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Hodolitsch Blog

Nanu, wer bloggt denn HIER?

Willkommen, im HodolitschBlog, just zwischen dem BuchBlog und dem Gedicht des Tages. Erwarten darf man BuchBlog-ähnliches: Vielfältig, ohne Einschränkung, Kürzung oder Änderung, über alle Themen.

 

Doch soll es noch ein wenig weiter gehen. Ein Besuch auf der Buchmesse vielleicht. Das (Buch-) Thema des Tages. Ein Autor meldet sich im Interview zu Wort. Und wo ist manchmal der allseitsbekannte (Bücher-) Wurm drin? Fragen über Fragen. Doch das Bücherversum ist so vielfältig, so unendlich, dass auch 100 Blogs nicht ausreichen würden, um seine Vielfalt abzubilden. Aber man darf Fixsterne aufzeigen und Vorschläge machen. So war es schon immer, und wird es immer sein.

 

Wer sich geneigt fühlt zu kommentieren, zu kritisieren und sich zu echauffieren, sei herzlich dazu eingeladen. An einem Tisch mit vier Menschen hat man meist ebensoviele Meinungen. Aber warum auch nicht?

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10.07.2010 - Förster - Alles außer gewöhnlich
Kategorie: Wirtschaft

Sagen wir es doch mal so:

 

Zuweilen ist es nur legitim, sich auf die Knie zu werfen und gleichsam Stoßseufzer, als auch Verzweiflungsschrei in den Himmel zu bellen, ganz zum Schrecken der himmlischen Heerscharen natürlich – aber da müssen die durch.

Der Stoßseufzer gilt dann außergewöhnlichen Bücher – eben wie Alles außer gewöhnlich . Man liest es, weint ein bisschen vor Glück, fühlt sich verstanden und bestätigt, ganz wie im Märchen. Und dann ist dann noch dieser Verzweiflungsschrei, den man zuweilen sich veranlasst sieht gleich hinterherzuschicken, denn ein Blick auf die Landkarte der Realität offenbart ein grobes Missverhältnis zwischen Traum und Wirklichkeit.

Der „gewöhnliche“ Mensch mag zu Recht resignieren, doch eine Unternehmerpersönlichkeit lässt sich auch nicht durch derartige Widrigkeiten abschrecken, seien es auch Unflätigkeiten wie Bürokratie, Schadensersatzprozesse oder die mantraartig widerholten Beteuerungen des Umfeldes:

DAS IST UNMÖGLICH - DAS SCHAFFST DU NIEMALS
NIEMALS NIE UND SOWIESO – NEE
DAS HIER NUR DAMIT HIER DREI SACHEN HIER STEHEN

Nun ist Alles außer gewöhnlich alles andere als ein 0815-Motivationstrainer, der sagt JA, Du kannst es doch! Glaubt man den weisen Worten von Reinhard K. Sprenger (An dieser Stelle möchten Sie bitte innehalten und erst das Gesamtwerk von Herrn Sprenger (außer „Gut aufgestellt “) lesen, um zu verstehen, WARUM dieser Mann so gut ist), dann lässt sich die gesamte Palette der „Ich-erklär-Euch-jetzt-Mal-wie-man-doch-alles-schafft-und-dabei-auch-noch-voll-krass-glücklich-ist-Baby!-Bücher“ ohnehin einstampfen, denn: MOTIVATION ist keine externe Angelegenheit, wie das Schweizer Bankkonto. Weder auslagerbar noch einzukaufen und schon gar nicht unter Vorsteuerabzug .

Entweder man möchte (Gottverdammt JA!), will (Auf jeden Fall!!!) und würde sich wahlweise Finger und Zehen abhacken lassen (ähhh.... vielleicht später...), wenn man nicht dürfte, oder man will nicht und dann bleibt nur die Option des gnadenlosen Einpeitschers, wahlweise Galeerentrommlers, der aber nicht motiviert, sondern nur Angst & Schrecken verbreitet und alles andere aber sicher kein Klima schafft, in dem sich Kreativität und Innovation vermehren wie kleine nett weiße Häschen.

Nun möchten Anja Förster und Peter Kreuz aka Autor 1 und 2, nicht erklären, warum Herr Sprenger Recht hat, sondern sind dankenswerter Weise in einer Position in welcher sie quer durch die Vorstandsetagen großer und mittlerer Unternehmen tingeln, um ganz grundlegende Sachen zu klären, die man selbst frühmorgens zwischen Zähneputzen und Schlipsbinden verstehen kann.

Zum Beispiel, dass sich Mittelmäßigkeit nicht lohnt. Denn mittelmäßig können gut eine Milliarden Chinesen und Inder mindestens genauso gut. Vielleicht sogar noch besser. Und somit tagtäglich auf ewige Benchmarks zu setzen verursacht vor allem nur eines: GLEICHHEIT. Eine entsetzliche Eintönigkeit, in der der Kunde gleichgültig von einem zum anderen Produkt wechselt weil es austauschbar geworden ist. Gewinnen wir der, der sich differenzieren kann, der dem Kunden begreifbar machen kann, dass SEIN Produkt nicht nur besser ist (denn das sollte ein Mindeststandart sein), nein sondern auch noch einen eindeutig zu benennenden Zusatznutzen bietet.

Das funktioniert.

Und nicht nur, wie so oft und gern behauptet nur bei iPad & Co. Nein bis hin zur letzten verdammten Schraube (wenn man eben Schrauben verkauft, deshalb muss man damit nicht aufhören, wenn man das ausgezeichnet kann).

