Wander Woman von Jana Thiele kann man am besten zu den humorvollen aber auch tiefgründigen Reiseberichten stellen, also neben Harpe Kerkeling: Ich bin dann mal weg, ist genau der richtige Platz.
Jana Thiele ist übergewichtig, total unsportlich und hockt am liebsten auf dem Sofa, bis sie irgendwann einen Bandscheibenvorfall hat. Von da an ist in ihrem Leben nichts mehr wie es vorher war. Als Kassenpatient erlebt sie eine Odyssee durch das deutsche Gesundheitswesen, bis sie endlich aus eigener Tasche einen Professor zahlt, der ihr eine brauchbare Diagnose gibt und ihr rät, wandern zu gehen. Wie soll sie wandern gehen, wenn sie es nur unter großen Schmerzen bis zur nächsten U-Bahn schafft? Aber Jana Thiele sieht ein, daß ihr nur Bewegung hilft, also beißt sie die Zähne zusammen und fängt an. Erst nur im Berliner Umland, dann im Harz, in der Sächsischen Schweiz und schließlich im Bayerischen Alpenvorland.
Voll des Lobes war die SZ für “Ohne Fußball wär´n wir gar nicht hier“, eine Sammlung von kurzen Fußball-Geschichten dreier Sportjournalisten, Volker Backes, Andreas Beune und Christoph Ruf. Ein Lob weniger aus objektiver Quelle, Christoph Ruf schreibt als freier Journalist eben für die SZ. Was aber letztlich egal sein sollte. Denn hier ist wieder einer dieser selten gewordenen Fußball-Fans am Werk, der wunderbar zu Papier bringt, warum zum Beispiel ein Relegations-Spiel von Jahn Regensburg in einer Bruchbude von Stadion echter Fußball-Geruch bedeutet, ganz im Gegensatz zu Fanmeile und Business-Seats in Fröttmaning. Er versteht es so ganz hervorragend, diesen ursprünglichen Fußball-Geruch zu umschreiben, ebenso aber auch, Fanmeilenmenschen jeglichen Fußballverstand abzusprechen. Zum Hochgenuss wird seine soziologische Abrechnung in “Das dumme Volk”, oder die Sache mit der “Stoiberisierung des eigenen Ichs”.
Etwas zähflüssig kommen die beiden anderen Autoren Andreas Beune und Volker Backes rüber. Bei den Texten von Volker Backes dachte ich, hat so was von Volker Keidel – liegt nicht nur am gleichen Vornamen und den gleichen Vereinsfarben von Arminia Bielefeld (Backes) und dem HSV (Keidel). Den Volker Keidel muss man live erleben, dann ist das wirklich lustig, dieser Humor ohne Pointe. Vielleicht ist Volker Backes als Live-Event auch lustig…
Buch TIPP: Christoph Ruf “Ist doch ein geiler Verein” – Reisen in die Fußball-Provinz
Im neuen Buch von SZ-Sportredakteur Thomas Kistner – FIFA Mafia, wird bereits im Untertitel Klartext gesprochen: “Die schmutzigen Geschäfte im Weltfußball”.
Beinahe möchte man schon sagen “endlich”, endlich bündelt Thomas Kistner sein gewaltiges Fachwissen aus der Sport- und Fußballpolitik in diesem Highlight des investigativen Sportjournalismus. Warum “endlich”? Kein Fußball mehr ohne neue Skandalmeldungen aus der “FIFA-Familie” und seit der geraumer Zeit auch aus dem europäischen Verband (UEFA) des Michel Platini. Vorbildlich räumt die SZ ihrem Fachredakteur Thomas Kistner zwar zu jeder Meldung eine Kommentar-Spalte ein. Nur, wer hat da noch genau den Durchblick? Da sitzt der korrupte Funktionär aus Tonga im Anti-Korruptions-Komitee, nur wenn er denn für Sepp Blatter stimmt, dann ist das alles kein Problem, anders herum soll er sich auf keinen Fall von Jack Warner einwickeln lassen. Oder, was hat es mit Zypern auf sich, dass nun gerade im Moment eine Europameisterschaft in der Ukraine ausgetragen wird? Und mit Katar, da war doch noch was?
“Faszination Federer” – Dominique Eigenmann
Eleganz, Kreativität, Stil – für all das steht Tennisstar Roger Federer. Schriftsteller David Foster Wallace bescheinigte in seiner Hommage “Poesie in Bewegung” dass “Federer einer jener seltenen Athleten ist, für die bestimmte physikalische Gesetze nicht zu gelten scheinen.”
Mit dem Namen Roger Federer verbindet man 16 Grand-Slam-Siege, vier aufeinander folgende Jahre beendete der Schweizer als Weltranglisten-Erster, fünf Mal in Folge gewann er Wimbledon und die US Open, viermal wurde er zum Weltsportler des Jahres gekürt, und und und. Daneben liefert er sich regelmäßig Showmatches mit Konkurrenten wie Rafael Nadal (zum Beispiel sehr spektakulär auf einem Water Court), ist Vater von Zwillingen, internationaler UNICEF-Botschafter und unterstützt zahlreiche Hilfsprojekte.
