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Jean Paul – Erschriebene Unendlichkeit. Briefe

Mittwoch, 26. Juni 2013
5,00 von 5 Punkten, basierend auf 11 Stimmen.

Jean Paul - Erschriebene Unendlichkeit. BriefeDie Briefe von Jean Paul sind ein guter Anlass um wieder anzufangen. In meiner Jugend habe ich einige seiner Romane gelesen, dann lange nicht, nichts, war eher verständnislos: Das hab ich gelesen? Aber die Bücher waren immer da, immer mal ein paar Seiten, aber einen ganzen Roman hab ich nicht mehr geschafft.
Kurze Stücke natürlich schon, so wie Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, daß kein Gott sei. Ein kleiner Text der mich immer trifft, so wie Jean Paul selbst, macht er doch eine Anmerkung zum Titel:

Wenn einmal mein Herz so unglücklich und ausgestorben wäre, daß in ihm alle Gefühle, die das Dasein Gottes bejahen, zerstöret wären; so würd’ ich mich mit diesem meinem Aufsatz erschüttern und – er würde mich heilen und mir meine Gefühle wiedergeben.“

Jean Paul - Siebenkäs
Der Text findet sich im „Siebenkäs“ oder wies korrekt heißen muss:
Blumen-, Frucht- und Dornenstücke oder Ehestand, Tod und Hochzeit des Armenadvokaten F.St.Siebenkäs.
8.Kapitel, Erstes Blumenstück

Noch ein Zitat und die ernsthafte Empfehlung: Versuchen Sies mit Jean Paul!

Christus fuhr fort: “Ich ging durch die Welten, ich stieg in die Sonnen und flog mit den Milchstraßen durch die Wüsten des Himmels; aber es ist kein Gott. Ich stieg herab, soweit das Sein seine Schatten wirft, und schauete in den Abgrund und rief: ›Vater, wo bist du?‹ aber ich hörte nur den ewigen Sturm, den niemand regiert, und der schimmernde Regenbogen aus Wesen stand ohne eine Sonne, die ihn schuf, über dem Abgrunde und tropfte hinunter. Und als ich aufblickte zur unermeßlichen Welt nach dem göttlichen Auge, starrte sie mich mit einer leeren bodenlosen Augenhöhle an; und die Ewigkeit lag auf dem Chaos und zernagte es und wiederkäuete sich. – Schreiet fort, Mißtöne, zerschreiet die Schatten; denn Er ist nicht!!”

toline shine und ein schwerer Rückfall: Karl May

Montag, 24. Juni 2013
4,90 von 5 Punkten, basierend auf 10 Stimmen.

Bei einem der Tests des toline shine bin ich auf ein Buch von  Karl May gestoßen. Vielleicht ausgelöst dadurch, dass ich kürzlich eine ganz hervorragende Ausstellung im Völkerkundemuseum Prag – Náprstkovo muzeum Praha – gesehen habe, hatte ich plötzlich Winnetou IV auf dem tolino.
tolino shine - digitales Lesen mit einem  eReader
Die Ausstellung ist übrigens sehr empfehlenswert, so wie das ganze Museum. Es werden gegenübergestellt die Beschreibungen von „Karla Maye“ der wissenschaftlichen Beschreibung von Stämmen und Weltbild, es werden liebevoll ironisch, wie die Tschechen das einfach großartig können, die Figuren Karl Mays beschrieben, es gibt viele echte indianische Ausstellungstücke zu sehen, insgesamt ein lohnender Besuch.
Natürlich fällt mir auch immer mal wieder Karel Brückner ein, der ehemalige Trainer der tschechischen Fußballnationalmannschaft, der Klekih-petra (Weißer Vater) genannt wurde. Alles zusammengenommen hat möglicherweise dazu geführt, dass ich jetzt im Zug sitze und Winnetou IV (wieder) lese.
Hätte nicht gedacht, dass ich das noch einmal tun würde,

Silke Scheuermann – Der Tag an dem die Möwen zweistimmig sangen. Gedichte 2001-2008

Mittwoch, 22. Mai 2013
4,83 von 5 Punkten, basierend auf 12 Stimmen.

