es gibt bücher, die gefunden werden wollen. amy waldman, der amerikanische architekt, ist so ein buch.
und nun zum inhalt. zwei jahre nach dem 9/11 findet ein wettbewerb statt. architekten sollen eine gedenkstätte bauen. nun sitzt die jury beisamen und nach vielem hin und her gewinnt ‘der garten’. aber noch weiss kein mitglied, wer der architekt ist. nach dem öffnen des briefumschlages sind die jurymitglieder sprachlos. der gewinner heißt mohammed khan, ein amerikanischer moslem. eine große diskussion beginnt: ‘man kann doch nicht einen moslem ein gedenkstätte für die ‘twintowers’ bauen lassen’.
amy waldman spricht nicht nicht über 9/11, sondern ihr geht es darum zu zeigen wie sich die amerikanische gesellschaft mit dem thema befasst und wie zerrissen die gemüter sind.
es sind verschiedene charaktäre, die sie sprechen lässt: claire, ein jurymitglied, die ihren mann bei den anschlägen verloren hat. sean, dessen bruder ein feuerwehrmann, der bei ausübung seiner arbeit starb. eine journalistin, die eine verfolgungsjagd auf den architekten eröffnet, nur um an eine story zu kommen. ein islamischer verband, der khan für seine machenschaften benutzt. mohammed khan, der sich bis zu diesem zeitpunkt als amerikaner gesehen hat und noch einige mehr.
Mit “In 80 Tagen um die Welt” hat sich der Esslinger Verlag einen der bekanntesten Titel von Jules Verne ins Programm genommen. Der Text wurde neu übersetzt von Arnica Esterl und mit wunderschönen Zeichnungen von Lev Kaplan versehen. Ab 8 Jahre.
Die Geschichte von dem exentrischen Gentleman Phileas Fogg der eine Wette über 20 000 Pfund in seinemLondoner Reformclub abschließt die Erde in 80 Tagen zu umrunden und sein armer Diener Passepartout mitnimmt, verfolgt vom Geheimagenten Fix, dürfte wohl beinahe jeder kennen.
Die Urfassung musste schon zahlreiche Übersetzungen, Veränderungen und Kürzungen über sich ergehen lassen, viele davon nicht unbedingt so gelungen, um so erfreulicher, dass Arnica Esterl mit der Quintessenz des Buches so liebevoll und behutsam umgegangen ist.
Die Bilder von Lev Kaplan sind eine kleine Hommage an das 19. Jahrhundert, strotzen über vor Detailfreude und unterstreichen die tolle Übersetzung und versetzen einen in die damalige Zeit.
Sowohl für juge Leser, wie auch ältere ein perfekter Einstieg in Jules Vernes Schaffen.
Der Bücherfrühling hat nun auch in der Regensburger Hugendubel Filiale Einzug gehalten. Noch einige Stapel an Novitäten gilt es zu bewerten, doch einen ersten Tipp kann ich schon abgeben.
Mario Vargas Llosa nennt Almudena Grandes “eine der besten Schriftstellerinnen unserer Zeit”. Das hat mich neugierig gemacht auf die spanische Autorin.
Der Feind meines Vaters ist im besten Sinn ein Abenteuerroman, der in seiner faszinierenden Sprache und dem fein ausgearbeiteten Plot die turbulente Zeit Spaniens um 1947 beleuchtet. Der kleine Nino lernt den Portugiesen Pepe kennen, der so anders ist als sein Vater, anders als die Welt, die er in seiner andalusischen Familie kennt. Mit ihm als neuen Freund und großes Vorbild begibt er sich auf das Abenteuer des Erwachsenwerdens – seinen eigenen Willen zu entwickeln, seine Sicht auf die Welt zu klären und sein Empfinden den Menschen gegenüber zu schulen.
Mit “Der Mann, der den Regen träumt” legt Ali Shaw einen mehr als würdigen Nachfolger zu “Das Mädchen mit den gläsernen Füßen” nach. Ein wunderschön erzählter All-Age Titel für alle Leser ab 15.
Nach der Trennung von ihrem Freund und dem Tod ihres Vaters verlässt Elsa New York, um in Thunderstown einen Neuanfang zu wagen.
Thunderstown ist ein kleines, überschaubares, ehemalige Minenarbeiterstädtchen, eingekesselt von vier Bergen und dominiert von der übergroßen Sankt Erasmus Kathedrale, zu der alle Straßen führen.
Die Einwohner von Thunderstown haben gegen zwei Plagen zu kämpfen. Die eine sind die alles fressenden Ziegen, die andere das Wetter, zu dem man ein Aberglauben behaftetes Verhältnis hat.
