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Und Marx stand still in Darwins Garten

Roman.
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England, 1881. Zwei bedeutende Männer leben nur wenige Meilen voneinander entfernt: Charles Darwin in einem Pfarrhaus in Kent und Karl Marx mitten in London. Beide haben mit ihren Werken, der eine zur Evolution, der andere zur Revolution, die We... weiterlesen
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Produktdetails
Titel: Und Marx stand still in Darwins Garten
Autor/en: Ilona Jerger

ISBN: 3550081898
EAN: 9783550081897
Roman.
Ullstein Verlag GmbH

11. August 2017 - gebunden - 288 Seiten

Beschreibung

England, 1881. Zwei bedeutende Männer leben nur wenige Meilen voneinander entfernt: Charles Darwin in einem Pfarrhaus in Kent und Karl Marx mitten in London. Beide haben mit ihren Werken, der eine zur Evolution, der andere zur Revolution, die Welt für immer verändert. Beide wissen es und sind stolz darauf. Und doch sind sie schlaflos und melancholisch. Darwin hat den Schöpfer abgeschafft, fühlt sich missverstanden und forscht inzwischen still am Regenwurm. Marx grollt der Welt, wartet ungeduldig auf ein mutiges Proletariat, das den Kapitalismus hinwegfegt, verzettelt sich beim Schreiben und kommt über Band 1 des 'Kapitals' nicht hinaus. Eines Abends begegnen sich die beiden bei einem Dinner zum ersten Mal. Schnell kreist ihre Diskussion um Gott und Gerechtigkeit - doch unausweichlich kommt es zum Streit, und der Abend endet in einem Eklat. Dennoch haben der großbürgerliche Naturforscher und der ewig klamme Revolutionär mehr gemeinsam, als sie sich eingestehen wollen.

In ihrem wunderbaren Roman verbindet Ilona Jerger Fabulierlust mit wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Erkenntnissen, die den Weltenlauf maßgeblich beeinflusst haben. Ein warmherziges und humorvolles Porträt zweier großer Männer, deren Disput zeitgemäßer nicht sein könnte.


Portrait

Ilona Jerger ist am Bodensee aufgewachsen und studierte Germanistik und Politologie in Freiburg. Von 2001 bis 2011 war sie Chefredakteurin der Zeitschrift "natur" in München. Seither arbeitet sie als freie Journalistin. Als Sachbuchautorin hat sie bei C.H. Beck und Rowohlt veröffentlicht. Und Marx stand still in Darwins Garten ist ihr erster Roman.

Pressestimmen

Der liebenswerteste Beitrag zum Jubiläum ist mit diesem fiktiven Gipfeltreffen bereits geschrieben worden., Brigitte, Meike Schnitzler, 08.11.2017

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Bewertungen unserer Kunden
Eine Begegnung, die nie stattgefunden hat
von Lea - 17.08.2017
"Und Marx stand still in Darwins Garten", hat mir ganz gut gefallen. Es ist nicht spannend oder sonderlich mitreißend. Der Reiz der Geschichte liegt in einer Begegnung, die nie stattgefunden hat. Wer kennt die beiden Namen nicht? Charles Darwin und Karl Marx, Evolution und Revolution, Naturforscher und Politikforscher. Tatsächlich haben die beiden in London gar nicht so weit von einander entfernt gelebt, aber trotzdem haben sie sich nie getroffen. Aber was wäre, wenn sich die beiden getroffen hätten? Dieser Frage geht Ilona Jerger in ihrem Roman nach und skizziert die letzten Lebensabschnitte zweier Männer, die großes für die Geschichte der Menschheit geleistet hat. Mit einfachen Szenen aus dem Leben von Darwin und Marx, deren letzte Tage beide von Krankheiten gezeichnet sind, lässt sie diese beiden Menschen ein Stück weit lebendig werden. Aufgrund guter Recherchearbeit gelingt ihr das auch gut, man kann sich sehr gut vorstellen, dass Darwin und Marx so gelebt und agiert haben. In dem Buch geht es vor allem nach der Frage der Überzeugungen im Leben und die Frage nach Gott. Charles Darwin steht etwas mehr im Mittelpunkt als Karl Marx, deswegen erlebt man die Geschichte mehr mit ihm als mit dem oft mürrischem Marx. Darwin ist für mich besser dargestellt als Marx. Trotzdem war es interessant bei beiden Persönlichkeiten näher in ihr Leben hinein zu schnuppern. Der Schreibstil hat mir ganz gut gefallen, er ist nicht zu schwer und auch die Ausflüge in die Fachliteratur von Marx und Darwin werden in einfacher Weise widergegeben und erklärt, sodass es keine Verständnisprobleme gibt. Im Großen und Ganzen finde ich das Buch eine ganz nette Lektüre, auch wenn sie mich jetzt nicht richtig begeistert oder mitgerissen hat, aber es war mal etwas anderes. Deswegen gebe ich drei Sterne. Für alle, die über die Gottesfrage weiterlesen und spekulieren wollen empfehle ich "Das Einstein Enigma" von J.R. Dos Santos.
Sachlich gut , menschlich kalt
von marpije - 29.07.2017
Charles Darwin und Karl Marx haben in London sehr nah von sich gewohnt, aber die zwei große Denker haben sich nicht gekannt, in diesen Buch ist anders, durch ein Arzt, Dr. Becket die beide treffen sich. Die Geschichte beschreibt das Leben von den zwei wenn die schon alt sind und mit vielen Krankheiten geplagt , die sind manchmal müde und ausgelaugt aber immer noch neugierig, durch der Arzt Darwin erfährt viel über Marx und Marx über Darwin , Dr. Becket ist wie eine lebendige Telefon, was der eine sagt widerholt er bei den anderen. Aus der Text kommt mir vor, Max und Darwin haben viel gemeinsames, aber der Gespräch zwischen den beiden zeigt deutlich die Meinungsunterschieden . Die Geschichte ist flüssig geschrieben, in kurzen, aber klaren Sätzen mit viel Dialog beschreibt die Autorin viel sachliches wie zum Beispiel die Szenen wenn Darwin mit den Regenwürmer experimentiert , aber auch sie geht in ganz andere Richtung - philosophisches - die lange Gespräche über Gott geben diesen Buch ein tiefgründiges Hintergrund und geben mir auch viel zum nachdenken. Die Stimmung ist nicht hell, aber auch nicht dunkel, hier ist gewisse Traurigkeit spürbar und das ganze ist mit die leiden von die beiden sehr betrübt , die Lektüre dadurch war für mich schwer und bedrückend. Ilona Jerger hat gutes sachliches  Buch geschrieben aber als Roman werde ich das nicht bezeichnen, mir fehlen  die Wärme, die Emotionen und die Gefühle, ich werde das Buch weiterempfehlen für Leser welche Interesse am Sachbücher haben.