Silke Scheuermann - Der Tag an dem die Möwen zweistimmig sangen. Gedichte 2001-2008Man darf sich nicht täuschen lassen, Der Tag an dem die Möwen zweistimmig sangen, der neue Gedichtband von Silke Scheuermann ist nicht (nur) eine Neuauflage ihres ersten Bandes von 2001. Der Untertitel erklärt: Gedichte 2001-2008, und damit wird schnell auch klar: da sind auch neue Gedichte enthalten!
Schon immer spielen Tiere eine große Rolle in den Gedichten von Silke Scheuermann, hier gibt es jetzt einen Sonettenkranz der Vogelflug heißt, vielleicht ihre Lieblingstiere, die Vögel, die zumindest, scheint mir, ohne dass ich sie gezählt hätte, die meistgenannte Tierart ist, wobei es ja so ist in diesen Gedichten, dass Form und Wesen sich verändern können, Eigenschaften haben, die etwas neben den vertrauten, den sicher geglaubten sich zeigen, dass das sichere sich als scheinbar erweist.
Ich denke Silke Scheuermann beobachtet sehr genau, Tiere besonders, und sieht, vielleicht oftmals selbst überrascht, dass die Beobachteten sich nicht wie erwartet verhalten, sie benehmen sich fremd. Ich stelle mir vor, dass sie am Schreibtisch sitzt und Worte ausprobiert, Wortkombinationen, Bilder, bis ihr Zeile und Bild deutlich sind und sie sieht und versteht.
Silke Scheuermann ist keine Verkünderin, so großartige Bilder und wuchtige Aussagen auch da stehen, Schlüsse ziehen, weiterdenken, muss man selbst.
Eine leichte Melancholie ist oft spürbar, eine verständliche, so wie hier:

Walle Sayer – Strohhalm, Stützbalken. Gedichte

Freitag, 12. April 2013
4,58 von 5 Punkten, basierend auf 12 Stimmen.

Es gibt einen neuen Gedichtband von Walle Sayer – Strohhalm, Stützbalken!

Walle Sayer - Strohhalm, Stützbalken. Gedichte

Auftakt

Ohne Lehrerlaubnis
fällt draußen Schnee.

Daß du stehst neben dir
am Fenster deiner Dachkammer.

Hinausschaust als wie einer,
der auf nichts wartet.

Bis schwarz eine Katze
den Garten durchquert.

Schnee fällt draußen
und bedeckt das Weiß.


Wie immer sind es die kleinen und die kleinsten Momente, die er beschreibt, Winzigkeiten die leicht zu übersehen sind, er betätigt sich als Hinweisgeber, als Draufzeiger, manches Gedicht taugt als Spiegel, viele sind Zusammengesetzt aus Erinnerungsmomenten, die oft überraschende Erkenntnisse vom Werden in den Jetzt-Zustand erzeugen.
Ich denke das wirklich passende Wort für das was die Gedichte von Walle Sayer auslösen, neben dem Erzeugen von Bildern, ist: sinnieren, man muss ihnen nachsinnieren.
Das ist eine sanfte und stille Tätigkeit, die aber die nützlichsten Ergebnisse haben kann, so gesehen sind die Gedichte praktische Lebenshilfe, auf ihr stille und unaufdringliche Art.
Also: Lesen Sie, die helfen und freuen und nützen, die Gedichte von Walle Sayer.

Eckhard Henscheid – Denkwürdigkeiten. Aus meinem Leben. 1941-2011

Mittwoch, 20. März 2013
4,89 von 5 Punkten, basierend auf 9 Stimmen.

