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Eckhard Henscheid – Denkwürdigkeiten. Aus meinem Leben. 1941-2011

Mittwoch, 20. März 2013
4,86 von 5 Punkten, basierend auf 7 Stimmen.

Eckhard Henscheid - Denkwürdigkeiten. Aus meinem Leben. 1941-2011. AutobiographieEckhard Henscheid nennt sein Buch Denkwürdigkeiten. Aus meinem Leben. 1941-2011.
Eine Autobiographie also wohl nicht, es kann ja nur um die besonderen Ereignisse gehen, nicht die unendlichen, den Leser plagenden, Kindheitserinnerungen die die meisten Autoren von Autobiographien so gern haben, man sieht förmlich wie die 70jährigen sich ganz genau ans Kind erinnern und daran wie klug es schon war, wie deutlich hier schon der Grundstein gelegt wurde für das spätere Genie-Dasein, Henscheid verspricht mit dem Titel: Denkwürdigkeiten, Ereignisse die wert genug sind, dass man darüber nachdenkt.
Henscheid ist einmal ein sehr wichtiger Autor gewesen in meiner Lesegeschichte, obwohl ich nur knapp am völligen ignorieren vorbeigeschrammt bin: Ich hatte Geht in Ordnung – sowieso – - genau – - - gelesen, entdeckt, Henscheid als großen realistischen Erzähler eingeordnet der die Peinlichkeit des Lebens in der Kleinstadt aufs genaueste beschrieben hatte, der exakte Bilder von Menschen geschaffen hatte wie man sie so und ähnlich leicht finden konnte, auch in meiner Umgebung, ich war also schon ein überzeugter Henscheid-Leser als ich herausgefunden habe, dass es eine Trilogie war, noch zwei Bände dazu gehörten und dass diese Trilogie unter dem zusammenfassenden Titel „Trilogie des laufenden Schwachsinns“ angeboten wurde.
Ich glaube ich hätte die Bücher nicht angefasst, wär mit der Titel untergekommen, nein, glaub ich auch jetzt noch, das hat er nicht verdient, der Henscheid.

Hannes Stein – Der Komet

Donnerstag, 21. Februar 2013
4,00 von 5 Punkten, basierend auf 8 Stimmen.

Die mythologisierenden Physiker sind außer Rand und Band geraten, unser Universum ist schon lange nicht mehr genug, mehrere, wenn nicht sogar unendlich (!) viele Paralleluniversen sollen angeblich existieren. Was die naturwissenschaftlichen Mythologen können, kann die gute alte Literatur erst recht. Mit „Der Komet“ veröffentlicht Hannes Stein ein literarisches Paralleluniversum, das ich wärmstens empfehlen kann.

Wir schreiben in irgendeinem Paralleluniversum des Multiversums das Jahr 1914 und der Thronfolger Franz Ferdinand ist in Sarajevo zu Besuch. So weit, so gut und die Geschichte bekannt, doch nachdem er das erste Attentat überlebt, stellt er fest: „I bin doch ned deppat, i fohr wieder z’haus.“ Der Attentäter erhält keine zweite Chance und der Verlauf der Geschichte nimmt eine skurrile Wende, denn kein toter Thronfolger führt zu keinem Ersten Weltkrieg, dies wiederum lässt den Zweiten Weltkrieg ausfallen und so findet der Kalte Krieg nur in unserem Universum und vielleicht in anderen statt, aber nicht in Steins Literatur-Paralleluniversum.

Die Schüler von Winnenden

Mittwoch, 20. Februar 2013
2,00 von 5 Punkten, basierend auf 22 Stimmen.

Daniel O.Bachmann - Die Schüler von Winnenden - ArenaEs gibt viele Bücher, die man mit einer gesunden Distanz lesen kann – man weiß: okay, das hier ist fiktiv, das könnte zwar so oder so ähnlich passieren, aber es ist zu weit weg, um intensive Gefühle zu hinterlassen. Bei diesem Buch “Die Schüler von Winnenden”, geschrieben von sechs Schülern und einer Lehrerin, ist es jedoch nahezu unmöglich distanziert zu bleiben, denn das hier, das ist WIRKLICH passiert. Der Roman basiert auf den wahren Ereignissen des 11. März 2009, dem Tag des Amoklaufs, durch welchen die kleine Stadt Winnenden eine leidvolle Bekanntheit erlangte, die man keiner Stadt und seinen Bewohner je wünschen möchte.

