weihnachten naht. noch einige tage. was verschenkt man? hier einige empfehlungen von mir.
jetzt wieder im kino zu sehen. der klassiker von lew tolstoi: anna karenina. sie haben tolstois grosses werk noch nicht gelesen? dann sollte sie jetzt die neuübersetzung von rosemarie tietze lesen. hierfür bekam sie 2010 den paul-celan-preis. für mich eine der schönsten und traurigsten liebesgeschichte in der literatur.
anna kommt nach moskau um ihren bruder bei seinen eheproblemen zu helfen. dort begegnet sie graf alexej wronskij. und was nicht passieren soll, passiert. sie beginnt mit ihm eine affäre …
glückskind – steven uhly
ich bin froh, dass ich dieses buch doch gelesen habe. eine berührende geschichte. ein hartz-IV-empfänger findet einen säugling in der mülltonne. und für dieses baby ändert hans d. sein leben. er fragt sich “warum war ich so, wie ich war?” es beginnt ein prozess, der berührt!! es hört sich alles so kitschig an, ist es aber nicht. uhly kann schreiben!!
Elias Canetti lesen – dazu brauche ich immer einen mutigen Tag, muss mich fit und wach fühlen, weil Canetti immer eine Herausforderung ist. Da gibt es keine Nachlässigkeit, das ist konzentrierteste Denk- und Schreibarbeit, die da geboten wird und flüchtiges Lesen wäre fatal, man wäre sofort verloren.
Die Aufzeichnungen, aphoristisch knapp meist, 1942 begonnen und bis zum Lebensende fortgeführt, in der Hanser- Werkausgabe ergibt das schon drei Bände, sind ein unerschöpflicher Vorrat an Denkanstoß, Canetti’scher Formulierungskunst und Rätsel, die vielleicht ungelöst bleiben, vielleicht ein anderes Mal lösbar sind.
Nie ist mir Canetti-Lektüre ganz leicht gefallen und noch jetzt erinnere ich mich sehr gut an den Schrecken, den Die Blendung ausgelöst hat, Herr Kien inmitten seiner brennenden Bibliothek, ein Bild das nie mehr vergessen werden kann, nachdem man schon durch die kalte Gnadenlosigkeit der Handlung gezogen wurde. Sicher einer der eindringlichsten Romane die ich je gelesen habe, aber ich rede ja von den Aufzeichnungen, das sind Bücher fürs Leben, wie oft kann man einen Band in die Hand nehmen und stellt fest, dass man diesen oder jenen Aphorismus bereits gelesen hat, kennt, dass er zum Denkbestand gehört, nicht herauszufinden ist, ob als Bestätigung eigener Gedanken oder von Canetti übernommen.
Auf der Leipziger Buchmesse legte mir der Unionsverlag das Buch “Tamta Melaschwili – Abzählen” ans Herz. 103 Seiten. Schnell gelesen … hab ich gedacht.
Drei Tage werden hier beschrieben und was es heißt in einer Kriegszone, einer gottverlassenen Konfliktzone zu leben. Als Heranwachsende mit Alten und Krüppeln. Was in Friedenszeiten Recht war gilt nicht mehr. Diese neue Welt, die entsteht hat Melaschwili sprachlich einfach neu erfunden. Es liest sich alles ganz fremd und eigen und sprachlich wuchtig, so das selbst Vielleser eine große Überraschung erleben werden.
Gewalt kennt keine Grenzen, Gewalt kennt keine Nationalität … sie ist überall gleich vernichtend und die größte menschliche Tragödie.
Das Buch ist schwere Kost und die Worte bekommen eine völlig neue Raumwirkung, so wie Melaschwili die Wörter setzt.
In “Abzählen” von Tamta Melaschwili müssen zwei 13-jährige Mädchen mit den Auswirkungen des Kriegs in Georgien kämpfen: Armut, Hunger, verminte Wege, Kontrolle durch Soldaten,… Ninzo pflegt ihre Großmutter und wird von den Dorfbewohnern als Schlampe beschimpft. Die zierliche Ich-Erzählerin Zknapi muss dringend Babynahrung beschaffen, weil ihre Schwester sonst stirbt.