Eckhard Henscheid - Denkwürdigkeiten. Aus meinem Leben. 1941-2011. AutobiographieEckhard Henscheid nennt sein Buch Denkwürdigkeiten. Aus meinem Leben. 1941-2011.
Eine Autobiographie also wohl nicht, es kann ja nur um die besonderen Ereignisse gehen, nicht die unendlichen, den Leser plagenden, Kindheitserinnerungen die die meisten Autoren von Autobiographien so gern haben, man sieht förmlich wie die 70jährigen sich ganz genau ans Kind erinnern und daran wie klug es schon war, wie deutlich hier schon der Grundstein gelegt wurde für das spätere Genie-Dasein, Henscheid verspricht mit dem Titel: Denkwürdigkeiten, Ereignisse die wert genug sind, dass man darüber nachdenkt.
Henscheid ist einmal ein sehr wichtiger Autor gewesen in meiner Lesegeschichte, obwohl ich nur knapp am völligen ignorieren vorbeigeschrammt bin: Ich hatte Geht in Ordnung – sowieso – - genau – - - gelesen, entdeckt, Henscheid als großen realistischen Erzähler eingeordnet der die Peinlichkeit des Lebens in der Kleinstadt aufs genaueste beschrieben hatte, der exakte Bilder von Menschen geschaffen hatte wie man sie so und ähnlich leicht finden konnte, auch in meiner Umgebung, ich war also schon ein überzeugter Henscheid-Leser als ich herausgefunden habe, dass es eine Trilogie war, noch zwei Bände dazu gehörten und dass diese Trilogie unter dem zusammenfassenden Titel „Trilogie des laufenden Schwachsinns“ angeboten wurde.
Ich glaube ich hätte die Bücher nicht angefasst, wär mit der Titel untergekommen, nein, glaub ich auch jetzt noch, das hat er nicht verdient, der Henscheid.

Antonia Michaelis – Paradies für alle

Sonntag, 17. März 2013
4,83 von 5 Punkten, basierend auf 12 Stimmen.

052688048-paradies-fuer-alleAntonia Michaelis und ihr überzeugender Roman Paradies für alle

David ist 9 Jahre alt und ein sehr außergewöhnliches Kind. Im Rahmen eines Schulprojekts befaßt er sich mit den Weltreligionen.

Ihm wird klar, dass es sehr vielen Menschen in seiner Umgebung schlecht geht und beschließt, mit Hilfe seiner Freundin Lotta, ein Paradies für alle zu schaffen. Er dokumentiert sein Programm in verschlüsselten Werkstattberichten. Wird ihm das scheinbar Unmögliche gelingen?

Hier beginnt die Geschichte. Davids Eltern erhalten einen Anruf und erfahren, das der Junge auf der Autobahn angefahren wurde. Er ist schwer verletzt und liegt im Koma. Seine Mutter, Lovis, kann sich nicht erklären wieso das passieren konnte. Sie recherchiert und entdeckt die verschlüsselten Berichte. Schritt für Schritt entwickelt sich die Handlung bis zum bitteren Höhepunkt. Nicht nur das Schicksal des Jungen sondern auch das der Mutter wird grandios erzählt. Lovis fällt in eine tiefe Lebenskrise, trennt sich von ihrem Mann und erfährt viele Wahrheiten über sich, ihre Familie und ihre Mitmenschen.

Joachim Ringelnatz – aus gegebenem Anlass

Dienstag, 12. Februar 2013
4,83 von 5 Punkten, basierend auf 12 Stimmen.

BERTA UND ICH GEHN ZUM MASKENBALL
(aus  Joachim Ringelnatz – Sämtliche Gedichte)

Gänse, die als Prinzessinnen sich weiden.
Schafsköpfe, die als Schafskopf sich verkleiden.
Türken, die eine Bettlerin
Mit „Frau Geheimrat“ titulieren,
Cowboys mit Oberlehrermienen. – –
Nur die dabei verdienen und bedienen,
Erkennen solchen Unfugs Sinn.
Und beinah nur für diese Wenigen
Mischen wir andern uns auf buntem Teller
Zum außerordentlichen italienischen
Salat, als Stückchen dran und drin.

Berta, frisier dich etwas schneller!
Weil ich ein fertig angezogener Chinese bin.

Es braust ein Ruf wie Donnerhall, –
Berta, wir gehn zum Faschingsball,
Zu Karnevallerie Krawall,
Pot-Pickles, Mixed-Pourri und Drall.

Denn mancherlei im Leben – vielerlei! –,
Das man nicht sagt, lässt tanzen sich und grölen.
Und köstlich ist ein unverbindlich Küssen.

Maria Stuart, heute bist du frei.
Rasch! Gieße Flieder in die Achselhöhlen!
Nimm diese Mark für Trambahn und mal müssen.
Das Auto hin, das werde ich bezahlen.
Bin ich nicht nett??
Und geh heut nacht mit wem du willst in das Schafott.
Mach zu! Mein Hütchen – und mein Paletötchen. –
Steig ein! – Die Schlüssel? – Und die Schinkenbrötchen?
Töff töff rrrr –

Das Gewicht der Welt – Peter Handke

Mittwoch, 06. Februar 2013
4,57 von 5 Punkten, basierend auf 14 Stimmen.

