Das Grosse Katzenkomplott von Katie Davies ist ein witziges Kinderbuch für Mädchen und Jungen ab 8 Jahren.
Die neunjährige Anna lebt mit ihrer Familie in einem kleinen Dorf. Hier kennt jeder jeden, aber das tollste ist, daß Annas beste Freundin Susanne direkt im Reihenhaus nebenan wohnt und sie durch die Wand miteinander kommunizieren können. Beide sind Hobbydetektive und haben ihr geheimes Hauptquatier im Gartenschuppen. Sie sind schon im Fall des Grossen Hamstermassakers erfolgreich gewesen und nun ist ihr Spürsinn wieder gefragt, denn die Neue Katze, ihre Hauskatze ist verschwunden. Eigentlich vermißt bei ihnen zu Hause keiner die Neue Katze, nur ihr kleiner Bruder Tom. Er ist der Einzige, der sich etwas aus der Neuen Katze macht, denn sie hat ein paar unangenehme Angewohnheiten. Anna, Susanne und Tom machen es wie die Profis, sie observieren Verdächtige, durchsuchen potenzielle Tatorte und verfolgen sachdienliche Hinweise. Schließlich stoßen sie bei ihren Ermittlungen auf das Haus der Katzenfrau…..
Martin Amis lässt in seinem neuen Roman Die schwangere Witwe seinen Protagonisten Keith zurückblicken auf eine Episode seines Lebens, die ihm besonders intensiv im Gedächtnis geblieben ist.
Anfang der siebziger Jahre, die sexuelle Revolution ist gerade in vollem Gange, ist Keith mit Lily zusammen. Die haben mit gerade mal Anfang zwanzig ihre erste fette Krise. Da trifft es sich gut, dass sie die Möglichkeit haben fernab von London, auf einem Schloss in der Toskana, einen ausschweifenden Sommer zu verbringen. Beide sind trotz oder wegen ihrer Krise hungrig nach neuen Erfahrungen jenseits eingefahrener Konventionen.
Der exzentrische Schlossherr lässt die beiden neben einer Schar bunter und liebesgieriger Menschen gewähren, mischt mitunter selber kräftig mit beim Jahrmarkt der Eitelkeiten. Am Pool gibt es so eine Art tägliches Schaulaufen. Da tummeln sich einige selbstbewußte Schönheiten, die ihrem Narzißmus huldigen, und sich nehmen was oder wen sie gerade brauchen. Das geht natürlich nicht ohne Eifersüchteleien, Sticheleien, Intrigen und Neid ab. Mit diesen Zutaten wird die sexuell aufgeladene Atmosphäre noch zusätzlich befeuert.
“Stich ins Wespennest” von D.E. Stevenson ist eine charmante Geschichte über ein Dorf in England in den 30er Jahren. Die Autorin wurde 1892 in Edinburgh geboren und ist weitläufig mit Robert Louis Stevenson verwand. Nach ihrem Tod 1973 geriet ihr Werk langsam in Vergessenheit. Doch zum Glück wurde diese Geschichte wiederentdeckt und im Manhattan Verlag neu übersetzt.
Mit viel Witz wird von der alleinlebenden Miss Buncle erzählt, die ihr Einkommen aufbessern muss. Nach langem Überlegen entscheidet sie sich ein Buch zu schreiben. Allerdings wird dieses Vorhaben durch die Tatsache erschwert, dass sie nur über Dinge schreiben kann, die sie kennt. Also entschließt sie sich ein Buch über ihr Dorf Silverstream und dessen Bewohner zu schreiben. Und damit fängt der Spaß an. Unter dem Pseudonym John Smith herausgegeben wird der Roman unerwartet zum Bestseller. Problematisch dabei ist die sehr authentische Darstellung der Charaktere, so dass sich die Dorfbewohner sehr schnell wiedererkennen. Da nicht alle Personen im Roman gut wegkommen, beginnt die Jagd auf den Autor: Doch wer ist John Smith?
Der 100. Todestag des Schöpfers des Vampir-Romans, Bram Stoker und sein Graf Dracula, spielte fast nur eine Nebenrolle in den englischen Dickens-Feierlichkeiten, dessen 200. Geburtstag im Februar gefeiert wurde. Und die Queen hatte auch noch ihr 60. Thronjubiläum, außerdem war Bram Stoker Ire, damit lassen sich in England dann doch die meisten Dinge begründen.