Und sie bieten noch mehr:

Warum der Erfolg von gestern der Feind von heute ist.
Innovation ist MEHR als neue Produkte
Neue Märkte schaffen ist lukrativer als alte auszureizen
Firmen brauchen Guerilla-Kämpfer statt Soldaten

Warum ein Großteil der im deutschen Land verteilten Unternehmen für Neueinsteiger allerdings eher Brechreiz als den verzweifelten Wunsch erwecken doch bitte, bitte dazugehören zu dürfen, liegt mitunter einfach daran, dass man sich von Außen die Attraktivität einer Betonbastion gibt, hinter die man erst gucken darf, wenn man eingestellt ist. Großunternehmen sind zumindest in der Lage sich durch intensive Marketingaktivitäten großflächig zu präsentieren – auch wenn festzuhalten bleibt, dass auch HIER Wahn & Wirklichkeit zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Aber man gibt sich wenigstens Mühe alle heilige Zeit in den Universitäten aufzutauchen und die Einser-Studenten mit schalem Orangensaft und kaltem Kaffee zu ködern.

Da bliebe für den Mittelstand noch das BESTE übrig. Die NICHT-EINSER-KANDIDATEN. Niemand glaubt doch mehr ernsthaft ein volles Punktekonto sei auch nur irgendein Beweis für Bildung... oder etwa doch... OH MEIN GOTT. Dann darf man Ihnen hier ein Geheimnis verraten:

NÖ!

Unser gesamtes Bildungssystem ist zu kaum mehr ausgelegt als alles GLEICHER und VERGLEICHBARER zu machen. Und ein volles Punktekonto hat nichts mit herausragenden Fähigkeiten zu tun. Sie können ein erstklassiger BWL-Student werden. Dazu müssen Sie nur ihr Mathebuch auswendig lernen, integrieren & ableiten und schon sind Sie der Chef. ABER: Wollen wir das? BWL Studenten, die uns errechnen, wie wir mit unserem Kunden umgehen sollen? Der uns sagt, dass eben dieser eigentlich gar nicht bei uns einkaufen dürfte, weil wir 1,5 Cent teurer sind, als die Konkurrenz? Der demnächst versucht Ihre Belegschaft abzuleiten und den Human Resources Einsatz zu optimieren, indem der dem Vorarbeiter erzählt sein Work-Flow wäre nicht so optimal?

WOLLEN WIR DAS WIRKLICH?

Wer auch nur zweikommafünf Gehirnzellen zwischen den Ohren hat, wird sagen NEIN, das wollen wir nicht. Und zwar genau deshalb weil ein kreatives, innovatives und bis in die Haarspitzen motiviertes Umfeld ganz sicher nicht in der drögen verwaltenden Atmosphäre der Betriebswirtschaft entsteht. Die größten Unternehmer unserer Zeit wussten nicht einmal was eine Deckungsbeitragsrechnung ist, geschweige denn dass man sich intensiv mit der Balanced Scorecard auseinandersetze, das kommt früh genug, wenn das Unternehmen groß genug ist, aber FAKT IST DOCH:

Diese Menschen haben Unternehmen gegründet, weil sie davon überzeugt waren dass die Menschen Ihre Produkte und Dienstleistungen WOLLEN. Jede Umfrage der GFK hätte zum gegenteiligen Ergebnis geführt, aber WARUM? Weil nun einmal beizeiten Dinge erfunden werden, von dem die Menschen gar nicht WISSEN, dass sie eben diese wollen. Aktuellstes Beispiel: Der Tablet-PC . Wie lange versucht Microsoft schon das Ding einzuführen? Da muss erst Steve Jobs kommen und das Ding ein bisschen peppiger machen und schon übernachten die Leute vor den Apple-Stores. (Niemand verlangt, dass die Menschen nächste Woche dank Ihrer perfiden Marketing-Strategie vor dem nächsten Eisenwarenladen übernachten um sich das neuste Modell der hochgelobten Sechskantschraube zu kaufen...)

...und ach ja: Wenn Ihnen Innovation vollkommen egal ist, Ihre Kunden trotzdem bei Ihnen kaufen, weil Sie nun einal der billigste sind und Ihre Mitarbeiter trotz Murren und Meckern immern noch den Karren durch den Dreck ziehen, dann genießen Sie diesen Zustand solange Sie können. Denn ob Sie wollen oder nicht, die jetzt allmählich in den Arbeitsmarkt eintretende Generation der 80er (Generation Y) interessiert sich sehr wohl dafür was Sie tun. Wenn Sie es nicht schaffen diesen neuen Wissensarbeitern eine klare MOTIVATION statt dröger Boni in Aussicht zu setzen, sind Sie schneller vom Markt als man zuweilen Donaudampfschifffahrtskapitänsmütze sagen kann. Gottseidank...

Bevor man sich nun das nächste dröge Buch zum Thema INNOVATION & Co. kauft, sollte man lieber in alles außer gewöhnlich gucken. Das Ding hat nicht zu unrecht den Wirtschaftsbuchpreis 2007 bekommen.

Selten sein Günter Faltins Kopf schlägt Kapital einen so guten Titel gelesen!!!

Anja Förster, Peter Kreuz - Alles, außer gewöhnlich
Verfasst von Georg HodolitschKommentare lesen (1)
10.07.2010 um 05:39 UhrKommentar schreiben
 
30.06.2010 - Jörn Klare - Was bin ich wert?
Kategorie: Aktuell

Aber selbstverständlich haben Sie einen Wert!

 

Es ist doch nur folgerichtig, dass, wenn der schlaue BWL´er schon in der Lage ist zu berechnen, dass es unmöglich zu einer Immobilien-, Finanz- oder Weltwirtschaftskrise kommen kann, auch der Mensch einen Wert braucht, an dem er sich messen lässt, Unternehmen ihr Humankapital bewerten können und Kolateralschäden besser abzurechnen sind.