beeindruckend
von mistellor - 23.07.2017
Marx trifft Darwin, das Thema hat mich neugierig gemacht. Beide Personen zählen sicher zu bedeutendsten Männer des 19. Jahrhunderts und sind an sich schon sehr spannende Gestalten. Die Autorin Ilona Jerger hat ein sehr gut recherchiertes Buch geschrieben. Um das Leben der beiden alten Männer hat sie dann eine fantastische Geschichte gewoben, bei der sich der Leser gut vorstellen, dass sie sich so zugetragen haben könnte. Den Kontakt zwischen den beiden Protagonisten vermittelt deren Hausarzt, den Jerger erfunden hat. Neben den fiktiven Gestalten Marx und Darwin ist er eine der interessantesten Figuren im Roman. Selbst ein sehr neugieriger Mensch, klug und interessiert an neuen Erkenntnissen der damaligen Naturwissenschaften, wendet er schon zur damaligen Zeit Prinzipien der heutig geltende Medizin an - so wie Gesprächspsychologie, Homöopathie, Naturheilkunde etc. Die Darstellung von Darwin als einer der Hauptprotagonisten, ist sehr originell und sympathisch. Ich glaube, die Autorin mochte ihn sehr, da sie ihn auch mit ausgeprägter Fürsorglichkeit beschreibt. Mit Marx ist sie schon deutlich gröber. Und ein Kompliment bekommt die Autorin von mir für ihre Darstellung ihrer Frauengestalten wie Emma Darwin oder Lenchen, das Hausmädchen von Marx. Beides sind starke Frauen, die sich verantwortungsvoll und liebevoll ihrer Aufgabe widmen, ohne sich in den berühmten Männern zu verlieren. Der Hauptteil des Buches besteht einerseits aus den sehr informativen Erlebnisse und Lebenserfahrungen der beiden Männer, aber auch aus philosophischen, gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Gesprächen und Gedanken. Wobei ein Thema immer größeren Raum einnimmt, nämlich die Frage, ob es Gott, den Glauben und die Religion gibt oder nicht. Was beide Männer in ihren Werken verneinen, ihre Umgebung aber erzürnt oder sogar verzweifeln lässt, wie Emma oder Lenchen. Wie die Autorin mit dieser Frage umgeht, ist mein einziger Kritikpunkt an ihrem Buch.Der Konflikt zwischen Kirche und Wissenschaft mag im 19.Jahrhundert ein drängendes Problem gewesen sein, heute aber nicht. Und da sich die Autorin zu diesem Thema auch zu sehr in Details vertieft, machen manche Seiten Mühe sie konzentriert zu lesen. Die Sprache der Autorin ist klar, aber auch ein wenig beeinflusst vom Schreibstil des 19. Jahrhunderts. Gottseidank hat sie es vermieden, die blumenreiche Attitüden des damaligen Sprachstils zu übernehmen. So konnte der Leser eine moderne, klare mit ein bisschen 19. Jahrhundert durchsetzten Schreibstil genießen. Das machte Spaß zu lesen. Ich möchte dieses Buch gerne weiter an alle Leser, die ein Interesse an historischen Gestalten und gute Bücher lieben, empfehlen. Es lohnt sich. Die Autorin erhält von mir 4,5 von 5 Sternen.
Dr. Beckett
von Ilmo - 10.08.2017
Doktor Beckett und seine berühmten Patienten , auch so hätte der Titel dieses sehr amüsanten Romans über das fiktive Treffen dieser beiden auf so unterschiedlichen Gebieten der Wissenschaft Tätigen auch heißen können. Denn er nimmt mit der Behandlung dieser beiden sehr hypochondrisch veranlagten alten Männer, die auch sonst noch eine Menge Gemeinsamkeiten aufweisen, einen breiten Raum im Geschehen ein und führt in gewisser Weise auch zu dem (nur denkbaren) Zusammentreffen in Darwins Wohnung und wohl auch der Anwesenheit bei seiner Beisetzung. Die Handlung ist nicht sehr bemerkenswert. Darwin führt seine Forschungen über die Sinnesorgane der Regenwürmer durch, die für ihn sehr bedeutsam sind und einen großen Raum in seinem Alltag einnehmen. Auch sonst hört man viele Einzelheiten zu seinem berühmten Lebenswerk. Marx wird als unzufriedener knötternder alter Mann dargestellt. Genossen habe ich die Sprache der Autorin, die es geschafft hat, das Leben beider und ihr Verhalten im Alter in einer ironischen Weise darzustellen, die für mich sehr amüsant zu lesen war.
nichts für mich
von Anonym - 24.08.2017
Seit dem ich vorablesen kenne, lese ich viele Bücher über mein Genre hinweg und bin somit das ein oder andere mal wirklich hin und hergerissen und auch enttäuscht... Das muss aber nicht unbedingt an den Büchern liegen, sondern des Öfteren wirklich an meinem Lesegeschmack... Auch hier blieb ich etwas verwirrt und enttäuscht zurück, da ich etwas vollkommen anderes erwartet hatte... Als Leser macht man sich ja vorab Gedanken, um was es sich bei dem Zwiegespräch zwischen Marx und Darwin handeln könnte und da kommen einige Gedanken in Bezug auf Themen...Doch irgendwie kam alles anders als erwartet... Meiner Meinung nach taucht Darwin viel zu sehr auf und Marx hält sich doch arg im Hintergrund... Den Titel des Buches und die Inhaltsangabe finde ich nach dem Lesen des Buches wirklich unpassend.
