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es weihnachtet …

Samstag, 15. Dezember 2012
4,54 von 5 Punkten, basierend auf 13 Stimmen.

weihnachten naht. noch einige tage. was verschenkt man? hier einige empfehlungen von mir.

jetzt wieder im kino zu sehen. der klassiker von lew tolstoi: anna karenina. sie haben tolstois grosses werk noch nicht gelesen? dann sollte sie jetzt die neuübersetzung von rosemarie tietze lesen. hierfür bekam sie 2010 den paul-celan-preis. für mich eine der schönsten und traurigsten liebesgeschichte in der literatur.
anna kommt nach moskau um ihren bruder bei seinen eheproblemen zu helfen. dort begegnet sie graf alexej wronskij. und was nicht passieren soll, passiert. sie beginnt mit ihm eine affäre …

 

 

glückskind – steven uhly

ich bin froh, dass ich dieses buch doch gelesen habe. eine berührende geschichte. ein hartz-IV-empfänger findet einen säugling in der mülltonne. und für dieses baby ändert hans d. sein leben. er fragt sich “warum war ich so, wie ich war?” es beginnt ein prozess, der berührt!! es hört sich alles so kitschig an, ist es aber nicht. uhly kann schreiben!!

Hermann Hesse – Geburtstag am 2.7.1877

Montag, 02. Juli 2012
4,93 von 5 Punkten, basierend auf 14 Stimmen.

Hermann Hesse - Klingsors letzter Sommer. Erzählung

Die ersten Informationen über Hermann Hesse hatte ich aus einem häufig wenig geschätzten Buch: dem Deutschlehrbuch! (Schule ist nützlich!)
Gedichte natürlich zuerst, aber schon bald den Steppenwolf – ein Geburtstagsgeschenk. Ich habs noch immer, die Bibliothek Suhrkamp Ausgabe. (Versteht man mit Vierzehn oder Fünfzehn den fünfzigjährigen Harry Haller? Natürlich hab ich das Buch mehrfach gelesen, damits richtg (ein-)leuchten kann.
Einmal habe ich auf einer Klassenfahrt Klingsors letzter Sommer gekauft und in der Jugendherberge in Heidelberg, sehr früh am Morgen, es ist grad hell geworden, könnte 4 oder 5 gewesen sein, ich hab die Buchstaben kaum erkennen können, von draußen waren Tiere zu hören, so ist es in meiner Erinnerung, der Zoo, angefangen darin zu lesen. Ich hatte schon am Tag zuvor ein Buch gekauft (Die Blechtrommel – Günter Grass) und meine Schulfreunde waren nicht ganz glücklich mit mir, das Geld so zu verschwenden, statt es für Bier auszugeben!
Nicht lange danach entstand der tollkühne Plan mir die Werkausgabe zu kaufen, 62,00 Mark damals, 12 Bände, und ich hab sehr ernsthaft angefangen zu sparen. Ich war halt ein etwas merkwürdiger Jugendlicher und hab zu all dem Bier das man da braucht, auch noch Bücher haben wollen.

Ry Cooder – In den Straßen von Los Angeles

Montag, 11. Juni 2012
5,00 von 5 Punkten, basierend auf 12 Stimmen.

Ry Cooder - In den Straßen von Los Angeles. ErzählungenRy CooderIn den Straßen von Los Angeles, das sind Erzählungen, die ich bei einer meiner häufigen Beschäftigungen entdeckt habe: In einer guten Buchhandlung Bücher anschaun, anfassen, anlesen …. (korrekt wäre eigentlich zu sagen, mich gegen Bücher zu wehren, weil der Stapel der ungelesenen ohnehin wächst, die Bodenhaltung für Bücher auch nicht gut ist und die Einsicht, in kurzen Momenten ja vorhanden, dass all diese Bücher niemals gelesen werden können eigentlich zum Verzicht zwingt.
Naja … die Vernunft … aber bei Ry Cooder gibt’s ja ohnehin kein Zögern! )
Ich kenne ihn als Musiker natürlich sehr gut, hab beinahe alle seine CDs, seine Filmmusiken, die CDs bei denen er Gastmusiker ist, man könnte sagen, ich bin ein Fan (natürlich, was für eine Frage, auch die CDs sind so viele geworden im Lauf der Zeit, dass es kaum eine Chance gibt die alle jemals wieder zu hören, vor allem so gründlich zu hören wie sie das verdienen, und wieder und wieder, etwa heute Morgen eine Jimi Hendrix – nur weil ich die seit vierzig Jahren höre, heißt das ja nicht, dass ich mit der Musik fertig wäre, sie ausgeschöpft, erledigt ist, ganz ähnlich, wie die leicht beleidigten Bücher, denen man ja gesagt hat: Wiederlesen! Bestimmt!)