Sie empfinden das als unethisch?

Diesbezüglich kann man Ihnen nur raten, eben dasselbe zu tun, was man Kritikern der Globalisierung gerne sagt: Rufen Sie an, und beschweren Sie sich.

Keine Frage – das Thema ist eigentlich tabu. Der Mensch – die Krone der Schöpfung – ist natürlich unbezahlbar. Theoretisch. Bleibt zu erklären, warum man ohne weiteres ein afrikanisches Kind kaufen und eine indische Niere erwerben kann... wenn der Mensch so unbezahlbar ist. Netterweise hat sich Jörg Klare mit dem Thema auseinandergesetzt und diskutiert auf 265 netten Seiten, warum die WÜRDE des Menschen DOCH antastbar ist, und der Mensch letzten Endes doch auch nur eine Ware unter Milliarden bliebt – wenn es sich lohnt. Und das tut es in den meisten Fällen.

Zur seriösen Wertermittlung bedient er sich nicht nur seines eigenen kant´schen Verstandes , nein er fragt so ziemlich jeden den er kennt oder den er für kompetent erachtet: Einen Pfarrer, seine Frau nebst Sohn und die Mutter, einen megaschlauen BWL´er , einige dazu kompatiblen VWL´er , noch dazu den damals amtierenden Bundespräsidenten Horst Köhler (der leider nicht antwortet). Nebenbei lauscht er den Kriterien eines Gesundheitsökonoms, ruft bei der Versicherung an, lässt es sich aus Sicht Gunther von Hagens den Wert eines Menschen erklären und zieht Marketingspezialisten, Humankapitalisten, Samenbankbesitzer und die Bundesanstalt für Straßenwesen zu Rat um endlich zu wissen:

WAS bin ich wert?

Nebenbei errechnet man ihm seine rein chemische Zusammensetzung lt. Apotheke (1022,43 EUR), ein inhaftierter Mörder darf was sagen und nicht zu vergessen ein Politiker , Philosoph und ein Freund aus Indien, der die Schwarzmarktpreise für Menschenhandel in Erfahrung bringt.

Die Antworten könnten kaum unterschiedlicher sein und dementsprechend schwankt der WERT eines Menschen zwischen ein paar Hundert Euro und gut drei Millionen. Der Schlaue nimmt die drei Millionen.

Wenn Sie gerne nachrechnen möchten, was Sie aus Sicht Ihres Arbeitgebers wert sind, ist die Saarbrücker Formel zu empfehlen. Es steht Ihnen damit frei sich in eine Summe konvertieren zu lassen... das funktioniert in etwa so:

Man nehme das Vollzeitäquivalent, multipliziere es mit den üblichen Einkaufspreisen auf dem freien Arbeitsmarkt für Personal, korrigiere das Ergebnis mit dem Faktor aus Wissensrelevanzzeit / Betriebszugehörigkeit, addiere eben dieses wiederrum mit den Kosten für Personalentwicklung und korrigiere das Ergebnis mit einem Faktor, der aus qualitativen Kriterien, wie Motivation der Mitarbeiter besteht.

Viel Erfolg. Und JA, selbstverständlich haben Sie einen Wert! Fragt sich nur für wen.

Jörn Klare - Was bin ich wert?
Verfasst von Georg Hodolitsch
30.06.2010 um 10:08 UhrKommentar schreiben
 
25.06.2010 - Dieses Mal ist alles anders...
Kategorie: Wirtschaft

...sagte der Banker und sprang vom Dach

 

Die Hülle und Fülle der verlegten Titel zum Thema Subrime-, Immobilien-, Finanz-, und Wirtschaftskrise sprengt ohne Zweifel jeden vernünftigen Rahmen. Jeder der nur irgendwie kann, möchte auch gerne mal... was dazu sagen. Auch wenn man in einer Demokratie seine Meinung sagen DARF. Aber nicht MUSS. Viele scheinen dennoch von letzterem auszugehen.

Inzwischen fragt man sich ganz natürlich, was man wohl gerade tat, als Lehman Brothers in die Knie ging und die Krise eine nicht gerade vorteilhafte Wendung nahm. Nun ist es also am interessieren Leser sich durch eine kaum zu ertragende Menge verschiedentlicher Titel zu manövrieren und den üblichen Bullshit von Lesbarem zu unterscheiden. Nicht allzu einfach. Ein paar äußerst Lesbare und sehr Solide:

Robert ShillerDie Subrime Lösung
George A. AkerlofAnimal Spirits
Nouriel Roubini - Das Ende der Weltwirtschaft und Ihre Zukunft
Hans-Werner SinnKasino-Kapitalismus
Carmen M. Reinhart , Kenneth S. Rogoff - Beim nächsten Mal ist alles anders

Letzterer hier sezierter, verdient besondere Aufmerksamkeit, ist er doch der einzige, der weit in die Vergangenheit reist und nicht nur vermeintliche Fehler in der Clinton-Ära entdeckt, sondern sogar 800 Jahre in die Vergangenheit reist um Parallelen zu früheren Krisen aufzutun. So zeigt sich schnell: Dieses Mal ist überhaupt nichts anders. Nur neigen führende Wirtschaftsweise immer gerne zu behaupten, dass es sich mit den neuen Finanzinstrumenten und innovativen Produkten jedwedes Risiko fast völlig ausschließen lässt. Aber „Gesund-Rechnen“ lässt sich bekanntlich alles. Dass aber das Risiko per noch so komplizierter Formel diversifiziert und nett verpackt immer noch ein Risiko bleibt, hört man in Finanzkr(e)isen natürlich nur allzu ungern.