Zwei große, bedeutende Männer
von Herbstrose - 01.08.2017
Kent, "Down House", Frühjahr 1881. Wieder einmal erwacht Charles Darwin schweißgebadet. Alpträume stören seinen Schlaf, sein schlechtes Gewissen plagt ihn, seit er die Gesetze der Evolution entdeckt und somit den Glauben an den Schöpfer verloren hat. Er ist jetzt 72 Jahre alt und fürchtet, nach seinem Ableben als "Gottesmörder" in die Geschichtsbücher einzugehen. Die Folgen davon sind chronische Migräne, ausgeprägte Übelkeit und unerträgliche Flatulenzen, die auch die regelmäßigen Besuche seines Arztes Doktor Beckett nur unzureichend lindern können. So widmet er sich nächtelang seinem Experiment zur Erforschung des Regenwurms - seiner Frau Emma wäre es lieber, er würde sich wieder Gott zuwenden. Etwa 20 Meilen entfernt, in London, Maitland Park Road, leidet ein anderer Mann, Karl Marx. Der staatenlose Immigrant aus Deutschland hadert mit seinem Schicksal. Die Arbeit am 2. Band von "Das Kapital" geht nur schleppend voran, seine finanzielle Lage ist beschämend, die Revolution will und will nicht kommen, das Wetter in England ist ihm zu nass und zu kalt, und jetzt ist er auch noch ernsthaft krank. Der 63jährige liegt mit schwerer fiebriger Bronchitis danieder, sein gut betuchter Freund Friedrich Engels schickt ihm Doktor Beckett. Der Arzt ist fasziniert von seinen beiden Patienten, dem Juden und Rabbiner-Enkel Marx und dem ehemaligen Theologie-Studenten Darwin, von ihren Theorien und Denkweisen. Es bleibt nicht aus, dass er bei dem einen über den anderen spricht und dabei feststellt, dass sie mehr Gemeinsamkeiten haben, als sie sich eingestehen wollen. Bei einem abendlichen Dinner kommt es zum Treffen, das mit einem Eklat endet ¿ Die Autorin Ilona Jerger hat Politologie und Germanistik studiert, war von 2001 bis 2011 Chefredakteurin der Zeitschrift "natur" und lebt als freie Journalistin und Autorin in München. Dem Roman "Und Marx stand still in Darwins Garten" liegt eine intensive Recherche vor Ort zugrunde, Darwins Briefe und der Briefwechsel zwischen Marx und Engels wurden ebenfalls hinzu gezogen. Historische Fakten wurden nicht verändert, allerdings sind sich Darwin und Marx nie begegnet und Doktor Beckett gab es nicht. Tatsächlich hat Marx jedoch an Darwin ein Exemplar von "Das Kapital" mit einer sehr wertschätzenden Widmung geschickt, für welches sich Darwin seinerseits mit einem höflichen Brief bedankte. Das Buch steht heute noch in Darwins Arbeitszimmer in "Down House", das sich im Besitz von "English Heritage" befindet und der Öffentlichkeit zugänglich ist. Ein informativer Roman, in dem die Autorin ihre Erzählkunst mit wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Erkenntnissen verbindet und das Portrait zweier bedeutender Männer des 19. Jahrhunderts zeichnet. Ihr Schreibstil ist klar und flüssig, gut und schnell lesbar, und von beeindruckender Präzision. Der Leser erfährt Einzelheiten aus Darwins jungen Jahren, über seine gefahrvollen, abenteuerlichen Reisen, bei denen er Erdbeben, Vulkanausbrüche und Tsunamis erlebte, und erhält Einblick in seine vielfältigen Forschungen. Dass Karl Marx aus einer Rabbinerfamilie aus Trier stammt ist ebenso interessant zu lesen wie, dass bei seiner Beerdigung Engels die Grabrede hielt und Wilhelm Liebknecht einen Kranz mit roter Schleife nieder legte. Fazit: Ein humorvolles Portrait zweier großer Männer - für den interessierten Leser ein Gewinn.
Zwei Große ihrer Zeit
von Fornika - 05.11.2017
Charles Darwin hat Jahre nach seiner Entdeckungsreise mit der Beagle das Forschen noch lange nicht aufgegeben. Aktuell befasst er sich mit den hilfreichen Regenwürmern in seinem Garten. Doch der Forscherdrang wird durch kleine und große Wehwehchen ausgebremst; man wird ja schließlich nicht jünger. Ein Doktor soll Abhilfe schaffen. Der hat in näherer Umgebung noch einen anderen großen Kopf zum Patienten und zwar niemand geringeren als Karl Marx. Wäre doch zu schön, wenn die beiden aufeinander träfen? Ilona Jerger lässt in ihrem ersten Roman der Fantasie freien Lauf. Marx und Darwin wohnten zwar zeitweilig nur wenige Meilen auseinander, kannten sich aber nicht. Die Autorin lässt sich Zeit beide ausführlich vorzustellen, insgesamt liegt der Fokus aber auf Darwin. Der kommt auch wesentlich sympathischer rüber und ich habe ihn gerne bei seinen kleinen Experimenten im eigenen Garten begleitet. Was mich nicht begeistern konnte, war die ständige Litanei über seine Gebrechen. In aller Ausführlichkeit erfahren wir von jedem Haar, das ihm krumm liegt und welche Pillchen und Säftchen er dagegen nimmt. Interessant geht definitiv anders. Auch von Marx erfahren wir hauptsächlich die Krankengeschichte, sein Leben und Wirken wird nur kurz angerissen. Die Grundidee (Marx trifft Darwin) ist sehr ansprechend, leider verliert die Autorin dieses Ziel vor lauter Wehwehchen zeitweilig völlig aus den Augen. Das große Treffen war dann entsprechend erstens zu kurz und zweitens (weil stark konstruiert) enttäuschend. Der Schreibstil hat mir gut gefallen und kommt forschergerecht manchmal etwas schrullig, dann wieder sehr klar rüber. Die z.T. kurzen Sätze sind wahrscheinlich Geschmackssache, ich fand sie durchaus passend. Insgesamt eine gute Idee, die mich in der Ausführung dann leider doch enttäuscht hat.
