“Die Wahrheit über Uncle Spam und andere Enthüllungsgedichte” heißt der neue Gedichtband von Anton G. Leitner, eben erschienen, grad rechtzeitig zu seinem 50. Geburtstag.
Enthüllen, auf seine ganz eigene Art, will Leitner nicht unbedingt die ungewöhnlichen, gut versteckten Geheimnisse, sondern den alltäglichen Wahn- und Unsinn, der uns umgibt, an uns nagt, manchen Ausfall provoziert, aber meist einfach hingenommen wird, gewöhnt man sich doch an alles und im Untergrund rumorts.
Dieses untergründige Rumoren bringt Leitner auf den Punkt, aufs einzelne Wort manchmal, so genau, zeigt uns, erinnert uns, erschreckt manchmal – Denken und Lachen sind, glaub ich, die zwei wichtigsten Wirkungen die sein Buch hat.
Hier ein Beispiel:
Er, trunken:
Wasser
Sucht
Findet immer
Einen
Weg.
und weils so gut gefällt noch eins:
Kleine Dicke im Wald
Dreht mit Knopf
Im Ohr ihre Runden
Sagt sie Hallo
Sie schreit seine
Prostata macht es
Nicht mehr lange
Bald muß er
Unters Messer und

auf jeden fall mehr als fünf sterne!!!
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warum lügen wir manchmal oder immer wieder? aus schutz, aus gewohnheit, weil wir uns was vormachen? die protagonisten in den neuen erzählungen von bernhard schlink haben was gemeinsam, sie verbergen so einiges.
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sieben kurzgeschichten aus verschiedenen lebensabschnitten und sehr unterschiedlich und doch so gleich.
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„Wenn du der Wahrheit begegnest und sie quälend findest, ist nicht sie es, die dich quält, sondern das, wovon sie die Wahrheit ist. Und immer macht sie dich frei.“.
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sie sitzt da am tisch mit einem glas wein, er sieht ihr zu. sie hatten gesucht und sich gefunden. kann er das ‘jetzt’ verlassen? … wieso sagt ein liebhaber seiner geliebten nicht die wahrheit. wie lange soll es so weiter gehen? … er hat sie alle um sich versammelt für diesen sommer, es ist sein letzter. das fläschchen ist gut versteckt und er wählt den richtigen zeitpunkt, oder? … im flugzeug hört ein passagier die lebensbeichte des nachbarn. alles lügen oder nicht? … was will der sohn mit seinem vater auf rügen? welches geheimnis seines vaters sucht er? … sie feiern heute ihren 80. geburtstag. aber keiner von der familie weiß, dass sie ihren geruchssinn verloren hat. vorrübergehend oder hat es mit ihrer vergangenheit zu tun …
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dieser satz paßt genau: „Auch in diesen Kurzgeschichten ist es wieder die unglaublich klare und melancholische Erzählweise Schlinks, die den Leser so sehr berührt.” !!!!
- Hallo Christoph, was ist das Justifiers Universum?
- Das Justifiers-Universum ist ursprünglich der Hintergrund eines SF-Rollenspiels aus den 80er Jahren. Markus Heitz hat die Rechte daran übernommen, und nicht nur ein neues Rollenspiel dazu erschaffen, sondern auch eine Buchreihe und Comics ins Leben gerufen. Das Justifiers-Universum ist ein düsterer Ort, in dem gewaltige Konzerne Macht auf sich konzentriert haben. Die namensgebenden Justifiers sind Eigentum dieser Konzerne, Individuen, die fast wie moderne Sklaven sind, und die bei gefährliche Einsätze und Aufgaben eingesetzt werden.
- Um was geht es in Deinem Buch?
- Mein Roman handelt, da es der erste in der Reihe ist, von einem Justifiers-Team, das eine Erkundungsmission auf einen noch unerforschten Planeten unternehmen soll. Allerdings läuft so einiges schief, und die Mission droht zur Katastrophe zu werden. Die Geschichte folgt diesem Team bei seinen Abenteuern und den Versuchen, in der lebensfeindlichen Umwelt eines fremden Planeten zu überleben.
franka potente, bitte noch mehr von solchen erzählungen!! ich war überrascht, dass frau potente nicht nur schauspielerin ist, sondern auch schreiben kann. ich wollte immer weiterlesen. leider waren es nur 10 stories.
frau potente muss während ihrer japanaufenthalte viel gesehn und zu gehört haben. die geschichten sind sehr ‘japanisch’: geordnet, traditionell, klar, formel. es wurde mit viel einfühlungsvermögen geschrieben und doch sehr einfach. so wie haikus kommen sie daher die erzählungen.
Helmut Krausser! Er verdient ein Ausrufezeichen, leicht, mehr eigentlich, aber ich will nicht übertreiben.
Auf weißen Wüsten. “Die besten Gedichte” heißt der Band, laut Klappentext von ihm selbst ausgewählt.
Wenig bekannt ist er als Lyriker, unter seinen Romanen gibt es ja ordentliche Bestseller, die nehmen die Aufmerksamkeit für sich in Anspruch.