Gegeben hat es trotzdem schon alles, insofern ist die Beim nächsten Mal wird alles anders Mentalität ausschließlich lächerlich. Subrime-, Immobilien-, Finanz-, und Wirtschaftskrise in allen Facetten, Formen, Farben und zu jedweder Jahreszeit. Tulpen, Eisenbahnen, Schiffe alles war längst schon einmal Gegenstand finanzieller Desaster und wenn man heute von einer Krise noch nie bekannten Ausmaßes, aber vor allem davon spricht, dass die Krise UNMÖGLICH zu erkennen war, ignoriert man nicht nur den Lauf der gesamten Finanzgeschichte sondern lügt sich auch noch selbst ins Täschchen.

Denn, obgleich sämtliche Indikatoren längst leuchtend Rot davor warnten, dass hier etwas aus dem Ruder läuft hielten es weder Staat, Zentralbanken noch Rating Agenturen für notwendig dem entgegenzusteuern. Das Ergebnis dieses gemütlichen Zurücklehnens oder Versagens lässt sich tagtäglich in der Zeitung bewundern: Eine globale Krise. Dafür herzlichen Dank an alle Beteiligten.

Dieses Buch ist nichts für Anfänger.

Das hat nichts damit zu tun, dass man dem eifrigen und interessierten Leser nicht zutraut mit der Materie zurechtzukommen, doch gilt es nun einmal sich erst durch gut 100 Seiten Erklärungen hinsichtlich der empirischen Arbeitsweise zu wühlen, ehe man zum Kern der Sache kommt, und wer noch nie etwas von gewichteten Mittelwerten und grundsätzlichen Annahmen der ökonomischen Gesetzmäßigkeiten gehört hat, oder abseits eines Grundverständnisses der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung lebt, der muss kein schlechter Mensch sein.

Aber er wird sich nicht sonderlich gut zu Recht finden. Das macht aber nichts. Es gibt ausreichend Bücher, die es dem Laien, dem Interessierten und dem Profi erklären. Hier fühlt sich der Eingearbeitete aber sicherlich wohler.

Was beizeiten ein wenig stört ist das beständige Erklären, man werde nun etwas Erklären. Es einfach zu tun, ohne beständig zwei bis dreifach und zum schier unendlichsten Mal darauf hinzuweisen wäre der Kurzweiligkeit sehr viel zuträglicher gewesen. Schließlich darf der geneigte Leser ja prinzipiell ja davon ausgehen, dass etwas erläutert wird. Zumindest sieht das Buch so aus.

Sicherlich eines der fundiertesten Titel, dessen Erfassen aber auch am meisten Aufmerksamkeit und Vorwissen benötigt. Was wunderbar ist. 0815-Literatur von mäkelnden Managern, mega-schlauen VWL´ern und Vorstand XY gibt es schon zuhauf.

In diesem Sinne: Danke an Carmen M. Reinhart und Kenneth S. Rogoff für ein wenig mehr Mühe!

Carmen M. Reinhart, Kenneth S. Rogoff - Dieses Mal ist alles anders
Verfasst von Georg Hodolitsch
25.06.2010 um 14:28 UhrKommentar schreiben
 
19.06.2010 - Bewerben ist Werben
Kategorie: Wirtschaft

Zur gähnenden langeweile verschiedentlicher Bewerbungsschreiben

 

Das täglich Brot eines Personalverantwortlichen ist mitunter jenseits von bekömmlich und nahrhaft.

Zu Tausenden landen sie auf seinem Schreibtisch, füllen ganze Aktenschränke und müssen mithilfe der Deutschen Post wieder an die Entsender zurückgeschickt werden: Die Bewerbungen . Doch abseits dieser physischen Flut aus Papier und Karton versehen mit Druckerschwärze, Hochglanzfotos und diversen Bestätigungsschreiben verschiedentlicher Firmen ist auch der Blick hinein in diese Wunderwerke der zuweilen Selbstbeweihräucherung hin und wieder Grund genug sich an den Kopf zu fassen oder in Tränen auszubrechen.

Außen vor bleibt alles, was der Form nicht entspricht: Anschreiben mit mehr Rechtschreibfehler als Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitänsmützen-garderobenhaken an Buchstaben hat, ebenso all jene die vorformatierten Standartanschreiben, die wie Spam in die ganze Welt verschickt werden, mit der bangen Hoffnung irgendjemand sei dumm genug zu glauben man habe sich Mühe gegeben.

Nein – grausam grässlich sind ebenso jene auf Hochglanz polierten, leblos-sterilen Mappen der Sorte Hesse&Schrader , gleichsam Püttjer&Schnierda . Alle gleich, kein Unterschied, Individualität ist fehl am Platze, was zählt ist die bedingungslose Perfektion , Klaus Werle spricht sogar schon von der Generation Hesse-Schrader-Lebenslauf : Durchoptimiert und nutzenmaximiert mit einem Abitur das nur so glänzt, einem Studium das fast schon schlicht „durchexerziert“ ist, statt erlebt, eine immer gleiche Ansammlung aus drei bis vier Millionen Praktika, Empfehlungsschreiben um dem immer und immer und immer den selben Anschreiben, Lebensläufen und Qualifikationsprofilen.

Diesbezüglich wäre es einfacher aus der grauen Masse der 0815 Bewerbungen einfach per Zufallsprinzip die notwendigen zukünftigen Mitarbeiter auszuwählen (Entspricht in der Stochastik „Ziehen ohne zurücklegen ohne Berücksichtigung der Reihenfolge“. Unter 49 Bewerbern werden 6 Glückliche ausgewählt, somit ist die Anzahl der Kombinationen: 6 aus 49 --> 49! / (43! * 6!) = 13.983.816 mögliche Kombinationen. Auf den nicht ganz so unalltäglichen Fall des Lotto angewandt: Nur eine einzige dieser Kombinationen ist ein Sechser. Och!)

