Hugendubel.de - Das Lesen ist schön

Warenkorb

€ 0,00 0 Buch dabei,
portofrei

Essays VI. Fassungen I

Essays VI. 2. , Aufl.
Buch (gebunden)
Vom »Lob der Vokale« über tagebuchartige »Federbälle« und »Philemon und Baucis« bis hin zu »Epigrammen« und »Mantras« reicht Jüngers essayistischer Bogen. Oft bildet eine konkrete Beoba... weiterlesen
Buch

45,00*

inkl. MwSt.
Portofrei
Sofort lieferbar
Essays VI. Fassungen I als Buch
Produktdetails
Titel: Essays VI. Fassungen I
Autor/en: Ernst Jünger

ISBN: 3608934820
EAN: 9783608934823
Essays VI.
2. , Aufl.
Klett-Cotta Verlag

August 2004 - gebunden - 550 Seiten

Beschreibung

Vom »Lob der Vokale« über tagebuchartige »Federbälle« und »Philemon und Baucis« bis hin zu »Epigrammen« und »Mantras« reicht Jüngers essayistischer Bogen. Oft bildet eine konkrete Beobachtung den Ausgangspunkt einer Reflexion, und so spiegelt sich im scheinbar Nebensächlichen das Hauptsächliche. Oder Jünger belässt es - wie in den »Federbällen« - auch bei heiter-humoristischen Anekdoten, in denen sich gleichwohl nicht weniger etwa das menschliche Wesen spiegelt.
Der Band enthält: »Lob der Vokale«, »Sprache und Körperbau«, »Das Sanduhrbuch«, »November«, »Dezember«, »Sardische Heimat«, »Der Baum«, »Steine«, »Federbälle«, »Philemon und Baucis«, »Rund um den Sinai«, »Epigramme« und »Mantrana«.

Inhaltsverzeichnis

Zweite Abteilung Essays VI:
Lob der Vokale - Sprache und Körperbau - Das Sanduhrbuch - November - Dezember - Sardische Heimat - Der Baum - Steine - Federbälle - Philemon und Baucis - Rund um den Sinai - Epigramme - Mantrana.

Portrait

Ernst Jünger, geb. in Heidelberg am 29. 3. 1895, war Soldat in der Fremdenlegion, dann in der Reichswehr und der Wehrmacht. Er ist der Bruder von Friedrich G. Jünger. Seine Schriften 'In Stahlgewittern' (Tageb., 1920), 'Der Kampf als inneres Erlebnis' (Essay, 1922) und 'Feuer und Blut' (En., 1925) gelten als Verherrlichung von Soldatentum und Krieg. Später Schriften gegen Gewalt und Macht. Jüngers Teilzeitideologien sind bis heute ebenso umstritten wie seine literarischen Werke.

Leseprobe

Lob der Vokale

1
Wenn man diese Laute zunächst mit den Konsonanten vergleicht, so fällt das zartere und vergänglichere Leben auf, das ihnen innewohnt.
In diesem Sinne bilden sie das eigentliche Fleisch der Worte und Sprachen, während durch die Konsonanten das festere Knochengerüst verkörpert wird. Daher werden auch durch die Veränderungen der Sprache, durch ihr Wachstum, ihre Wanderungen und ihren Verfall, die Vokale am ersten und leichtesten berührt. Sie wittern wie der flüchtige Lebensstoff am schnellsten aus dem Körper der Sprache heraus, während der härtere Panzer der Konsonanten oft durch Jahrhunderte hindurch und selbst über den mannigfaltigen Wechsel der Rassen, Völker und Sprachen hinweg seinen Zusammenhang bewahrt.
Der Konsonant zeichnet sich also im Hinblick auf die Angriffe der Zeit durch größere Beständigkeit und Zuverlässigkeit aus. In den semitischen Sprachen wird er als Träger der Grundbedeutung des Wortes behandelt, die der Vokal lediglich schattiert. Entsprechend werden in den Schriften die Vokale häufig durch untergeordnete Zeichen ausgedrückt. Ohne Zweifel steht diese Tatsache mit dem Geiste eigentlicher Gesetzesvölker im tieferen Zusammenhang - mit einem Geist, wie er sich in der Unverbrüchlichkeit der Überlieferung, der Verwendung steinerner Urkunden und der dienenden Rolle der Frau offenbart.
Wir führten dieses letzte Kennzeichen an in Hinsicht auf den schönen Satz Jacob Grimms, daß offenbar den Vokalen insgesamt ein weiblicher, den Konsonanten insgesamt ein männlicher Grund beigelegt werden muß.

