Lange hat Jakob Arjounis Detektiv Kayankaya Pause gemacht, nun ist er zurück: “Bruder Kemal – Kayankayas fünfter Fall” ist da. Zum Glück sind Krimi-Leser treue Seelen – sogar Ex-Krimi-Leserinnen wie ich. Eigentlich reizt mich das Genre nicht mehr. Aber mit Kemal Kayankaya hatte ich so viel Spaß – unvergessen die Szene an der Trinkhalle: “Bist Du Türke?” “Nein, Indianer.” – da wollte ich unbedingt wissen, wie es weitergeht.
53 ist Detektiv Kayankaya jetzt und lebt mit Deborah im Frankfurter Westend in einer schicken Altbauwohnung. Das Rauchen hat er sich abgewöhnt und er trinkt mittlerweile mehr Wein als Bier. Doch sein Humor ist immer noch der Alte und sein Talent, seine Auftraggeber an ihre Grenzen zu bringen, auch. Ihm ist klar, dass er wegen seines anscheinenden Migrationshintergrund für ganz spezielle Fälle engagiert wird und er spielt damit, dass sich niemand traut, genau das auszusprechen. Jakob Arjouni spinnt ein ganz feines ironisches Netz aus unbewussten Vorurteilen, bildungsbürgerlicher Selbstwahrnehmung und Ansprüchen an politische Korrektheit. Seine Figuren verheddern sich immer tiefer in diesem Netz und es ist ein Vergnügen, sie beim Zappeln zu beobachten.
Für Buchliebhaber gibt es einen ganz besonderen Höhepunkt in “Bruder Kemal”: zwei Kapitel rund um die Frankfurter Buchmesse, die zwar nicht die Hölle ist, aber ein bisschen so riecht. Wer genau liest erkennt auch den Messestand des Diogenes Verlag, dem Verlag, in dem bisher alle Kayankaya-Krimis erschienen sind und in dem hoffentlich bald ein sechster Fall erscheinen wird – denn (Ex)-Krimi-Leserinnen sind treu.
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