Natürlich liest sich sein Werdegang wie ein Tennis-Märchen, Federers Erfolge sprechen für sich. Aber ist das alles? Was genau macht diese Faszination aus, die vom Schweizer ausgeht?
Dieses Buch erzählt davon. Als inbrünstiger Federer-Fan hat Dominique Eigenmann ein Essay verfasst, das versucht, das Phänomen Federer zu erklären. Eine eindrucksvolle Biografie über einen eindrucksvollen Menschen.
Ich sag nur ein Wort: Vielen Dank! Horst Hrubesch hat sich hier verzählt, er meinte natürlich: Vielendank!
Wem der Autor “11 Freunde” nicht geläufig ist, weder wurde das Buch von Sepp Herberger geschrieben (“11 Freunde müsst ihr sein”), noch handelt es sich um ein Pseudonym (Günter Grass, Horst Hrubesch etc.).
Die “11 Freunde” sehen sich als ein “Magazin für Fußballkultur”, erscheint einmal monatlich in einer Auflage von 80.000 Exemplaren. Auch wenn so manches Buch dem Anspruch von “Kultur” durchaus gerecht wird (Günter Grass??), so wird man im “11 Freunde” Buch nicht so recht fündig. Hier findet der geneigte Leser auf 223 Seiten eine Ansammlung von Zitaten und Andekdötchen zum Thema Fußball, sauber angeordnet und katalogisiert und versehen mit hübschen Kapitel-Überschriften (“Lothar Matthäus“). Und irgendwie stellt sich bei der Lektüre schnell große Langeweile ein: Irgendwann und irgendwo hat man das doch alles schon mal gelesen oder gehört, denkt man. Oder man liest hin und wieder im “Magazin für Fußballkultur”, denn ganau dort wurden diese “500 Dinge über Fußball” (Untertitel des Buches) schon mal abgedruckt.
Ungefähr so, wie wenn man die Sprüche von Dieter Bohlen sammelt und daraus ein Buch macht, Titel “Bei mir kommen solche Geräusche aus anderen Öffnungen”, zum Beispiel.
Der Vergleich hinkt nicht! Ein Lothar Matthäus bewegt sich auf einem vergleichbaren Boulevard-Level.
Neben der Langeweile finden sich auch noch ein paar sachliche Fehler: Die endlos breit getretene Niederlage Österreichs gegen die Färöer ereignete sich in Karlskrona/Schweden und nicht in der eigentlichen Heimat der Färinger (Warum? – Auf den Färöer gab es damals noch keinen Rasenplatz). Außerdem Gruß an den Lektor, es heißt “Färöer” und nicht “Färöern”.
Mit den Übungskarten aus der neuen Yoga-Box von Anna Trökes lassen sich viele Probleme lösen, die beim Yoga-Üben zu Hause auftreten können.
Zu allererst beantwortet sie natürlich die Fragen:
Was soll ich üben? Und in welcher Reihenfolge? Wie wirkt die Übung? Wie kann ich sie variieren? Wann sollte ich besser nicht üben? Und wie kann ich die Übung ergänzen? Was ist die Ausgleichsübung, denn schließlich ist Yoga ein ausgewogenes, ausgeklügeltes System aus Bewegung und Gegenbewegung.
All das beantworten andere, gute Yoga-Bücher natürlich auch.
Doch mit Hilfe der Yoga-Box kann man sich aus den Karten sein persönliches Übungsprogramm bestehend aus Vorbereitung, Basis-Asanas, Fortgeschrittene Asanas und Atem- und Entspannungsübungen ganz einfach selbst zusammenstellen. Oder auch faul sein und auf die Leporellos mit drei fertigen Übungsprogrammen zurückgreifen. Damit können sie ihr Übungsprogramm wesentlich flexibler ihren Bedürfnissen anpassen als das mit einem Buch möglich ist.
Eigentlich geht mich das Buch “Männeryoga” von Dirk Bennewitz, erschienen im Lotos Verlag, ja gar nichts an. In meinem Yoga-Kurs sind – wie das so häufig der Fall ist – nur Frauen.
Neugierig, wie ich nun mal bin, schaue ich in jedes Yoga-Buch rein und dieses bescherte mir einige AHA-Erlebnise. Anscheinend weiß meine Yoga-Lehrerin gar nicht, dass es einen Unterschied zwischen Männer- und Frauen-Yoga geben kann! Die Armbalancen, Umkehrhaltungen und kraftvollen Übungen, die Dirk Bennewitz zeigt, liebt sie heiß und innig. Dabei ignoriert sie völlig, das ihre Schülerinnen mit allem, was einer Liegestütz ähnelt, auf dem Kriegsfuß stehen. Was uns aber nicht stört, denn Yoga üben heißt auch Scheitern lernen.
