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Franck Thilliez – Öffne die Augen

Dienstag, 14. Mai 2013
4,33 von 5 Punkten, basierend auf 3 Stimmen.

Franck Thilliez: Öffne die AugenFranck Thilliez (geb. 1973) beginnt “Öffne die Augen” mit einem irritierenden Fund eines französischen Filmsammlers, der Ermittlungen auslöst, durch die eine Spionageaffäre aufgeklärt wird. Der Filmsammler erblindete zeitweilig nach der ersten Sichtung eines neu angekauften Kurzfilms durch und in diesem Filmstreifen versteckte Bilder, die als Nachbilder das Gehirn beeinflussen. Der Sammler war mit dieser befristeten, psychologisch ausgelösten Erblindung spätes Opfer eines in den fünfziger Jahren in Kanada durchgeführten psychologischen Experimentes, in dem die nachhaltige Beeinflussung des Verhaltens von Menschen an Kindern erprobt wurde. In Versuchen diente mentale Kontamination, die Veränderungen der zerebrale Struktur erzeugt (S.438), dem Forschungsziel, durch kollektive Hysterien massenhafte Gewaltausbrüchen auszulösen. Dass Kinder überhaupt Opfer solcher Menschenversuche werden konnten, war die Folge einer perfiden kanadischen Erziehungspolitik: Unehelich geborene Kinder wurden in Heimen für Waisen untergebracht und dann in auffallend großer Zahl von Hospitälern für geistig Behinderte übernommen und Experimenten ausgesetzt.

Francis Durbridge – Paul Temple

Mittwoch, 24. April 2013
4,71 von 5 Punkten, basierend auf 7 Stimmen.

Die große Paul Temple Box, 20 Audio-CDsDer Londoner Detektiv und Krimi-Autor Paul Temple und seine Frau Steve sind wirklich das beste Ermittler-Duo, das ich kenne. Durch eine Wiederholung im Hörfunkprogramm auf Bayern2 bin ich wieder auf die Kult-Hörspiele aufmerksam geworden. Der Hörverlag und Der Audio Verlag haben je eine Box mit den gesammelten Fällen herausgebracht – und das zu echten Sonderpreisen. Nun muss ich einfach missionarisch tätig werden und die Leser des Hugendubel-Blogs von dieser Reihe überzeugen.

Verfolgt man die Diskussion um die Geschichte der Paul Temple Hörspielproduktionen bei unterschiedlichen deutschen Sendeanstalten, so wird einem schnell klar, wie aufwändig und kostenintensiv selbst zur damaligen Zeit die Inszenierungen waren. Namenhafte Schauspieler, Regisseure und Musiker wurden engagiert um das perfekte akustische Setting zu schaffen, das dem von Francis Durbridge geschaffenem Held würdig wird.

Päpste pubsen nicht – Alexander Smoltczyk

Mittwoch, 27. März 2013
3,50 von 5 Punkten, basierend auf 4 Stimmen.

Päpste pupsen nicht - Alexander SmoltczykPäpste pupsen nicht ist ein Kinderbuch von Alexander Smoltczyk für Mädchen von 9 bis 11 Jahre.

Aus aktuellem Anlass…..Smilla ist ein fast elfjähriges Mädchen, das mit seinen Eltern von Deutschland nach Rom gezogen ist.  Zum Glück trifft sie in der Schweizer Schule Eloise. Die beiden werden Freundinnen. Eloise wohnt als einziges Kind im Vatikan, ihr Vater ist der Kommandant der Schweizer Garde. Bei ihren Erkundungsgängen durch den Vatikan treffen sie auf den alten kauzigen Prälaten Dienstbier, der Experimente mit Vögeln macht. Er hat Stare einen Chip eingesetzt und läßt so die riesigen Starenschwärme über Rom komische Formationen fliegen. Als ihm sein Apparat gestohlen wird und die Stare Attacken auf berühmte Persönlichkeiten, u.a. auch den Papst fliegen, erwacht bei den Freundinnen der detektivische Spürsinn. Wer hat den Apparat gestohlen und was hat der Dieb damit vor?

