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Siebzig verweht III

Buch (gebunden)
Im Tagebuch gibt sich der Autor von Tag zu Tag und, insofern er, wie Jünger das tut, seine Träume als wesentliche autobiographische Elemente einbezieht, von Nacht zu Nacht Rechenschaft; er läßt den Leser an seiner Entwicklung tei... weiterlesen
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Produktdetails
Titel: Siebzig verweht III
Autor/en: Ernst Jünger

ISBN: 3608931945
EAN: 9783608931945
Klett-Cotta Verlag

September 1993 - gebunden - 594 Seiten

Beschreibung

Im Tagebuch gibt sich der Autor von Tag zu Tag und, insofern er, wie Jünger das tut, seine Träume als wesentliche autobiographische Elemente einbezieht, von Nacht zu Nacht Rechenschaft; er läßt den Leser an seiner Entwicklung teilnehmen. Notiert werden Begegnungen mit Menschen, Büchern und Bildern, mit Tieren, Pflanzen und Landschaften. Oft werden diese Begegnungen lediglich in einem kurzen Aphorismus fixiert, oft setzen sie auch Ketten von Reflexionen und Assoziationen in Bewegung, die bei aller thematischen Vielfalt auf überraschende Weise stets von neuem konvergieren.
Es entsteht eine teils soghafte Sprache aus der für Jünger so charakteristischen Mischung aus Tagebuchnotaten, Briefen, Reflexionen und Kommentaren. Dieser Band umfasst dabei die Tagebücher der Jahre 1981 bis 1985.

Portrait

Ernst Jünger, geb. in Heidelberg am 29. 3. 1895, war Soldat in der Fremdenlegion, dann in der Reichswehr und der Wehrmacht. Er ist der Bruder von Friedrich G. Jünger. Seine Schriften 'In Stahlgewittern' (Tageb., 1920), 'Der Kampf als inneres Erlebnis' (Essay, 1922) und 'Feuer und Blut' (En., 1925) gelten als Verherrlichung von Soldatentum und Krieg. Später Schriften gegen Gewalt und Macht. Jüngers Teilzeitideologien sind bis heute ebenso umstritten wie seine literarischen Werke.

Leseprobe

Siebzig verweht III

Wilflingen, 1. Januar 1981
Blick aus dem oberen Fenster: das Land zeigt dunkle Konturen, wie oft, wenn es auf den Schnee geregnet hat.
Vor einigen Tagen hatten wir starken Nebel, den die Sonne nicht zu durchdringen vermochte, doch lösten sich ihre Strahlen zu einem rosigen Schimmer auf. Vielleicht hat es auf unserem oder anderen Planeten diese Stimmung im Großen gegeben: Helios kündigt sich durch Morgenröte an. Er wird, noch nicht gesehen, durch Jahrhunderte geahnt.
*
Ein neues Jahr beginnt. Persönlich könnte ich mit dem vergangenen zufrieden sein, indes beschattet der Mißstand der Welt und insbesondere des eigenen, zerrissenen Landes Tag und Nacht das Gemüt. Es ist ein Nachteil der historischen Erziehung, daß die Bindung nicht gelöst werden kann. Man irrt noch, wie Hannibal nach Zama, eine Zeitlang in der Fremde umher.
Der Wert des Menschen sinkt ständig; man darf sich nicht an die großen Worte halten, die billiger denn je geworden sind, sondern muß die Realitäten sehen. Zu ihnen zählt die Geiselnahme; von Banditen werden Millionen, von Staaten Milliarden als Kopfgeld verlangt. Der materielle Wert des Menschen wird maßlos übertrieben, das Geheimnis seiner Tugend nicht mehr gesehen.
Sodann die ungeheure und kurzlebige Verblendung der Massen - in diesen Tagen wieder am großen Vorsitzenden Mao dokumentiert. Das Prachtgewand des noch vor kurzem Vergöttlichten blättert wie Rauschgold ab.
*
Wunderlich berührt mich immer noch, daß man nach einst sagenhaften Orten, etwa nach Singapur, nicht nur telefonieren, sondern sogar durchwählen kann. Ich führte das erste Gespräch des Jahres dorthin mit Wolfram Dufner, den wir im Februar besuchen wollen, und erfuhr, daß soeben große Falter um das Schwimmbecken flatterten. Ich hoffe auf ein Wiedersehen auch mit den Mangrovesümpfen - die Stimmung dort, der Übergang von einem Element zum anderen, ähnelt unserer Weltlage.
*
Das erste Kalenderblatt zeigt das Porträt des e
nglischen Poeten Davison, gemalt von Louise Breslau (1856-1927). Die Namen beider Künstler fand ich nicht in meiner Handbibliothek - trotzdem wundert es mich, daß ein so bedeutendes Werk mir bislang entgangen ist.
Der Impressionismus eignet sich besonders für das Porträt - vielleicht wäre hinzuzufügen: soweit es unserer Auffassung von der Person entspricht. Es genügt allerdings nicht, den Impressionismus zwischen dem Naturalismus und dem Expressionismus anzusiedeln - etwa zwischen Leibl und Beckmann; er gibt eine Stimmung, die sich im Wandel der Zeit wiederholt.
*
Über den Jahreswechsel hinweg beschäftigt mich Gregor von Nyssa mit seiner Erklärung der Auferstehung als der Rückkehr in die vollkommene Natur. Dem entspricht die ungemein kühne Ansicht des Origines, daß die Schöpfung nur ein Niederschlag aus dem Vollkommenen sei, Beide Meinungen fordern einander geradezu heraus.
In dieser Hinsicht läßt sich auch das Kunstwerk als Niederschlag bezeichnen: der Künstler erinnert sich im Tiefsten einer Vollkommenheit, die er nie erreicht.
Was ist die Rolle der Götter dabei? Vielleicht die von Türöffnern. Doch wenn ihr Äon endet, betreten sie als Letzte den Palast. Die Gebete verhallen an der Mauer; sie wirken nicht mehr.