Also: Warum eigentlich auch mal NICHT auf die altbewährte (ist sie das wirklich???) Tradition der fadenscheinlich optimierten Hesse & Schraders zurückgreifen? Weil auch Personaler nur Menschen sind. Und nach Einhundertfünfundzwanzigkommafünfdreiviereins (selbst noch so perfekten, aber leider fast vollkommen identischen) Bewerbermappen, möchte selbst der übelste Bürokrat einmal etwas anderes sehn. Vielleicht keine Mappe in rosa Plüsch. Aber vielleicht ein Anschreiben, dass sich anders anhört als

„ Sehr geehrter Herr X, mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige, in der Sie einen Key-Account Manager für Hugendubel suchen, in der Süddeutschen Zeitung gelesen, und möchte mich hiermit bewerben“ Etwa 97 von 100 Anschreiben fangen GENAUSO an... und es bleibt nichts anderes übrig als zu denken: „Oh Gott schon wieder so ein graumäusiger Mensch, der aus einem schlechten Bewerbungsbuch, so nen Larifari-Brief abgeschrieben hat. DASS der Personaler inseriert hat, weiß er ziemlich gut selbst. Und dass er einen Key-Account Manager sucht sicher ebenso. Und dass sie sich bewerben wollen kann er sich anhand der ihm vorliegenden Bewerbung womöglich auch schon denken. Warum sollte man eben diese sonst eingeschickt haben?????

Fakt ist: Bewerben ist werben. Wer gesehen werden will braucht mehr als die Fähigkeit vorgefertigte Anschreiben abzutippen. Er muss seine USP (Unique Selling Proposition – sein Alleinstellungsmerkmal) herausstellen. Und DAS klappt sicher nicht über den 0815-Weg. Wer nur ein bisschen mutig ist und sich nicht beim sterbenserzkonservativen Steuerberater Peter Müller persönlich bewirbt, darf mehr als einen Blick in das Büchlein werfen. Mit mehr Amüsement, Aufmerksamkeit und Interesse wird man noch nie einen Bewerbungsratgeber gelesen haben. Wobei das Wort viel zu altbacken ist.

Schon eher: Eine bessere Anleitung zur interessanten, wenngleich nicht übertriebenen oder gar gelogenen Darstellung seiner Selbst wird man nicht finden. Hand drauf. Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte. Ich würde ihn gern nochmal lesen.

Christoph Kühnhanss - BeWerben ist Werben
Verfasst von Georg Hodolitsch
19.06.2010 um 08:41 UhrKommentar schreiben
 
09.06.2010 - Das Ende der Weltwirtschaft
Kategorie: Wirtschaft

...und ihre Zukunft

 

Recht zweifelhaft ist sie, die Ehre, sich seinen Gesprächspartnern ausschließlich mit „Dr. Doom “ vorstellen zu müssen.

Wer will schon hinsichtlich einer derart gigantischen Krise Recht behalten? Natürlich mag es eine persönliche Genugtuung sein, wenn die Voraussagen fast bis zum i-Tüpfelchen eintreten, und nun auch die Kapitalismusüberzeugtesten endlich (zumindest in Teilen) zugeben müssen, dass da wohl etwas nicht ganz rund lief, wobei man in gewissen Kreisen immer noch vom Funktionieren gewisser Finanzsysteme überzeugt ist, die maßgeblich dazu beigetragen haben, dass sich die Weltwirtschaft in einer beispielslosen Krise befindet.

Die Ehre des Herrn Roubini ist somit das übliche zweischneidige Schwert, dennoch darf man die Gelegenheit nutzen seine Verdienste zu würdigen und sehr froh darüber sein, dass es noch Menschen mit ausreichend Verstand zwischen den Ohren gibt, die entgegen der Masse dummer Schafe nicht Lemmingsgleich auf den Abgrund zusteuern. Weil es heißt, diesen gibt es gar nicht, oder das Risiko sei berechnend klein. Die rauchenden Bruchstücke einer ganzen Finanzindustrie die mittlerweile zerschlagen auf dem Grund dieser Schlucht liegt, sollten jedweden Akteur eines besseren belehren.

Und doch ist man an mancher Stelle noch nach wie vor davon überzeugt, dass Krisen eine Erscheinung eines antiquierten Kapitalismus seien, den es in unserer modernen Zeit längst nicht mehr gibt und sich Risiken nach wie vor mit den Grundkenntnissen einer Statistik I Vorlesung im Grundstudium berechnen lassen.

Das klingt verlockend und ist auf den ersten Blick auch richtig:

Man nehme eine beliebige Anlage und stelle sich das Ausfallrisiko in %, und Wert in Euro vor: Mit 45 % Wahrscheinlichkeit wird sie 100 Euro wert sein, mit 50 % NULL Euro und mit weiteren 5 % 10.000 Euro. Das ergibt einen Erwartungswert von:

0,45 x 100 + 0,5 x 0 + 0,05 x 10.000 = 545 Euro

Will heißen: „Erwartet“ wird ein mittlerer Wert von 543 Euro, obwohl in 50 % aller Fälle die Auszahlung gleich NULL ist. Hier kennt man sowohl Risiken und Auszahlungen. Damit lässt es sich arrangieren. Doch das ist ein absolut konstruierter, in der Welt der Finanzmärkte , nicht vorkommender Fall. In der „richtigen“ Welt kennt man oftmals weder Risiken, deren Anzahl und verschiedenen Ausprägungen, noch Auszahlungen oder weiß man welches Papier sich in der Anlage überhaupt befindet. Die Gleichung sähe, dann etwa wie folgt aus:

Eintrittswahrscheinlichkeit „Zustand 1“ x Auszahlung „Zustand 1“ + Eintrittswahrscheinlichkeit „Zustand 2“ x Auszahlung „Zustand 2“ + ... + Eintrittswahrscheinlichkeit „Zustand z“ x Auszahlung „Zustand z“ = ?????

