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Aufzeichnungen – Elias Canetti

Dienstag, 17. Dezember 2013
5,00 von 5 Punkten, basierend auf 8 Stimmen.

Elias Canetti - AufzeichnungenDie Aufzeichnungen von Elias Canetti gehören zu den dauerhaften Begleitbüchern meines Leselebens. Drei Bände in der Hanser’schen Werkausgabe, oder auch Taschenbuchausgaben für die Reise.
Canetti ist immer eine Herausforderung, unerbittlich, denk ich manchmal, streng, mit größter Formulierungskunst, erzwingt mitdenken, widersprechen, argumentieren, dafür und dagegen. Einer mit dem ich nie ‚fertig‘ werde.

Eine Empfehlung für Leser aus Die Provinz des Menschen:

Um der Feierlichkeit des Lesens zu entrinnen, – als wäre alles genau so zu verwenden, wie es sich liest, – soll ein Mensch sich von Zeit zu Zeit in einen Wirrwarr von Büchern stürzen, solche, die er verachtet, weil er sie nicht mehr kennt, und solche, die er verachtet, weil er sie nie gekannt hat. Wenn seine Vorurteile in Verwirrung geraten, ist Hoffnung für ihn, er soll es sich endlich leicht machen.

Franz Kafka – Tagebücher

Mittwoch, 03. Juli 2013
4,92 von 5 Punkten, basierend auf 13 Stimmen.

Franz Kafka - TagebücherDer 3. Juli ist der Geburtstag von Franz Kafka, geboren vor 130 Jahren, aber als Autor sehr lebendig.
Ich hab sicher viel zu früh Kafka gelesen, die Romane zuerst, Das Schloß, Der Prozeß, Amerika und mich hat er so erschreckt, dass ich Jahre gebraucht habe bis ich zurückgekehrt bin. Jetzt lese ich, beharrlich, langsam, in kleinen Stücken, immer wieder Kafka, am liebsten in den Tagebüchern.
Weil ich dort kürzlich war: hier findet sich ein Bild von Kafkas Grab.

“Heute Abend war ich wieder voll ängstlich zurückgehaltener Fähigkeit.”

Franz Kafka – Tagebücher

Patti Smith – Just Kids

Donnerstag, 24. Mai 2012
4,69 von 5 Punkten, basierend auf 13 Stimmen.

Patti Smith - Just Kids. Die Geschichte einer FreundschaftPatti Smith hat so etwas wie eine Doppelautobiographie geschrieben, im Buch geht es um sie selbst und um Robert Mapplethorpe.
Ganz untrennbar verbunden haben die beiden sich als sie sich in New York gefunden haben. Natürlich erzählt sie von ihrem Herkommen, von Familie und ihren ersten Jahren, aber die Begegnung mit Mapplethorpe, ihre Liebe und ihr Wissen: wir wollen Kunst machen, sind das große Thema des Buches.
Es gibt wenig Musiker-, Dichter-, Künstler Biographien die beeindruckender wären. Das liegt zum einen an ihrem unbedingten Glauben, dem gegenseitigen bedingungslosen Unterstützen, dem Mittragen der eigenen Entwicklung und der des Gegenüber, die nicht immer leicht war, aber sehr liebevoll und echt.
Sie haben in der Zeit Ende der Sechzigerjahre, Anfang der Siebziger in New York unglaublich viele Künstler getroffen, die entweder schon sehr bekannt waren oder es wurden, vor allem in ihrer Zeit im Chelsea Hotel. Die wunderbare Szene als Kris Kristofferson zum ersten mal Janis Joplin “Me and Bobby McGee” vorgesungen hat, als Patti Jimi Hendrix getroffen hat, vor seinem Studio, und er sagte, er wäre auf dem Weg nach England um auf einem Festival zu spielen, eine Reise von der er nicht mehr zurückkam, Allen Ginsberg, Sam Shepard (der sich ihr als Slim Shadow vorgestellt hat und sie hat eine ganze Weile gebraucht bis sie herausgefunden hat, dass das ein sehr berühmter Dramatiker ist) und natürlich der König der New Yorker Kustszene Andy Warhol.
Sie haben lange gesucht, bis sie herausgefunden haben, wo ihre Hauptfähigkeiten lagen, bis Mapplethorpe zum Fotographen wurde und Patti Smith zur Dichterin und Musikerin, und natürlich ist das Buch auch voller Verlust: Joplin, Hendrix, Jim Morrison, viele sind verstorben und der Hauptteil des Buches endet auch mit dem Tod von Mapplethorpe, aber trotzdem ist es kein deprimierendes Buch.
Patti Smith hat eine dem-Leben-Zugewandtheit, eine Lebensfreude, die, bei aller Düsterkeit, das lesen von Just Kids zu einer großen Freude macht.