Zwischen Evolution und Revolution - Ein Disput kam leider nicht zustande
von Hennie - 11.08.2017
Und Marx stand still in Darwins Garten - Was ist das für eine wunderbare Idee, die beiden Heroen aufeinandertreffen zu lassen? Theoretisch wäre das möglich gewesen! Karl Marx (1818 - 1883) und Charles Darwin (1809 - 1882) waren Zeitgenossen. Und sie lebten in London keine zwanzig Meilen (ca. 32 km) voneinander entfernt. Da ist es umso erstaunlicher, dass sie sich nie trafen, um miteinander zu diskutieren. "Wie Darwin das Entwicklungsgesetz der organischen Natur, so entdeckte Marx das Entwicklungsgesetz der menschlichen Geschichte..." (S. 260 - Marx engster Freund Friedrich Engels in der Grabrede für ihn) Die Autorin Ilona Jerger stellt in ihrem Buch das Jahr 1881 in den Mittelpunkt und beginnt ihre Geschichte mit Darwin. Das Bindeglied zwischen den beiden großen Wissenschaftlern ist der Arzt Dr. Beckett, eine fiktive, ebenfalls nicht an Gott glaubende Person. Durch ihn wird der Leser sehr eingehend mit den unzähligen Beschwerden der beiden Männer vertraut gemacht. Die Autorin verliert sich hier meiner Meinung nach zu sehr in den Beschreibungen ihrer diversen tatsächlichen und eingebildeten Krankheiten. Die Geschichte las sich gut, aber ich habe den Zeilen über Marx angemerkt, dass Ilona Jergers Sympathie mehr Charles Darwin galt. Wenn man in dem kleinen Heftchen, dass dem Roman beiliegt, das Interview durchliest, wird ihre etwas distanzierte Haltung zu Marx deutlich. Der Mohr, wie er von allen, die ihn mochten genannt wurde, kommt bei ihr nicht so gut weg. In dem 262 Seiten umfassendem Buch nimmt eindeutig der Bericht über Darwin den größeren Raum ein. Selbst der Disput zwischen den beiden Größen findet nicht statt. Die Tischgespräche fand ich nicht erwähnenswert, irgendwie unwürdig. Es wurde nicht diskutiert, auch nicht über Marx Credo: "Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt." Nur ein stiller, gemeinsamer Spaziergang erfolgt in Darwins Garten, der schließlich in dem titelgebenden Satz mündet: " Und Marx stand still in Darwins Garten". Da wäre eventuell mehr drin gewesen. Bei allen Gemeinsamkeiten, die Darwin und Marx dennoch hatten, darf nicht vergessen werden, wie extrem unterschiedlich die Lebensumstände der beiden großartigen Männer waren. In epischer Breite und in den schönsten Worten erzählt die Autorin über Darwin und seine Frau Emma. Sie war seine Cousine, eine geborene Wedgwood. Durch die gemeinsamen Großeltern Wedgewood waren sie verbunden mit der Porzellanmanufaktur Wedgewood, die auch heute noch existent ist. Die Familie verfügte daher über ausreichend Kapital, wobei Marx darüber nur schrieb. Mit seiner Frau Jenny, der Haushälterin Helene und den Kindern lebte er in ständiger Geldnot und in Armut. Es ist der Debütroman von Ilona Jerger. Ihren Schreibstil finde ich sehr unterhaltsam. Ihre Sätze haben Ausdruckskraft und vermitteln eine schöne Athmosphäre. Vor allem in den Rückblenden zu Darwins Forschungsreisen, in seinen Naturbeobachtungen, bei seinen Versuchen mit Regenwurm und Co. entwickelt sie eine besondere Stärke in der Formulierung: z. B. Er hatte die Urgewalten gespürt, wenn die Erdkruste sich umbaut, Bruchkanten sich öffnen, Erdschichten aufplatzen, Spannungen in den Eingeweiden des Planeten sich entladen... Wenn auch Marx bei der Autorin zu kurz kommt, ich möchte an der Stelle daran erinnern, dass es 2017 gilt ein Jubiläum zu feiern: Marx Hauptwerk Das Kapital wird 150 Jahre alt. Insgesamt gesehen gelingt Ilona Jerger ein lesenswertes Buch, das mich immerhin dazu gebracht hat, mich wieder einmal eingehender mit den beiden Berühmtheiten zu befassen. Von mir gibt es eine Lese-/Kaufempfehlung und vier von fünf Sternen!
Marx und Darwin treffen aufeinander
von Jennifer Hempel - 21.07.2017
Ilona Jerger hat ein Experiment gewagt. Wie einst Daniel Kehlmann hat sie in einem Roman zwei Geistesgrößen aufeinandertreffen lassen, die sich im echten Leben nie begegnet sind. Der Evolutionsbiologe Charles Darwin und der Ökonom Karl Marx sind bereits hochbetagt, als sie sich eines Abends im Hause Darwin kennenlernen. Beide sind sie ausgesprochene Sturschädel und mit Leib und Seele Wissenschaftler. Ihre Marotten machten die beiden alten Herren sympathisch. Mehr noch, auch der Nicht-Natur- oder Wirtschaftswissenschaftler beginnt sich für die Theorien und Erkenntnisse der Protagonisten zu interessieren. In ihrer 288-seitigen Erzählung gelingt es der Autorin, den Leser in die Lebens- und Arbeitswelt der beiden Geistesgrößen des 19. Jh.s eintauchen zu lassen. Dabei macht es keinen Unterschied, ob man nun Darwin bei der Erforschung des Regenwurms über die Schulter schaut oder Marx im maladen Zustand antrifft, denn so kommt man den Menschen hinter den Wissenschaftlern näher. In diesem Zusammenhang fand ich es ausgesprochen spannend, dass die Autorin mit Thomas Beckett eine dritte wichtige Person - den Leibarzt beider Wissenschaftler - geschaffen hat, die als verbindendes Moment auftrat und die neben medizinischen Diagnosen auch die zeitkritische wie zeithistorische Einordung von Marx und Darwins Forschungen durchführte. Sprachlich hat sich Jerger mit der Sprache des 19. Jh.s arrangiert, was wohl vor allem ihrem intensiven Quellenstudium (größtenteils erhaltene Briefe) geschuldet sein dürfte. Einzig die manches Mal etwas weitschweifigen Natur- und Krankheitsbeschreibungen ließen den Plot dann und wann auf der Stelle treten. Hier hätte ich mir eine stringentere Erzählung mit höherem Dialoganteil gewünscht. FAZIT Ein spannender, weil zeit- und forschungsgeschichtlich interessanter Roman, der sich angenehm lesen ließ und Lust auf vertiefende Studien zu Darwin und Marx macht.
