Sookie wer? Über Vampire, Werwölfe, Gestaltwandler und all den Halblingen zwischen Friedhof und Höllenschlund gemütlich beim Kaffee zu plaudern ist selbst in Regensburg fast schon so normal geworden, dass es langweilt. Allzu vertraut sind nicht nur den Buchändlern und Kinobetreibern Bella und Edward und der Rest der hippen Teene Clique aus der Feder von Stephenie Meyer. Ich kam nicht umhin in der Sauna bei 90 Grad einem Gespräch zu folgen, in dem eine Frau ihrem Mann versuchte den Inhalt der Biss Bücher näher zu bringen, über die sie seit einigen Wochen mit ihrer Tochter beim Frühstück diskutierte. Der Mann zuckte an den richtigen Stellen mit den Schultern, warf gekonnt ein “Aha” und “Soso” in die Redepausen und nickte kurz vor dem Höhepunkt auf seinem Handtuch ein. Die Buch- und TV-Serie True Blood von Charlaine Harris sticht jedoch aus dem Sumpf all der Untoten durch Witz, Spannung und nicht zuletzt der liebenswerten Heldin Sookie Stackhouse hervor.
Bei manchen Themen wünscht man sich im Nachhinein, dass man besser den Mund gehalten hätte, anstatt Farbe zu bekennen. Die peinlich berührten, fremdschämenden Blicke des Gegenübers brennen sich wie ein Zeichen in die geschundene Seele ein. Musste ich noch vor Jahren im Untergrund und hinter vorgehaltener Hand nach Freunden suchen, die meine Begeisterung für die Vampirjägerin Buffy teilen, so begegnen einem heute die Untoten und Dämonenfresser an jeder Straßenecke; allen voran natürlich die Herrenrasse der Vampire, in deren Windschatten bizarre Auswüchse die Bücherwelt erobern.
Nie im Leben wäre ich von selbst auf die Idee gekommen, mir ein Buch mit dem Titel Vorübergehend tot zu kaufen, wenn nicht ein Freund gebetsmühlenartige Lobeshymnen auf die Geschichte um eine gedankenlesende Kellnerin aus den stickigen Südstaaten der USA geschwungen hätte. Ein Freund, der mich bisher nie enttäuscht und in allen wichtigen Belangen vollkommen unterstützt hatte. Man mag es nicht für möglich halten, doch er sollte recht behalten. Ich war bereits nach den ersten paar Seiten von dem flotten Schreibstil der Autorin und ihrer charmanten Heldin Sookie Stackhouse begeistert. Ich meine, die hat mal wirklich Probleme in ihrem Leben, kann das Gedankenlesen wenn überhaupt, dann nur sehr schwer abstellen, wird pausenlos von dem ungefilterten Gewäsch ihrer Mitmenschen gemartet und findet endlich eine lautlose Liebesoase beim Neuankömmling und Sonderling der Stadt – Vampir Bill. Was für ein Setting! Der Plot ist wie gemacht für eine TV-Serie und wenn man dann auch noch Hollywoodschauspielerin Anna Paquin für die weibliche Hauptrolle gewinnen kann, dann ist der Erfolg fast schon programmiert. Selbst wenn die Serie zu weiten Teilen anderen Handlungssträngen folgt als die Romane vorgeben, so steht sie ihnen in nichts nach. Die in der deutschen Übersetzung eigenwillig anmutenden Titel wie Untot in Dallas oder Vampirgeflüster bieten wunderbare Unterhaltung für alle, die besondere Unterhaltungsromane lieben und sich nicht
schämen Vampire mit ins Handgebäck ab in den Urlaub zu nehmen. Und die TV-Serie ist ein absolutes Highlight unter all den Serienproduktionen der letzten Jahre – und ich muss es wissen, da ich ein Serienjunkie bin. Selbst wenn manche Szenen eher an einen grotesken Vampirporno erinnern, denn an eine vorabendliche Unterhaltungsserie ist alles dabei, was man für gelungene Serienabende möchte: charmante und sexy Helden mit wechselnden sexuellen Präferenzen, dunkle Schurken, überraschende Wendungen und stetige Steigerungen bis zum ordentlichen Finale. Ich habe eben die dritte Staffel auf DVD erworben und muss mich zwingen nach zwei Folgen abzuschalten, damit ich möglichst lange noch die Geschichte genießen kann. Die Zeiten haben sich eindeutig geändert und wir können öffentlich Farbe bekennen – TRUE BLOOD hat Suchtpotential.
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