“Klassenziel” von T.A. Wegberg ist nicht nur die Geschichte eines Amoklaufs, sondern auch die Geschichter zweier Brüder, verbunden mit der Erkenntnis, dass einer von ihnen etwas ganz Furchtbares getan hat. Wie ist es dazu gekommen? Wie soll man nun weiterleben? Das erzählt der jüngere Bruder nach dem Tod seines Bruders aus seiner Sicht. Ein heftiges Thema, bewegend geschrieben! Für Jugendliche ab 14. Ideal als Schullektüre.
Der 15-jährige Jamie und sein zwei Jahre älterer Bruder Dominik sind unterschiedlich wie Feuer und Wasser. Jamie – der kleine Sonnenschein der Familie – ist beliebt, hat viele Freunde, spielt Fußball und hat sogar eine eigene Band. Dominik hingegen ist still und in sich gekehrt. Er redet nicht viel. In der Schule ist er nicht besonders gut und Freunde scheint er auch nicht zu haben. Oft sitzt er vor seinem PC und spielt Computerspiele, in denen es nur um Mord und Todschlag geht. Früher hat Jamie seinen großen Bruder bewundert, weil er schon so viel konnte und viel mehr Freiheiten hatte als er. Und noch immer versucht er Dominik zu beeindrucken, auch wenn dies immer schwerer geworden ist, da Dominik immer verschlossener geworden ist und gelernt hat seine Gefühle vor anderen zu verbergen. Auch sonst hat sein großer Bruder sich in letzter Zeit verändert. Plötzlich hängt er mit einem merkwürdigen Typen herum, bleibt nachts lange weg und hat auf einmal sogar eine Wunde, die aussieht wie ein Schusswunde. Jamie schenkt dem nicht viel Beachtung. Bis Dominik ihn eines Tages in einer Dixietoilette einsperrt und seltsame Andeutungen macht. Aber als Jamie sich befreien kann, ist es bereits zu spät: Dominik ist Amok gelaufen, an ihrer Schule und viele von Jamies Freunden sind nun tot…
Das Besondere an dem Roman ist, dass er in kurzen sich abwechselnden Kapiteln geschrieben ist. Kapitel, die sich mit der Vergangenheit beschäftigen, die erzählen wie Jamie und Dominik zusammen aufgewachsen sind und was den älteren Bruder letztendlich so verändert hat, dass er diese Greueltat beging. Und Kapitel, die davon erzählen, dass Jamie nun ein neues Leben begonnen hat: mit einem anderen Namen, auf einer neuen Schule, in einer anderen Stadt. Und wie schwer es ist die Vergangenheit hinter sich zu lassen, da sie einen doch immer wieder einholt. Die kurzen Abschnitte und die ständigen Wechsel erzeugen unheimlich viel Spannung und liefern einen schnellen Lesefluss. Der Autor, der selbst Berater von Jugendlichen in Notsituationen ist, versteht es auch sehr sensibel mit seinen Figuren umzugehen. T.A. Wegberg bewertet nicht, er erzählt. Die Geschichte, die Tat von Dominik selbst, wirft daher viele Fragen auf. Warum? Wie konnte es soweit kommen? Hätte man – hätte Jamie selbst – die Tat verhindern können? “Klassenziel” bietet jede Menge Diskussionsstoff.
Es gibt noch andere Bücher, die sich mit dem Thema Amoklauf auseinandersetzen: “Böser Bruder, Toter Bruder” von Dhami (ein außergewöhnliches Buch mit einem unerwarteten, untypischen Ende!) oder “Blown away” von Terhi Rannela. Sehr einfühlsam schreiben auch Brigitte Blogel “Alessas Schuld” und Myriam Keil “Nach dem Amok”. Ansonsten klick einfach hier, dann siehst du eine Liste mit noch vielen anderen Büchern!
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