Schade, denn der Lyriker Krausser ist einer der Guten.
Er reimt und nutzt alte Formen, er schreibt in freien Versen, er ist zärtlich, brutal, assoziativ, verspielt, ernst, doppelbödig, fallenstellerisch – eine echte Bereicherung.
Also bitte: nicht den Lyriker Krausser unterschätzen, am besten gleich das Buch besorgen, lesen – weiterempfehlen tun Sies dann eh von allein.
Hier ein Beispiel:
Sonett an die schreibfaule Brieffreundin
Zu deinen Gunsten nehm ich an, du seist
gestorben. Liefest dunkle Herbstalleen
vereinsamt auf und ab. Du süßer Geist.
Und wüßtest nicht, es wäre Zeit. Zu gehen.
Suchtest Lichter. Abschiedsworte,
Musik für menschenleere Straßen,
für einst bedeutungsvolle Orte,
die dich kannten. Und vergaßen.
Walle Sayer
schaut genau hin und erzählt davon, erzählt, was er sieht und lesend sehen wir alltägliche Dinge neu. Einfache Bilder und Szenen so sorgfältig und ganz eigenwillig, manchmal mit Worten, die man in dieser Kombination noch nicht gehört/gelesen hat, beobachtet und geschildert, dass sie uns bleiben, dass eine kleine Schule des Schauens und Nach-Denkens draus wird.
Ich werde hier in lockerer Folge immer mal ein Beispiel zeigen.
Die Brotkrümel
Im Geburtshaus des Vaters. Die Tür zur Speisekammer, hinter der es zu dieser Jahreszeit nach Kraut riecht. Er steht auf einem wackligen Gerüst aus Stühlen und Kisten. Hat sich eine Scheibe vom altbackenen Brot heruntergeschnitten und ißt dazu mit den Fingern aus dem Schmalzhafen und dem Gselztopf. Die Einmachgläser aufzumachen, traut er sich nicht. An das Geräucherte, das an einer Stange aufgehängt ist, reicht er nicht hin. Bevor er dann zuletzt die Tür wieder lautlos abschließt und den Schlüssel zurücklegt unter das Kopfkissen der Mutter, liest er sorgfältig die Brotkrümel, die ihn schon einmal verraten haben, vom Boden auf.
Ein neuer Gedichtband von Ludwig Fels – Egal wo das Ende der Welt liegt, nach vielen Jahren.
“Nach jedem Gedicht erwartet man die Rückkehr der Wirklichkeit, und dann kümmert sich die Wirklichkeit nicht um Gedichte.”
Ich kann mir vorstellen, dass er, an einem seiner Romane schreibend, keinen Moment Kraft übrig hat, an Gedichte zu gehen – intensivere Romane gibt es wenige.
Friedrich Ani hat einmal über seine Romane gesagt:
“Den Fels lese ich auch immer wieder, der schreibt Sätze wie mit der Rasierklinge übers Herz gezogen oft, manchmal mehr Blut als Haut am Ende des Buches. Tut gut.”
Die Gedichte häufig Liebesgedichte, wenn auch nicht sofort als solche zu erkennen, Leben suchende, feiernde, manchmal verfluchende, voller Wucht, Ernst, Verzweiflung, nichts ist ihm fremd, nichts scheint ungeeignet für seine Gedichte. Tod spielt eine große Rolle, aber vielleicht betrachtet er den Tod nur als eine Unterkategorie der Liebe.
Man begibt sich mit diesem Band in herausfordernde Gegenden:
Etwa 500 Briefe, mit Kommentar, zwischen Thomas Bernahard und Siegfried Unseld. Herausgegeben von Raimund Fellinger, Martin Huber und Julia Ketterer.
Natürlich müssen alle das Buch lesen, die sich für Siegfried Unseld interessieren, den Verleger eines der wichtigsten Verlage, die es in Deutschlang gab und gibt, alle die sich für Thomas Bernhard interessieren, vielleicht der eigenwilligste Autor, den es bei Suhrkamp jemals gab, aber am wichtigsten ist das Buch für alle, die echte Tapferkeit und Mut interessieren.
1961 beginnt dieser Briefwechsel, aufs Genaueste und Informativste kommentiert, man kann ihn beinahe wie eine Literaturgeschichte betrachten, und endet mit dem Tod von Thomas Bernhard 1989, obwohl es zwischendurch immer wieder zu Situationen kommt, in denen der Abbruch der Beziehungen angedroht wird, erklärt wird, unausweichlich scheint.
Nach freundlichsten Treffen und genauesten Plänen, zu künftigen Publikationen, Honorarabrechnungen, Geldbündelübergaben durch Unseld, kann es sein, dass kurz danach ein empörter Brief von Bernhard kommt, in dem er erklärt, dass alles nichtig ist, dass er nicht länger in diesem Haus bleiben kann, dass er arglistig getäuscht wird, schlecht behandelt, missachtet.
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