Als ich mein neues e-book-Lesegerät, den Trekstor, in der Buchhandlung Hugendubel in München am Marienplatz, erstand, überlegte ich natürlich intensiv, welches Buch die Ehre bekommen sollte, als erstes e-book von mir gelesen zu werden.
Ich entschied mich für eine preiswerte Ausgabe
von Goethes “Wahlverwandtschaften“, die ich auf der Internetseite von hugendubel.de erstand und downloadete. Die angebotene Ausgabe orientiert sich – was ich als sehr angenehm empfand – an Goethes eigenen Vorgaben: also eine oft etwas irritierende Interpunktion, auch die abgeklärte sprachliche Rundheit der Ausgabe letzter Hand fehlt etwas.( Der Zauber des Ursprünglichen, der oft enthüllt, was verborgen bleiben sollte??)
Zum einen sind “Die Wahlverwandtschaften” eines der Bücher, die mich durch mein bisheriges Leser-Dasein treu begleiteten und – bei oftmaliger Lektüre – immer neue Facetten Goetheschen Denkens und Schreibens mir bewusst werden liessen.
Zum anderen gibt es Bücher, deren Sinn sich erst – im archäologischen Sinne – Schicht für Schicht erschliesst, die man, sozusagen, mit einem kleinen feinen Pinsel bewaffnet lesen muß, um Zusammenhänge und Strukturen freizulegen, die sicher auch dem Autor selbst oft nicht bewusst waren.
Abend für Abend las ich nun – vor dem Löschen des Lichtes – mit meinem neuen e-book -reader und versank völlig in die Fragen, die Goethe seinem Publikum stellte.
Wollte der Alte sich ein klein wenig von der emotionalen Revolution des “Werther” distanzieren oder war es ihm im Rahmen seiner intensiven naturwissenschaftlichen Studien ein Bedürfnis, diese Erkenntnisse auf das Zusammenleben der Menschen zu übertragen und plausibel zu machen?
Grausam waren die Abende, an denen ich vergessen hatte, den reader aufzuladen: ich mußte warten und mich gedulden, bis der Bildschirm sich wieder erhellte und ich mich dem Text widmen konnte. Mittlerweile habe ich darin Übung und vergesse es nicht mehr!
Als ich wenige Wochen später nach Weimar fuhr, nahm ich jedoch die kleine Insel -Taschenbuchausgabe mit: zum Nachlesen und – blättern, und welch`heiliger Schauer erfrischte mich, als ich in Goethes Gartenhaus, an seinem Fenster stand und seine Gegenwart mir fühlbar wurde, im Geiste und im Herzen.
Wer hindert uns, Literatur auf verschiedenste Art zu erfahren, wer hindert uns, das Buch, das e-book, die Zeitung oder e-news oder was auch immer zu benutzen, um den Worten näher zu kommen, das Medium ist nur der Trampelpfad auf dem Weg zum Verständnis der Welt, bedeutsamer ist auf jeden Fall das Wort und die Erkenntnis, zu der es uns führt.
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Vielen Dank, ich mags sehr, wenn jemand mit der Literatur das tut, was unbedingt nötig ist: sie ernst nehmen.
Ich war mehrfach in Weimar und verstehe recht gut das Gefühl von dem Sie sprechen.