Manche Geschichten entwickeln ein Eigenleben. Genau das scheint Cornelia Funke mit ihrer Fortsetzung zu “Reckless- Steinernes Fleisch” passiert zu sein. “Reckless – Lebendige Schatten” ist großartig und wirklich ein würdiger Nachfolger und doch so ganz anders als der erste Band der Reckless-Serie.
Wie von ihr angekündigt verwendet sie diesmal Motive französischer Märchen – der dritte Band wird den Leser dann in die russische Märchenwelt entführen. Doch diesmal sind die Märchenmotive nicht so plakativ eingearbeitet. Zwischen der kinderfressenden Hexe aus dem ersten Teil und dem Blaubart aus dem neuen Band liegen erzählerische Welten. Und es tauchen Motive auf, mit denen ich so gar nicht gerechnet habe – Steampunk zum Beispiel.
Insgesamt ist der zweite Band deutlich schneller – kein Wunder, denn Jakob läuft die Zeit davon. Noch ist der Feenfluch und die Motte über seinem Herzen ruhig, aber das kann und wird sich sehr schnell ändern. Fuchs wird erwachsener und kann sich immer noch nicht so recht zwischen Mensch und Tier entscheiden. Diesen beiden Figuren und ihrem Verhältnis zueinander, das eigentlich ein Liebesverhältnis ist, widmet sich Cornelia Funke besonders intensiv.
Nina Blazons neues Kinderbuch “Laqua – Der Fluch der schwarzen Gondel” ist großartig – aber ich hatte auch nichts anderes erwartet. Sie kann es einfach!
Mit ihrem rasanten, bildreichen und stimmungsvollen Erzählstil knipst sie das Kopfkino an wie kaum eine andere Jugendbuch-Autorin.
Was ihre Bücher so einzigartig macht, beschreibt sie selbst sehr schön im Interview:
“Und darum geht es doch auch beim Lesen – das Leben und die magischen Anfänge zu feiern und Neues, Schönes zu finden.”
Während Nina Blazon zuletzt hauptsächlich All-Age-Schmöker wie Faunblut, Ascheherz und Zweilicht verfasste, ist “Laqua” ein richtiges Kinderbuch für grusel-erprobte Kids ab 11 Jahren. Doch so ganz lässt Nina Blazon das Phänomen All-Age nicht los. “Laqua – Der Fluch der schwarzen Gondel” kann man mit 12 genauso gut lesen wie mit 15 oder 20 – man konzentriert sich dann einfach auf andere Figuren.
Woraus entsteht eigentlich unsere Zukunft? Alles Zufall, Charaktersache, glückliche Fügung oder Ergebnis unserer Handlungen? Das ist die grundlegende Frage in Jay Ashers neuem Jugendbuch “Wir beide, irgendwann”.
1996. Emma bekommt ihren ersten Computer von ihrem Vater und von den Nachbarn eine AOL-CD mit 50 Freistunden. Eine E-Mail zu erhalten ist noch etwas Besonderes und wenn Emma im Internet ist, können ihre Eltern nicht telefonieren. Es gibt zwar schon die ersten Handys, aber Pager sind noch begehrter.
Facebook gibt es eigentlich noch nicht – aber Emma findet ihre Facebook-Seite aus der Zukunft.
Aber das, was sie da über ihre Zukunft erfährt, gefällt ihr gar nicht. Doch je nachdem, wie sie sich tagsüber in der Gegenwart entscheidet, verändert sich ihre Facebook-Version der Zukunft …
Mehr mag ich nicht verraten, weil das den Lesespaß mindern würde. Jay Asher und Carolyn Mackler haben sich eine tolle Geschichte darüber ausgedacht, was eigentlich ein gutes Leben ausmacht. So viel sei noch verraten: gute Freunde und wahre Liebe spielen dabei eine große Rolle …
Dies ist der Sommer der ins Wasser gefallenen Grillfeste und “Kochen mit Bier” löst das Problem der Verwertung des nicht-getrunkenen Bieres auf elegante und leckere Art und Weise.
Paul Mercurio ist viel eingefallen, dieses Problem zu lösen:
Jakobsmuscheln mit Biersauce hollandaise, Zwiebel-Ziegenkäse-Tarte mit Stout, Nudeln mit Muscheln in Weizenbiersud, Paella mit Chorizo, Meeresfrüchten und Pils, Fischcurry mit belgschem Bier, Tomaten-Rucola-Salat mit Weißbier, Birramisu und Weizenbier-Eiscreme.
Auch ein paar Klassiker wie Spareribs und Hähnchen auf der Dose sind dabei sowie einige Grillrezepte, bei denen sicherlich nicht nur das Fleisch, sondern auch der Master of Barbecue – früher Koch genannt - reichlich mit Bier mariniert werden.
