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Mo Yan – Frösche

Montag, 13. Mai 2013
4,75 von 5 Punkten, basierend auf 4 Stimmen.

Mo Yan - FröscheMo Yan ist ein lückenloser Beschreiber der wesentlichen Geschehnisse seiner Geschichten. Er verpackt das, was die chinesische Dorfbevölkerung beschäftigt, in einzigartige Romane. In “Frösche” geht es um Chinas Familienpolitik. Mo Yan ermöglicht uns Lesern, einen authentischen Blick darauf zu gewinnen und bringt uns dazu, ganz von vorne darüber nachzudenken.

Mo Yan erzählt seine Geschichten aus einer neutralen Sicht mit einer einzigartigen Neutralität. Er ist ein lückenloser Beobachter der wesentlichen Geschehnisse. Auf diese Weise erzählt er in “Frösche” von der Geburtenregelung in China, wobei er von den Bewohnern eines Dorfes berichtet. Im Fokus steht die absolut loyale Tante des Ich-Erzählers, die für die Partei über Leichen geht, wenn es ihr angeordnet wird.

Calpurnias (r)evolutionäre Entdeckungen – Jacqueline Kelly

Montag, 08. April 2013
4,88 von 5 Punkten, basierend auf 8 Stimmen.

Jacqueline Kelly - Calpurnias (r)evolutionäre Entdeckungen

Calpurnias (r)evolutionäre Entdeckungen von  Jacqueline Kelly  ist ein ganz besonderes Buch, das schon allein durch die schöne Gestaltung im Stil von Sibylla Merian auf sich aufmerksam macht.

Texas 1899: In der großen Hitze schwitzen die Damen in ihren Korsetts und verfluchen ihre Ehemänner, die sie nach Caldwell City verschleppt haben, um dort Baumwolle und Pekanüsse anzubauen.

Calpurnia, warum nicht, wächst als einziges Mädchen mit sechs Brüdern auf. Wenn während der Mittagshitze alle ermattet auf ihren Betten ruhen, genießt sie die freie Zeit am Fluss und in der Natur. Sie beobachtet Grashüpfer, Hunde und das Verhalten der Regenwürmer.

Als sie von ihrem Lieblingsbruder ein Notizbuch geschenkt bekommt, beschließt sie Naturforscherin zu werden. Aber was macht eine Naturforscherin eigentlich genau? Der Einzige, der Antworten auf ihre zahlreichen Fragen geben kann, ist der ein wenig unheimliche Großvater, der Mitglied der wissenschaftlichen Gesellschaft ist und seine Tage zurückgezogen in seinem Laboratorium verbringt.

Raquel J. Palacio – Wunder

Dienstag, 12. März 2013
4,57 von 5 Punkten, basierend auf 7 Stimmen.

Raquel J. Palacio WunderRaquel J. Palacio  – Wunder

August Pullmann ist 10 Jahre alt. Sein Gesicht ist durch einen Gendefekt von Geburt an entstellt. Er hat 27 Operationen hinter sich gebracht. Er hasst es, wenn die Leute ihn anstarren. Er liebt seinen Hund Daisy. Sein bester Tag im Jahr ist Halloween, dann kann er sein wie er ist. Seine Elterm lieben ihn. Seine Schwester hängt an ihm, obwohl…

Jetzt soll Auggie in die Schule gehen und es gruselt ihn. Was wird werden, wie sind die Lehrer, wie die Mitschüler?

Dies ist die Geschichte von August, eine Geschichte voller Wunder.

Wieder mal ein Hanser Buch dem man einfach nicht widerstehen kann. Nach John Green, Das Schicksal ist ein mieser Verräter schon wieder ein Volltreffer.

Raquel J. Palacio hat die Fähigkeit  ihre Figuren  mitten ins Herz zu schreiben. Wer Auggie nicht mag, dem ist eigentlich nicht mehr zu helfen. Dieser kleine Mann, der sein Schicksal so großartig trägt, uns nebenbei klarmacht, wie unwichtig das Äußere ist und auf was es im Leben wirklich ankommt. Eine wunderbare Geschichte, grandios erzählt.

Robin Robertson – Am Robbenkap. Gedichte

Donnerstag, 28. Februar 2013
4,67 von 5 Punkten, basierend auf 9 Stimmen.