Päpste pubsen nicht wird von Smilla erzählt und verbindet wunderbar eine Kinderkrimigeschichte mit einer Stadtführung von Rom und dem Vatikan. Smilla weiß über ziemlich alles ganz genau Bescheid. Das bringt auch den Erwachsenen bei der Lektüre zum schmunzeln.

Hjorth & Rosenfeldt

Sonntag, 20. Januar 2013
4,25 von 5 Punkten, basierend auf 8 Stimmen.

Die Autoren Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt haben mit ihren Romanen “Der Mann, der kein Mörder war” und “Die Frauen, die er kannte” zwei sehr spannende Krimis geschrieben.

Beide handeln von dem Polizeipsychologen Sebastin Bergmann, von dem man als Leser abgestoßen und fasziniert zugleich ist – beruflich einzigartig, menschlich katastrophal.

Dazu kommen das Polizeiteam um Torkel Höglund und zwei spannende Fälle made in Sweden.

Obwohl es sprachlich durchaus bessere Krimis gibt, legt man die Bücher nicht mehr aus der Hand. Die Kombination aus einem symphatischen Team, einem  – sehr milde ausgedrückt – unsymphatischen Polizeipsychologen, zwei gut konstruierten Fällen und dem sehr gelungenen Aufbau von Spannungsbögen ist unwiderstehlich. Hinzu kommt die persönliche Verwicklung eines der Protagonisten, die den Leser noch näher an das Geschehen bringt.

Und das schönste daran: Der zweite Teil war noch besser als der erste, so dass man darauf hoffen kann, es folgen noch weitere Fälle, die das dann nochmal übertreffen!

Manuel Vázquez Montalbán – Carvalho und das Mädchen, das Emmanuelle sein sollte

Montag, 14. Januar 2013
4,82 von 5 Punkten, basierend auf 11 Stimmen.

manuel vazquez montalban gehört für mich zu den besten krimiautoren. er ist in barcelona (eine der schönsten städte der welt) geboren. vazquez montalban war lyriker, romanautor, essayist, kolumnist, gourmet und erfinder des privatdetektivs carvalho. er verstarb leider 2003 auf der rückkehr einer lesereise auf dem flughafen bangkok an einem herzinfarkt.

der inhalt:

Carvalho auf den Spuren einer ermordeten Frau, die beinahe ein Erotikfilmstar geworden wäre.

Eine argentinische Anthropologin engagiert Carvalho, um nach Helga Mushnik, der früheren Geliebten ihres Ex-Manns, zu suchen. Doch noch ehe Carvalho mit seinen Nachforschungen richtig beginnen kann, wird Helga in der Metro tot aufgefunden – ermordet. Dringend tatverdächtig ist ein Obdachloser, mit dem Helga die letzten Jahre in Barcelona zusammengelebt hat.
Dabei hätte doch alles anders und aus Helga eine Filmdiva werden können: Erfolgreich hatte sie sich damals in ihrer Heimat für die Hauptrolle in der argentinischen Version von Emmanuelle beworben; eine Karriere als Erotikfilmsternchen schien ihr so gut wie sicher . . .
Carvalho kämpft in diesem erstmals übersetzten Roman mit den Tücken eines Faxgeräts (da er das Internet boykottiert), schlägt sich mit den Theorien des semiologiebegeisterten Inspektors Lifante herum und scheucht ein paar unverbesserliche Anhänger der argentinischen Militärdiktatur auf.”

Sunil Mann – Uferwechsel

Montag, 17. Dezember 2012
4,80 von 5 Punkten, basierend auf 5 Stimmen.