Daraus einen konkreten Wert zu berechnen dürfte selbst gestandene Risikomanager überfordern. Roubini hat diesbezüglich einen schönen Vergleich zum Russisch Roulette gezogen:

Wer in die Waffe eine Patrone legt erwischt bei sechs Patronen je Trommel mit der Wahrscheinlichkeit von 1/6 die Kugel. Das ist ein Risiko, dass sich unproblematisch errechnen lässt. Ob das „Glück / Pech“ das genauso sieht darf man offen lassen. Die absurden Wertpapierkonstellationen gleichen aber eher einer Waffe die man von einem Fremden zugesteckt bekommt und sich ohne nachzusehen an den Kopf hält. Hier ist alles möglich. Von keiner Kugel bis zu einer vollen Trommel. Wer kann da schon nein sagen? Offensichtlich keiner. Das erklärt warum die Schrottpapiere Banken auf der ganzen Welt um die Ohren geflogen sind. Sie ihr Geld fast genauso gut in Grundstücken auf dem Mars anlegen sollen...

Doch nun ist die Krise da und man bemüht sich um Erklärungen. Von einfach bis hochkomplex, selbst der BWL oder VWL Student im ersten Semester soll verstehen was da genau schief gelaufen ist. Nur leider bedient man sich in der Regel einiger weniger, fast willkürlich herausgegriffener Elemente, welcher der wahren Dimension der Krise und ihrer Ursachen nur derart unzureichend abbilden wie das Bild von Sauerstoff einem Erstickenden kaum Zusatznutzen stiftet.

Einige aus der Fülle der gut 400 Seiten herausgegriffene Argumente, die Roubini ausführlich beschreibt:

---------- Der unter Betriebswirten recht gut bekannte „Moral Hazard “ (sittliche Gefährdung), sowie das „Prinzipal-Agent-Prinzip “ inklusive der „Asymmetrischen Information“. Zusammengefasst: Der eine kann nicht zu 100 % kontrollieren, was der anderer tut („Prinzipal-Agent-Prinzip “), weiß womöglich hinsichtlich der tagtäglichen Arbeit seines Mitarbeiters nicht so gut Bescheid („Asymetrische Information“, was womöglich Ersteren (den „Agent“) dazu verleitet sich ungehörig und sittlich gefährdend zu benehmen („Moral Hazard “), weil er weiß, dass die unangenehmen Folgen (negative externen Effekte) nicht er (allein) zu tragen hat, sondern das Unternehmen, oder noch besser Staat oder Steuerzahler.

Das funktioniert besonders „gut“ in riesigen Finanzunternehmen, wo es den Managern allein schon aufgrund der Komplexität der Materie und der Masse der „Agents“ nicht einfach gemacht wird über die gleiche Information zu verfügen und so eventuelles „Fehlverhalten“ (Ein Hohn angesichts von Milliardenverlusten) frühzeitig zu unterbinden, einmal abgesehen von der Tatsache, dass das zu jener zeit sowieso niemand wollte, weil man es fast stillschweigend in kauf nahm, solange die Gewinne weiter sprudelten.

---------- Eine Revolution am Finanzmarkt hinsichtlich neuer, aber vor allem komplexer Produkte, die eine Bewertung hinsichtlich des Risikos, Ausfallsicherheit & Co. mit den herkömmlichen Bewertungsmaßstäben kaum zuließen, da man keinerlei Erfahrung damit hatte und auch gar nicht so richtig hinsehen wollte, denn das ganze System schien ja irgendwie zu funktionieren. Irgendwie. Oder irgendwie auch nicht. Diesbezüglich gab es weder ein allgemeingültiges System, nachdem, gebündelt, geteilt und verpackt wurde, dementsprechend konnte in den Giftpapieransammlungen alles drin sein. Und genau das war es auch.

---------- Die nach wie vor zweifelhafte Rolle der drei großen Rating-Agenturen , die sich recht gut dafür bezahlen ließen hochtoxischen Papieren einen AAA-Stempel aufzudrücken um ja auch wieder in den Genuss des nächsten Auftrags zu kommen. Denn akut bezahlen diejenigen welche Wertpapiere ausgeben die Ratingagenturen dafür, dass sie diese Papiere bewerten. Das führt fast zwangsläufig in einen Interessenskonflikt: Bewerten die Agenturen eine Anlage schlecht, so können die Finanzinstitute einfach zur nächsten Agentur wandern und auf ein besseres Ergebnis hoffen.

Fakt ist: Wer positiver bewertet, bekommt mehr Aufträge. Das ist nicht im Sinne des Erbauers, noch Betrachters und trotzdem Kriterium für Anlagen in Billionenhöhe. Denn die Ratingagenturen, allen voran die großen drei aka Standard & Poor's, Moody's und Fitch bewerten nicht nur kleine emittierte Wertpapier, sondern die Bonität ganzer Volkswirtschaften. Da erscheint die Überlegung, dass derlei wichtige Entscheidungen doch bitte nicht schon im Vorhinein unter der Präambel der Interessenskonflikte und faktischen Beeinflussbarkeit getroffen werden sollten.