Das Gewicht der Welt von Peter Handke Das Gewicht der Welt von Peter Handke hat alle meine Ausräum-, Aufräum-, Verschenkaktionen überstanden. Nach dem Briefwechsel Peter Handke – Siegfried Unseld war natürlich noch etwas mehr Handke Lektüre nötig. allerdings habe ich ohnehin, vielleicht zur Vorbereitung, kürzlich den Versuch über den Stillen Ort gelesen.
Im Lauf der Zeit sind immer mal wieder neue Handke Bücher dazu gekommen, er ist ja oft der Retter: in einer Buchhandlung, schnell ein Buch brauchen, weil eine Zugfahrt ansteht, Wartezeit … da findet sich oft ein Handke, aber Das Gewicht der Welt. Ein Journal (November 1975 – März 1977) ist als Einziges immer geblieben, das suhrkamp taschenbuch Nr. 500.
Das st 1000, leider nicht mehr lieferbar, aber im Hugendubel Markplatz finden sich gebrauchte:
Ludwig Hohl – Die Notizen oder Von der unvoreiligen Versöhnung, ebenfalls ein Band der immer geblieben ist, nie in Gefahr war zum Geschenk zu werden, außer die zu Geschenkzwecken gekauften.
Zurück zu Handke, zu Das Gewicht der Welt, schon der Titel, wie häufig bei Handke, macht neugierig, da ist keine Bescheidenheit (Nur die Lumpen sind bescheiden, Brave freuen sich der Tat. Goethe) und es ist bei Handke auch keine nötig, wär ja völlig unsinnig.

Deutsche Gedichte. 1500 Gedichte von den Anfängen bis zur Gegenwart

Donnerstag, 24. Januar 2013
4,75 von 5 Punkten, basierend auf 12 Stimmen.

Deutsche Gedichte. 1500 Gedichte von den Anfängen bis zur Gegenwart. LyrikanthologieKürzlich gab es als Gedicht des Tages auf hugendubel.de von Melanie Arzenheimer

ERDVERBUNDEN

Schmecke mich
entdecke mich
verzehre dich
nach mir
gleich hier
im Wald
ich komme bald
ganz insgeheim

Ich, dein Trüffel –
Du, mein Schwein

Die trüffelschweinischen Eigenschaften sind auf jeden Fall für dieses große Buch nützlich:

Deutsche Gedichte. 1500 Gedichte von den Anfängen bis zur Gegenwart

Bei 1500 Gedichten  muss man die nützlichen, die trüffeligen Gedichte suchen, findet sie natürlich überall, zumindest werden die „das-ist-ein-großartiges-Gedicht-Findefähigkeiten“ sehr gut trainiert.

Peter Handke/Siegfried Unseld – Der Briefwechsel, und die Rolling Stones

Dienstag, 22. Januar 2013
4,83 von 5 Punkten, basierend auf 12 Stimmen.

Peter Handke/Siegfried Unseld - Der BriefwechselEin Gespräch über die Rolling Stones führt ja fast zwangsläufig zum Briefwechsel zwischen
Peter Handke und Siegfried Unseld, zumindest, wenn man den kürzlich erst gelesen hat, mit der allergrößten Freude, wie hier ja schon erwähnt, und einen Satz von Handke zitieren will: „ … Sprechstück … das von drei oder vier Sprechern gesprochen wird und nach den Klangelementen der Beatmusik, vor allem der „Rolling Stones“ | ( = eine Beatgruppe) | (nicht lachen) gemacht ist.“ (Brief vom 23. November 1965 an Elisabeth Conradi, zu der Zeit Sekretärin von  Siegfried Unseld)
Diesen Satz suchen und weiterblättern, später, allein, noch einmal hinein blättern, da und dort hängenbleiben, vor allen auch in den Anmerkungen, in den ausführlichen Zitaten aus der Unseld Chronik, seinen Reisenotizen, immer einmal wieder einen Namen entdecken und an dem hängen bleiben, sogar im Personenregister nach Namen schauen und einzelne Seiten nachlesen und so wieder ein paar erfreuliche Stunden mit Peter Handke und Siegfried Unseld verbringen, das ergibt sich eh – und danach endlich Stones hören:

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