Um beim Thema zu bleiben, frühestens seit der ersten Verfilmung durch F.W. Murnau (1922), spätestens jedoch seit der verkitschten Variante einer Stephenie Meyer, fliegen uns die Vampire nur noch so um die Ohren. Also unzählige Gründe, um sich das literarische Meisterwerk von Bram Stoker zu Gemüte zu führen. Man wird überrascht sein, außerordentlich sogar. Einmal von der äußeren Form: Stoker schrieb keinen Roman im herkömmlichen Sinne, die Handlung ist komplett eingebettet in die chronologische Aneinanderreihung von Tagebuch-Aufzeichnungen und Briefen der Protagonisten. Nein, Graf Dracula höchstpersönlich hinterließ keine Aufzeichnungen…
Jenny Downham hat mit ihrem neuen Jugendroman Ich gegen dich erneut ein brisantes Thema aufgegriffen.
Die Autorin ist schon bekannt durch ihren Roman Bevor ich sterbe. Wo sich andere Autoren vergeblich bemühen All-Age-Romane herauszubringen, ist es Jenny Downham völlig mühelos und unabsichtlich gelungen. Als Jugendbuch herausgebracht, wird ihr Roman von Jugendlichen und Erwachsenen gleichermaßen gelesen. Dies ist ihr mit Ich gegen dich wieder gelungen. Für Jugendliche unter vierzehn Jahren ist das Buch jedoch zu brutal.
Mikeys jüngere Schwester Karyn ist von Tom Parker vergewaltigt worden. Tom Parker ist ein Sprößling aus reichem Hause, sein Vater ist Immobilienmarkler, er besorgt ihm sofort die besten Anwälte und Tom kommt auf Kaution aus dem Gefängnis. Mikey dagegen lebt mit seiner alleinerziehenden alkoholkranken Mutter und zwei Schwestern in einer Sozialwohnung. Da seine Mutter den ganzen Tag schläft und seine Schwester Karyn seit dem Vorfall ihr Zimmer nicht mehr verläßt, muß Mikey sich zusätzlich zu seinem Job im Pub um alles kümmern.
Es ist herrlich mitanzuschauen, wie William Boyd mit seiner Biografie über den Maler und Zeichner Nat Tate, den es in Wirklichkeit nie gab, einer Kunstfigur Leben einhaucht.
Er ließ die amerikanische Kunstwelt bis Ende der 90er Jahre glauben, diesen Künstler hätte es wirklich gegeben. Doch dann das: Am 1. April 1998 laden David Bowie und William Boyd die interessierte New Yorker Kunstwelt in Jeff Koons’ Atelier: Nat Tate, ein in Vergessenheit geratener Expressionist soll geehrt, ein Buch über Leben und Werk präsentiert werden. Die Szene folgt ihrem Ruf, Kritiker, Sammler, Galeristen, alle sind da und erinnern sich, jeder hat schon mal von Tate gehört, ihn besser oder schlechter gekannt, seine Bilder gemocht oder abgelehnt. Und alle sitzen sie einem Schwindel auf. Die tragische Künstlerbiographie ist in Wahrheit die Erfindung des Erzählers William Boyd. Was für einen Skandal in der Kunstszene sorgte und als großartiger literarischer Coup gefeiert wurde, begründete zugleich Boyds Ruf als begnadeter Fälscher und Meister des doppelten Spiels.
Dustla
nds Band 1, Die Entführung ist ein Zukunftsroman von Moira Young und der erste Teil einer Trilogie.
Saba lebt mit ihrem Zwillingsbruder Lugh, ihrer kleinen Schwester Emmi und ihrem Vater in einer verlassenen menschenleeren Gegend. Bis eines Tages Reiter auftauchen, ihren Bruder entführen und ihren Vater erschießen. Saba schwört ihrem Vater, Lugh zu finden und macht sich mit Emmi an die Verfolgung der Männer. Unerfahren und naiv was andere Menschen betrifft gerät sie in die Gefangenschaft von Sklavenhändlern, die sie Käfigkämpfe kämpfen lassen. Dabei lernt sie Jack kennen, der auch als Kämpfer gefangen ist und verliebt sich in ihn. Mit Hilfe der Free Hawks, einer Frauenräuberbande, können sich Saba und Jack irgendwann befreien, aber es bleibt nicht mehr viel Zeit, Lugh zu retten. Wie Saba inzwischen herausgefunden hat, wurde er in eine Stadt in den Bergen entführt, wo er an Mittsommer in einem grausigen Ritual geopfert werden soll….
Wer in das Buch von David Belbin Der Hochstapler hineinblättert, wird sogleich mit einem großen Namen der Literatur konfrontiert.: Charles Dickens.