Natürlich kann man das Bier auch einfach trinken – für diesen Fall gibt es die Rubrik “Gerichte, die gut zu Bier passen”:
Selbst gemachtes Trockenfleisch, Belgische Käsekroketten, Chicken Wings, Rosmarin-Knoblauch-Pizza, Marinierte Sardinenfilets, Geräucherte Austern mit Thai-Chilisauce.
Nur der Möhren-Kreuzkümmel-Dip steht da irgendwie etwas unccol dazwischen – den sollte man vielleicht noch umbenennen, sonst bleibt er beim nächsten Jungs-Abend übrig. Und dann hat man ein neues Reste-Verwertungs-Problem …
Eigentlich fehlt der Neuauflage von Michael Jacksons Standardwerk “Malt Whisky” nur eines: eine CD mit der Aussprache.
Wobei mir, ehrlich gesagt, der Geschmack eines Bruichladdich, Bunnahabhain, Ardbeg Uigeadail oder Port Ellens wichtiger ist als die korrekte Aussprache. Und gerade die Verkostungsnotizen zu den über 1000 Single Malts sind sehr aussagekräftig. Es ist schon verblüffend, wieviele Arten es gibt, Torf zu umschreiben und nach was ein Whisky noch alles schmecken kann:
ein Hauch Adstringenz von der Eiche, Highland-Erdigkeit, nasses Gras, Lakritz, Torfrauch, Zitrusbiss, laubartig, Heidekrautnoten, verkohlte Eiche, Hustenbonbons, Nuss, Schokoriegel, Honigwabe, süße Dosenfrüchte, Melone, Pfeffer, Ingwer …
Das liest sich amüsant, beschreibt die Malts aber wirklich sehr treffend.
Erstmals wird auch eine Auswahl an Blended Malts und an internationalen Malts vorgestellt. Abgerundet wird das Ganze durch Porträts von über 100 schottischen Destillerien.
Wirklich ein Standard-Werk und zudem auch noch – wie es der Buchliebhaber von Dorling Kindersley erwartet - schön gestaltet.
“Das Lächeln der Frauen” von Nicolas Barreau ist eine wunderbar angenehm lesbare Liebesgeschichte – leicht, aber nicht seicht.
Aurélie wir von ihrem langjährigen Freund verlassen und das letzte, was sie hören will, sind die vernünftigen Worte ihrer besten Freundin. Also geht sie raus auf die Straßen und Brücken von Paris. In einer Buchhandlung entdeckt sie ein Buch, dass sie selbst und ihr Café beschreibt. Das Schicksal scheint Aurélie und den Autor Robert Miller zusammenzuführen. Doch der scheue Autor will sich nicht zeigen, denn ihn umgibt ein Geheimnis. Der Leser lernt es bald kennen und muss tatenlos zusehen, wie sich Aurélie falsche Hoffnungen macht.
“Ein Buch, das wunderschön und rätselhaft zugleich war, denn selbst, wenn man viele Romane liest, wird man doch selten auf eine Liebesgeschichte stoßen, in der das eigene kleine Restaurant eine zentrale Rolle spielt und in der die Heldin in einer Art und Weise beschrieben wird, dass man meint, sich selbst im Spiegel zu sehen – an einem Tag, wenn man sehr, sehr glücklich ist und alles gelingt!” (s. 40) So beschreibt Aurélie das schicksalhafte Buch und beschreibt damit auch treffend “Das Lächeln der Frauen”.
Mit dem christlichen Roman “Das Inselcamp” (erschienen im Hänssler Verlag) trifft Martina Steinkühler genau den Ton der Jugendlichen und lässt zwölf völlig lustlose Konfirmanten durch den außergewöhnlichen Einsatz eines Diakons und eines von ihm initierten zweiwöchigen Zeltlagers eine komplett neue Erfahrung machen und sie einen großen Schritt in Richtung Glauben gehen. Toll als Geschenk zur Konfirmation oder als Lektüre, um sich mit seinem Glauben oder seiner Ungläubigkeit auseinanderzusetzen. Für Jugendliche ab 12 Jahren und für Erwachsene.