Nicht das erhoffter Zwiegespräch
von elafisch - 07.08.2017
Inhalt: Es ist 1881, Darwin und Marx befinden sich beide in ihrem Lebensabend und haben mit Krankheiten und körperlichen Gebrechen zu kämpfen. Ihr gemeinsamer Arzt D. Beckett stellt durchaus Parallelen in beider Leben und Wirken fest und ist sehr interessiert an der Meinung des einen über den anderen. Schlussendlich kommt es sogar zu einem Treffen der beiden. Meinung: Ich hatte mir viel von einem Zwiegespräch zwischen Marx und Darwin versprochen, das Gemeinsamkeiten und Gegensätze offenbart. Dieses Treffen nimmt im Buch allerdings nur wenige Seiten ein, das empfand ich als etwas enttäuschend. So gesehen ist der Titel des Buches nicht sehr geschickt gewählt. Hauptsächlich dreht sich das Buch um Darwin, Marx trat aus meiner Sicht nur recht selten in Erscheinung, auch hier hätte ich mir ein etwas ausgewogeneres Verhältnis gewünscht. Sehr gefallen hat mir wiederum, dass dieses Buch dem Leser Marx und Darwin als Menschen, mit ihren Gedanken, Gefühlen und Zweifeln in ihrem Lebensabend näher gebracht hat. Auch ihre Persönlichkeiten und familiären Hintergründe werden deutlich. Die Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Arbeit werden erwähnt, stehen aber eher im Hintergrund. Das tägliche Leben, auch inklusive Forschung, die Familie und Freunde, stehen eher im Mittelpunkt. Durch den fiktiven Dr. Beckett, der den Ursprung von Krankheiten in den Lebensumständen vermutet, bekommt man einen besonderen Einblick in das Leben der beiden. Dieses Stilmittel hat mir gut gefallen. Die an die Zeit des Buches angepasste Sprache, schafft eine schöne Authentizität, lässt sich aber nicht ganz so schnell lesen. Ich habe deutlich länger gebraucht dieses Buch zu lesen, als sonst bei Büchern vergleichbarer Länge. Fazit: Interessantes Buch, wenn man die Menschen Marx und Darwin, in ihrem Lebensabend kennenlernen möchte. Wen vor allem das Aufeinandertreffen der beiden interessiert wird eher enttäuscht.
Großartiges Szenario
von valid_username - 15.09.2017
Handlung: Der berühmte Evolutionär, Charles Darwin und der große Revolutionär Karl Marx leben nur wenige Meilen voneinander entfernt. Darwin, der "Gottesmörder", ist inzwischen etwas in die Jahre gekommen und auch gesundheitlich angeschlagen. Zudem bereitet ihm die Angst seiner Frau Kopfzerbrechen, die befürchtet Darwin hätte durch seinen Unglauben deren gemeinsames ewiges Leben verwirkt. Auch Marx ist nicht mehr der Jüngste und auch er hat gesundheitliche Probleme. Hinzu kommt dass der deutsche Exilant nicht nur in finanziellen Schwierigkeiten steckt, sondern dass Marx aufgrund einer andauernden Schreibblockade auch mit der Veröffentlichung seines neuen Buches, "Das Kapital II" nicht weiter vorankommt. Die beiden großen Denker lernen sich schließlich bei einem Dinner zum ersten Mal persönlich kennen. Dort kochen die Gemüter über und es kommt zum Streit. Nichts desto trotz müssen die beiden feststellen, dass sie mehr gemeinsam haben, als nur den behandelten Arzt. Persönliche Meinung: Es fällt sofort auf, dass die Autorin im Vorfeld weitreichende Recherchen über die beiden Protagonisten, Darwin und Marx, getätigt hat. Anfänglich wurde ich etwas überrascht von der detaillierten und ausführlichen Art auf Darwins Forschung einzugehen, doch hierdurch wird das Verständnis für den Charakter nur gestärkt. Die im Allgemeinen sehr detaillierten Beschreibungen helfen dem Leser sich mit der Zeit sehr gut die Wesen der Protagonisten zu erfassen. Weiter gefällt mir der Schreibstil außerordentlich gut. Er wirkt etwas gehoben und ist der Situation (große Denker philosophieren über Gott und die Welt) sowie der Zeit (1881) hervorragend angepasst. Trotz der teilweise recht melancholischen Stimmung sind auch einige amüsante Passagen enthalten, die mich hin und wieder zum Schmunzeln brachten. Am Ende verweist die Autorin darauf, was an diesem Roman der Wirklichkeit entspricht und was lediglich Fiktion ist. Hierdurch wird das Buch schön abgerundet und der Leser kann nun gut einschätzen, wie er die beiden Charaktere einzuordnen hat. Fazit: Hierbei handelt es sich um ein interessantes Szenario, welches auch durchaus so ähnlich stattgefunden haben könnte. Aufgrund der guten Hintergrundinformationen bietet dieser Roman eine gute erste Annäherung an die Personen Darwin und Marx. Das Treffen, welches komplett fiktiv ist und so nie stattgefunden hat, war für meinen Geschmack etwas zu kurzweilig und ich hätte mir davon mehr Erhofft. Für Leser, die sich von teils ausführlichen, wissenschaftlichen Beschreibungen und philosophischen Diskussionen nicht abschrecken lassen oder sich sogar dafür begeistern können kann ich dieses Buch auf alle Fälle klar Empfehlen.