Gleich am ersten Tag wird Elsa Zeugin einer verstörenden Begebenheit. Um ihren Kopf wieder frei zu bekommen, beschließt sie am nächsten Tag in die Berge zu gehen. Dort trifft sie auf Finn, der sich vor ihren Augen plötzlich in Wolken verwandelt. Bevor er sich aber vollkommen aufgelöst hat, gelinbgt es Elsa ihn zu fassen und bittet ihn zu bleiben. Von Anfang an haben beide eine gewisse Anziehungskraft aufeinander, doch Finn beschwört Elsa von ihm fernzubleiben. Was Elsa nicht weiß, Finn trägt ein tiefes Geheimnis in sich, weswegen die Einwohner von Thunderstown nicht gut auf ihn zu sprechen sind.
manuel vazquez montalban gehört für mich zu den besten krimiautoren. er ist in barcelona (eine der schönsten städte der welt) geboren. vazquez montalban war lyriker, romanautor, essayist, kolumnist, gourmet und erfinder des privatdetektivs carvalho. er verstarb leider 2003 auf der rückkehr einer lesereise auf dem flughafen bangkok an einem herzinfarkt.
der inhalt:
“Carvalho auf den Spuren einer ermordeten Frau, die beinahe ein Erotikfilmstar geworden wäre.
Eine argentinische Anthropologin engagiert Carvalho, um nach Helga Mushnik, der früheren Geliebten ihres Ex-Manns, zu suchen. Doch noch ehe Carvalho mit seinen Nachforschungen richtig beginnen kann, wird Helga in der Metro tot aufgefunden – ermordet. Dringend tatverdächtig ist ein Obdachloser, mit dem Helga die letzten Jahre in Barcelona zusammengelebt hat.
Dabei hätte doch alles anders und aus Helga eine Filmdiva werden können: Erfolgreich hatte sie sich damals in ihrer Heimat für die Hauptrolle in der argentinischen Version von Emmanuelle beworben; eine Karriere als Erotikfilmsternchen schien ihr so gut wie sicher . . .
Carvalho kämpft in diesem erstmals übersetzten Roman mit den Tücken eines Faxgeräts (da er das Internet boykottiert), schlägt sich mit den Theorien des semiologiebegeisterten Inspektors Lifante herum und scheucht ein paar unverbesserliche Anhänger der argentinischen Militärdiktatur auf.”
“Das himmlische Kind” von Heinrich Steinfest ist die Geschichte von Miriam, die ihrem kleinen Bruder das Leben rettet, indem sie ihm eine Geschichte erzählt:
Nach dem Tod ihrer Mutter kämpfen die Kinder ums Überleben. Oder vielmehr: Das Mädchen kämpft und lässt ihren Bruder im Glauben, dass die Mutter bald wieder komme. Die beiden sind allein in einem Wald und es ist eiskalter Winter. Elias wird bald krank, stirbt fast, aber Miriam hält ihn tapfer am Leben, indem sie ihm eine Geschichte erzählt. Denn es ist schwer für jemanden, zu sterben, wenn er wissen will, wie es weiter geht.
Da geht es dem Leser ähnlich: Sobald man auf den ersten Seiten gelesen hat, WIE die Mutter stirbt, will man das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
in dem zweiten roman von katharina hagena ‘vom schlafen und verschwinden‘ steht wieder eine familie im mittelpunkt.
ellen feld ist schlafforscherin. sie ist von ihrem eigenen forschungsgegenstand befallen: von schlaflosigkeit. in einer dieser nächte kreisen ihre gedanke um ihr heimatdorf “grund”, eine tragödie, ihre mutter, ihre liebhaber …
in dem buch spricht parallel noch marthe, eine verstörte alte dame, deren sohn lutz vor jahren verschwunden ist. er war ellens erster freund, von dem sie auch noch schwanger wurde.
stück für stück kommen die erinnerungen zusammen. so daß man abschnitt für abschnitt kapiert, worum es geht und wie eng die biografien der beiden frauen verbunden sind. beide singen in dem renaissance-chor von elles vater. diese chorproben bringen gegenwart und vergangenheit zusammen.
eines meiner lieblingsstellen:
“die wörter sind immer schon in anderen wörtern verkapselt. … also nicht allein, dass wir beim sprechen von wörtern andere wörter mit denken, nein, die wörter selbst denken andere wörter mit. zudem ist jedes wort für jeden anders, und so bleibt sprache für immer etwas verstecktes, und niemand weiß, wer sich wem auf welche weise mitteilt.” …
Worum geht es in “Gute Geister” von Kathryn Stockett?