Robin Robertson - Am Robbenkap. GedichteDa ist er endlich!
Der Gedichtband von Robin Robertson – Am Robbenkap.
Ich habe wirklich auf das Buch gewartet, seit der ersten Ankündigung.
Aus zwei Gründen:
Ich kannte ein paar Gedichte von Robin Robertson aus der großartigen Anthologie Beredter Norden. Schottische Lyrik seit 1900; von der hier ja schon mehrmals die Rede war, von der man gar nicht genug reden kann, die mich letzte Woche wieder zwei Tage aufs Beste beschäftigt hat, die in dem eigenwilligen und großartigen Verlag Editon Rugerup erscheinen ist und weil Jan Wagner der Übersetzer ist.
Jan Wagner ist ohne Zweifel einer der besten unter den jüngeren deutschsprachigen Lyrikern (der Beste zu sagen geht nicht, immer wenn ich so etwas versuche, etwa das beste Album von Bob Dylan, scheitere ich kläglich, bei Dylan hab immer schon 5 auf dem ersten Platz, zehn unter den ersten Fünf … “Das Beste” ist eine Scheinkategorie), Jan Wagner also hat hier übersetzt und ein Nachwort beigesteuert, wenn er unter den besten Lyrikern ist, muss man auch Übersetzungen von ihm beachten (und mindestens den neuesten Gedichtband: Die Eulenhasser in den Hallenhäusern!
Man kann Robertson als Naturlyriker bezeichnen, das sind immer wiederkehrende Themen, Wald (Schwimmen im Wald,… öffnen sich die Türen des Waldes…) Tiere (Die Sprache der Vögel, Was die Pferde nachts sehen), Wasser – Meer, Regen (Der See in der Abenddämmerung, Gesetz der Insel), und immer gehören die Menschen dazu, sind ganz Teil der Gedicht-Welt (Witwenweg, Der Immoralist), sind Beobachter und gleichzeitig Teil des Bildes und des Geschehens.

Raquel J. Palacio, Wunder

Sonntag, 27. Januar 2013
4,13 von 5 Punkten, basierend auf 8 Stimmen.

Raquel J. Palacio, Wunder

Mit „Wunder“ hat Raquel J. Palacio ihr erstes Buch vorgestellt und ich muss schon sagen – alle Achtung! Der Hanser Verlag hatte schon immer ein gutes Händchen für die besonderen Bücher, wie erst im Herbst mit „ Das Schicksal ist ein mieser Verräter “ von John Green und auch hier wird der Leser nicht enttäuscht.

August (Auggie) ist zehn Jahre alt und bis jetzt noch nie zur Schule gegangen. Durch einen Gendefekt ist sein Gesicht entstellt und auch viele Operationen konnten da nicht wesentlich helfen.  Sein Gesicht ist nicht so wie das anderer Menschen und wird es auch nie sein.  Auggies Eltern und seine große Schwester unterstützen ihn, machen ihm Mut und sind einfach immer für ihn da und abgesehen von seinem Aussehen ist er ein fast ganz normaler Junge.

Almudena Grandes – Der Feind meines Vaters

Freitag, 25. Januar 2013
4,69 von 5 Punkten, basierend auf 16 Stimmen.

Der Bücherfrühling hat nun auch in der Regensburger Hugendubel Filiale Einzug gehalten. Noch einige Stapel an Novitäten gilt es zu bewerten, doch einen ersten Tipp kann ich schon abgeben.

Mario Vargas Llosa nennt Almudena Grandes “eine der besten Schriftstellerinnen unserer Zeit”. Das hat mich neugierig gemacht auf die spanische Autorin.

Der Feind meines Vaters ist im besten Sinn ein Abenteuerroman, der in seiner faszinierenden Sprache und dem fein ausgearbeiteten Plot die turbulente Zeit Spaniens um 1947 beleuchtet. Der kleine Nino lernt den Portugiesen Pepe kennen, der so anders ist als sein Vater, anders als die Welt, die er in seiner andalusischen Familie kennt. Mit ihm als neuen Freund und großes Vorbild begibt er sich auf das Abenteuer des Erwachsenwerdens – seinen eigenen Willen zu entwickeln, seine Sicht auf die Welt zu klären und sein Empfinden den Menschen gegenüber zu schulen.

Miguel de Cervantes Saavedra – Don Quijote von der Mancha

Freitag, 04. Januar 2013
4,91 von 5 Punkten, basierend auf 11 Stimmen.

Miguel de Cervantes Saavedra - Don Quijote von der ManchaMiguel de Cervantes Saavedra – Don Quijote von der Mancha, das ist zweifellos eines der großen Bücher bei denen eine Aussage wie: „Das musst du lesen!“ völlig fehl am Platze wäre, hier muss es heißen: „Das musst du mehrmals lesen!“

Es trifft völlig zu was Cervantes (im zweiten Band, S. 600) sagt:

“Ist eine Geschichte gut, richtig und wahr, hat sie Jahrhunderte des Lebens vor sich, ist sie schlecht, dann ist es von der Wiege bis zum Grab nur ein Schritt.”

Aber eigentlich wollte ich nur noch schnell, bevor das Jahr schon wieder zu alt ist, einen Wunsch fürs Jahr 2013 auf den Weg bringen und natürlich haben die großen Bücher auch da etwas Brauchbares (Bd. II, S. 446):

“Gott sei mit Dir und beschütze Dich so, dass keiner je Mitleid mit dir haben muss.”

Weißt du eigentlich, dass du mir das Herz gebrochen hast? von Jessica Rothenberg

Sonntag, 02. Dezember 2012
4,80 von 5 Punkten, basierend auf 10 Stimmen.

