„Ein Ehrenmann, der das Unglück hatte, sich die Ungnade des Ministeriums zuzuziehen, fleht Sie um Milde und Beistand an. Von der Festung Vincennes aus, in der man ihn seit zwanzig Tagen festhält, und wo er im Begriff steht, seinen körperlichen Schmerzen und seelischen Qualen zu erliegen, wirft er sich Ihnen zu Füßen und bittet Sie um seine Freiheit! Er ist untröstlich über die Fehler, die er begangen hat, und fest entschlossen, nie wieder welche zu begehen. Einige Vermessenheiten in geistigen Dingen sind das einzige, was man ihm vorwerfen kann.“
Diese Sätze richtete Denis Diderot im Jahre 1749 an den Kanzler d´Aguesseau, um nicht für sehr lange Zeit von der Oberfläche zu verschwinden. Was war geschehen? In seiner religionskritischen Schrift „Brief über die Blinden zum Gebrauch der Sehenden“ ließ er den bekannten Mathematiker Nicholas Saunderson doch tatsächlich die Existenz Gottes abstreiten.
Denis Diderot war kein Unbekannter; bereits 1746 ließ er seine „Philosophischen Gedanken“ veröffentlichen. Er stand für einen Skeptizismus als philosophische Grundhaltung und bekämpfte jede Form des religiösen Fanatismus mit größter Hingabe. Doch selbst ein Denis Diderot wurde nicht als Atheist geboren; mit zehn Jahren trat er in den Jesuiten-Kolleg ein und erhielt zwei Jähre später die Tonsur und durfte sich als Abbé bezeichnen. Es folgte sogar ein Theologie-Studium, doch dieser junge, aufmüpfige Selbstdenker suchte einen anderen Weg und fand ihn in der Philosophie, im unabhängigen Denken. Auf die Frage, was er denn eigentlich werden wolle, antwortete er als junger Bursche: „Offengestanden, gar nichts. Meine Liebe gehört den Büchern; mit ihnen bin ich vollkommen glücklich und zufrieden, mehr brauche ich nicht.“
Denis Diderot selbst hat mehrere Dramen und Bücher geschrieben, die aber größtenteils erst posthum erschienen sind. Die bekanntesten Werke sind „Rameaus Neffe“ und „Jacques der Fatalist“.
Der 16. Oktober 1747 ist ein bedeutender Tag in der Philosophie-Geschichte; Denis Diderot und Jean Le Rond d´Alembert unterzeichnen den Herausgebervertrag für die „Enzyklopädie oder Universalwörterbuch der Wissenschaften, Künste und Gewerbe“. Dieses Mammutwerk sollte Diderots Lebenswerk werden. Es sprengte alle bis dahin bekannten Grenzen. Der erste Band erschien 1751 und erst im Jahre 1772 wurde dieses philosophische Ungeheuer abgeschlossen. Unzählige Angriffe musste dieses Jahrhundert-Projekt überstehen, vor allem die Jesuiten versuchten immer wieder das Erscheinen der Bände zu verhindern, doch Madame de Pompadour, die offizielle Mätresse und Chretien-Guillaume de Malesherbes, der Direktor der obersten Zensurbehörde sorgten durch Interventionen für den Fortbestand der Enzyklopädie.
„Die letzte Stufe in dem Gang der französischen Philosophie vor der Revolution, bezeichnet der genialische Diderot. Denn ich darf es wohl als bekannt voraussetzen, daß Diderot der eigentliche Mittelpunkt und Lebensgeist, nicht bloß der Enzyklopädie, sondern auch des Systems der Natur, und vieler andern in einem ähnlichen Geiste geschriebenen, eigentlich atheistischen Werke gewesen sei. Er hat weit mehr im Verborgenen gewirkt als öffentlich; er stand darin über Voltaire und Rousseau, dass er freier von schriftstellerischer Eitelkeit, und dass es ihm bloß um die Sache zu tun war. Was ihn beseelte, war ein wirklich fanatischer Haß, nicht bloß gegen das Christentum, sondern gegen jede Art von Religion.“ – Friedrich Schlegel
Fazit: Johanna Borek liefert mit der momentan einzigen (!) deutschsprachigen Denis Diderot Biographie ein kompaktes und gut lesbares Buch, um in groben Zügen die Biographie dieses Leuchtturms der Aufklärung nachzuvollziehen
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