“Das Geräusch einer Schnecke beim Essen” ist Elisabeth Tova Baileys Ode an das Tier, das über 2000 nachwachsende Zähne besitzt, dessen Schleim sich kaum von den Händen waschen lässt, das seine Augen in seine Fühler einziehen kann, das seine Fühler in seinen Fuß einziehen kann. An das Tier, das ein geräuschloses Leben führt, sich dafür an Gerüchen orientiert und durch Selbstbefruchtung über hundert robuste Nachkommen erzeugen kann.
Während einer lähmenden Krankheit beobachtete die Autorin monatelang eine Schnecke, verglich deren Verhalten mit ihrem eigenen, identifizerte sich mir ihr und beneidete sie. Sie hat ihre umfangreichen wissenschaftlichen Recherchen in ihr Buch eingebaut.
Es ist also kein typischer Roman, liest sich aber wie einer. Das Thema mag langweilig klingen, ist aber unglaublich interessant; auf ca. 180 Seiten erfasste die Autorin nur Bedeutendes und Faszinierndes.
“Ein einziger Champignon war ungefähr fünfzigmal so groß wie meine Schnecke, also schnitt meine Pflegerin eine großzügige Scheibe von einem Pilz ab und legte sie ins Terrarium. Die Schnecke war begeistert. Nach Wochen mit nichts als welken Blüten war sie so froh über diese vertraute Nahrung, dass sie mehrere Tage lang dirket neben der riesigen Champignonscheibe schlief, wobei sie immer mal wieder kurz erwachte, ein wenig am Pilz knabberte und wieder in wohlgenährten Schlaf sank.” (s. 38f.)
Man spürt ihre Liebe zu dem Lebewesen, welche sie den Leser mitfühlen und erstaunen lässt.
Erleben Sie das Geräusch einer Schnecke beim Essen:
Aus dem Amerikanischen von Kathrin Razum
Nagel & Kimche, 2012
« Anna Trökes, Die Yoga-Box – David Belbin – Der Hochstapler »
| Blog: |
| Hugendubel Buch-Blog |
Topics: |
| Bücher, Literatur, Lesen |
© 2010 H. Hugendubel GmbH & Co. KG München