Das Buch ist in der Reihe “Unser Leben” im Arena Verlag erschienen (in Zusammenarbeit mit Daniel Oliver Bachmann) und umfasst die Erlebnisse und Erinnerungen vor, während und nach dem Amoklauf an der Albertville-Realschule. Es wird aus sich abwechselnden Perspektiven erzählt, wobei stets der Name der betroffenen Person mit einem Zitat am Anfang steht. Die Schüler das sind: Jennifer Schreiber (15), Steffen Sailer (15), Marie Bader (16), Annabell Schober (11), Pia Sellmaier (8) und die Lehrerin Marie-Luise Braun, wobei die Namen teilweise geändert wurden und die Altersangabe sich auf das damalige Alter bezieht. Die geschilderten Ereignisse wirken dadurch noch umso heftiger, da die Erzähler auch den Tag vor dem Amoklauf schildern. Was sie in ihrer Familie unternommen haben, wie sie abends beispielsweise noch ein Fußballspiel im Fernsehen sehen oder für eine bevorstehende Klausur lernen müssen. Wie sie zur Schule gingen, was im Unterricht behandelt wurde. Wie sie die ersten Schüsse…

William J. Dobson – Diktatur 2.0

Samstag, 09. Februar 2013
4,57 von 5 Punkten, basierend auf 7 Stimmen.

William J. Dobson hat für „Diktator 2.0“ keine Distanzen gescheut. Zwei Jahre und 150.000 Kilometer hat er investiert. Am Ende kann man sagen, dass die Mühen sich gelohnt haben, denn das Buch bietet einen hervorragenden Überblick über die gegenwärtigen autoritären Staaten und die Helden, die es sich zur Lebensaufgaben gemacht haben, diese Diktaturen zu bekämpfen.

Egal ob Venezuela, Ägypten, China, oder Russland, William J. Dobson war dort und hat sich tief in die Machtstrukturen reingewagt. Er liefert nicht nur Interviews mit den Vertretern der Machthaber vor Ort. Mit seinem Buch liefert er auch die Gesichter und Namen, die sich gegen Gewalt, Unterdrückung und Korruption engagieren. Es sind mutige Verfechter des Liberalismus und der Demokratie, die ihr Leben riskieren, um für eine bessere Gesellschaft zu kämpfen.

Thomas Frank – Arme Milliardäre!

Sonntag, 09. Dezember 2012
4,40 von 5 Punkten, basierend auf 5 Stimmen.

Thomas Frank – Arme Milliardäre 

Was haben China, Nordkorea, Kuba, Vietnam und die U.S.A. gemeinsam? Genau! Sie werden alle sozialistisch regiert. Wäre hätte das jemals gedacht, dass das einstige Bollwerk des Kapitalismus nun von einem „freiheitsfeindlichen Diktator“ tyrannisiert wird. „Die säkular-sozialistische Maschinerie (Barack Obamas Regierung) ist für Amerika eine ebenso große Bedrohung wie einst Nazi-Deutschland oder die Sowjetunion.“ Diese „weisen“ Worte stammen nicht von irgendeinem Kauz, der hinterm Deich lebt, sondern wurden von Newt Gingrich geäußert, einem führenden Politiker der Republikaner.

Dieses Buch ist die Chronik einer Zeit voller Verwirrungen, in der sich die Amerikaner gegen eingebildete Gefahren erheben und Wirtschaftstheorien unterstützen, die ihren Horizont übersteigen. Es handelt von einem Land, in dem die Angst vor der Machtübernahme einer radikalen Linken umgeht, die dort schon längst keine Rolle mehr spielt, ein Land, in dem Fernsehmoderatoren ideologische Albträume schüren, die vielen Menschen realer und überzeugender scheinen als alles, was die Zeitungen zu berichten haben.“

Atlas der Globalisierung

Donnerstag, 29. November 2012
4,43 von 5 Punkten, basierend auf 7 Stimmen.