Marx und Darwin: Wozu Gott?
von von Beust - 12.08.2017
Ilona Jerger ist es gelungen, uns hinter Darwins Stirn blicken zu lassen und Marx husten zu hören - in einem feinsinnigen, humorvollen und hintergründigen Roman über zwei Ikonen der Geisteswelt des 19. Jahrhunderts. Darwin und Marx waren zwei wirkungsmächtige Denker und stehen am Anfang einer wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung der Moderne. Und sie lebten zur gleichen Zeit nur wenige Kilometer entfernt in London und wussten vom jeweils anderen. "Und Marx stand still in Darwins Garten" ist zwar erst eine Szene der Seite 191, doch man sehnt sich ihr vom ersten Moment entgegen. Es ist vor allem Darwin, den der Roman begleitet. Der Naturforscher ist alt, seine Gebrechen sind zahlreich, und der Tod kündigt seine baldige Visite an. Doch der rastlose Forscher kann nichts außer arbeiten, beobachten, dokumentieren und experimentieren: So viel zu tun, so viel zu entdecken und so wenig Zeit! Darwins letztes Jahr legt sein Wesen in Dialogen mit seiner Frau Emma dar, in Darwins Begegnungen mit seinen Bediensteten und vor allem mit seinem Arzt Dr. Beckett. Diese Figur ist - als gebildeter und aufgeklärter Geist - womöglich mehr als nur das Bindeglied zwischen Darwin und Marx; vielleicht geben seine Gedankengänge, Vergleiche und Schlussfolgerungen auch die Persönlichkeit der Autorin wieder. Wenn Darwin im Gespräch mit Beckett die Erkenntnisse aufschlüsselt, die ihm die Rankenfüßer über die Evolution und die Entstehung der Arten entdeckten, dann zeigt sich die Stärke Jergers, die komplexen Theoreme Darwins in romantaugliche Dialoge zu gießen. Und wenn Beckett seinerseits die darwinsche Methode des exakten wissenschaftlichen Vergleichs von Ähnlichkeiten und Unterschieden auf die Werke Darwins und Marx` anwendet, sie auf die Gemeinsamkeiten bringt, dann erschließt sich die thematische Auswahl des Romanthemas fast zwingend: Natürlich - so denkt man beim Lesen - muss man sich ein Zusammentreffen der beiden Geistesgrößen vorstellen! Man will es! Eine der Gemeinsamkeiten ist zugleich ein Urthema des Menschen, die Gretchenfrage schlechthin: Wie halten sie¿s mit Gott? Darwin und Marx galten beide als Gottesmörder: Die Evolution machte einen Schöpfer überflüssig; Marx` Kommunismus stempelte die Religion zum Opium fürs Volk. Die denkwürdige Tischgesellschaft, zu der Marx und Darwin aufeinandertreffen, umkreist den Atheismus, doch packt sie ihn nicht. Oder um es mit dem Augenzwinkern Darwins zu sagen: "Die einen konnten schlecht Englisch. Die anderen schlecht Deutsch. Schließlich ist unser Priester vom Stuhl gekippt." (S. 210) Darwins Charakter, seine Eigenheiten, seine Dünkel und sein Humor sind liebevoll und feinsinnig gezeichnet. Die Persönlichkeit hinter der historischen Figur wird in ihrer Abgeklärtheit und Weisheit zum großen Sympathieträger des Romans, in dem lediglich der Exkurs ins Chile des Jahres 1835, als Darwin mit der Beagle einem Vulkanausbruch beiwohnt, etwas störend wirkt. Die anderen Sympathieträger sind die Rankenfüßer, die Bohnenpflanzen und vor allem die Regenwürmer, die in Darwins kindlichem Forscherdrang zu possierlichen Wegbereitern großer Ideen wachsen. Stilsicher und humorvoll ist dieser Roman gelungen. Die Schwere der Werke der beiden vermeintlich monumentalen Säulenheiligen wird in leichten Szenen, instruktiven Gedanken und lesenswerten Dialogen aufgelöst.
Fiktiv und faszinierend gut
von heinoko - 03.08.2017
Zwei geniale Geister, Charles Darwin und Karl Marx, exzentrisch, krank, enttäuscht, sind sich im wirklichen Leben nie begegnet, wenngleich sie voneinander wussten. Die Autorin erzählt in ihrem Buch, wie sich in einem fiktiven Geschehen zwei Weltveränderer gegen Ende ihres Lebens einander annähern, durch den gemeinsamen Hausarzt Dr. Beckett assistiert. In diesen zwei Sätzen lässt sich der Buchinhalt wiedergeben, und dennoch findet sich in Wirklichkeit eine ganze Welt zwischen zwei Buchdeckeln. In einer überaus geglückten Mischung aus Roman und Sachbuch erlebe ich unglaublich intensiv und nah zwei Geistesgrößen in ihrer jeweils doch sehr besonderen, geradezu verschrobenen Art und Weise. Das Buch hätte auch ganz anders werden können. Dröge. Langatmig, in Wörter zwangsgepresstes Wissen. Aber ganz im Gegenteil: es fasziniert vom ersten Satz an. Bereits nach ca. 20 Seiten hatte ich so viel über Regenwürmer erfahren, wie ich es mir nie hätte vorstellen können. Und, was am Wichtigsten ist: Ich habe mich keine Sekunde gelangweilt. Ich sehe nicht nur die Welt der Regenwürmer lebendig vor mir, sondern auch den Menschen Darwin, den gleichermaßen gequälten und genialen Geist. Weniger lebendig wurde mir die Person Karl Marx. Vielleicht spürt man als Leser, dass die Autorin, wie sie selbst angibt, eher ein intellektuelles Vergnügen beim Schreiben über Marx erlebte, bei Darwin jedoch eine große menschliche Nähe verspürte. Es gelingt der Autorin, die ganz großen Fragen der Menschheit in ganz kleine Details, farbig erzählt, zu verpacken und sie so zu Herzen gehen zu lassen. Ein Meisterwerk!
