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Ry Cooder – In den Straßen von Los Angeles

Geschrieben von Siegfried Völlger am 11.06.2012 in der Kategorie: Allgemein,CD,DVD,Film,Literatur,Musik

Ry Cooder - In den Straßen von Los Angeles. ErzählungenRy CooderIn den Straßen von Los Angeles, das sind Erzählungen, die ich bei einer meiner häufigen Beschäftigungen entdeckt habe: In einer guten Buchhandlung Bücher anschaun, anfassen, anlesen …. (korrekt wäre eigentlich zu sagen, mich gegen Bücher zu wehren, weil der Stapel der ungelesenen ohnehin wächst, die Bodenhaltung für Bücher auch nicht gut ist und die Einsicht, in kurzen Momenten ja vorhanden, dass all diese Bücher niemals gelesen werden können eigentlich zum Verzicht zwingt.
Naja … die Vernunft … aber bei Ry Cooder gibt’s ja ohnehin kein Zögern! )
Ich kenne ihn als Musiker natürlich sehr gut, hab beinahe alle seine CDs, seine Filmmusiken, die CDs bei denen er Gastmusiker ist, man könnte sagen, ich bin ein Fan (natürlich, was für eine Frage, auch die CDs sind so viele geworden im Lauf der Zeit, dass es kaum eine Chance gibt die alle jemals wieder zu hören, vor allem so gründlich zu hören wie sie das verdienen, und wieder und wieder, etwa heute Morgen eine Jimi Hendrix – nur weil ich die seit vierzig Jahren höre, heißt das ja nicht, dass ich mit der Musik fertig wäre, sie ausgeschöpft, erledigt ist, ganz ähnlich, wie die leicht beleidigten Bücher, denen man ja gesagt hat: Wiederlesen! Bestimmt!)
Cooder hat immer die amerikanische Musiktradition geachtet, beachtet und mit am Leben gehalten, er hat Blues gespielt (gute Filmmusik zu Crossroads, in dem der alte Blues Mythos erzählt wird, von der Kreuzung, an der Teufel mit dem Musiker einen Pakt schließt, von Robert Johnson hat man immer gesagt, er wäre dort gewesen), Jazz, Rock’n'Roll, TexMex, ein Forscher und Liebhaber, aber er hat sich auch immer mit der Musik aus ferneren Gegenden beschäftigt, man erinnert sich sicher an Buena Vista Social Club, er hat mit den Chieftains aus Irland eine CD eingespielt, San Patricio, mit dem indischen Musiker Vishwa Mohan Bhatt eine CD aufgenommen, sehr vielseitig sind die Interessen, aber immer war er auch ein politscher Mensch und in einigen der letzten CDs, der sogenannten Kalifornien-Trilogie (“Chavez Ravine“, “My Name Is Buddy” und “I, Flathead“) hat er sich sehr um die Geschichte und die Gegenwart in Kalifornien Gedanken gemacht – daraus ist wohl auch das Buch entstanden.
Er benennt die Geschichten immer mit einer Jahreszahlt, die erste “Normale Arbeitstage, 1940″ erzählt von einem Mann der für das Los Angeles Stadtregister Einträge sammelt, von Haus zu Haus geht und die Aufnahme ins Stadtregister anbietet. Damit wird auch der Raum abgesteckt, die Menschen vorgestellt, um die es im Buch geht, viele sind Einwanderer, Musiker, Kriminelle. Das alltägliche Mühen um Leben und Würde, in der seltsamen Heimat Kalifornien, sind die Haupthemen und weil Drogen und Rassismus allgegenwärtig sind, ist es auch die Polizei, so dass man beinahe auch von Kriminalgeschichten sprechen könnte. Übersetzt hat Franz Dobler, der auch noch ein Glossar geliefert hat, um ein paar weniger gängige Begriffe genauer zu erläutern.
Liebevoll, ironisch, realistisch und bizarr gleichzeitig, sind das beindruckende Erzählungen, sehr gelungen, lesbar auch für Leute die Ry Cooder nicht kennen (kann man nur sagen: tun Sie sich den Gefallen, hören Sie!) spannende, verschrobene, ernste Geschichten und Menschen von denen man gerne liest und dabei lernt und gewinnt.

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