Der neue „Atlas der Globalisierung“ bietet reichlich Stoff zum Nachdenken. Ich zappe mich also locker durch den Atlas, bleibe mal hier mal dort hängen, lande schliesslich beim Artikel Online-Universum. Unglaublich, welche Rechnerkapazitäten in Serverfarmen aufgebaut wurden, wo Kupfer-oder Glasfaserkabel hinführen, was es für Auswirkungen beim weltweiten Stromverbrauch hat und wie die Sicherheit im Netz aussieht. Also, damit Sie meine kurzen Beitrag überhaupt lesen können, sind schon eine Menge Rohstoffe verbraucht worden. Ganz zu schweigen von meinen Gehirnzellen, die ich quäle, um all die interessanten Themen aufzuzählen, die ich in diesem Atlas gefunden habe.
Aber ich kapituliere, denn ich möchte niemanden damit langweilen indem ich das Inhaltsverzeichnis aufzähle. Nur soviel: jede Menge politische, wirtschaftliche und soziale Themen werden in Grafiken und kurzen Artikeln behandelt und oftmals wird ein Vergleich zwischen dem Jahr 2000 und 2010 gezogen, damit die Entwicklungen sichtbar werden. Bei manchen hoffe ich, dass diese nicht so fortschreitet, wie in den Jahren davor. Aber das ist eine philosophische Frage, die in diesem Buch nicht beantwortet wird, wenn auch der Untertitel „die Welt von morgen“ dieses  suggerriert .
Die Artikel, die die Grafiken ergänzen und interpretieren, fand ich sehr interessant und amüsant geschrieben. Wer Themen noch weiter vertiefen möchte, findet jede Menge Literaturhinweise im Ende des Buches oder des Artikels. Die Autoren  sind eine internationale Mischung mit Schwerpunkt aus dem französischen Sprachraum, daher wäre es perfekt, wenn, wie in der Zeitschrift „Le Monde diplomatique“ üblich, die Übersetzer auch genannt würden. So findet man sie zumindest  im Impressum.

Doug Saunders – Mythos Überfremdung

Montag, 19. November 2012
3,90 von 5 Punkten, basierend auf 10 Stimmen.

Mythos Überfremdung von Doug Saunders ist mein Winter-Sachbuch-Tipp!

Hetzer, Manipulateure und Demagogen aller Länder, vereinigt euch!

Seit dem 11. September 2001 ist die Anzahl derjenigen, die gegen den Islam und gegen Muslime wettern ungemein gestiegen. „Wir stehen kurz davor, von einer muslimischen Flut hinweggespült zu werden.“ Es ist prädestiniert, dass in nicht allzu ferner Zukunft ein Islam-Tsunami unser Abendland gnadenlos dem Erdboden gleichmachen wird. Nun ja, es gibt nichts einfacheres als sich ins Lager der Irrationalisten zu schlagen. Einfach nur den Verstand ausknipsen und schon kann es losgehen: Das Wunderland des Hasses ist riesengroß, fast unendlich groß. Doch Doug Saunders ist ein großartiger Entzauberer! Mit seinem fabelhaften Buch „Mythos Überfremdung“ rechnet er mit den Vertretern der intellektuellen Nulldimensionalität gnadenlos ab. Nach dem Motto „Keine Macht den Doofen!“ zelebriert Saunders nicht nur ein Fest der Aufklärung, sondern zerpflückt die Wahnkonstrukte Kapitel für Kapitel mit einer beeindruckenden Souveränität.

“Er ist wieder da” – Timur Vermes

Dienstag, 06. November 2012
5,00 von 5 Punkten, basierend auf 19 Stimmen.

“Er ist wieder da” – in Timur Vermes’ Debütroman erwacht Adolf Hitler im Berlin des 21. Jahrhunderts – mit höllischen Kopfschmerzen. Hat er nicht eben noch Eva seine Waffensammlung gezeigt? Etwas verwirrt darüber, wie er im Jahr 2011 gelandet ist, hat er dennoch ein klares Ziel vor Augen: Er muss zurück an die Macht! Und dass die nicht länger in der Politik, sondern im Internet zu finden ist, wird ihm sehr schnell klar.