---------- Eine Volkswirtschaft in Form der USA, die nicht nur in Punkto Eigenheim über ihre Verhältnisse lebte, sondern selbiges in allen Bereichen ihres Lebens als „American Way of Life“ großzügig zelebrierte: Das Schulden machen, Leben auf Pump, und noch konkreter: Über jegliche, vernünftige Verhältnisse. Doch hinzu kommt, dass man im selben Satz gleich noch über die grässlichen Sparer schimpft, die in Ländern wie China und Deutschland sitzen und einfach nicht genug Geld ausgeben wollen, sondern es lieber ihrer Bank anvertrauen (die es dann verzockt... aber das ist ein anderes Thema), statt sich in München einem „American Way of Life“ zu erkaufen. Auf Pump. Was sich America gar nicht wirklich hätte wünschen können. Denn wer hätte dann ihre Schrott-Anleihen gekauft?

Schimpfen darf man schon. Allerdings in eine andere Richtung: Denn hätten all die europäischen oder asiatischen Länder nicht derart fleißig und BLIND in die Ramschpapier der amerikanischen Volkswirtschaft investiert, hätte die Spekulationsblase niemals derart umfangreich werden können. Aber wer bisweilen, so wie die Landesbanken, mit dem Geld der Steuerzahler zockt und sich auf (schon damals) fragwürdige Ratings stützt, blind kauft ohne auch nur ansatzweise darüber nachzudenken, was sich denn womöglich hinter den kryptischen Bezeichnungen der Giftpapiere verbirgt, bei eben diesen muss man sich schon fragen, was eigentlich der Aufsichtsrat in dieser zeit getan hat, außer sich vertreten zu lassen und gleichgültig im Sessel zu hocken. Womöglich wird genau das jetzt einigen wohlbekannten bayerischen Politikern zum Verhängnis. Schön wärs schon.

---------- Das Entstehen der „Schattenbanken“, die im Gegensatz zu „gewöhnlichen“ Banken nicht derartig unter der Aufsicht des jeweiligen Staates standen und somit bei z.B. Eigenkapital oder Risiken wesentlich risikoreicher agieren konnten. Obgleich das auch die „normalen“ Banken kaum davon abgehalten hat fleißig mitzuzocken und sich ausreichend Schrottpapiere in die Bilanzen zu setzen. Dennoch hat die amerikanische Regierung in ihrem Bestreben die Finanzmärkte nach der Krise zu stützen zwar Lehman Brothers Bankrott gehen lassen, aber ausreichend andere Institute gestützt, die keinerlei Rechte auf staatliche Hilfe gehabt hätten.

---------- Die Rolle der Politik (in den USA), die sukzessive fast alle nach der Weltwirtschaftskrise 1929 eingeführten Beschränkungen und Auflagen für Banken wieder aufhob um einer neuen Generation von Zockern genügend Freiraum einzuräumen. Zu nennen ist hier insbesondere der „Glass-Steagall-Act“, der die strikte Trennung von Geschäftsbanken und Investmentbanken vorschreibt und beispielsweise verhindert hätte, dass Banken auf den Verfall von gerade eben an Kunden verkauften Wertpapieren gewettet haben. Diesbezüglich kann man den entsprechenden Befürwortern einer lascheren Reglementierung nur gratulieren: Es hat geradezu (bis auf den Steuerzahler) durchschlagend geklappt.

---------- Die Zinspolitik & der Greenspan-Put: Eben diese geht in die gleiche Richtung wie das Problem des Moral Hazards. Seit der Intervention Greenspans auf den Finanzmärkten in den 90er Jahren konnte man sich in Aktionärskreisen fast sicher sein, dass es im Falle einer erneuten Finanzkrise mit stark fallenden Aktienkursen in letzter Instanz zu einer rettenden bis kursstützenden Intervention des Staates kommen würde. Will heißen: Egal was passiert – am Schluss springt der Staat ein, um schlimmeres zu verhindern. Das ist an sich korrekt. Vorab die Rechnung zu bezahlen, ehe es zu einer massiven Depression kommt mag BILLIGER sein, aber es forciert vor allem das ohnehin schon risikofreudige Verhalten der Akteure, weil diese sich darauf verlassen, dass im Zweifel der Staat einspringt. So nicht nur in den USA geschehen.

---------- Too big to fail: „Wenn einer stirbt, dann sterben alle“. Das Problem, das so mancher Finanzriese derartig groß geworden ist und mit derart vielen Milliarden handelt, dass im Falle einer Pleite sämtliche Institute der Finanzwelt mit in den Abgrund gerissen werden. Gerade weil eine moderne Volkswirtschaft im Gefüge des weltweiten Handels mit allen anderen Akteuren des Finanzmarktes so eng verzahnt ist, hat eine Pleite eines sehr großen Unternehmens (evtl. sogar Staates) ohne Frage massive Auswirkungen auf die anderen Marktteilnehmer. Doch wenn eine Institution um ihren Too big to fail – Status weiß, hat sie allen Grund stark risikofreudig zu agieren, denn: Im Zweifel muss die Regierung einspringen, weil sich der Exitus des Unternehmens nicht auf seine Grenzen beschränkt, sondern fatale Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft haben kann (oder auch sicher wird).

---------- Der Lobbyismus der Finanzbranche: Kaum eine Branche hat derart viel Geld und macht zur Verfügung um ihre Interessen – entgegen den Interessen von Staat und Gesellschaft - durchzusetzen wie die Finanzbranche. Politiker und Wirtschaftsbosse tauschen munter die Plätze, wo der eine Vorsitzender eines staatlichen Gremiums wird, taucht der andere plötzlich im Aufsichtsrat auf. Dass es da zu Interessenskonflikten kommt ist kaum auszuschließen. Gerade deshalb erfreut sich die Finanzbranche der laxesten Regeln überhaupt und gerade deshalb hat der Lobbyismus der Branche ganz gewaltig mit Schuld am Debakel der Finanzmärkte .


