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Ian McEwan – Solar

Geschrieben von Bruno F. am 02.07.2012 in der Kategorie: Literatur,Romane

Als er sich an einem schwülen Abend nackt auf dem Bett in die Freiheit zu masturbieren versuchte, stellte er beunruhigt fest, dass er seine Genitalien nur sehen konnte, wenn er sich zwei Kissen unter den Kopf schob(…)Nackt war er eine Schande, ein Idiot, ein Schwächling. Er schaffte nicht mal acht Liegestütze.“ Sein Name ist Beard, Michael Beard. Und er ist die Hauptperson in Ian McEwans „Solar“. Vier Ehen und unzählige Affären hat er bereits hinter sich und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht, denn seine fünfte Ehe befindet sich im Endstadium. Sein Hunger nach Affären hat die fünfte Ehefrau in die Hände eines Bauhandwerkers getrieben und mit dieser Situation kommt Beard gar nicht zurecht. Der Frauenaufreißer und notorische Fremdgeher ist verunsichert, wie er mit dieser ungewohnten Situation umgehen soll.

Wie gut, dass Michael Beard nicht nur seine Geliebten hat, sondern auch noch die geliebte Physik und dort einst sehr erfolgreich gewirkt hat. Dank seines Beard-Einstein-Theorems hat er sich einen Namen gemacht und die Nobelpreisverleihung machte ihn unsterblich. „Dank Stockholm war er in dieser spezialisierten Binnenwelt eine Berühmtheit und konnte sich, seiner selbst leicht überdrüssig und mangels anderer Alternativen, von Jahr zu Jahr treiben lassen.“ Beard ist ausgebrannt, er betreibt keine ernsthafte Forschungen mehr. In einem Institut für Erneuerbare Energien ist Michael Beard als Direktor für Windkraft zuständig, denn wir schreiben das Jahr 2000 und die Welt bereitet sich auf den Klimawandel vor. „Beard persönlich trieb der Klimawandel gar nicht so sehr um.(…)Die Warnungen hatten etwas Alttestamentarisches, etwas von Beulenpest und Froschregen; in seinen Augen deutete das nur darauf hin, dass der Mensch über die Jahrhunderte hinweg immer wieder zu dem Glauben neigte, er selbst lebe in einer Endzeit, wodurch der eigene Tod mit dem Ende der Welt zusammenfiel, was ihm einen höheren Sinn verlieh oder ihn zumindest etwas weniger unbedeutend erscheinen ließ.

Michael Beards Lebenstrieb wird von zwei Faktoren angetrieben; willige Frauen und üppiges Essen. Beard kostet beides exzessiv bis zum Anschlag aus und das im wahrsten Sinne des Wortes. Die Physik betreibt er nur noch nebenbei, doch ein großer Wandel geschieht, als ein Institutsmitarbeiter ihm wichtige Unterlagen zukommen lässt, die ihm im Bereich der Erneuerbaren Energien ein gewaltiges Potenzial eröffnen. Der Klimawandel-Zweifler konvertiert zum Unternehmer und Apokalypsen-Mahner…

Mit „Solar“ ist Ian McEwan ein spannender, humorvoller und aktueller Roman gelungen, der nicht nur als reiner Wissenschaftsroman, sondern auch als eine psychologische Analyse betrachtet werden muss. Michael Beard ist eine authentische Figur, die auf der einen Seite das triebhafte Verlangen nach Sex und Essen stillen muss, um zu existieren und auf der anderen Seite ein hervorragendes Beispiel für den Vernunftmenschen, der in der Physik Außergewöhnliches geleistet hat, ist.

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