Haruki Murakami – Die Bäckereiüberfälle

Sonntag, 20. Mai 2012
5,00 von 5 Punkten, basierend auf 6 Stimmen.

Haruki Murakami - Die Bäckereiüberfälle, ErzählungenDer Band Die Bäckereiüberfälle von Haruki Murakami versammelt zwei frühe Erzählungen: Der Bäckereiüberfall und Der zweite Bäckereiüberfall. Beide im Original Anfang und Mitte der achziger Jahre erschienen, auf deutsch Mitte der neunziger Jahre. Der Dumont Verlag legt nun beide zusammen in einer hochwertig gestalteten Bettlektüre vor. Die kongenialen Zeichnungen stammen von Kat Menschik.

In beiden Geschichten verläßt Murakami geschickt eingefahrene Erzählgewohnheiten. Er changiert auf seine spezielle Weise zwischen Realität und Absurdität.

Getrieben von der Tatsache, unglaublichen Hunger stillen zu müssen, jagen die beiden Protagonisten einer schnellen und möglichst effektiven Umsetzung dieses Urbedürfnisses nach. Hunger hatten wir, so viel stand fest. Allerdings keinen gewöhnlichen, nein – uns kam es so vor, als hätten wir ein kosmisches Vakuum verschluckt.

Ein Känguru mit Stöckelschuh. Neue Gedichte für Kinder

Freitag, 16. März 2012
4,85 von 5 Punkten, basierend auf 13 Stimmen.

Ein Känguru mit Stöckelschuh. Neue Gedichte für Kinder

Halt! Es gibt Bücher, die rufen Buchhandelsschlenderern zu: Halt! Das Bild, der Titel: Ein Känguru mit Stöckelschuh – da kommt man nicht vorbei. Kann sein, es ist das Bild (die Illustrationen sind von Heidrun Boddin), aber natürlich wird man sofort aufmerksam bei diesem Titel: Ein Känguru mit Stöckelschuh, und der Untertitel Neue Gedichte für Kinder, macht mich noch mehr neugierig.
Wenn man sich also an dem Gedanken vorbeigedrängelt hat in welcher seltsamen Gegend der Autor wohl lebt, in der er Kängurus sieht, die auch noch Stöckelschuh tragen, dann kann man endlich reinschauen, ins Buch, um herauszufinden, ob die Erwartungen erfüllt werden. Kindergedichte sollen Spaß machen, Unsinn treiben, fantasievoll sein, spielerisch, vielleicht so: Kind liest das Gedicht (oder bekommt es vorgelesen!) und man sieht wie das Kind in die Hände klatscht und jauchzt vor Vergnügen.
So soll es sein, und so ist es, außer dem Jauchzen,

Walle Sayer – Zusammenkunft. Ein Erzählgeflecht. 4

Mittwoch, 31. August 2011
4,88 von 5 Punkten, basierend auf 8 Stimmen.


Walle Sayer
mit Bildern aus dem Erzählgeflecht:

Blende

Dumußt eben das richtige Lichtverhältnis abwarten, damit ein Krauthobel, in einer Kellerecke vergessen, wie ein spinnwebüberzogenes Zeitscharnier erscheint. Oder der abendliche Vorplatz, mit dem Schatten der Kastanie, der Kirchenmauer als Hintergrund, in seiner Leere plötzlich ein Gruppenbild ist mit lauter Abwesenden. Und der Junge, der gleich ums Rumgucken Hochwasserhosen tragen wird, allein gegen die kahle Hauswand dasteht, seit ewig und einem Augenblick, also immer schon, und mit einem seltsam verzierten Trichter oder Füllhorn in der Hand lächelt, tapfer, seine ganzen Schuljahre noch vor sich, für den einen Lernschritt hin zum Unbenotbaren.

Walle Sayer – Zusammenkunft. Ein Erzählgeflecht. 3

Montag, 18. Juli 2011
4,60 von 5 Punkten, basierend auf 10 Stimmen.