Amerika, Südstaaten, in den 60er Jahren : Martin Luther King hat einen Traum, die Fernbedienung und Farbfernseher halten Einzug im Alltagsleben. Für Schwarze gibt es eigene Supermärkte, die der Weißen dürfen sie nicht betreten. Die unfassbaren Zustände, die hier dargestellt werden! Bei fast allen weißen Familien sind schwarze Hausmädchen beschäftigt, erziehen die Kinder, putzen, bedienen, für geringe Gehälter, mit langen Arbeitszeiten. Und bekommen eigene Toiletten außerhalb der Wohnung – damit sie keine Krankheiten verbreiten!
Erzählt wird aus den verschiedenen Blickwinkeln zweier solcher schwarzen „Hilfen“ und einer jungen Weißen, die nicht gewillt ist, diese Dinge beim alten zu belassen, sondern etwas zu verändern, so entsteht ein vielseitiger Eindruck, eine Mischung aus Sympathie, Witz, Befremdung und Hoffnung.
Ich war völlig in die Handlung versunken und habe alle Charaktere vor mir gesehen. Lange schon habe ich mich nicht so intensiv in eine Geschichte eingelesen. Trotz des ernsten Themas liest es sich amüsant und kurzweilig, auch für anspruchsvolle Leser sehr zufriedenstellend.
Dieser wunderbare Roman ist für alle ein Muß, die seinerzeit „Grüne Tomaten“ von Fanny Flagg geliebt haben! Auch zu Gute Geister gibt es einen Oscar-gekrönten Film, „The Help“.
Seit ich Nagib Machfus’ Bücher lese, will ich nach Kairo fahren – um noch mehr aus seinen Büchern herauslesen zu können, typische Verhaltensweisen seiner Charaktere, ihren Bezug zur Religion, Staat und Politik besser zu verstehen. Und vor allem ihre Verbundenheit zu der Vergangenheit ihrer Familien und zu Kriegen und Revolutionen.
Aber andererseits bin ich mir sicher, dass man von Nagib Machfus mehr über Ägypten erfährt, als man je selber mit eigenen Augen sehen kann.
Und was ich an seinen Büchern so sehr schätze ist auch gar nicht das Politische, sondern wie er das Verhalten und die Gedanken der Menschen, die von ihrer Gesellschaft abhängen, in ihrer Komplexität versteht. Im Innern ungefestigte Personen, die sich nach Liebe, Anerkennung, Familie, einen guten Platz in der Gesellschaft, Individualität und Entfaltung sehnen – wie wir alle. Neue Begegnungen und politische Veränderungen beeinflussen sie stark. Ein junges, schönes Mädchen erweckt bei erwachsenen Männern, die ihr Leben bereits gelebt haben, melancholisch Erinnerungen und Hoffnungen. Hoffnungen auf ein glücklicheres Leben, mit denen alle seine Figuren geprägt sind, die sie bei jeder Gelegenheit auf Mitmenschen übertragen und dadurch die unbedingte Verbesserung ihrer Lebenssituation erwarten.
Die Liebe ist das höchste Gefühl – jenes, das die Probleme vergessen lässt. Dabei wird viel zu schnell Liebe genannt, was eigentlich nur Sehnsucht ist. Ein ganz normales Verhalten.
die brüder mojtaba sadinam, masoud sadinam, milad sadinam erzählen in unerwünscht von einer flucht aus der heimat iran und einem neubeginn.es dauerte neun jahre bis sie eine aufenthaltsgenehmigung bekommen haben. wie sie es geschafft haben, erzählen die brüder in diesem buch.
alles begann 1996 mit der flucht aus teheran. die mutter hatte flugblätter verteilt. sie mussten untertauchen bis eine schlepperbande sie dann nach deutschland brachte. der asylantrag wurde vorerst abgelehnt. sie lebten in verschiedenen asylbewerberunterkünften. eisern setzte sich die mutter durch, die söhne zum lernen zu animieren. sie selber versuchte eine ausbildung zu machen. für alle ist es nicht leicht. denn die widerstände sind gross. aber mit der hilfe einiger menschen schaffen sie es doch. machen ihr abitur mit eins und studieren an elite-universitäten.
diese buch zeigt wie die brüder ihren weg gemacht haben und jeder erzählt aus seiner sicht:
Milad:“ Wir sind den Menschen dankbar, die uns geholfen haben. Als wir im Januar, nach fast 16 Jahren in Deutschland, die Staatsbürgerschaft erhielten, haben wir 20 Karten verschickt, um uns zu bedanken; an Freunde, Sozialarbeiter, Lehrer.”
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