“NICHTS was im Leben wichtig ist” von Janne Teller wurde zunächst in dänischen Schulen verboten. Das Buch wurde jedoch als internationaler Beststeller mit zwei renommierten Preisen ausgezeichnet und ist dieses Jahr von der Jugenjury für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.
Die Geschichte beginnt recht gewöhnlich, aber allmählich wird sie immer ergreifender. Nur allmählich merkt man als Leser die Abgründe, in die die Jugendlichen stampfen.
Pierre Anthon verlässt plötzlich den Klassenraum mit der Erklärung, dass nichts von Bedeutung sei und verschanzt sich auf einen Pflaumenbaum. Seine Mitschüler fühlen sich unbehaglich und wollen ihm beweisen, dass er Unrecht hat: Vieles ist voller Bedeutung – auch sie selber, sobald nach der Schule was aus ihnen wird. Sie sammeln alte Fotos, Puppen, Tagebücher, Lieblingsschuhe und stapeln sich in einem alten Sägewerk den “Berg von Bedeutung“. Jeder der Siebtklässler soll nach der Reihe das von sich abgeben, was ihm am wichtigsten ist und darf dann vom nächsten einfordern, was dem am meisten bedeutet. Doch das Ganze eskaliert: Die Abgabe der Sache frustriert die Schüler so, dass sie vergeltungsartig vom Nächsten ein noch mehr verletztendes Opfer verlangen. Die beste Freundin der Ich-Erzählerin muss an ihre Haare glauben, sie graben einen Sarg aus und stehlen ein wertvollen Kreuz aus der Kirche. Spätestens als Jan-Johan Sofia etwa ihre Unschuld nimmt, bemerkt der Leser das Ausmaß der Eskalation. Aufhören kann niemand, einerseits um die Gruppe nicht zu verraten, und andererseits um vor Pierre Anthon nicht zugeben zu müssen, dass nichts eine Bedeutung hat.
Beim Lesen wird die Atmung schwerer und das Herz scheint manchmal stehen zu bleiben. Es ist ein Jugendbuch, das aber genauso Erwachsene faszinieren kann und ganz großartig!
“NICHTS” hat mich an William Goldings “Herr der Fliegen” erinnert. In beiden Geschichten gibt es eine Gruppe von Jugendlichen, die sich intensiv miteinander beschäftigen (müssen), wobei die Situation aber total ausufert.
Ähnlich wie “Herr der Fliegen” (All-Age-Buch) ist das Jugendbuch “Isola” von Isabel Abedi.
Zwei Tipps:
1. Nicht die Inhaltsbeschreibung auf der Innenseite des Einbands lesen. Die verrät nämlich schon alles, sogar das Ende!
2. Am Ende nochmal das erste Kapitel lesen.
Und zum Schluss noch ein Sparwitz:
“Was liest du gerade?” – “Nichts.”
Haha…
Aus dem Dänischen von Sigrid Engeler
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