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Pianomania

Geschrieben von Bruno F. am 21.07.2012 in der Kategorie: DVD,Musik

 „Pianomania – Ein Film über Liebe, Perfektion und ein kleines bisschen Wahnsinn“ – Ab einer bestimmten Schwierigkeitsstufe gibt es einfach kein Zurück mehr. Der Übergang ist fließend; wo hört die Genialität auf und ab wann beginnt der Wahn? Oder ist es die Synthese? Der genialische Wahn bzw. das wahnsinnige Geniale? Doch verbindet man mit Lang Lang und Alfred Brendel den Wahn, oder sollte man vielleicht eher von einer höchsten Spezialisierung, eines schwindelerregenden Niveaus sprechen? Fragen über Fragen.

Eines ist jedoch klar; die Musiker, die auf „Pianomania“ zu bestaunen sind, verdienen die Bezeichnung „Künstler“ zu 100%. Erst ihr instrumentales Können und musikalisches Verständnis (!) rechtfertigen die Auszeichnung zum „Künstler“ in der Sparte Musik. Leider wird der Begriff des „Künstlers“ – zumindest in Deutschland – hyperinflationär gebraucht und dadurch total verbraucht. Es ist unverzeihlich und verantwortungslos musikalische Analphabeten, die ihre Instrumente nicht einmal anständig in den Händen halten können, von der Beherrschung des Instruments ist ja noch lange nicht die Rede, als „Künstler“ zu bezeichnen. Wenn diese Nicht-Könner sogenannte „Künstler“ sind, dann ist Lang Lang offensichtlich ein „Nicht-Künstler“.

Doch selbst ein Alfred Brendel, Pierre-Laurent Aimard oder der oft genannte Lang Lang sind ohne den anderen Spezialisten, den Klavierstimmer, wenn nicht gerade handlungsunfähig, so doch in ihrer tonalen Umsetzung behindert. Und genau hier kommt Stefan Knüpfer ins Spiel; seine Ausbildung zum Klavierbauer und Konzerttechniker machte er bei Steinway & Sons und ist dort als Meisterstimmer und Cheftechniker tätig. Geduld, Menschenkenntnis, musikalisches Verständnis auf höchstem Niveau und sehr viel Einfühlungsvermögen in die kleinsten musikalischen Bedürfnisse zeichnen ihn aus. Stefan Knüpfer ist das Bindeglied zwischen Musiker und Instrument. Der Klavierstimmer ist nicht nur ein Anhängsel, sondern ein vollwertiges Mitglied, wenn es um das musikalische Endresultat geht, denn das hochempfindliche Instrument Klavier muss nicht nur gestimmt, sondern auch auf die Lokalität und die Erwartungen der Musiker abgestimmt werden, wobei selbst solche Faktoren, wie die Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit zu beachten sind. „Pianomania“ setzt genau hier an: Der Meisterstimmer und nicht der Musiker steht im Mittelpunkt.

Stefan Knüpfer bereitet einem Lang Lang, Alfred Brendel oder Julius Drake das Klavier für ihre Konzerte auf und hilft Pierre-Laurent Aimard bei der Feinabstimmung für die J.S. Bach Aufnahmen. Der Blick hinter die Kulissen ist sehr lehrreich und wird mit Stefan Knüpfers Anekdoten und offenem Naturell zu einem kurzweiligen Ausflug in die Welt der klassischen Musik. Es ist überhaupt nicht verwunderlich, warum „Pianomania“ mit so vielen Fimpreisen ausgezeichnet wurde.

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