Walle Sayer heute mit einem Straßenbild:

Straßenkater

Aufgehängt über deiner leeren Milchschale, das Katzenlebengedicht von Sarah Kirsch. Nur an jedem dritten Tag kommst du lautlos jetzt noch heim, abgemagert, das Ohr eingerissen und mit einem Biß über dem Auge. Nicht gestreichelt willst du werden, hältst kurz nur still, bis ich die Zecken dir entferne, und bist schon wieder weg. Nachts, bei offnem Fenster, hör ich dich heraus aus dem Chor der Liebeskranken.
Tagsüber, da liegst du am andern End vom Dorf, eingerollt, auf Holzbeigen, auf der Friedhofsmauer, beim schattigen Sockel vom Kriegerdenkmal. Und du läßt dich nicht stören durch die Männer, die heimkommend von der Frühschicht, vorübergehen an deinem Schlaf.

Georg Ringsgwandl – Das Leben und Schlimmeres. Hilfreiche Geschichten

Freitag, 24. Juni 2011
4,80 von 5 Punkten, basierend auf 20 Stimmen.

Georg Ringsgwandl – ich habe seit langem die starke Vermutung, dass er ein ZEN-Meister ist. “Das Leben und Schlimmeres. Hilfreiche Geschichten”, sein neues Buch, verstärkt meine Vermutung.
Wenn ichs richtig weiß, ist es so, dass der ZEN-Meister seinem Schüler helfen will und muss, das logische Denken zu vermeiden, zu vergessen, es zu verhindern, um ihm einen unverstellten und direkten Weg zur Erleuchtung zu zeigen und zu ermöglichen.
Das logische Denken also – genau dem geht Ringsgwandl auch an den Kragen.
Ich hab ihn einige Male live gesehen, spielt er so grandiose Shows wie UNTERSENDLING, ist es schon passiert, dass er recht gelassen und ruhig die meisten Songs der CD spielt, begleitet von einer Gruppe herausragender Musiker, Nick Woodland etwa, der coolste und vermutlich der beste englische Münchner, der jemals Gitarre gespielt hat, da also kann es sein, daß Ringsgwandl das Publikum mitnimmt, in gar nicht so weit entfernte Gegenden wie etwa bei “Lebn ois wiara Kuah” oder “Nachtaktives Tier” – er spielt auch ein paar sehr gute Cover-Versionen, etwa ” Nix mitnehma” nach “Gotta serve somebody” von Bob Dylan oder, ganz grandios gut getroffen, “C’est la vie” nach “You never can tell” von Chuck Berry.

Joachim Ringelnatz – Gedichte, Erzählungen

Sonntag, 12. Juni 2011
4,88 von 5 Punkten, basierend auf 17 Stimmen.

Joachim Ringelnatz – Gedichte, Erzählungen. Anthologie

 

Joachim Ringelnatz kennt jeder und jeder kann sofort etwas zitieren:

Ich habe dich so lieb!
Ich würde dir ohne Bedenken
Eine Kachel aus meinem Ofen
Schenken.

Man hält ihn für einen Humoristen, einen der immer lustige Gedichte schreibt.
Das stimmt, aber auch in den lustigen Gedichten kann sich der Satiriker, der genaue Beobachter der menschlichen Unzulänglichkeiten nicht ganz verstecken, und selbst hier, obwohl fast liebevoll beschrieben, sind die Menschen und ihre fehlende Flexibilität, nicht nur humorvoll gesehen:

Bumerang

War einmal ein Bumerang;
War ein Weniges zu lang.
Bumerang flog ein Stück,
Aber kam nicht mehr zurück.
Publikum – noch stundenlang –
Wartete auf Bumerang.

Die Seemannsgedichte, die Kindergedichte, erotische Gedichte – ein Fülle. Amüsant und oft mit einem Unterton von Melancholie – so wies die ernsthaften Menschen halt haben.

Walle Sayer – Zusammenkunft. Ein Erzählgeflecht. 2

Sonntag, 22. Mai 2011
4,85 von 5 Punkten, basierend auf 13 Stimmen.

Walle Sayer heute mit einem Text der schwer wiegt:

Ein hingelegter Stein

Ich weiß nicht mehr, aus welchem Schmerz ich entstanden bin. Ich lag am Rand eurer Wege. Die Vögel haben ihre Schnäbel an mir gewetzt. Ich erinnre mich, einem kleinen Jungen verholfen zu haben zum Sieg über einen Riesen. Mein Schweigen verzeiht es nicht, daß ich geworfen wurde auf Ehebrecherinnen und in Synagogenfenster. Die Zeit mißt sich mit mir. Mein Los ist es, alles zu überdauern.Nehmt mich zum Bau einer Klagemauer und ich werde euch anhören.

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