimlichen. Angst vor Enttäuschungen haben. Ungeduldig warten auf die Liebe. Ein Risiko eingehen und die Gefahr verletzt zu werden in Kauf nehmen. Eifersüchtig sein und Liebeskummer haben. Von der Liebe überrascht und verzaubert werden.
Mit in sich abgeschlossenen, teilweise leicht vorhersehbaren Kurzgeschichten (was das Lesevergnügen dennoch nicht mindert!) unterhält Stephan Sigg seine jugendlichen Leser. Die Texte schaffen viel Raum für eigene Gedanken und durch ihren großen Alltagsbezug auch die Möglichkeit sich in manchen Episoden selbst wiederzuerkennen. Am Ende des Buches wird…
Yijing -Das Buch der Wandlungen – es gibt Bücher vor denen ich den größten Respekt habe, das ist eines davon.
Das sind nicht so wenige, der Faust etwa, den ich vermutlich mit etwa 15 zum ersten Mal gelesen hab, und alle paar Jahre lese ich ihn wieder, noch früher die Bibel, die natürlich Kinder ordentlich erschrecken kann und einen lang andauernden Eindruck hinterlässt, Bücher von Bohumil Hrabal oder Jan Skacel, Pessoa, den ich mehr als zwanzig Jahren immer wieder lese, da käme eine ordentlich Liste zustande.
Natürlich versuche ich mich zu wehren gegen die Übermacht eines Buches, und grad beim I Ging, so hieß das damals noch, in der Übersetzung von Richard Wilhelm, ein philosophisches Orakel-und Ratgeberbuch, ist die Gefahr ja groß, dass man ganz gläubig wird. Man kann mit alten chinesischen Münzen oder mit Schafgarbenstängel befragen, und es wird eine Antwort auf jede Frage geben.
Ich habe mit Schafgarbenstängel orakelt, immer mal gesagt, ich hätte einen I Ging-Arm, vom häufigen durchzählen der Schafgarbenstängel. Das ist ganz gut zu erlernen, wie das geht, schon Hermann Hesse schildert in seinen Glasperlenspiel diesen langsamen und meditativen Vorgang. Mong – Die Jugendtorheit, war das Ergebnis, an das ich mich jetzt noch erinnere, obwohl das sehr lange her ist, dass ichs gelesen habe.
Irgendwann, da war ich etwa 24, dachte ich, ich will das Buch mal etwas aufs Glatteis führen, kann mir ja nicht ständig erzählen lassen, von einem so alten Buch, was ich tun soll, hab ich das I Ging befragt, ob ich eine Karriere als Musiker anstreben sollte – das kluge Buch hat sich aber nicht täuschen lassen und gesagt:
Mythos Überfremdung von Doug Saunders ist mein Winter-Sachbuch-Tipp!
Hetzer, Manipulateure und Demagogen aller Länder, vereinigt euch!
Seit dem 11. September 2001 ist die Anzahl derjenigen, die gegen den Islam und gegen Muslime wettern ungemein gestiegen. „Wir stehen kurz davor, von einer muslimischen Flut hinweggespült zu werden.“ Es ist prädestiniert, dass in nicht allzu ferner Zukunft ein Islam-Tsunami unser Abendland gnadenlos dem Erdboden gleichmachen wird. Nun ja, es gibt nichts einfacheres als sich ins Lager der Irrationalisten zu schlagen. Einfach nur den Verstand ausknipsen und schon kann es losgehen: Das Wunderland des Hasses ist riesengroß, fast unendlich groß. Doch Doug Saunders ist ein großartiger Entzauberer! Mit seinem fabelhaften Buch „Mythos Überfremdung“ rechnet er mit den Vertretern der intellektuellen Nulldimensionalität gnadenlos ab. Nach dem Motto „Keine Macht den Doofen!“ zelebriert Saunders nicht nur ein Fest der Aufklärung, sondern zerpflückt die Wahnkonstrukte Kapitel für Kapitel mit einer beeindruckenden Souveränität.
Heinrich Zankl – Kampfhähne der Wissenschaft
In den Wissenschaften zählt ein klarer, unvoreingenommener und rational abwägender Verstand. Erst wenn Ergebnisoffenheit garantiert ist, kann von einer objektiven Wissenschaft gesprochen werden, denn jede Dogmatik sorgt für ein Erstarren und mündet in eine mentale Sackgasse. Diese Sackgassenmentalität ist der Feind jeder konstruktiven Weiterentwicklung, denn, wenn die Wissenschaftsgeschichte eines beweist, dann, dass verkrustete Positionen immer wieder von Pionieren aufgebrochen werden müssen. Außenseiter müssen sich immer wieder opfern, um festgefahrene Denkstrukturen zu überwinden.
Heinrich Zankl zeigt in seiner unterhaltsamen Gesamtschau „Kampfhähne der Wissenschaft“ auf, wie stur und engstirnig selbst die berühmtesten Wissenschaftler sein können. Kontroversen und gegenseitige Theorien mündeten und münden nicht selten in irrationale Feindschaften. Das Buch zeigt die negativen Eigenschaften weltberühmter Persönlichkeiten auf, die irgendwann die Bahnen des wissenschaftlichen Argumentierens und Arbeitens verlassen und sich in den Irrgärten der subjektiv-voreingenommenen Überzeugung verloren haben.
Günther Thömmes legt mit „Der Papstkäufer“ einen historischen Roman vor, der sich von seinen bisherigen Bier-Romanen klar abgrenzt. Schwerpunkt ist diesmal die Renaissance, die Augsburger Kaufmannsfamilie Fugger und ein gewisser Johannes Zink, der sich mit diesem Buch in das Bewusstsein vieler Leser nachhaltig eingraben wird.
Nicht selten wird die Geschichte von Hintermännern gemacht, die in Geschichtsbüchern, wenn überhaupt, nur knapp erwähnt werden. Johannes Zink ist so ein Mensch. Er war gewissenlos, kühl kalkulierend und ein strategischer Großmeister, d.h. der perfekte Mann für die Fugger, die sich anschickten Europa und die Welt zu erobern. Alle Wege führen bekanntlich nach Rom und dort haben die Fugger auch eine Niederlassung, deren Führung Johannes Zink übernehmen soll. Er wird in dieser Position aufgehen, er wird Geschichte schreiben, er wird den Kampf mit den mächtigsten Menschen aufnehmen.
Arthur Schopenhauer gibt Ratschläge für ein vernünftiges Leben: Aphorismen zur Lebensweisheit.
Das ist ein Buch das mich schon lange begleitet, eine seiner Hauptaufgaben ist das Verkürzen von Wartezeit. Ich habe immer ein kleines Buch in der Tasche, weil Wartezeiten schnell entstehen und die großen Bücher manchmal etwas unhandlich sind. Taschenbücher sind leider auch oft sehr groß geworden und meine geschätzte Vorstellung, dass Taschenbücher bedeuten, dass man sie in die Tasche stecken kann, ist nicht immer zutreffend. Aber: Reclams Universal-Bibliothek ist klein geblieben, meine bevorzugte Farbe ist das gelb und Inhalte gibt es in einer Fülle, die kaum vergleichbar ist.
Schopenhauer ist ein beinharter Realist, manche sagen Pessimist, und zeigt ohne zu beschönigen, wie die Welt eingerichtet ist, nein, wie die Menschen die Welt eingerichtet haben.
Er beschreibt etwa:
Von dem, was einer ist
Von dem, was einer hat
Von dem, was einer vorstellt
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