Mir gefällt das Buch auch deswegen, weil es mich daran erinnert hat, dass die Asana namens Krieger nicht umsonst so heißt. Und das sich “Verbretzeln” nur eine Seite des Yogas ist.
“Männeryoga” bietet eine solide, alltagstaugliche, humorvolle Einführung in die wichtigsten Aspekte des Yogas. Ob es Männer dazu bringt, die Yoga-Matte auszurollen mag bitte einer meiner Kollegen beurteilen
Die CD “Surya Namaskar” , erschienen bei Silenzio Music, hilft beim Yoga üben zu Hause. In einer klassischen Hatha-Yoga Stunde wird nach der Anfangsmeditation und dem Pranayama der Sonnengruß geübt. Sportler würden das als Aufwärmübung bezeichnen. Den Zweck erfüllt es auch. Doch vor allen Dingen verbindet Surya Namaskar, der Sonnengruß oder auch Sonnengebet, den Atem mit dem Körper. Einatmen-strecken-ausatmen-beugen und das in einem fließenden Wechsel durch 12 Körperhaltungen, die auch gleichzeitig die 7 Chakren stimulieren. Wenn eine Yoga-Lehrerin den Sonnengruß ansagt ist es einfach, im Rhythmus zu bleiben. Zu Hause, alleine auf der Yogamatte, gestaltet sich das schon schwieriger. Der innere Schweinehund neigt dazu, bei einer anstrengenden Haltung mal schneller zu atmen, damit die Übung nicht so lange dauert. Mit Hilfe der CD bleibt man im Flow.
Und für die ganz Neugierigen folgen noch die Mantren des Surya Namaskar. Ohne Übersetzung, denn nach vedischer Lehre ist der Klang wichtiger als die Bedeutung:
Eher zweitrangig dürfte von Interesse sein, dass “Der feine Unterschied” eines Philipp Lahm aus München-Gern eine Spitzennominierung zum “Überflüssigsten Buch des Jahres” verdient hätte.
Nachdem sich Rudi Völler, Joachim Löw und Jürgen Klinsmann den jungen Nachwuchs-Autoren bereits ordentlich zur Brust genommen haben, auf Zuruf einer ganz bestimmten Zeitung, möchte man vielmehr wissen: Wie genau wurden die drei betroffenen Herren in Lahms Buch nun wirklich abgewatscht?
Angeblich soll es bei Rudi Völler in der Nationalelf sehr locker zugegangen sein, und bei Rudi war so etwas wie Taktik kein Thema. Nun, Philipp Lahm greift in Zusammenhang mit Rudi Völler nur seine Nationalmannschaftspremiere gegen Kroatien auf, ein Freundschaftsspiel in Split. Über dieses eine Spiel schreibt er “…es gibt auch keine Besprechnung, in der eine Taktik festgelegt würde”. Zwei Seiten später fasst er seine Treffen mit der Nationalelf im Jahre 2004 zusammen, auch mit dem Satz “Es gibt keine taktischen Besprechungen”. Um dann aber zurückzurudern “Ich weiß von keiner Nationalmannschaft des Jahres 2004, die sich anders, professioneller vorbereitet hätte als wir”. Gut, lieber Rudi, eigentlich alles im grünen Bereich, keiner hat sich um Taktik geschert, warum also Du, und wenn man sieht, wie die Griechen Europameister wurden, dann mag der Lahm nicht ganz unrecht haben.
Der Wanderführer Provence von Ralf Nestmeyer bietet nicht nur schöne Touren sondern auch einen Zusatznutzen: im Buch gibt es einen Code mit dem man die Touren als GPS-Daten anfordern kann. Das geht ganz einfach.
Auf der Homepage des Verlages anmelden, Code eingeben und die Daten kommen sofort per Mail.
Genau das habe ich vor meinem Urlaub gemacht und war gleich bei der ersten Tour, die wir gelaufen sind, sehr froh darüber: Ohne die GPS-Daten auf unserem Garmin hätten wir noch nicht mal den Parkplatz gefunden. Als Warmlauf-Wanderung hatten wir uns die Tour Nr. 3 “Den Mont Ventoux entlang zur Chapelle St. Sidoine” herausgesucht, eine der kürzeren Touren im Buch. Nach der Wanderung wussten wir, dass der Autor meint, was er schreibt. Hier war von einem kurzen, etwas schwierigen Schotterstück abwärts die Rede. Dem war auch so: machbar, aber nicht ganz ohne Probleme. Danach war uns klar, dass wir alle Touren, bei denen in der Beschreibung etwas von Kletterpartien oder konditionell anspruchsvoll stand, gar nicht erst versuchen brauchen.
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