2
Der Vokal stellt also den vergänglicheren Stoff des Wortes dar. In ihm ruht die Farbe. Während durch den Konsonanten die Zeichnung gegeben ist.
Nun wissen wir aber, daß das Vergängliche mit ganz verschiedenen Blicken betrachtet werden kann, denn es gleicht den alten Idolen. die den Leib eines Tieres mit dem Gesicht eines Dämons vereinigen. Auf der einen Seite ragt es in die Zeit und wird unaufhörlich von
ihr zerstört. auf der anderen schießt gerade in das Vergängliche das eigentliche Leben ein, das zugleich einmalig und ewig ist.
Dieses Verhältnis wird uns deutlich. wenn das Gedächtnis das Bild entschwundener Tage zurückzurufen sucht. Nicht die großen und gesetzlichen Gefüge bieten sich ihm als Handhabe an. sondern das Leben strömt in Farben, Klängen und Gerüchen wieder ein. So erinnern wir uns leichter an die Blumen, die gerade blühten, als an den Kalendertag. Merkwürdig ist auch, daß dergleichen uns zufliegen muß und daß keine Anstrengung des Willens es erzwingt.
Gilt dies aber nicht für die Laute überhaupt, und warum soll gerade der flüchtige Vokal ein besonderer Schlüssel zu den Herzkammern des Lebens sein? Das näher zu verdeutlichen, wollen wir uns mit einer weiteren Eigentümlichkeit der Vokale beschäftigen. Bei der Betrachtung von Wörtern werden wir entdecken, daß im Vokal die allgemeine, oder besser: die ungesonderte, im Konsonanten dagegen die besondere Bedeutung zum Anklang kommt. Im Vokal ruht die Einheit der Konsonant trägt das Mannigfaltige hinzu. Entsprechend werden alle besonderen Umstände, wie etwa die Eigenart der Stoffe und Bewegungen, durch Konsonanten sinnfällig gemacht. Greifen wir, um ein Beispiel zu nennen, das W heraus, das in unserer Sprache merkwürdige Beziehungen zum Wasser und darüber hinaus zum Gleichgewicht besitzt. So findet es sich in allen Gedichten, in denen das Spiel des Wassers zum Ausdruck kommt Das Wasser rauscht, das Wasser schwoll, beginnt die Ballade vom Fischer, in der der Wassergeist unübertrefflich zur Darstellung gelangt. Das W tritt in zahllosen Wörtern auf, denen eine nähere oder fernere Verwandtschaft zur Bewegung, sei es des Wassers, sei es der Waage, innewohnt, so in Welle, Woge, Wirbel, Quelle, Qualle, Quecksilber, schwanken, schwellen, wallen, wackeln, Wendel, wenden, Wiege, Gewicht, Wendel, wen,den, Wiege, Gewicht, wricken, Wechsel, weben, Wette, Wandel. Wahl. Ebenso fällt die Rolle auf, die das W in uns
eren Fragewörtern spielt - also in solchen Wörtern. in denen zu einer Wahl oder zu einer Erwägung aufgefordert wird. Ein Umstand wird durch der und denn begründet. durch wer und wenn in Frage gestellt Eine ruhende Spitze bezeichnen wir als Gipfel, während wir die bewegte als Wipfel ansprechen.
Ähnliche Beziehungen trifft man bei fast allen Konsonanten. die man geradezu nach den vier Elementen der Alten gruppieren kann. So ist das H ein Luftzeichen, wie das W ein Wasserzeichen ist Hamann, der sich auf Buchstaben verstand, spricht es in seinem wunderbaren Schriftchen Neue Apologie des Buchstaben H als das Symbol und den Hauch des Geistes an.
Die Konsonanten dürfen wir also als Zeichen betrachten, in denen der besondere Umstand. die Art und Weise, kurzum das Veränderliche, zum Ausdruck kommt. Diese Tatsache ist um so merkwürdiger, als doch der flüchtige und vergängliche Stoff des Wortes gerade durch die Vokale gebildet wird. Sie folgt jedoch einem allgemeinen Gesetz, denn auch das Auge modert eher als die Kapsel, die es umschließt. und doch fallen uns durch die Physiognomik tiefere Aufschlüsse über den eigentlichen Menschen als durch die Schädellehre zu.


Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch

Tragen Sie Ihre E-Mail- Adresse ein, und bleiben Sie kostenlos informiert:
Biologie heute 1. Schülerband. Nordrhein-Westfalen
Buch (gebunden)
Das Lied von Eis und Feuer 04. Die Saat des goldenen Löwen
Taschenbuch
von George R. R. …
Rohrvortrieb
Buch (kartoniert)
von Hermann Schad…
Zahlenaufbau bis 1000 in kleinen Schritten
Buch
von Ellen Müller

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Das Alphabet
Buch (gebunden)
von Hugo Kastner
Vokale Performancekunst als feministische Praxis
Buch (kartoniert)
von Marie-Anne Ko…
Die Hauptprobleme der indogermanischen Lautlehre seit Schleicher
Buch (gebunden)
von Friedrich Bec…
Der Jahrhundertsturm
- 23% **
eBook
von Richard Dübel…
Print-Ausgabe € 12,99
Feindbild Islam
Buch (kartoniert)
von Jürgen Todenh…
Servicehotline
089 - 70 80 99 47

Mo. - Fr. 8.00 - 20.00 Uhr
Sa. 10.00 - 20.00 Uhr
Filialhotline
089 - 30 75 75 75

Mo. - Sa. 9.00 - 20.00 Uhr
Bleiben Sie in Kontakt:
Sicher & bequem bezahlen:
akzeptierte Zahlungsarten: Überweisung, offene Rechnung,
Visa, Master Card, American Express, Paypal
Zustellung durch:
* Alle Preise verstehen sich inkl. der gesetzlichen MwSt. Informationen über den Versand und anfallende Versandkosten finden Sie hier.
** im Vergleich zum dargestellten Vergleichspreis.