Marie-Aude Murail – Vielleicht sogar wir alle

Montag, 19. März 2012
5,00 von 5 Punkten, basierend auf 12 Stimmen.

Marie-Aude Murail - Vielleicht sogar wir alleMit dem Titel “Vielleicht sogar wir alle” hat die französische Bestsellerautorin Marie-Aude Murail eine bezaubernde Familiengeschichte geschrieben (etwas, was es in der aktuellen Jugendliteratur eher seltener gibt), die zu berühren weiß und den Leser schmunzeln und staunen lassen wird. Interessanterweise ist sie aus den Perspektiven der Eltern und Kinder geschrieben und gibt da her einen interessanten, höchst amüsanten Einblick in den Alltag einer ganz normalen Familie, die eben aus diesem versucht auszubrechen.

Familie Doinel – das sind Vater, Mutter, die 14-jährige Charlie und ihr kleiner Bruder Esteban. Familienmerkmal: eine graue Haarsträhne, die genetisch vorprogrammiert zu sein scheint und ca. im Jugendalter auftaucht (allerdings nur väterlicherseits).

Esteban, der jüngste Familienspross, geht in die dritte Klasse und ist ein hochintelligentes Kind, weswegen er auch eine Klasse überspringen durfte. In seiner Freizeit erfindet er am liebsten die verschiedensten Dinge: einen Zeittransporter, der mit einem Hirnwellen-Sensor verbunden ist, einen Nanoroboter, den man durch die Nase schiebt und der das Blut reinigt und einen Hundekotauflöser, der gleichzeitig Kohle produziert und damit dann auch noch den Gehweg heizt.

Daniel Mendelsohn – Die Verlorenen

Mittwoch, 15. Februar 2012
4,67 von 5 Punkten, basierend auf 9 Stimmen.

Daniel Mendelsohn - Die Verlorenen, BiografieDas Buch von Daniel Mendelsohn Die Verlorenen trägt den Untertitel Eine Suche nach sechs von sechs Millionen. In akribischer Art und Weise sammelt Mendelsohn über Jahrzehnte Material der jüdischen Familie seines Großonkels Shmiel. Der lebte in dem Ort Bolechow in Galizien mit seiner Frau Ester und den Kindern Lorka, Frydka, Ruchele und Bronia bis Anfang der vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Dort hatten mehrere Jahrhunderte verschiedene ethnische Gruppen unterschiedlichen Glaubens friedlich miteinander zusammengelebt. Auch die Vorfahren von Shmiel, die Jägers, waren hier seit drei Jahrhunderten ansässig. Ab Ende der dreißiger Jahre, mit dem Überfall der Deutschen auf Polen, änderte sich das schlagartig.

Wir wussten, dass die Nazis 1939 Polen überfielen, dass die Juden in Ostpolen in Form des Hitler-Stalin-Pakts, der die Region, in der Bolechow lag, der Sowjetunion zuschlug, einen Aufschub erhielten…Wir wussten, dass die Nazis den Pakt im Sommer 1941 brachen und bald darauf, zu Beginn des Sommers, in Ostpolen einfielen. Schon bald erreichten sie Bolechow.

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