Sterben müssen wir alle irgendwann. Gedanken über den Tod machen sich meist ältere Menschen. Doch – wenn man sich die aktuellen Neuerscheinungen in der Jugendliteratur anschaut: scheint das Thema Tod dieses Jahr auch in der Jugendliteratur besonders vertreten zu sein.
Schon an den Bestsellern “Bevor ich sterbe” von Jenny Downham oder “Tote Mädchen lügen nicht”
von Jay Asher (beide erschienen bei cbt), die – obwohl sie schon vor Jahren veröffentlicht wurden - noch immer gefragt sind, ist erkennbar, dass auch Jugendliche sich mit ernsten Themen auseinandersetzen möchten. Und das haben nun auch die Verlage erkannt:
Der Hanser Verlag bietet mit John Greens neuestem und bisher stärksten Titel “Die Wahrheit ist ein mieser Verräter” eine Geschichte über zwei krebskranke Jugendliche, die gleichzeitig zum Lachen und zum Weinen verleiten wird.
Interessant ist auch, dass dieses Jahr in auffallend vielen Romanen die Mutter an Krebs erkrankt und stirbt, wie es der Fall ist bei “Nichts als Liebe” von Beth Kephart (dtv), “Anders als sie” von Lauren Strasnick (Baumhaus) und bei K.L.Going “Evies Garten” (auch Baumhaus) . Im August ist ebenfalls ein sehr berührendes Buch von
Donna Freitas erschienen: “Wie viel Leben passt in eine Tüte” (Gabriel). Bewältigung des Todes, Weiterleben-Müssen und die große Frage nach dem “Wie?” werden in allen drei Romanen besonders behutsam behandelt. Meist verbunden mit einer Liebesgeschichte, deren Romantik das Ganze meist noch unterhaltsamer macht, aber auch symbolisch für einen Neuanfang und ein Sich-Neu-Einlassen auf etwas sein kann.
Unabhängig von Krankheit zeigen manche Bücher jedoch auch ganz andere Betrachtungsweisen des Themas “Tod” auf. So beschäftigt sich “Vollendet” von Neal Shusterman (Sauerländer) damit, was wäre, wenn man eine Abtreibung noch Jahre nach der Geburt vollziehen könnte. Wenn man sein Kind in all seine Körperteile zerlegen und somit in verschiedenen anderen Menschen weiterleben lassen könnte! Ein makaberes Gedankenexperiment – und eine Auseinandersetzung mit der Frage: ab wann lebt man und ab wann spricht man von Tod?
Sterben kann allerdings auch grausam und unheimlich sein: Das zeigen……unter anderem “Dark inside” von Jeyn Roberts (Loewe), in dem Menschen zu willenlosen, tötenden Bestien werden, “Das dunkle Lied des Todes” von Bjarne Reuter (dtv), welches das Verschwinden einer ganzen Schulklasse zum Thema macht und “Kälte” von Michael Northrop, in dem ein Junge bewusst in den Tod geschickt wird. Ebenso der Roman “Klassenziel” von T.A. Wegberg, der sich mit einem Amoklauf beschäftigt, zeigt sinnloses Töten.
Und doch ist da immer wieder auch die Angst vor dem Tod. Was kann man tun, wenn wirklich ein naher Angehöriger,
ein Familienmitglied stirbt? Sangu Mandanna hat mit ihrem Roman “Lost Girl. Im Schatten der Anderen” (Ravensburger) darauf eine Antwort gefunden! In ihrem Buch ist es nämlich für Eltern möglich von ihren Kindern einen Doppelgänger machen zu lassen, der im Ernstfall dann einspringt. Ob das wirklich so gut ist, vor allem für die Person, die dieser Doppelgänger ist, kann man in dem in sich abgeschlossenen Roman nachlesen!
In “Die fünf Leben der Daisy West” von Cat Patrick (Boje) wurde einfach mal ein Mittel erfunden, namens “Revive”, mit dem man einen soeben verstorbenen Menschen ins Leben zurückzuholen kann. Selbstverständlich befindet sich das Medikament noch in einer Testphase und das ganze Projekt ist streng geheim. Doch Daisy, eine der Testpersonen, gelingt es hinter die Fassade des Systems zu schauen und da lauert etwas völlig Unerwartetes auf sie… spannend bis zum Ende!
Auf ganz ungewöhnliche Weise beschäftigen sich in “The lovely way – Nur wenn du aufgibst, wird der Tod lebensgefährlich” (Oetinger Verlag) von Sanne Näsling zwei junge Mädchen mit dem Tod: Sie erträumen sich ein anderes Leben und wollen lieber sterben, als ein ereignisloses, langweiliges Dasein zu fristen. Der Tod ist das Symbol ihres Sehnens nach etwas Anderem, dem metaphorisch Unerreichbarem. Ein Roman – der das Zeug zum Kultbuch hat, denn das Besondere an ihm ist die außergewöhnliche, trashige Sprache. Lesenswert!
Ratgeber zum Thema Tod gibt es im Jugendbuch leider kaum. Da müssen die Jugendlichen schon zu den Erwachsenen-Ratgebern greifen. Eine Möglichkeit um im Jugendbuchsegment zu bleiben, ist zum Beispiel “Abschied für immer” von Miriam Özalp und Hans-Jörg Karrenbrock, erschienen im Ueberreuter-Verlag.
Das Thema “Suizid” ist nach letztem Jahr mit Jana Frey “Schwarze Zeit” oder “Ich werde immer da sein, wo du auch bist” von Nina Lacour (beides Fischer Verlag) oder Tobias Elsässer beeindruckendes “Für niemand”(Sauerländer), aber
vor allem seit dem Erfolg von “Tote Mädchen lügen nicht” von Jay Asher (cbt), auch dieses Jahr wieder bei einigen Verlagen vertreten. Im Januar erschien bei Kosmos “By the time you read this I’ll be dead” von Julie A. Peters. Im Februar folgte “Allein unter Schildkröten” von Marit Kaldhol (mixtvision). Und im März wurde “Vergissdeinnicht” von Cat Clarke (Lübbe) veröffentlicht, das sowohl für Jugendliche, als auch Erwachsene geeignet ist. Auch der soeben erschienene Arena-Thriller “Frostengel” von Tamina Berger beschäftigt sich mit einem möglichen Suizid. In “Mondglas” von Jessi Kirby ist es sogar die Mutter, die einfach ins Meer marschiert und Suizid begeht.
Jede Menge Lesestoff erwartet also all jene Leser dieses Jahr, die bereit sind sich gegenüber ernsteren Themen zu öffnen. Da ist viel Spannendes, viel Berührendes, viel Trauriges, aber auch viel Hoffnung dabei. Denn wie heißt so schön das Sprichwort: Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt… Viel Spaß beim Lesen!
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Hallo,
ein ganz toller Gesamtbeitrag- mir geht es nämlich sehr oft so, daß ich ich einen Titel mit so vielen anderen in Verbindung bringe, aber mir ist das als Blog-Projekt viel zu schwierig…(Ich inde es ja so schon so schwierig…) Meinen Respekt dafür und immer weiter so, mit herzlichen Grüßen Eva Pelz