„Sagt Msia: Mensch, die Leiche ist am Verwesen, und dort spielen ja oft die Kinder. Ditos Sohn war neulich auch in der Schlucht. Hast du das nicht gewusst? Die Kinder aus unserem Ort gehen jeden Tag fünfmal dahin, um die Leiche anzugucken. Warum haben sie den Toten nicht irgendwo begraben, warum haben sie ihn liegen lassen? Sagt Dodo: Hätte ihn doch gleich der begraben, der ihn getötet hat. Sagt Ninzo: Lass uns gehen, ich kann das Gelaber nicht mehr hören.“
Es ist eine beeindruckende Geschichte in einem besonderen Schreibstil.
Ich konnte die Autorin kurz auf der Leipziger Buchmesse kennen lernen: „Abzählen“, also Zerbrechlichkeit und unnahbare Stärke, umgaben sie, als wäre sie ein Mädchen aus dem Roman. Die Geschichte stand vor mir, das berührte mich sehr.
Tschingis Aitmatow schreibt in “Frühe Kraniche” über ein kirgisisches Ail (Dorf) in Kriegszeiten. Die Väter verlassen ihre Familie, um an der sowjetischen Front zu dienen; die Zurückgebliebenen warten verzweifelt auf Briefe. Damit die Bewohner nicht verhungern, sollen die Jungen die Aufgaben der Männer übernehmen. Sultanmurat ist noch keine 15, aber wird zum Kommandanten ernannt. Er ist nun dafür verantwortlich, die Pferde zu stärken und sich und seine Schulkameraden auf die beschwerliche Ernte vorzubereiten.
Sultanmurat ist mit seinem Kopf aber eigentlich woanders, nämlich bei der eitlen Myrsagül, in die er sich heimlich verliebt hat. Nebenbei wächst ein früherer Schulfreund zu einem Rivalen heran.
Der Junge kämpft innerlich an gegen die Kälte, die Last der Verantwortung und die Angst, dass der Vater nicht wieder zurückkommt. Er möchte weinen, aber das würde nur Schwäche zeigen…
Der Autor fängt die Atmosphäre perfekt ein, vor dem inneren Auge entstehen faszinierende Bilder!
Aus dem Russischen von Charlotte Kossuth
Unionsverlag, 2011
Vom Krieg getrennt,
in Kämpfen getestet,
verbunden durch ewige Freundschaft…
Seit Joey denken kann lebt er mit seinem besten Freund Albert auf einer Farm und pflügt dort als Arbeiterpferd die Felder. Die Beiden verbindet ein inniges Bann, das selbst durch Alberts launischen Vater nicht getrennt werden kann. Doch schon bald werden die beiden in ihrer Harmonie gestört, denn der erste Weltkrieg naht. Alberts Vater entscheidet sich dazu Joey an die Armee zu verkaufen, wo er von nun an als Kriegspferd an die Front muss und da Albert noch zu jung ist um im Krieg zu dienen, werden die beiden wie es schient für immer voneinander getrennt. Doch Albert schwört seinem treuen Gefährten ihn wiederzufinden, den ihre Freundschaft ist stärker als jegliche Strapazen des Krieges…
Janne Teller erzählte auf einer Lesung, von ihrer Freundin, die anfing sich über die Flüchtlinge aufzuregen und Dinge sagte, das Janne beschloss ein kleines Buch zu schreiben zu einem großen Thema dieser Zeit.
Und weil Frau Teller sehr viel mit sehr wenig sagen kann, gehört sie für mich zu den größten und wichtigsten Stimmen der Literaturszene.
Das Buch ist wie ein Pass gestaltet, prima um ihn zu den Urlaubspapieren zu packen.
Es ist gut, das es so klein und handlich ist, weil man es sowieso öfter lesen wird.
Gerade im Urlaub, in den fremden Gefilden, kann man es sich vorstellen, was wäre, wenn ich jetzt hier leben müsste, weil mein zu Hause sich verändert hat.