Cover UferwechselSunil Manns „Uferwechsel“ ist Krimi und Milieuschilderung von hoher Qualität.
Da der Pressefotograf José kein Auto besitzt, fährt ihn sein Freund, der indischstämmige Privatdetektiv Vijay Kumar, zum Fundort einer Leiche in einem Wald bei Zürich. Die Leiche scheint ein aus dem Fahrwerk eines Flugzeugs gefallener Marokkaner zu sein. Nachdem Kumar diese These dem Staatsanwalt Frank R. Tobler vorträgt, erscheint sie wenig später als dessen vorläufiges Ermittlungsergebnis in der Tagespresse.
Kumar kommen bald Zweifel an dieser These. Es gelingt ihm, in der Züricher Drogen- und Stricherszene Freunde und Kunden des Marokkaners zu finden. Ein anonymer Auftraggeber finanziert Kumars Ermittlungen, nicht ohne von ihm im Laufe seiner Ermittlungen enttarnt zu werden. Die Szenenkenntnisse des Auftraggebers fliessen in die weiteren Ermittlungen Kumars ein. Schließlich findet der Privatdetektiv den Täter in dem Umfeld, das für die Aufklärung des Mordes zuständig ist. Und dieser hatte ein Interesse an der Fahrwerksthese, um den Mord zu vertuschen.
Der Autor Sunil Mann ist, wie sein Privatdetektiv, Schweizer mit indischen Wurzeln. Seine Beschreibungen der mit Reisepass alle drei Monate das Land wechselnden Stricher zeigt nicht nur die Probleme von Emigranten, sondern auch, wie die Züricher Bürger mit ihnen umgehen: Arme Ausländer und betuchte Schweizer versuchen voneinander zu profitieren, mit klaren Vorteilen auf Seiten der Reichen.
Mann zeichnet die Lebenswelt im Umfeld des Züricher Bezirks 4 in einem Übergangsstadium der Gentrifizierung und erhellt, was verloren geht, wenn die Bewohner mit niederen Einkommen vertrieben werden. Die Fassaden, hinter denen sich mitunter zweifelhafte Ursachen des eigenen Reichtums cachieren lassen, bestimmen dann ausschließlich den Bezirk 4.

George Pelecanos – Schmutziges Geschäft

Mittwoch, 17. Oktober 2012
4,67 von 5 Punkten, basierend auf 6 Stimmen.
George Pelecanos: Ein schmutziges Geschäft - Ein Detektivroman aus Washington

George Pelecanos: Ein schmutziges Geschäft

George Pelecanos´ Krimis beleuchten das Leben ärmerer Schichten in Washington D.C.
In „schmutziges Geschäft“ (The Cut, 2011) nimmt Privatdetektiv Spero Lucas einen ungewöhnlichen Auftrag an: Er soll für den im Gefängnis sitzenden Dealer Anwan Hawkins herausfinden, wer einige seiner Rauschgiftlieferungen verschwinden ließ. Als sich Lucas´ Ermittlungen auf eine Bande konzentrieren, wird er mit deren Abwehr von Mitwissern konfrontiert. Ein Bandenmitglied, das Lucas ermorden sollte, wird von diesem in Notwehr getötet.
Riccardo Holley ist der Chef der Bande, die sich auf parasitäre Weise am Rauschgifthandel beteiligt und sich Lieferungen aneignet. Für seine Machenschaften nutzt Holley seinen Sohn, Polizist in der Washingtoner Direction 4.
Ebenso wie Richard Price in “Clockers“ (am Beispiel New Yorks), so zeigt auch Pelecanos, wie der Rauschgifthandel beim Verkauf an Süchtige lokale Auseinandersetzungen fördert, bei denen Mord zum Alltag gehört und Polizisten von Dealerbanden profitieren. Wie international auch immer die Vertriebswege im Rauschgifthandel organisiert sind, die letzte Phase auf dem Weg zum Konsumenten bestimmen wieder durchsetzungsfähige Kleinkriminelle.
Als Hawkins´ Bande einen Schüler entführt, der Zeuge bei einer Paketübergabe wurde, riskiert Lucas eine direkte Konfrontation. Pelecanos zeigt hier nicht zum ersten Mal (siehe seine “Washington Trilogie“), dafür aber auf besonders interessante Weise, Kriminalität in Washingtoner Brechung.

Ben Aaronovitch – Schwarzer Mond über Soho

Samstag, 15. September 2012
5,00 von 5 Punkten, basierend auf 3 Stimmen.