Keinen Bock auf Konfirmationsunterricht. Lustlosigkeit jeden Dienstag in den Gesichern der zwölf Konfirmaten einer kleinen Gemeinde. Bis Diakon Jott es schließlich satt hat: er will die Jugendlichen nicht mehr konfimieren! Die Eltern reagieren empört. Eine Mutter hat sogar bereits Tischkärtchen für die Feier drucken lassen. Beschwerden an höhere kirchliche Instanzen folgen. Und was tut Diakon Jott? Er macht den Jugendlichen einen letzten Vorschlag: ja, er wird sie konfimieren, wenn sie ihm zwei Wochen ihrer Sommerferien opfern und mit ihm auf eine einsame Nordseeinsel fahren. Nein, danke! Damit ist keiner der Jugendlichen einverstanden. Und so nehmen sie sich des Weihnachtsfestes an, um dem Diakon mit ihrer extravaganten Kirchendekoration eins auszuwischen. Doch Jott reagiert…
Ein Sachbuch mit Pepp – Das können Sie glauben!
Glauben heißt nicht wissen. Stefan Kuzmany will es aber wissen: Woran kann man heutzutage noch glauben? Und welche Religion ist mit dem eigenen Alltag am ehesten vereinbar?
In einem amüsanten Selbstversuch macht Kuzmany sich daran, diesen Fragen auf den Grund zu gehen. Wenn auch anfangs nicht ganz freiwillig: 2 Uhr nachts, den Autor erreicht ein Anruf. “Guten Morgen, im Namen des HÖHEREN WESENS, DAS WIR VEREHREN!” Das Service-Personal der “Initiative Glaubensoffensive für alle” überrumpelt ihn mit einem Schnupperkurs: kostenloser Zugang zu allen Weltreligionen, inklusive Sündenvergebung und paradiesischen Aussichten nach dem Tod – im wahrsten Sinne des Wortes. Eine Verpflichtung bis in alle Ewigkeit stehe optional zur Verfügung, dazu müsse nur das jeweilige Glaubensbekenntnis laut gesprochen werden.
Wer sich mit dem Seifensieden als neues Hobby beschäftigen möchte, dem sei “Naturseife, ein reines Vergnügen” von Claudia Kasper empfohlen.
Als mein Sohn aus dem Kindergarten mit einer selbstgemachten Seife für den Muttertag nach Hause kam, dachte ich mir: Klasse, wenn das dein Sohn kann, kannst du das auch.
Und wie man als Buchhändlerin so ist, beginnt man, gründlich zu recherchieren…
Seifensieden ist nicht ganz so schwierig, wie es aussieht, wenn man denn alle Sicherheitsvorkehrungen beachtet. Chemieunterricht light eben (was hätte ich nicht alles für gegeben, wenn der Chemieunterricht in der Schule so abgelaufen wäre…)
Claudia Kasper betreibt dieses wunderbare Hobby schon seit einigen Jahren und teilt ihre Erfahrungen auf ihrer Website.
Dabei sind die unterschiedlichsten Rezepte entstanden, die hier natürlich vorgestellt werden. Dieses Buch, das im Freya-Verlag erschien, ist – nebenbei bemerkt – auch die Bibel für SeifensiederInnen und im Unterschied zu den anderen Büchern, die sich mit dem Thema beschäftigen, wird der Leser von vornherein auf die Sicherheit beim Seifensieden eingeschworen, zumal mit Natronlauge gearbeitet wird. Deshalb sind die anderen Bücher, die sich mit dem Seifensieden beschäftigen, zwar nett anzuschauen, aber für den Seifensieder – abgesehen von den Rezepten – nicht unbedingt empfehlenswert.
Ja, Hesse wird auch heute gelesen. Unter anderem in der Schule:
Steht der Schüler in der Buchhandlung “Ich brauch für die Schule Nazis in Dortmund.” Kennen wir. Auch immer wieder schön “Den Steppenwolf – haben sie den auch in Gelb?” oder auch “Das muss aus der Ädischen Schurkämp sein.”
Aber Hesse wird nicht nur gelesen – er antwortet auch auf Facebook. Prima, oder? So sichert man sich die nächsten Leser-Generationen. Und schreibt nebenbei ein Buch.
Und Projekt-tauglich ist er auch -dafür konnte sogar Xavier Naidoo verpflichtet werden. Passt ja.
Auch die ältere Generation liebt ihren Hesse. Sie entdeckt neu, was sie in Jugendjahren gelesen hat und verschenkt, was Hesse im Alter geschrieben hat: “Mit der Reife wird man immer älter“.
Also alles fein im Hause Suhrkamp – sie haben wieder einen Grund zu feiern.
Eigentlich gleich drei Gründe: Hermann Hesse – 135. Geburtstag am 2. Juli und 50. Todestag am 9. August. Und die Tatsache, dass Hesse immer noch geliebt und gelesen wird.
| Blog: |
| Hugendubel Buch-Blog |
Topics: |
| Bücher, Literatur, Lesen |
© 2010 H. Hugendubel GmbH & Co. KG München