Fazit:

Ohne Frage kann man die Immobilien-, Finanz- und mittlerweile auch Schuldenkrise weder einer einzigen Person, noch Personengruppe noch Begebenheit gänzlich in die Schuhe schieben, doch hat jede für sich ausreichend Unsinn betrieben um alles andere als unschuldig aus der Wäsche gucken zu dürfen. Natürlich ist es auch eine Sache HINTERHER zu erklären, was eigentlich falsch gelaufen ist, eine Methode, die unter Volkswirtschaftlern nur leider gang und gäbe ist, abgesehen von wenigen. Roubini hat sich in diesem Sinne nicht nur verdient gemacht indem er schon Jahre vorher die unseriöse Geldpolitik von Wirtschaft und Staat angeprangert hat, sondern auch Lösungen anbietet, die das Finanzsystem zwar womöglich nicht zu einem Gehege weichgespülter Idealisten und engelsgleicher Wohltäter macht, aber in wichtigen Punkten Regelungen vorsieht um falsche Anreize von Grund auf zu vermeiden.

- Große Konzerne zerschlagen. Was sich wie eine Forderung der Linken anhört lässt sich mit soliden Argumenten untermauern. Im Laufe der Geschichte sind ausreichend große Unternehmen zerschlagen worden, und eben diese werden sich auch heute dem Argument stellen müssen, ob denn diese „Effizienzvorteile“ die als mit wichtigstes Kriterium für das Bestehen von Institutionen dieser Größe genannt werden die Schattenseiten aufwiegen: Ein womöglich fataler Crash des gesamten Systems, verbunden mit der Tatsache, dass man sich der eigenen Größe wohlbewusst ist und dies zum verantwortungslosen handeln animiert. S.o.

- Den Einfluss der Ratingagenturen beschneiden UND verändern. Will heißen: Es muss mehr Wettbewerb geben, als zwischen den drei Quasi-Monopolisten. Es sollte NICHT derjenige bezahlen, der die Papiere ausgibt, sondern die Investoren gesammelt in einen Pool, von welchem aus die Rating-Agenturen bezahlt werden. UND: Es sollte BESTIMMT werden, welche Agenturen, welche Wertpapier bewerten, somit ist ausgeschlossen, dass man sich mit den Ratings zu unterbieten versucht um an den nächsten lukrativen Auftrag zu kommen. UND: Ratingagenturen müssen "Beratungsleistungen" verboten werden. Denn bisher boten die Agenturen geradezu offensiv an, beratend zur Seite zu stehen um sicherzugehen, dass ein verbrieftes Papier genau über die Eigenschaften verfügt, die Ratingagenturen dazu "verführt" ein besseres Rating zu vergeben. Die Agenuren sollten das machen, wofür sie geschaffen sind: Bewerten. Und nicht beraten.

- Es muss eine modifizierte Form des „Glass-Steagall-Act“ geben, der verhindert, dass sich eine Bank in den unterschiedlichen Interessen ihrer zu verschiedenen Geschäftsfelder verheddert. Im gleichen Zuge muss festgelegt werden welche Banken tatsächlich ein Anrecht auf staatliche Unterstützung im Krisenfall haben, und welche Bankrott gehen können.

- Der Handel mit verschiedenen, komplexen und wirtschaftlich-gefährdenden Papieren muss für gewisse Akteure verboten sein. Die Haus- und Hofbank kann unmöglich mit gutem Gewissen auf den Verfall von ihren Kunden gehaltenen Finanzprodukten wetten oder in fragwürdige Hypothekenpfandbriefe investieren.

- Die Verbriefung verschiedentlicher Kredite muss transparenter, stärker kontrolliert, vereinheitlicht und mit korrekten und nachvollziehbaren Gütesiegeln & Risikoklassen versehen werden. Der Anleger muss sehen können, was er da kauft. Hohe Risikoklassen dürfen durchaus dabei sein. Solange man erkennt, dass eben dieses verbriefte Papier ein extrem hohes Risiko hat. Dann wird sich zeigen ob die Anleger bereit sind in dieses zu investieren. Wenn nicht – verschwindet es ohnehin vom Markt.

- Der Lobbyismus muss eingeschränkt werden. Denkbar ist ein Verbot bis zu 5 oder 10 Jahre nach Ausscheiden aus der jeweiligen Situation. Das mag hart klingen, aber ist schlicht eine der wenigen Möglichkeiten Interessenskonflikten vorzubeugen, die im Missbrauchsfall Milliarden kosten.

- Und zu guter letzt: Schon Tausendfach gefordert, fast unendlich oft widerholt, aber dennoch muss de Vergütung von Bankern und Händlern so geregelt werden, dass sie sich mit den Interessen von Aktionären decken. Andernfalls spekulieren sie gegen ihre Kunden. Und das war und ist nicht Sinn der Sache.

Knapp 2400 Zeichen später ist noch lange nicht genug über die Finanzkrise , ihre Ursachen und Folgen gesagt. Aber Roubini schafft auf gut 400 Seiten einen erstklassigen Überblick. Lesen, lesen, lesen. Ob Laie oder prominenter Volkswirtschaftler . Lernen kann man von solchen Leuten immer.

Nouriel Roubini, Stephen Mihm - Das Ende der Weltwirtschaft und ihre Zukunft
Verfasst von Georg Hodolitsch
09.06.2010 um 11:23 UhrKommentar schreiben
 
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