Ludwigsburg, 3. Januar 1981
Zur Tagung der Südwestdeutschen Entomologen, wie alljährlich um diese Zeit.
Unterwegs im Radio Nachrichten. Dabei eine der jedem Autofahrer bekannten Störungen: der Ton fällt unter Brücken und Leitungen aus, oder er wird korrumpiert. Daß wir uns in einem Geflecht von Strahlungen bewegen, von dem wir nur einen Faden oder das wir überhaupt nicht wahrnehmen, wird uns erst durch ein solches Manko bewußt.
Wir dürfen wohl auch vermuten, daß diese Differenzen erheblich auf unser Befinden einwirken, ähnlich wie der Luftdruck bei Föhn. Doch fehlt uns ein spezielles Organ für elektrische Einflüsse, wie sie uns für das Licht oder den Schall gegeben sind. Die Natur hat darauf verzichtet wie vermutlich
auf andere Möglichkeiten auch - etwa die unmittelbare Wahrnehmung der Kernstrahlung.
Daß die Elektrizität in den organischen Haushalt eingegliedert werden könnte, deutet sich in Geschöpfen wie den Rochen und den Zitteraalen an. Fähigkeiten, die wir erst spät durch Apparate entwickelt haben, würden uns auf natürliche Weise zu eigen sein. Ein großer Teil der Nachrichtentechnik wäre überflüssig - und davon abgesehen, ließe sich an ein kollektives Gehirn denken, also an eine völlig andere Welt.
*
Bei den Entomologen wurde eine Rote Liste verteilt - ein Verzeichnis von Tieren, die unter Naturschutz gestellt worden sind. Das scheint löblich, wenn man nicht näher hinsieht, ist aber im Grunde lächerlich. Als ich in Wilfingen einzog, fand ich Massen von Insekten, die dort inzwischen ausgestorben sind. Allein die Obstbäume auf den Wiesen werden an siebzehn Mal gespritzt. Ich präparierte damals zwei oder drei Exemplare und sicherte damit den Arten wenigstens die museale Existenz.

Pressestimmen

»Die Sammlung von Aufzeichnungen und Zeugnissen, Erinnerungen und Briefen ist ein literarisches Dokument von beachtlichem Rang, eine Schatzkammer von Entwürfen und Analysen unserer Zeit, gerade dadurch eine spannende und anregende Lektüre.«
Saarländischer Rundfunk
»Die sorgfältigen Aufzeichnungen Jüngers atmen die Freiheit seines Geistes ...«
Focus

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