Es begann als ich vierzehn war und wir im Englischunterricht David Copperfield lasen. Nach der Lektüre wurden Mark und seine Mitschüler angehalten, einen Text im Stil von Dickens zu verfassen. Mark hatte schnell den Bogen raus und kopierte ihn genial. Sein Lehrer tadelte ihn dafür, weil er glaubte, er hätte den Text leicht abgeändert irgendwo abgeschrieben. Nach der Schule versucht er sich als Schriftsteller, immer auf der Suche nach einem unverkennbaren Sound. So recht mochte ihm das nicht gelingen.
Mark gönnt sich eine einjährige Auszeit in Paris. Dort wandelt er auf den Spuren von Hemingway. Er fängt an im Stil von Hemingway Geschichten zu schreiben, die er dann angeblich auf dem Flohmarkt zwischen alten Zeitungen gefunden haben will. Doch Paul und seine Frau Helen sind ihm bereits auf den Fersen und jagen ihm die Manuskripte ab und machen damit als sogenannte “Originale” das große Geschäft an Mark vorbei.
Tom Rob Smith stellt mit den Erlebnissen seines Protagonisten Leo Demidow die Geschichte der Sowjetunion seit 1933 in dem Mittelpunkt einer Krimi-Trilogie. Die politischen und sozialen Bedingungen der Stalinzeit, das kurze Tauwetter nach Stalins Tod und die Zeit des Kalten Krieges schildern die Krimis an Hand der Lebensumstände Demidows.
Demidow etabliert sich als KGB-Agent, der Oppositionelle verfolgt. Als er gezwungen werden soll, seine Frau zu denunzieren, und sich durch die Denunziation als Stütze des stalinistischen Staatssicherheitssystems ausweisen soll, beginnt sein Versuch, sich trotz möglichst geringer Anpassung zu behaupten und vom KGB fern zu halten.
Demidows Familie zeigt, wie der Druck des Staates das private Leben bestimmt: Seine Frau heiratete ihn, weil sie nur so den schlimmsten Auswirkungen der Macht eines KGB-Agenten entgehen zu können glaubte. Demidow adoptierte zwei Mädchen, nachdem sie in Folge eines von ihm voran getriebenen Einsatzes zu Waisen wurden: Bei den Demidows war die Staatssicherheit immer auch Privatsache („Kind 44“).
Im zweiten („Kolyma“) und dritten Band („Agent 6“) wird das Schicksal von jeweils einer der beiden Töchter entscheidend für Demidows Handlungen. Der dritte Band zeigt, wie die Übermacht der beiden Systeme im Kalten Krieg es unmöglich machte, zwischen ihnen eigene Wege zu gehen. Demidow wird von Mitläufern auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs in eine Lage gebracht, in der er die für ihn schlechteste, weil für seine Adoptivtöchter in der UdSSR beste Lösung wählt. Auch die U.S.A. erscheinen bei Smith nicht als Staat des makellosen Schutzes individueller Freiheit: Der amerikanische Anti-Kommunismus wirkt eher als paradoxes Komplement zu sowjetischen Verhältnissen.
Smith setzt seinen Protagonisten und Mitglieder seiner Familie den politischen Spannungen seiner Zeit in ungewöhnlichen Plots aus. Die Trilogie gibt Einblicke in den Stalinismus und seine Folgen für die spätere Politik der Sowjetunion. Es gelingt Smith, auch unwahrscheinlich erscheinende Entwicklungen für den Leser überzeugend und spannend darzustellen.
Wenn Julian Barnes Vom Ende einer Geschichte erzählt, dann bleiben viele Fragen offen. Dennoch, dieser gerade mal 182 Seiten starke Roman hat es in sich. Spannend erzählt und vollgepackt mit Drehungen und Wendungen, die um die eigenen Erinnerungen kreisen.
Tony Webster erzählt uns in reichlich selbstverliebter Form aus seinem Leben, einem Leben ohne größere Höhen und Tiefen. So scheint es. Er biedert sich mir in kumpelhafter Form an, so als würden wir uns schon ewig kennen und startet den Versuch einer Rechtfertigung. Wieso, warum? Offenbar doch nicht ganz so glatt gelaufen, Tony. Adrian Finn, Dein alter Freund aus Schulzeiten und Veronica, Deine damalige Freundin, haben bei Dir Spuren hinterlassen. Adrian, der in den Schulstunden immer bewies, das er der Klügste war, den Lehrern ein Schnippchen schlagen konnte. An ihm hast Du Dich eine gewisse Zeit orientiert, ihn bewundert. Später, als er mit Veronica liiert ist, nimmt er sich plötzlich das Leben. Wieso, warum? Dann dieser lange weiße Briefumschlag, den du zufällig beim Ausmisten findest: Dir wird aus dem Nachlass von Veronicas Mutter Adrians Tagebuch zugesprochen. Wieso, warum?
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