Zum Online-Shop von Hugendubel.de

Mahmud Doulatabadi – Der Colonel

Geschrieben von Philine Edbauer am 09.05.2011 in der Kategorie: Allgemein,Literatur,Romane

Mahmud Doulatabadi - Der Colonel - Roman“Was diesen Roman in der neuen persischen Literatur einzigartig macht, ist seine Deutlichkeit. Der Autor verschont nichts und niemanden, deckt moralische und gesellschaftliche Tabus auf, selbst die, die in einer islamischen Gesellschaft als heilig betrachtet werden. Aber er zeigt auch tiefer liegende Widersprüche auf, die eine Gesellschaft zum Scheitern verurteilen”, schrieb der Übersetzer von Mahmud Doulatabadis “Der Colonel“.

Der alte iranische Colonel erinnert sich an die vergangenen Jahrzehnte: Machtwechsel, Krieg und Gewalt. Alle seine Kinder sind auf unterschiedliche Art Opfer der Revolution geworden. Selbst seine 13-jährige Tochter ist getötet worden. Und der als einziger noch lebende Sohn Amir hat sich voller Schuldgefühle und Albträume in den Keller zurückgezogen. “Ich existiere nur, um meine Nichtexistenz zu verkünden. Meine letzte Kunst besteht darin, meinen Tod selbst zu bestimmen, um anderen die Hoffnung, mich töten zu können, zu nehmen. Nur so kann ich ich mich rächen gegen das Grauen, das uns widerfahren ist.” (s. 114/115) Indem der Colonel, der Mörder seiner eigenen Frau, sich seine toten Familienmitglieder lebend vorstellt, wird der Schmerz nur noch größer.

Die Freund- und Feinschaftsverhältnisse zwischen Folternden und Gefolterten (und damit der Mut der Menschen) welchseln je nachdem, welche politische Gruppierung gerade an der Macht ist. So kommt es zu ganz erstaunlichen Szenen, wenn Amir mit Khazar Djavid scheinbar friedlich Zigaretten raucht – mit dem Mann, den er eigentlich hasst. (Erinnert an “Karnak-Café“) “Hat ein Iraner irgendeinen plausiblen Grund, über Recht und Gesetz nachzudenken oder gar sein Verhalten danach zu richten? Es war doch immer so, dass das Gesetz wie ein Hund vor dem Knüppel herrannte.” (s. 137)

Der Autor gilt als bedeutendster Schriftsteller des Iran. Er lebt unter anderem in Berlin. “Der Colonel” ist 2009 in Deutschland erschienen, jedoch noch nicht im Iran, wo das Manuskript bei der Zensurbehörde liegt. Der Übersetzer Bahman Nirumand hat ein aufschlussreiches Nachwort geschrieben, das die geschichtlichen Hintergründe, die mit dem Buch zusammenhängen, erklärt. Ein einschneidendes Ereignis für die Geschichte des Iran war die Revolution von 1979: “Es ist erstaunlich, dass dreißig Jahre vergehen mussten, bis in der iranischen Literatur ein bedeutendes Werk erscheint, das sich mit dieser Geschichte intensiv auseinandersetzt. Der Colonel ist die erste große, literarische Verarbeitung dieser dramatisch bewegten Zeit.”

Ich bin sehr froh, dass ich auf dieses Buch gestoßen bin, denn dank ihm konnte ich einiges über den Iran und seine Menschen lernen. Ich kann es jedem sehr empfehlen, weil man einen Eindruck vom Leben in einem Land bekommt, das sich ständig im Krieg befindet.

Wie gut hat Ihnen der Artikel: "Mahmud Doulatabadi – Der Colonel" gefallen? Zum Bewerten des Beitrages klicken Sie einfach auf die Sterne.
4,38 von 5 Punkten, basierend auf 26 Stimmen.

«  –  »

2 Kommentare »

  1. Danke :) ja ich mag den Unionsverlag recht gern, also Bücher, die in anderen Ländern gelesen werden. Aber das wars jetzt auch erstmal wieder damit. Meine nächsten Bücher sind wieder ein bisschen “normaler”. ;)

    Comment: Philine – 13. Mai 2011 um 10:41

  2. du liest außergewöhnliche bücher. etwas ‘andere’. gefällt mir

    Comment: gitta, hugendubel – 13. Mai 2011 um 07:59

Hinterlasse einen Kommentar

Suche

Facebook & Twitter

  • Hugendubel bei FacebookHugendubel bei Twitter

Herzlich Willkommen!

  • Im Hugendubel Blog schreiben Mitarbeiter der Buchhandlung Hugendubel über Bücher: Neuerscheinungen, Lieblings- bücher, Geheimtipps, über Themen, Trends und Fakten.

Empfohlene Links