Darwin und Marx als spannende Charaktere
von Loasamol - 10.08.2017
Ich glaube, dass gut geschriebene und recherchierte Romane für uns eine Lücke schließen können zwischen dem, was wir aus Geschichtsbüchern über historische Figuren erfahren und wie wir sie in ihrem Alltag agiert, gedacht und gefühlt haben. Der Roman von Ilona Jerger ist dafür ein tolles Beispiel. Da ist zuerst ihre Liebe zu den ausgewählten Details, bei denen ich mich als Leser immer wieder gefragt habe, ob die jetzt jeweils erfunden oder nachempfunden sind. Für mich liegt darin ein ganz besonderer Reiz des Textes und macht mich neugierig, mich weiter mit den beiden als historische Figuren zu beschäftigen. Dann ist da der auf Quellen bauende Umgang mit Sprache, aus der sich nicht nur immer wieder ein feiner Humor entwickelt, sondern die für mich überzeugend zu den dargestellten historischen und fiktiven Personen passt. Abgesehen davon, dass ich viele neue Einzelheiten über Darwin und Marx erfahren habe, war ich besonders berührt, wie auch Eitelkeit für beide Ikonen eine Triebfeder ihres Schaffens war. Wenn Darwin eine Neuerscheinung aus seinem Postsack holt und beide Ikonen einander neugierig beäugen, ob der andere denn ihre Arbeit verfolgt - dann kommen wir beiden schon sehr nahe.
Zwei Geistesgrößen
von Bibliomarie - 23.07.2017
Zwei Männer, deren Werke das Denken unserer Zeit maßgeblich beeinflusst haben - Charles Darwin und Karl Marx. Sie waren Zeitgenossen, haben sich zwar nie getroffen, scheinen aber jeweils das Werk des Anderen gekannt und geschätzt zu haben. Der Autorin Elena Jerger ist gelungen mit der Kunstfigur des Arztes Dr. Beckett eine Verbindung zwischen den beiden Geistesgrößen zu knüpfen. Beide Männer sind am Ende ihres Lebens angekommen und immer mehr machen ihnen Krankheiten - erstaunlicherweise sehr ähnliche - zu schaffen. Dazu kommt auch immer das Gefühl, noch nicht alles erreicht zu haben, ein unvollendetes Werk zurückzulassen und auch manchmal Zweifel am Erreichten und an ihren Erkenntnissen. Ich finde die Idee der Autorin genial, beide Männer quasi ein Zwiegespräch mit Dr. Beckett als Mittler führen zu lassen. Obwohl sie wenig gemeinsam hatten, verbindet sie die Wahrheitssuche, oft verbunden mit einem schmerzhaften Bruch der Konventionen. Besonders nahe kommt mir das Buch durch die Aktualität. Wie zu Beginn der Erkenntnisse Darwins wird heute wieder seine Abstammungslehre diskutiert und von fundamentalistischen Gruppierungen und Regimes geleugnet. Der Roman ist eine faszinierende Mischung aus Literatur, Sachbuch und Lebensbeschreibung, fesselnd geschrieben, mit vielen kleinen Einschüben, die die Exzentrik der beiden Protagonisten ins Blickfeld rücken. Unterhaltsam, amüsant - eine stilvolle Erzählweise, die man sonst fast nur bei englischen Autoren vermutet. Für mich ist das Buch eine echte Entdeckung und ein Lesehöhepunkt.
Stiller Stillstand
von skaramel - 16.10.2017
Man stelle sich vor - zwei bedeutende Denker hätten die Möglichkeit sich an einen Tisch setzen und über ihre Theorien zu plaudern. Genau das hat Ilona Jerger in ihrem Buch "Und Marx stand still in Darwins Garten" möglich gemacht. Sie hat die beiden Männer im Jahr 1881 an denselben Ort gebracht, London. Beide gebeutelt durchs Leben und durch Krankheit, haben sie den gemeinsamen Arzt Dr. Beckett, der immer wieder mit dem Gedanken spielt die zeternden, alten Herren in einen Raum zu kriegen. Wirklich getroffen haben sich die beiden nie, doch Jerger versucht in ihrem Roman eine Mischung aus Fiktion und Fakten, ein Drahtseilakt, der ihr nur stellenweise gelingt. Die Grundidee, famos - zwei bedeutsame Männer, die damals wirklich so nah beieinander wohnten, miteinander zu verbinden, ihnen Raum zu geben und sich unterhalten zu lassen. Doch ist der Weg bis zu dem wirklichen Aufeinandertreffen eine schier endlose Einleitung. Seite um Seite vergeht, Darwin hadert, Marx zetert. Wirklich Neues erfährt man nicht. Man bekommt einen guten Einblick in die Leben der Beiden, in deren Sinnkrisen und deren Werke - aber auch nur oberflächlich. Das Treffen, auf das nach rund Hälfte des Buches nicht nur Doktor Beckett hin fiebert, verläuft hingegen fad. Zu kurz ist der Moment, in dem sich die brillanten Denker gegenüber stehen und noch kürzer der Moment, in dem sie sich wirklich unterhalten. Die Szene, in die beiden unter vier Augen Gedanken austauschen, schon durch Leseproben, Einleitungen und Kurzzusammenfassungen bekannt. Was das beim Leser auslöst? Vor allem Ernüchterung. Trotzdem kann Ilona Jerger schreiben. Die Sätze sind leicht, schnell zu lesen, trotz der vermeintlichen Schwere des Inhaltes. Doch auch dieser Umstand hilft nicht über die Schwächen des Buches hinweg, denn wie man es dreht und wie man es wendet - die Erwartungshaltung war eine andere. Es ist viel mehr ein. Es ist viel mehr der Dialog Darwins und Marx` mit ihrem Arzt, als miteinander. Jerger hat viel mehr die beiden Genies als Romanfiguren erweckt, durch Briefe und Tagebücher eine Geschichte um sie herum konstruiert, leider hat sie dabei vergessen die Verbindungen zu knüpfen, zu stärken und ein bisschen mehr Spannung unterzumischen. So bleibt am Ende ein guter Roman, mit Abstrichen. Ein Roman, der durch seinen wunderbaren Schreibstil überzeugt, aber durch die gelenkte Erwartungshaltung des Lesers den einen oder anderen verwirren, linken oder enttäuschen wird.