Hitler startet seine Mission als Nebendarsteller einer Comedyshow. Dass er es mit seinen inbrünstigen Reden auf Platz 1 der YouTube-Charts schafft, kann er als ersten Erfolg verbuchen. Doch er will mehr: Eine eigene Propaganda-Sendung muss her!

Ganz klar eines der besten Bücher in diesem Jahr. Schauspieler Christoph Maria Herbst, bekannt aus der Kultserie “Stromberg”, verleiht auch dem Hörbuch einen ganz eigenen Charme. Wer ihn als Alfons Hatler gesehen hat, weiß, dass er der Einzige ist, der für diese Lesung in Frage kommt. Unbedingt die Kostprobe - mit wirklich köstlicher Schlusspointe – anhören!

Mojtaba Sadinam, Masoud Sadinam, Milad Sadinam – Un­er­wünscht

Sonntag, 14. Oktober 2012
4,73 von 5 Punkten, basierend auf 41 Stimmen.

Mojtaba, Masoud und Milad Sadinam - Un­er­wünscht

die brüder mojtaba sadinam, masoud sadinam, milad sadinam erzählen in un­er­wünscht  von einer flucht aus der heimat iran und einem neubeginn.es dauerte neun jahre bis sie eine aufenthaltsgenehmigung bekommen haben. wie sie es geschafft haben, erzählen die brüder in diesem buch.

alles begann 1996 mit der flucht aus teheran. die mutter hatte flugblätter verteilt. sie mussten untertauchen bis eine schlepperbande sie dann nach deutschland brachte. der asylantrag wurde vorerst abgelehnt. sie lebten in verschiedenen asylbewerberunterkünften. eisern setzte sich die mutter durch, die söhne zum lernen zu animieren. sie selber versuchte eine ausbildung zu machen. für alle ist es nicht leicht. denn die widerstände sind gross. aber mit der hilfe einiger menschen schaffen sie es doch. machen ihr abitur mit eins und studieren an elite-universitäten.

diese buch zeigt wie die brüder ihren weg gemacht haben und jeder erzählt aus seiner sicht:

Milad: Wir sind den Menschen dankbar, die uns geholfen haben. Als wir im Januar, nach fast 16 Jahren in Deutschland, die Staatsbürgerschaft erhielten, haben wir 20 Karten verschickt, um uns zu bedanken; an Freunde, Sozialarbeiter, Lehrer.”

Helmut Schmidt/Giovanni di Lorenzo – Verstehen Sie das, Herr Schmidt?

Sonntag, 07. Oktober 2012
4,18 von 5 Punkten, basierend auf 11 Stimmen.

Helmut Schmidt/Giovanni di Lorenzo – Verstehen Sie das, Herr Schmidt?Helmut Schmidt/Giovanni di Lorenzo – Verstehen Sie das, Herr Schmidt?

Es gibt in Deutschland nicht viele Menschen, an deren Lippen Millionen Bürger hängen. Aktive Politiker sind nicht unabhängig und deshalb nicht sehr glaubwürdig, weil sie ja doch nur irgendeine bestimmte Klientel vertreten. Bedeutende Politiker „außer Dienst“, die wichtige und wegweisende Entscheidungen getroffen haben, sind leider auch Mangelware, wenn es darum geht genau diese Entscheidungen jüngeren Generationen zu erklären und zu aktuellen Themen eine klare Position zu beziehen.

Helmut Schmidt ist die große Ausnahme. Seine Bücher werden nachgefragt wie warme Semmeln und jedes mal, wenn er im Fernsehen auftritt, hat man das Gefühl, dass ein großer Staatsmann endlich mal seine persönliche, unverfälschte Meinung äußert. Er ist zu recht mit Abstand der beliebteste Politiker, sein a.D. spielt keine Rolle.

„Verstehen Sie das, Herr Schmidt?“ ist wieder so eine kleine politische Buch-Perle. Die Atmosphäre von „Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt“ konnte abermals hervorragend eingefangen werden. Es ist eine unterhaltsame und dennoch lehrreiche Mischung aus (politischer) Geschichte, Zeitgeschichte, persönliche Erfahrungen und vieles mehr.

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