Der Verlust der Heimat, die Spielregeln in einer anderen Kultur, die fehlenden Freunde, die Sprachlosigkeit, die Hilflosigkeit und dieses Gefühl des Ausgeliefertseins, die Wut und Trauer, all das rüttelt sehr auf und jedes Wort der Autorin pickst wie eine Nadel.
Unvorstellbare Szenarien, ein vom Krieg gebeuteltes und gezeichnetes Land & eine Liebe, die all das übersteht – oder?
Kim Echlin erzählt in ihrem Roman “In der Mitte des Flusses” auf hohem literarischen Niveau eine berührende Liebesgeschichte.
Mit 16 Jahren ist Anne das erste Mal verliebt. Der Musiker Serey aus Kambodscha hat ihr Herz im Sturm erobert. Doch als er ihr eröffnet, in seine Heimat, die nach wie vor vom Krieg beherrscht wird, zurückzukehren, scheint die Beziehung beendet.
Oder doch nicht?
10 Jahre später macht Anne sich auf die Suche nach ihrer großen Liebe. Einziger Anhaltspunkt: Sereys Geburtsort.
Buddha / Siddharta Gautama / Wolfgang Kraus – Worte der Vollendung
erschienen in der Kleinen Diogenes Bibliothek der Weisheit
Siddharta Gautama (“der sein Ziel erreicht”) wurde um 500 v. u. Z. in Lumbini/Katmandu, das in der Nähe von Tibet liegt, geboren. Er wuchs in einer reichen Familie auf und bekam dabei alles, was er wollte. Dann begegnete er jedoch “einem Greis, einem Kranken, einem verwesenden Leichnam, einem Asketen und fühlte ihnen an das Leid der Welt.” (s. 7) Daraufhin verließ Siddharta seine Familie und lebte 7 Jahre in Askese und Einsamkeit, bis “ihn die Erleuchtung zu Teil wurde” (s. 8). Seitdem lehrte er den Dharma (die Lehre) und hieß Buddha (“der Erwachte”).
Der Buddhismus beschreibt das Leben als ständiges Leiden. Erst im Nirwana sei man frei davon.
Warum alles Leiden sei und wie Buddha argumentiert hat, lernt man im zweiten Teil dieses Buchs. Der Herausgeber Wolfgang Kraus hat das umfangreiche Original-Buch mit seinen zahlreichen Wiederholungen so gekürzt, um einen angemessenen Eindruck der Lehre darzustellen. Er hat die Geschichten und Dialoge mit Überschriften betitelt, die zu einem guten Überblick führen und einem helfen, die einzelnen Aussagen Buddhas voneinandern abzugrenzen. Dadurch sind sie leichter verständlich und besser zu merken.
An dieser Stelle möchte ich einen Verlag vorstellen, auf den ich mich verlassen kann, dass jedes Buch lesenswert ist und es ist der Verlag, der die allerschönsten Bücher macht: Der SchirmerGraf Verlag.
Das erste, was auffällt, ist das viele weiß auf dem Umschlag. Vorne sieht man jeweils ein Bild, das zur Geschichte passt und oft ein Ausschnitt aus einem Gemälde oder einem Foto ist. Der Einband der gebundenen Bücher ist aus Leinen, in das das Blatt-Logo eingestanzt ist. Das Papier ist dick und es gibt ein Lesebändchen. Diese Gestaltung ist bei allen Büchern gleich.
Die SchirmerGraf-Bücher sind melancholisch, ironisch, künstlerisch und anspruchsvoll. Manche sind erstmalige Übersetzungen, manche Biographien und andere glänzen mit ihrer simplen Alltäglichkeit, aus einem besonderen Auge beschrieben.
Ein paar Empfehlungen:
Anja Sicking – Die Magd des Monsieur de Malapert
Im 18. Jahrhundert – Anna kommt eigentlich aus einer gutgestellten Familie. Nachdem ihre Eltern sterben, muss sie aber als einfache Magd arbeiten. In Amsterdam findet sie eine Anstellung beim Musikalienhändler Monsieur de Malapert.
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