Das Treffen der Gottlosen
von Murksy - 12.08.2017
Charles Darwin und Karl Marx lebten beide in London, trotzdem fand dieses fiktive Treffen nie statt. Trotzdem geling es der Autorin in wunderbarer Weise die Möglichkeit zum Leben zu erwecken. Der gemeinsame Hausarzt (ebenfalls fiktiv) ist von beiden Männern fasziniert. Selber ungläubig, erfreut er sich an den Forschungen des einen und an den Ausführungen des anderen. Die großen Männer sind in die Jahre gekommen, sind immer noch voller Tatendrang, wenn auch so langsam ein Ende des Schaffens in Sicht kommt. Herrlich, wie die Autorin den Fanatismus in Bezug auf die Studien Darwins darstellt. Akribisch beschäftigt sich der Forscher mit den kleinsten Lebewesen und erkennt immer mehr die Präzision der Evolution. Ein Punkt, den wiederum die Kirche als göttliche Allmacht darstellt. Und sogar Darwin hadert mit seinem Unglauben. Im Gegensatz zu Marx, der sogar beim späteren Trauergottesdienst für Darwin seinem Unmut freien Lauf lässt. Diese im Tiefsten gegensätzliche Herangehensweise an die Gott-Frage führt im Roman auch dazu, dass das legendäre Treffen, welches eher zufällig bei einem Dinner stattfindet, in einem Fiasko endet. Die Stimmung geht gegen Null. Unterschiedlichste Glaubenswege treffen aufeinander. Was bleibt, ist die gegenseitige Bewunderung und der Respekt vor den Leistungen des Gegenübers. Im Buch gelingt es der Autorin vortrefflich, die Fiktion zum Leben zu erwecken. So lebhaft und authentisch sind die Figuren und Szenen beschrieben, dass man als Leser glauben mag, dass es genauso hätte sein können. Zwei großartige Männer auf dem Höhepunkt ihres Schaffens, gleichzeitig bewundert und verachtet, finden aber letztendlich auch nicht die Antwort auf die große Frage. Und der Leser darf mit den Eigenheiten der Protagonisten schmunzeln und findet jede Menge Diskussionsstoff für die eine oder andere Tasse Tee. Ein großartiger, liebvoller Roman.
toll!!
von Engel - 29.07.2017
...ich fand die Experimente und Beschreibungen, auch die Krankengeschichten, ganz wunderbar. Ich hätte sogar noch mehr davon gewünscht. Noch nie vorher habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie Wurzelspitzen es schaffen, so zu wachsen, dass die Pflanze immer aufrecht steht, egal wie schräg der Hang ist. Auf diese Weise versteht man die Helden und ihre Arbeit sehr gut. Man kommt ihnen unglaublich nahe. Ich bin begeistert. Vor allem aber war mir vorher nicht klar, dass Darwin und Marx zeitgleich gelebt hatten. Dass Marx, dessen Familie jüdisch war und viele Rabbiner aufwies, und er selbst sozusagen der moderne Moses ist, der den Menschen das Paradies auf Erden verkündet, hat mich schwer beeindruckt. Das vielleicht schönste an dem Buch: Es ist voller Humor.
Zwei Persönlichkeiten der Gesichte, zwei Ansichten der gleichen Medallie
von rabenei - 12.09.2017
Das Schema ist seit einiger Zeit in der Literatur bekannt. Zwei große Persönlichkeiten der Geschichte treffen in einer fiktiven Geschichte aufeinander. Während dieser Geschichte erhält der Leser immer tiefere Einblicke in das Leben und Wirken dieser Personen. In diesem Roman handelt es sich um Marx und Darwin. In Wirklichkeit haben die Beiden sich nie getroffen und sie verbindet lediglich eine einzige Gemeinsamkeit: sie lebten zur gleichen Zeit und hätten sich theoretisch also wirklich begegnen können. Auf humorvolle und kurzweilige Weise lernt man als Leser so einiges über zwei herausragende Persönlichkeiten unserer Vergangenheit. Man lernt ihre Eigenarten lieben, setzt sich mit ihren Ansichten auseinander und kommt ihnen so immer näher. Ein großartiger Roman mit einem schönen Schreibstil und ein angenehmer Sprecher bei der Hörbuchfassung, bei dem man nebenbei so maches lernen kann. Sehr kreativ und ansprechend ist auch der Titel und das Cover.
Gefällt mir gut!
von lupallium - 03.09.2017
Von diesem Buch war ich von Anfang an begeistert. Der Titel alleine macht schon neugierig und das Buchcover passt hervorragend dazu. Die Farben harmonieren gut miteinander und es ist schön schlicht gestaltet. Die Kurzbeschreibung hört sich noch dazu wirklich interessant an, ein sehr guter erster Eindruck! Das Buch wird diesem Eindruck auch auf jeden Fall gerecht. Die Geschichten der beiden sind ja an sich schon sehr spannend, Evolution trifft auf Revolution. Der Gedanke, dass sie sich gekannt haben könnten ist schon faszinierend. Ich finde die Umsetzung mehr als gelungen, das Buch hat mich sehr gut unterhalten. Der Schreibstil ist angenehm zu lesen und passt zur Handlung. Man merkt, dass die Autorin sich gründlich mit dem Thema beschäftigt hat. Das Interesse der Autorin für die beiden Männer, die so prägend waren, hat mich auf jeden Fall angesteckt. Sehr empfehlenswert!
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