Ben Aaronovitch – Schwarzer Mond über Soho. London & Fantasy & Krimi Jazz-Musiker, die unteren mysteriösen Umständen kurz nach dem Auftritt sterben – in “Schwarzer Mond über Soho”  taucht Ben Aaronovitch ganz tief in die Jazz- und Club-Szene Londons ein. Da magische Kreaturen lange leben geht es nicht nur um die Clubs von heute – sondern auch um die Zeit des Swings. Was passiert eigentlich, wenn eine Fliegerbombe im zweiten Weltkrieg einen vollbesetzten Club trifft, in dem die Musiker gerade ihr Konzert des Jahrhunderts geben? Wenn sie auf der Bühne spielen, als gäbe es kein Morgen und das Publikum ganz im nahezu magischen Klang des Jazz aufgeht?

Ben Aaronovitch hat das so seine ganz eigenen Ideen - und erfindet eine magische Kreatur, die ich so noch nicht kannte *wer keinen Hinweis auf die Handlung möchte, jetzt bitte wegschauen* der Jazzvampir *jetzt kann wieder weitergelesen werden*

“Schwarzer Mond über Soho” ist genauso gelungen wie sein Vorgänger “Die Flüsse von London”.  Etwas Fantasy, etwas Krimi,  Humor, noch mehr britischer Humor und ganz viel London – all das zeichnet die Serie aus.

Jakob Arjouni – Bruder Kemal – Kayankayas fünfter Fall

Donnerstag, 13. September 2012
4,71 von 5 Punkten, basierend auf 7 Stimmen.

Arjouni, Kayankayas fünfter Fall : Bruder Kemal Lange hat Jakob Arjounis Detektiv Kayankaya Pause gemacht, nun ist er zurück: “Bruder Kemal – Kayankayas fünfter Fall”  ist da. Zum Glück sind Krimi-Leser treue Seelen – sogar Ex-Krimi-Leserinnen wie ich. Eigentlich reizt mich das Genre nicht mehr. Aber mit Kemal Kayankaya hatte ich so viel Spaß – unvergessen die Szene an der Trinkhalle: “Bist Du Türke?” “Nein, Indianer.” – da wollte ich unbedingt wissen, wie es weitergeht.

53 ist Detektiv Kayankaya jetzt und lebt mit Deborah im Frankfurter Westend in einer schicken Altbauwohnung. Das Rauchen hat er sich abgewöhnt und er trinkt mittlerweile mehr Wein als Bier. Doch sein Humor ist immer noch der Alte und sein Talent, seine Auftraggeber an ihre Grenzen zu bringen, auch. Ihm ist klar, dass er wegen seines anscheinenden Migrationshintergrund für ganz spezielle Fälle engagiert wird und er spielt damit, dass sich niemand traut, genau das auszusprechen. Jakob Arjouni spinnt ein ganz feines ironisches Netz aus  unbewussten Vorurteilen, bildungsbürgerlicher Selbstwahrnehmung und Ansprüchen an politische Korrektheit. Seine Figuren verheddern sich immer tiefer in diesem Netz und es ist ein Vergnügen, sie beim Zappeln zu beobachten.

Ben Aaronovitch: Schwarzer Mond über Soho

Mittwoch, 27. Juni 2012
5,00 von 5 Punkten, basierend auf 7 Stimmen.

Ben Aaronovitch hat mit “Schwarzer Mond über Soho” eine gelungene Fortsetzung um den Magier-Lehrling Peter Grant geschrieben. Gleichzeitg ist das Buch eine Hommage an den Jazz und die großartigen Musiker, die ihn lebten und leben.

Dieses Abenteuer führt den jungen Constable in die Jazzclubs von Soho, in denen auffällig viele Musiker unerwartet zu Tode kommen. Und als wäre das noch nicht genug, muss Peter auch noch ein Wesen jagen das Männer mordet. Dies bringt ihn auf die Spur eines mächtigen dunklen Magiers. Oder hängen die beiden Fälle vielleicht doch zusammen?

Wer Peter Grant aus “Die Flüssen von London” kennt, weiß, dass selbiger von einem Fettnapf in den anderen stolpert, so dass man auch in dieser Geschichte viel schmunzeln muss.

Ein sympathischer Antiheld, eine verrückte Geschichte zwischen Krimi und Fantasy und die Liebe zur Musik machen dieses Buch zu einem lesenswerten Spaß – ironisch, witzig und spannend.

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