| "So beeil Er sich doch!“
..., würde einen Goethe ungeduldig heißen, Kleist mit in den Taschen vergrabenen Händen danebenstehen und nicken. Von Tieck käme ebenso ein Wort der Zustimmung und selbst Schlegel würde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wüsste er, dass man den neuen Löhr noch nicht in den Fingern hatte.
Zu Recht, wenn man fragt, denn was der Freiherr und seine Kumpanen zwischen Fronten, Frauen und Franzosen erleben, ist ohne Frage ein weiteres mal Stoff genug JEDEN wachen Geist zu erfreuen, dazu muss man weder die Iphigenie leiden können noch Romantiker der alten Schule sein. Schon eher ein Freund eines Dichter-Denker-Degen-Romans und hin und wieder bewandert in der deutschen Geschichte. Aber auch ohne Kenntnisse der Landesgrenzen anno dazumal, als Goethe noch auf Erden wanderte, wird man seine blanke Freude haben, die Dichter & Denker sind wieder auf großer Reise!
Ein Brief von Kleist , der darin um Hülfe bittet, ruft die Gefährten auf den Plan, und man macht sich auf den Weg den rauen Recken aus den Kerkern zu befreien, mit recht wenig freilich, aber unter dem Deckmantel einer Schauspielgesellschaft mitsamt einer Gräfin und einer Schauspielerdame im Gepäck. Was folgt, hätte selbst Goethe nicht in stürmischsten Drängertagen zu träumen gewagt: Quer durchs Land vom Bodensee in Richtung in Richtung Preußen , ein Kleinod im Gepäck für das so mancher Teutscher sein Leben geben würde: Die tausendjährige Reichskrone. Somit nur eine Frage der Zeit bis die Gefährten Gott und die Welt auf den Fersen haben, denn das Interesse daran scheint jeglichen Manne ins Blut gegangen zu sein:
Napoleon , der sich damit zum Kaiser über das gesamtdeutsche Reich krönen will, die Bayern (mit eben dem Franzosenkaiser verbündet) um dem Korsen eine Freude zu machen, die Österreicher, weil man annimmt die Krone sei in Wien sicher und natürlich jedweder goldgierige Schmied, der die Krone schlicht einschmelzen und damit ein Vermögen generieren würde. Die Aufgabe unerkannt zu bleiben scheint somit unlösbar und bisweilen steht alles auf der Kante und droht abzustürzen. Doch wären es nicht die größten Dichter und Denker überhaupt, wenn man sich nicht zu helfen wüsst, sei es dass es notwendig wird schauspielerisch zu improvisieren um mitten in einem Heereslager nicht von Soldaten enttarnt zu werden oder Meisterleistungen in Flucht und Kampf zu zeigen um den Häschern zu entkommen, die von allen Seiten herandrängen.
Doch keine Flucht währt ewig und als man dem Kaiser der Franzosen Höchstselbst gegenüber im heimatlichen Gärtchen gegenübersteht, scheint jedwede Flucht ausgeschlossen, die Krone verloren und das Reich eines weiteren Schatzes beraubt. Oder etwa nicht? Diesbezüglich hat Löhr einen Spannungsbogen mitsamt höchst erstaunlichem Ende erdacht, der wahrlich ein grandioser Schachzug ist – keinen Deut weniger. Was hingegen die „restlichen“ Seiten angeht, so muss man tadeln, selbst einer wie Goethe ist kein Garant für unablässig Spannung.
Zwar knüpft Löhr nahtlos an Das Erlkönig-Manöver an, aber wo sich in diesem letztgenannten Goethe , Friedrich Schiller , Achim von Arnim , Bettine Brentano sowie Heinrich von Kleist und Alexander von Humboldt munter balgen, so ist der Spaß und das Amüsement im Hamlet -Komplott weit in den Hintergrund gerückt und das beständige von hier nach dort und immer weiter hat beizeiten den üblen Nachgeschmack einer durch und durch chaotischen Reise – einem Hamlet -Kompott ähnlicher als man vielleicht möchte.
Raten kann man zur Lektüre dennoch in jedem aller Fälle, einen derartigen Klüngel hochwohlgeborener Deutscher durch das gespaltene Deutschland reisen zu sehen, mit nichts als zwei alten Kleppern du einem alten Karren der des Abends zur Bühne wird und Hamlet auf eine urteutsche Art gegeben wird... wo sieht man derartiges schon sonst?
Robert Löhr - Das Hamlet-Komplott | |