Weißt du eigentlich, dass du mir das Herz gebrochen hast? von Jessica Rothenberg Jessica Rothenberg trifft mit ihrem Debütroman “Weißt du eigentlich, dass du mir das Herz gebrochen hast?” nicht nur ins Schwarze, sondern auch direkt ins Herz des Lesers – und zerreißt es!

Aubrie stirbt an gebrochenem Herzen – buchstäblich. Im Jenseits, das aussieht wie eine Pizzabude in ihrer Nachbarschaft, lernt sie Patrick kennen. Gemeinsam mit ihm versucht sie, ihr Leben hinter sich zu lassen – ebenfalls buchstäblich. Ob ihr zerrissenes Herz es aushält, Patrick näher zu kommen?

Dieses Buch ist nicht nur was für Fantasy-Fans. Wer gruselige Geisterwelten oder romantische Fabelwesen sucht, ist hier aber völlig falsch. Wer allerdings mal eine etwas andere, witzig und ironisch erzählte Liebesgeschichte mit skurrilen und sympathischen Charakteren lesen möchte, sollte zugreifen.

Gaito Gasdanow – Das Phantom des Alexander Wolf

Mittwoch, 28. November 2012
4,87 von 5 Punkten, basierend auf 15 Stimmen.

Gaito Gasdanow - Das Phantom des Alexander Wolf. RomanZufall und Neugierde haben mir Gaito Gasdanow – Das Phantom des Alexander Wolf in die Hand gegeben. „Einer der wichtigsten russischen Exilautoren“ steht auf dem Buchrücken, aha, denk ich mir, und warum kenne ich ihn nicht? Und warum „wichtig“?
Im Nachwort von Rosemarie Titze, die auch die Übersetzerin ist, finde ich Gasdanow verglichen mit Proust, Camus, Nabokov – da ist die Latte sehr hoch gelegt und natürlich meine Neugier zwingt mich das Buch zu lesen, das so beginnt:

„Von allen meinen Erinnerungen, von all den unzähligen Empfindungen meines Lebens war die bedrückendste die Erinnerung an den einzigen Mord, den ich begangen habe.“

Man erfährt aber schnell, dass das im Krieg war, im russischen Bürgerkrieg, dass ein Reiter auf ihn geschossen hat, sein Pferd getroffen und er halb bewusstlos mit seiner Pistole den näher kommenden Reiter getötet hat – da beginnt sofort die Überlegung: Aber das war ja Krieg, war das nicht Selbstverteidigung? Das Töten ist ja im Krieg das Wichtigste, ist er schuldig, wirklich ein Mörder? Gibt es korrektes Töten? Warum dann sein Schuldgefühl?

Deutsche Balladen. Gedichte, die dramatische Geschichten erzählen

Mittwoch, 07. November 2012
4,60 von 5 Punkten, basierend auf 15 Stimmen.

Deutsche Balladen. Gedichte, die dramatische Geschichten erzählenDeutsche Balladen. Gedichte, die dramatische Geschichten erzählen – dieses Buch ist eine Gemeinheit! Für alle, denen es ähnlich geht wie mir, dass sie sich von einer Ballade zu Tränen rühren lassen (heimlich) können, für die ist eine Freude, eine Groß-Freude: es sind 880 Seiten.
Die Gemeinheit für die Freunde der klassischen Balladen, die natürlich reichlich vertreten sind, bekannte wie Belsatzar oder die Kraniche des Ibykus und allerhand Entdeckungen sind auch dabei, die werden mit aktuellen Balladen konfrontiert, den Zeitgenossen, die, getreu dem Motto des Untertitels  Gedichte, die dramatische Geschichten erzählen, bis in die Gegenwart, bis zu Hip-Hop Texten, vertreten sind.
Für die Freunde der zeitgenössischen Lyrik beginnt die Gemeinheit vielleicht dort, wo strenge Form, Reim und Metrum bestimmen.
Aber ich bin ganz sicher, dass viele Leser bald entdecken, dass in den bisher eher fremden Bereichen auch etwas zu finden ist, mehr, viel, dass sich auf jeden Fall lohnt, weiter zu lesen, dass eine klassische Ballade, zum Vergnügen gelesen eine gewaltige Wirkung haben kann, oder umgekehrt, dass ein Text von Konstantin Wecker auch als gelesenes Gedicht funktionieren kann.
Wulf Segebrecht, der Herausgeber, hat als Ordnungsprinzip eine ganz chronologische Reihung gewählt, beginnt allerdings mit der Gegenwart, so dass das erste Gedicht ein Text von Tocotronic ist, der letzte Text „Wächter hüt dich bas”, von einem anonymen Verfasser aus Des Knaben Wunderhorn.
Eine Anthologie zeitgenössischer Lyrik und ebenso eine Anthologie älterer, alter, klassischer Gedichte – zusammen auf jeden Fall ein unerschöpflicher Vorrat an Gedichten, Balladen – ein bisschen Pathos muss sein: damit hat  man einen Begleiter fürs Leben!

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