“Kafka” ist ein zauberhaftes Buch mit Textausschnitten verschiedener Werke von Franz Kafka und Bildern von Stefanie Harjes.
Wenn man Texte von Franz Kafka liest, gerät man schnell mit seiner Vorstellung an seine Grenzen. Die Künstlerin hat ihre Phantasie auf Papier gebracht. Eine Phantasie, die skurril scheint, aber genau so sind eben Kafkas Szenen.
Eines meiner liebsten Bilder ist auf Seite 34/35: Ein vogelartiger Mensch, der mit einem Hundehalsband an den Himmel gebunden ist und mit einem zweiten an die Erde. “Will er nun auf die Erde, drosselt ihn das Halsband des Himmels, will er in den Himmel, jenes der Erde. Und trotzdem hat er alle Möglichkeiten und fühlt es; ja, er weigert sich sogar, das Ganze auf einen Fehler der ersten Fesselung zurückzuführen”.
Ein weiteres ist auf Seite 54/55: “Ein Käfig ging einen Vogel suchen” Ein schlichter, glockenförmiger Vogelkäfig hält seine Tür offen. Daneben geht ein Vogel mit langen Frauenbeinen und -kopf, über dem “trouve?” steht.
Mit diesem Buch kann man Kafka auf einer künstlerischen Ebene kennenlernen. Interessant ist es aber auch, wenn man Werke von ihm kennt, z. B. “Der Prozess” oder “Die Verwandlung” und anschließend Stefanie Harjes’ Bilder sieht und mit seiner eigenen Vorstellung vergleicht.
Franz Kafkas (kurzes) Leben (1883-1994) ist äußerst interessant: Seine Einsamkeit, (teils schwierigen) Liebesbeziehungen zu Felice Bauer, Milena Jesenská und Dora Diamant, problematische Beziehung zu seinem Vater, Krankheit, seine vielen Briefe… Es gibt zahlreiche Biographien über ihn. Eine kompakte ist von Klaus Wagenbach.
Tipp: Wer mal nach Prag kommt, sollte unbedingt ins Franz-Kafka-Museum gehen und viel Zeit einplanen. Denn dort gibt es so viel zu Sehen, Hören und Empfinden (audio-visuell). Es wird mit u. a. mit Licht- und Wasserspielen gearbeitet, um Kafkas Leben und Werk in Szene zu setzen. Zum Beispiel ist dort ein Teil von Kafkas handgeschriebenem, nie abgeschicktem Brief an seinen Vater ausgestellt. Es ist das schönste Museum, in dem ich je war! Allein für dieses Erlebnis lohnt es sich eigentlich schon, nach Prag zu fahren!
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